Börsentalk #35 - Die 5 häufigsten Fehler beim Handel von Hebelprodukten
In der 35. Folge des Börsentalks sprechen Michael B. Bußhaus und Julius Braun mit ihrem Gast Marcel Langer von J.P. Morgan über die Besonderheiten und Risiken von Hebelprodukten sowie über häufige Fehler, die beim Handel von Hebelprodukten vermieden werden können.
Besprochen werden dabei insbesondere die häufigsten Fehler in Bezug auf die verschiedenen Handelszeiten, den Limithandel und dabei insbesondere die Problematik der Stop-Buy Order sowie die Preisstellung und implizite Volatilität der Produkte.
Wer die Tipps aus dem Podcast beherzigt, wird die Vor- und Nachteile und damit auch die Risiken von Hebelprodukten besser einschätzen können.
Eine Ausführliche Beschreibung der Tipps aus dem Podcast findest du auch in unserem Blogartikel: Hebelprodukte Ratgeber - Vermeiden Sie diese häufigen Fehler
Wenn du möchtest, dass deine Frage in einer der nächsten Folgen beantwortet wird, schicke uns eine E-Mail an: podcast(at)justtrade.com
Julius: Podcast-Folge 35. Wir haben mal wieder einen Gast dabei, einen sogenannten Wiederholungstäter. Wir haben uns gedacht, da er Gast bei uns auch auf dem Messestand auf der Invest war und als er seinen Vortrag gehalten hat, war so viel los, weil das ein so spannendes Thema war, haben wir uns gedacht: Laden wir ihn wieder ein. Insofern würde ich sagen: Grüß dich, Marcel von J.P. Morgan.
Marcel: Hallo, guten Tag, schöne Grüße. Ich freue mich, dass ich mal wieder dabei sein darf. Der zweite Podcast meines Lebens und der zweite mit euch – das kann ja eigentlich kein Zufall sein.
Marcel: Ja, und hallo Julius.
Julius: Ja, hallo. Wir beide fangen wir doch direkt mal an. Es geht ja heute um das Thema Hebelprodukte und was man da für Fehler machen kann. Marcel, mal jetzt ganz persönlich gefragt: Was hast du denn für persönliche Erfahrungen mit Hebelprodukten?
Marcel: So einige. Aber ehrlicherweise muss ich auch sagen, ich mache den Job da jetzt schon ein bisschen länger. Und das ist eigentlich ein ganz natürlicher Vorgang, dass die Compliance-Beschränkungen für Leute wie mich immer höher und immer größer werden. Das heißt, zum heutigen Tage müsste ich mir beispielsweise so gut wie jeden Basiswert genehmigen lassen.
Ich darf natürlich keine Produkte von uns kaufen, aber das versteht sich von selbst. Aber ich habe auch Haltefristen. Ich muss Produkte, die ich kaufe, mindestens X Tage halten, unabhängig davon, wie sich der Markt bewegt. Und das sind natürlich alles so Einschränkungen, die es mir, wenn man ganz ehrlich ist, mittlerweile eigentlich unmöglich machen, mich da irgendwie zu engagieren.
Ich muss auch fairerweise sagen: Ich sitze jeden Tag zehn Stunden im Büro und lasse mich von den Märkten stressen. Ob ich das da mit meinem privaten Portfolio auch noch machen muss, ist eine Frage. Ich habe es früher gemacht, hat mir auch sehr viel Spaß gemacht.
Also, ich glaube, so die größten Fehler mit Hebelprodukten – und ich glaube, mein tatsächlich größtes Waterloo in dem Bereich, das war meine Situation. Das ist aber auch schon mindestens zehn, zwölf Jahre her. Da habe ich tatsächlich innerhalb weniger Tage aus 2.000 Euro 40.000 Euro gemacht, und zwar mit Hebelprodukten.
Julius: Ja, die Story ist ja nicht zu Ende, Marcel. Da habe ich aus 2.000 Euro 40.000 Euro gemacht mit Long-Turbos auf Silber tatsächlich. Und wenn die Story hier vorbei wäre: wunderbar. War sie aber nicht.
Ich habe es dann auch geschafft, innerhalb von, glaube ich, noch weniger Tagen aus diesen 40.000 Euro 0 Euro zu machen und habe mich da fürchterlich geärgert damals. Und habe dann auch mal angefangen, mich um so Themen wie Money Management und Risikomanagement und so weiter zu kümmern.
Aber ja, das war so mein, mein, glaube ich, prägendstes Erlebnis mit Hebelprodukten, wo ich im Nachhinein vermutlich anders reagiert hätte.
Michael: Ja, ich glaube, so haben einige Anleger da so Geschichten zu erzählen.
Michael: Und Marcel, um einmal auch alle abzuholen: Kannst du uns vielleicht einmal kurz erklären, wie dann so Hebelprodukte im Allgemeinen funktionieren?
Marcel: Ja, klar. Also der Name, kann man sagen, ist da wirklich Programm. Es geht um einen Hebel. Was heißt jetzt Hebel? Hebel in Bezug auf Finanzprodukte heißt immer: Ich beziehe mich auf irgendeinen Basiswert. Es kann der DAX sein oder die Apple-Aktie oder Gold oder Euro/US-Dollar.
Und dieses Produkt, was ich da kaufe, bezieht sich auf einen Basiswert, aber mit einem Hebel. Das heißt jetzt, dieser Hebel – der Hebel heißt folgender: Wenn sich der Basiswert, sagen wir, um 1 Prozent bewegt, dann habe ich, angenommen, einen Hebel von zehn. Dann bewegt sich der Preis meines Papiers um x 10, also 10 Prozent.
Das geht – und das muss man an der Stelle auch ganz klar sagen – in beide Richtungen. Das kann natürlich dazu führen, dass ich relativ schnell relativ hohe Gewinne erziele. Es kann aber genauso dazu führen, dass ich relativ schnell sehr hohe Verluste erziele.
Und eine Sache: Als Banker fängt man ja grundsätzlich immer mit den Risiken an. Das hat man ja gelernt. Man muss sich darüber im Klaren sein: Gerade wenn wir uns über Hebelprodukte unterhalten, da gibt es eine sehr, sehr realistische Totalverlustwahrscheinlichkeit.
Es ist ja bei Finanzanlagen eigentlich fast immer so, dass damit ein Hinweis gibt: Sie können das eingesetzte Kapital verlieren. Bei Hebelprodukten ist dieser Hinweis sehr greifbar und es passiert jeden Tag.
Also man muss sich darüber im Klaren sein: Dieser Hebel wirkt in beide Richtungen. Kann sehr attraktiv sein, kann aber auch dazu führen, dass ich sehr schnell sehr viel Verluste mache.
Ich kann Hebelprodukte im Grunde in zwei verschiedenen Szenarien benutzen. Zum einen kann ich sie benutzen, wenn ich eine Meinung zu einem Basiswert habe, also einen Directional Trade. Ich glaube, der Basiswert XY steigt oder fällt. Dann kaufe ich dafür ein Hebelprodukt und bilde eben diese erwartete Performance gehebelt nach.
Die zweite Möglichkeit, die meistens immer etwas stiefmütterlich behandelt wird, ist die Fähigkeit dieser Produkte: Ich kann auch ein Portfolio absichern. Also ich habe ein DAX-ETF-Portfolio oder ein Nasdaq-ETF-Portfolio oder was auch immer und ich traue dem Braten im Markt nicht so ganz, möchte aber aus verschiedenen Gründen nicht verkaufen.
Dann kann es durchaus sinnvoll sein, über Hebelprodukte eine Absicherungsposition aufzubauen. Das kostet mich dann natürlich so etwas wie eine Versicherungsprämie. Das gibt es nicht umsonst, aber ich kann nachts ruhig schlafen und möglicherweise werden Verluste, die der Basiswert ansammelt, eben durch einen Wertanstieg bei den Hebelprodukten ausgeglichen.
Das sind so die zwei Hauptverwendungszwecke für Hebelprodukte, würde ich sagen.
Michael: Siehst du also jetzt neben dem Hebel und, ich sag mal, der Totalverlustwahrscheinlichkeit – neben diesen beiden Punkten – noch andere Herausforderungen vielleicht im Vergleich zu anderen Zertifikaten?
Marcel: Ja. Also aufgrund der Tatsache, dass viele dieser Produkte – da kommen wir dann, glaube ich, im Laufe der Unterhaltung noch zu – eine Barriere haben und diese Barriere sehr elementare Auswirkungen auf das Produkt hat, sofern sie berührt oder über- beziehungsweise unterschritten ist, ist es schon wichtig, die Details zu kennen und zu verstehen.
Also ich finde das immer ganz, ganz frustrierend, wenn man eine Marktmeinung hat und diese Marktmeinung auch eintritt und man trotzdem kein Geld verdient oder im schlimmsten Fall auch noch Geld verliert.
Und im Grunde alles, was wir auf diesem Vortrag bei der Invest besprochen haben, das sind exakt diese Fälle. Das haben wir uns nicht ausgedacht, sondern wir sitzen jeden Tag sechs Stunden an der Hotline, wir lesen die E-Mails der Investoren. Das sind die Fälle, die wir da im Rahmen des Vortrags vorgestellt haben. Das sind genau diese Fälle, wo Kunden möglicherweise genau richtig lagen, trotzdem Geld verdient oder Geld verloren haben, weil sie gewisse Details nicht verstanden haben.
Und das hat im Zweifelsfall relativ drastische Konsequenzen.
Wenn ich ein ETF-Portfolio habe, ich sage immer: Wenn man sich da mal ein bisschen reingräbt, ETFs sind im Detail nicht weniger komplex als Hebelprodukte. Aber im Großen und Ganzen muss ich mich eigentlich mit diesen kleinen Details selten befassen. Bei Hebelprodukten ist das exakt anders. Da muss ich mich damit befassen, sonst kriege ich damit früher oder später ein Problem.
Michael: Dann kommen wir doch einmal konkreter zu den größten Fehlern, die Anleger so beim Handel vermeiden sollten. Da gibt's dann einmal den Punkt der Handelszeiten. Was ist denn bei den Handelszeiten des Underlyings zu beachten und welche Auswirkungen können da dann auf den Handel mit Hebelprodukten entstehen?
Marcel: Ja, also das ist so ein klassischer Hotline-Fall. Und zwar geht es darum, dass man unterscheiden muss zwischen Handelszeiten eines Hebelproduktes und den Zeiten, wo die vorhin schon angesprochenen Barrieren möglicherweise verletzt werden können.
Was die Handelszeiten von Produkten angeht, ist es bei uns zumindest relativ einfach. Das machen nicht alle Emittenten so, aber bei uns ist es so: Alle Produkte, die wir anbieten, sind grundsätzlich erst mal von morgens 8 bis abends 22 Uhr handelbar. Punkt. Das gilt für ein DAX-Produkt, für ein Gold-Produkt, für ein Euro-Dollar-Produkt.
Jetzt ist aber so, dass eine Barriereverletzung in Abhängigkeit vom Basiswert eben nicht von 8 bis 22 Uhr stattfinden kann.
Vielleicht fangen wir mal an mit dem DAX. Der ist jetzt mit Abstand der meistgehandelte Basiswert und das meistgehandelte Produkt ist ein Open-End-, ein Unlimited-Turbo auf den DAX.
Wie gesagt, die Produkte fangen morgens um 8 Uhr an zu handeln und hören abends um 22 Uhr auf. Soweit, so gut. Jetzt muss man sich aber die Frage stellen: Okay, so ein ganz normaler Unlimited-Turbo auf den DAX – wann kann denn da eine Barriere berührt werden?
Ich gehe davon aus, jeder, der sich diesen Podcast bis zu diesem Punkt angehört hat, weiß: Wenn diese Barriere berührt wird, verfällt das Produkt wertlos und ich erleide einen Totalverlust. Also schlimmer kann es nicht werden, wenn man jetzt mal von einer Nachschusspflicht absieht.
So, wann kann das passieren? Es ist bei jedem dieser Hebelprodukte so, dass in den sogenannten endgültigen Bedingungen ein Basiswert sehr glasklar definiert ist. Bei uns ist das bei diesen Produkten – und ich nehme mir mal heraus zu sagen, das wird bei unseren Mitbewerbern nicht anders sein – ganz klar definiert.
Bei einem Unlimited-Turbo auf den DAX ist der Basiswert der von der Deutschen Börse offiziell berechnete und veröffentlichte Stand des DAX.
So, jetzt werden eure Kunden vielleicht sagen: Ja, ja, okay, aber wenn ich morgens um 2 Uhr oder abends um 3 Minuten vor 10 in mein Depot gucke oder auf diverse Webseiten, da sehe ich ja den DAX-Stand. Der DAX wird ja rund um die Uhr berechnet.
Das ist aber tatsächlich nicht so. Die Deutsche Börse selber berechnet den DAX nur, in Anführungszeichen, von 9 Uhr bis nachmittags beziehungsweise abends 17:30 Uhr plus Schlussauktion. Das sind die von der Deutschen Börse festgelegten Berechnungszeiten für den DAX.
Und da es auch so definiert ist, können auch nur diese Kurse dafür sorgen, dass eine Barriere verletzt wird. Das heißt also: Bei einem Unlimited-Turbo auf den DAX kann eine Barriereverletzung nur stattfinden morgens zwischen 9 und nachmittags 17:30 Uhr plus Schlussauktion.
Und die Frage, die dann immer kommt von Kunden, ist: Ja, Moment mal, aber was ist denn dann vor 9 und nach 17:30 Uhr?
Da ist es so: Wir quotieren die Produkte und natürlich können wir anhand verschiedener Marktparameter – also beim DAX ist es in der Regel der DAX-Future, der relevant ist – als Emittent einen indikativen DAX-Stand ausrechnen, auch um kurz nach 8 und auch abends um kurz vor 10.
Und diesen DAX-Stand nutzen wir zur Preisberechnung dieser Produkte. Dieser DAX-Stand kann aber niemals dazu führen, dass ein Produkt ausknockt.
Jetzt kann es aber natürlich sein, dass dieser indikative Preis, den wir da errechnen, quasi sagt oder andeutet: Oh, also wenn der DAX jetzt auf wäre, dann wäre das Produkt ausgeknockt.
Was dann bei uns passiert, ist: Das Produkt wird vom Handel ausgesetzt, aber erst mal nur ausgesetzt.
Nehmen wir an, das passiert abends um kurz vor 10. Dann hört das Produkt um kurz vor 10 auf zu handeln und kann auch nicht verkauft werden, um Verluste zu begrenzen. Das muss man an der Stelle ganz klar sagen.
Dann hört um 22 Uhr der Handel auf und am nächsten Morgen um 8 Uhr geht's weiter. Und jetzt nehmen wir an, auch am nächsten Morgen um 8 Uhr sieht das noch so aus, als ob diese Barriere verletzt wäre. Dann wird das Produkt auch erst mal um 8 nicht anfangen zu handeln.
Was aber passieren kann, ist: Im Laufe der Stunde zwischen 8 und 9 erholt sich der Markt wieder, bewegt sich in die eine oder andere Richtung. Und um fünf Minuten vor 9 sagt unsere Indikation: Nee, nee, alles okay, die Barriere ist nicht verletzt. Dann wird das Produkt sofort wieder anfangen zu handeln.
Und wenn das dann um 9 Uhr morgens auch noch der Fall ist, dann wird dieses Produkt einfach ganz normal weiterhandeln – ohne Barrierebruch, ohne Unterbrechung.
Und das ist eine ganz wichtige Information, die man verstehen muss: Dass Handelszeiten und die Zeiten, in denen eine Barriere berührt wird, nicht die gleichen sind.
Und das ist da auch – und ich vermute, das wird dann eure nächste Frage sein – dass es da auch von Basiswert zu Basiswert sehr, sehr deutliche Unterschiede gibt.
Michael: Genau. Nehmen wir mal das Beispiel Rohstoffe oder Währung. Wie sieht's denn da aus?
Marcel: Ja, genau. Lasst uns erst noch mal ganz kurz beim DAX bleiben. Den DAX haben wir jetzt abgefrühstückt, aber es gibt tatsächlich drei verschiedene Arten von DAX-Produkten im deutschen Markt, die sich genau in Bezug auf diese Frage unterscheiden.
Manche können jederzeit ausknocken. Also klassische DAX-Produkte, mit Abstand der meistgehandelte Basiswert, haben wir gerade abgefrühstückt. Die Produkte können nur ausknocken zwischen 9 Uhr plus Schlussauktion.
Dann gibt's noch Produkte, die beziehen sich auf einen Index, der heißt X-DAX oder XDAX. Auch das ist ein Index, der von der Deutschen Börse berechnet wird. Aber dieser Index wird berechnet von morgens 8 Uhr bis abends 22 Uhr, also exakt während der Handelszeiten auch unserer Produkte.
Bei den Produkten kann es dann demzufolge auch morgens um 8 oder abends um 22 Uhr dazu kommen, dass eine Barriere verletzt wird, aber nicht außerhalb dieser Zeit.
Und dann gibt es noch, last but not least, Produkte auf den DAX-Future. Der handelt nicht ganz rund um die Uhr. Ich glaube, es gibt eine Pause nachts zwischen 12 und 1 oder so, aber er handelt fast 24 Stunden am Tag.
Und bei den Produkten ist es so: Auch diese Produkte können demzufolge dann fast 24 Stunden am Tag ausknocken. Und das ist ganz wichtig, eben auch zu Zeiten, wo ich das Produkt selbst gar nicht handeln kann.
So, und das bringt uns dann zu den Rohstoffen, die du, glaube ich, gerade angesprochen hast. Edelmetalle gehören dazu, Währungen gehören dazu. Das sind alles Basiswerte, die werden jetzt nicht an einer Stamm-, Haupt- oder Heimatbörse gehandelt, wie beispielsweise eine Allianz natürlich hauptsächlich auf Xetra gehandelt wird, sondern es gibt ganz verschiedene Plattformen in der Finanzindustrie, wo diese Basiswerte gehandelt werden.
Und da ist es so: Jeder Emittent legt für seine Produkte eine Kursreferenz fest. Das ist meistens eine Reuters- oder eine Bloomberg-Seite, wo Preise veröffentlicht werden. Und diese Referenz wird dann halt herangezogen, um zu bestimmen: Ist jetzt eine Barriere verletzt oder nicht?
Und bei den Basiswertkategorien, die wir gerade besprochen haben, ist es so: Die handeln eigentlich auch fast rund um die Uhr, in Teilen sogar am Wochenende.
Das heißt – und das ist wirklich ein Klassiker bei Währungs- und Goldprodukten – es kann tatsächlich bei einem Währungs- oder Goldprodukt passieren, dass an einem Wochenende oder an einem Feiertag oder mitten in der Nacht eine Barriere berührt wird.
Das muss man insbesondere vor dem Hintergrund wissen, dass natürlich ganz klar ist: Die Liquidität im Markt ist natürlich Samstag Nachmittag eine ganz andere als montags mittags oder montags nachmittags.
Michael: Ja, das heißt, weniger Liquidität heißt immer: Die Wahrscheinlichkeit für drastische oder deutliche Kursausschläge ist höher.
Marcel: Ja. Und es passiert ganz regelmäßig, dass dann am Montagmorgen ein Kunde ganz verstört bei uns anruft und sagt: Warum, warum finde ich denn keine Preise mehr für mein Produkt auf Gold oder Euro/US-Dollar?
Ja, es ist leider übers Wochenende ausgeknockt. Das kann passieren und das muss man wissen.
Wenn man da irgendwie Zweifel hat, würde ich immer empfehlen, den Emittenten direkt anzurufen. Das ist ein Gespräch, das dauert zehn Sekunden und man weiß ganz genau, worauf zu achten ist. Und man weiß auch ganz genau, welches Risiko man geht, wenn man so ein Papier beispielsweise übers Wochenende oder über einen Feiertag hält.
Julius: Marcel, also noch mal zusammengefasst: Ich habe verstanden, man muss sich sozusagen einmal um die Handelszeiten des Produktes kümmern, also des Wertpapiers. Die sind in der Regel von 8 bis 22 Uhr. Und dann ist aber viel entscheidender auch die Handelszeit sozusagen des Basiswerts, damit ich eben genau weiß: Wenn ich ein Produkt habe, was endfällig oder was ausknocken kann, wann wird überhaupt sozusagen die Barriere berechnet und wann kann so ein Produkt knacken?
Also das sind, glaube ich, die beiden Zeiten, die sollte man im Blick haben, um da nicht irgendwelche bösen Überraschungen zu erleben.
Marcel: Ja, ganz genau.
Julius: Und dann gibt's ja noch das Thema, ich sag mal, mit dem letzten Handelstag. Gibt's da irgendwas, was man als Trader beachten sollte im Hinblick auf Hebelprodukte?
Marcel: Ja, gibt's auch. Auch ein ganz klassisches Thema an der Hotline.
Wenn du jetzt vom letzten Handelstag sprichst, um Missverständnisse zu vermeiden: Da reden wir natürlich auch nur über Produkte, die auch tatsächlich eine Fälligkeit haben. Also klassische Optionsscheine oder Close-End-Turbos. Bei Endlos-Turbos beispielsweise haben wir dieses Problem nicht.
Aber ja, bei allen Produkten, die eine gewisse Fälligkeit haben, ist es wichtig zu verstehen: Wie lange kann ich so ein Papier eigentlich handeln?
Es gibt den sogenannten letzten Handelstag. In unserer Definition – und ich glaube, das machen viele unserer Mitbewerber ähnlich – beziehen wir uns hier aber immer auf den letzten Börsenhandelstag.
Das ist wahrscheinlich ein Handelsweg, der für eure Kunden eher weniger relevant ist. Aber bei uns ist es grundsätzlich so: Wenn jetzt ein Produkt, ein Optionsschein beispielsweise, fällig ist an einem Freitag, dann ist an dem Tag davor, also an dem Donnerstag davor, der letzte Börsenhandelstag.
Alle unsere Produkte sind an der Börse Stuttgart handelbar. Das heißt, so ein Produkt kann ich an der Börse Stuttgart noch bis Donnerstag abends, kurz vor 10, handeln.
So wie gesagt, die meisten eurer Kunden werden den Direkthandel bevorzugen. Und da ist es bei uns so – und das macht jeder Emittent ein bisschen anders –: Alle unsere Produkte, egal was der Basiswert ist, sind am Fälligkeitstag bis 11 Uhr im Direkthandel handelbar.
Das machen wir, damit es da keine Missverständnisse gibt. Es gibt halt Emittenten, die machen das unterschiedlich nach Basiswert. Wir glauben, das ist sehr, sehr unübersichtlich. Deswegen ist es bei uns einheitlich: Alle Papiere können bis um 11 Uhr gehandelt werden.
Aber man muss sich darüber im Klaren sein: Dieser letzte Preis, den wir da um 11 Uhr ausstrahlen, ist nicht zwangsläufig – oder ist es eigentlich nie – der Preis, zu dem das Papier auch tatsächlich zurückgezahlt wird.
Denn der Rückzahlungspreis wird in aller Regel später festgestellt. Also bei DAX-Produkten ist es beispielsweise oft der Preis, der in einer Mittagsauktion festgestellt wird. Ich glaube, beim DAX ist das plus/minus 13 Uhr.
Bei DAX-Produkten kann es aber auch der Schlusskurs sein, der dann um 17:30 Uhr beziehungsweise kurz nach 17:30 Uhr festgestellt wird.
Und wenn wir jetzt beim Thema beispielsweise XDAX bleiben oder amerikanische Basiswerte oder Indizes, da kann es durchaus sein, dass der Rückzahlungspreis erst um 22 Uhr festgestellt wird.
Und ich habe halt dieses Gap zwischen 11 Uhr morgens und im Extremfall 22 Uhr, in dem sich der Basiswert noch völlig frei bewegen kann, ich das Produkt aber nicht mehr handeln kann.
Das heißt, wenn ich ein Produkt um 11 Uhr noch nicht verkauft habe, muss mir klar sein: Okay, da kann jetzt noch eine Menge passieren, möglicherweise bis der Emittent den Rückzahlungspreis feststellt.
Wenn ich das Risiko eingehen will, wenn ich glaube: Ja, das läuft noch für mich, kann ich das natürlich machen. Aber wenn nicht, sollte ich zusehen, dass ich so ein Papier vor 11 Uhr verkauft habe am Fälligkeitstag.
Julius: Okay, ich meine, es gibt, ich sag mal, vielleicht einen Vorteil, den man sagen kann. Zum einen sehe ich natürlich sozusagen ja oft bei manchen Produkten schon den Kurs und kann dann ja gucken, ob das grob passt. Wie du gesagt hast, manchmal natürlich auch nicht.
Aber ich habe natürlich durch den Verkauf sofort den ausmachenden Betrag wieder verfügbar und kann investieren. Wenn das Ding in eine Kapitalmaßnahme geht und ihr das dann zurückzahlt, dann dauert das ja ein bisschen. Und ich habe vielleicht fünf bis sieben Börsentage, bis ich dann mein Geld bekomme.
Also ich habe halt einfach das Geld ein bisschen schneller. Und das kann sich lohnen. Das muss halt jeder für sich selbst sozusagen beurteilen.
Marcel: Ja, sehr, sehr guter Punkt. Das ist dann eure Sicht der Dinge, die mir gar nicht so klar ist oder war, um ehrlich zu sein.
Aber ja, du hast wirklich recht. Wenn ich ein Papier verkaufe, habe ich die Buying Power bei euch wahrscheinlich relativ schnell, sofort wieder. Wenn ich so ein Ding auslaufen lasse, dann dauert es fünf Bankarbeitstage, bis wir quasi den Rückzahlungsbetrag wieder an euch übertragen haben.
Und da fehlt, kann es halt sein, dass dieses Geld fehlt.
Julius: Ja.
Marcel: Korrekt.
Julius: Okay, das heißt, das sind dann alles noch mal so Eckdaten zu den Produkten, die ich als Anleger auch unbedingt kennen muss, um dann nicht so ein böses Erwachen erleben zu müssen.
Das ist schon mal sehr gut zu wissen. Dann schauen wir doch einmal in Richtung des Limit-Handels. Und zwar: Was ist denn bei Stop-Buy-Orders bei Minimum Offer genau zu beachten?
Marcel: Also, Klassiker. Stop-Buy-Order ist vielleicht eine etwas kuriose Orderform. Ich will sie kurz erklären.
Also Stop-Buy-Order heißt: Ich gucke mir einen Basiswert an und sage: Okay, wenn der Basiswert einen bestimmten Preis überschritten hat, dann will ich ihn kaufen.
Jetzt kann man sich die Frage stellen: Was soll das? Warum sollte ich einen Basiswert kaufen, wenn er explizit teurer geworden ist? Normalerweise würde ich ja sagen: Ich kaufe ihn, wenn er billiger geworden ist.
Der Hintergrund ist, dass es Marktteilnehmer gibt, die vielleicht die Marktmeinung haben: Wenn die Aktie jetzt über diesen Widerstand bei 100 Euro steigt, dann steigt sie auch noch bis 105. Und dann könnte ich so eine Stop-Buy-Order in den Markt legen, die mir die Aktie kauft, sobald sie über 100 gestiegen ist.
Ich bin generell kein Freund dieser Orderform, egal bei welcher Anlage oder bei welcher Produktgruppe. Aber bei strukturierten Produkten gibt es da ein ganz gravierendes Problem.
Es gibt bei uns und auch bei vielen unserer Mitbewerber ein Prozedere, das nennt sich Minimum Offer.
Was heißt das? Ich will jetzt nicht noch mehr in die Materie einsteigen, aber wenn wir beispielsweise Unlimited-Turbo-Optionsscheine verkaufen, dann entsteht uns aus diesem Verkauf ein sogenanntes Gap-Risiko, das uns immer wehtut, wenn der Markt springt.
Der Tag, an dem Wirecard gesagt hat, dass sie ihren Quartalsabschluss – war es, glaube ich – doch nicht veröffentlichen, und die Aktie einfach von einem Preis auf den nächsten 20, 30, 40 Prozent verliert: Das sind so Tage, wo wir in aller Regel abends nicht ganz so happy aus dem Büro kommen, weil uns dieses Gap-Risiko halt Sorgen bereitet.
So, es gibt jetzt Situationen – und da reden wir in den meisten Fällen über Produkte, die relativ nah an der Barriere sind, also einen sehr hohen Hebel haben. Es gibt Produkte, und wir haben das ja vorhin besprochen, zu gewissen Zeiten können die nicht ausknocken, egal was der Markt macht.
Und dann ist es relativ üblich, dass man bei diesen Produkten ein sogenanntes Minimum Offer einsetzt.
Was heißt das? Das heißt: Der Geldkurs, zu dem ich verkaufen kann, der bewegt sich ganz normal mit dem Markt. Aber der Briefkurs wird festgeschrieben, beispielsweise auf eine Art und Weise, dass wir sagen: Okay, also dieses Produkt wollen wir nicht für unter 1,20 Euro verkaufen.
Was passiert dann? In der Regel geht dann dieser Spread des Produktes relativ weit auseinander.
Ich sag's noch mal: Der Geldkurs bewegt sich ganz normal mit. Das heißt, Kunden, die schon investiert sind, haben keinerlei Nachteil dadurch.
Aber so ein Minimum Offer kann tatsächlich dazu führen, dass sofort eine Stop-Buy-Order getriggert wird.
Kurzes Beispiel, um das plastisch zu machen: Produkt handelt normalerweise 70 Cent auf 71 Cent und ich habe jetzt eine Stop-Buy-Order mit einem Limit von 1 Euro.
Und dann wird dieses Minimum Offer eingesetzt. Auf einmal handelt das Produkt nicht mehr 70 auf 71, sondern 70 Cent auf 1,20 Euro. Boom, wird diese Stop-Buy-Order ausgelöst. Ich kaufe für 1,20 Euro.
Aber das ist ja überhaupt nicht im Sinne der Order gewesen.
Das muss man genau – relativ einleuchtend – verstehen. Das passiert bei strukturierten Produkten relativ regelmäßig.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Eine solche Order, wenn sie ausgeführt wird, ist gültig. Der Preis war marktgerecht. Der ist zum marktgerechten Preis ausgeführt worden.
Und grundsätzlich rechtlich besteht da erst mal überhaupt kein Anspruch darauf, dass diese Order gestrichen wird.
Ist das in der Realität immer so? Ja, nicht unbedingt. Aber wir bitten schon, wenn sowas passiert, sich sehr, sehr, sehr kurzfristig bei uns zu melden. Sonst können wir da auch wenig helfen.
So, lange Rede, kurzer Sinn: Das ist der Grund, warum ich bei Hebelprodukten ganz besonders nicht dazu raten würde, Stop-Buy-Orders zu benutzen.
Bei liquiden Aktien – ja, wer das machen möchte, okay. Wie gesagt, ich bin kein Freund dieses Ordertyps. Bei liquiden Aktien kann ich das vielleicht machen. Aber bei allem anderen wäre ich da sehr vorsichtig, weil eben, wie gesagt, eine Ausweitung des Spreads dazu führen kann, dass diese Order ausgeführt wird.
Und das ist in aller Regel nicht im Sinne des Anlegers gewesen.
Michael: Das ist natürlich nachvollziehbar und war sicherlich auch nicht allen bewusst. Geht zumindest mir so.
Schauen wir noch einmal auf das Gegenstück: Was ist denn bei Stop-Loss-Orders kurz vor dem Knock-out zu beachten?
Marcel: Also Stop-Loss-Orders sind natürlich vollkommen legitim, wo ich sage: Okay, also wenn jetzt das Papier unter einen Wert von X fällt, dann möchte ich zum nächstmöglichen Kurs verkaufen.
Da gibt's jetzt zwei Sachen, die man wissen muss.
Zum einen gibt es keine Garantie auf die Ausführung zum Stop-Loss-Limit. Das mal ganz klar zu sagen.
Wenn ich jetzt ein Papier habe und ich habe ein Stop-Loss-Limit mit 1 Euro, dann heißt das Folgendes: Ich sage an das Handelssystem: Okay, guck dir bitte an, wo der Preis des Produktes ist.
Wenn die Geldseite auf oder unter einem Euro ist, dann verkaufe bitte zum nächstmöglichen Kurs.
Der nächstmögliche Kurs, der kann bei 1 Euro sein, der kann bei 99 Cent sein, der kann aber bei 40 Cent sein. Es gibt grundsätzlich keine Garantie, dieses Stop-Loss-Limit auf wirklich zu erhalten.
Punkt 1.
Punkt 2: Gerade bei Turbos, bei Open-End, aber auch bei Close-End-Turbos muss dem Investor klar sein – und da sind wir wieder bei diesem Gap-Risiko, was ich vorhin mal angesprochen habe –: Diese Produkte haben ein Aufgeld.
Also machen wir ein Beispiel: Ich habe einen Open-End-Turbo mit einer Barriere von 99 Euro, einen Long von 99 Euro, ein Long-Produkt. Der Basiswert handelt bei 100 Euro.
Das heißt, dieses Papier hat einen inneren Wert von 1 Euro. Ich werde das Papier aber nicht für 1 Euro kaufen können, sondern da kommt eine Prämie oben drauf, eben für dieses Gap-Risiko.
Und jetzt machen wir ein Beispiel: Diese Prämie sind noch mal 20 Cent. Das heißt, dieses Produkt kostet 1,20 Euro.
So, was ich jetzt machen kann, ist: Ich kann ein Stop-Loss-Limit in den Markt legen für dieses Produkt. Nehmen wir an, ich lege ein Stop-Loss-Limit in den Markt mit einem Stop-Loss-Limit von, sagen wir, 15 Cent.
Dann passiert Folgendes: Der Markt läuft gegen mich, das Produkt wird immer weniger wert. Es sind 80 Cent, 70 Cent, 50 Cent, 30 Cent, 25 Cent, 20 Cent.
Und dann kommen aber keine 15 Cent mehr, denn das Papier ist dann schon tot.
Wenn diese 20 Cent auf Geld erreicht sind, dann heißt das in der Regel: Der Basiswert handelt exakt an der Barriere.
Das heißt also, wenn der Basiswert noch einen Tick fällt, knockt das Papier aus.
Das heißt, ein solches Produkt – bleiben wir bei dem Beispiel, das ein Aufgeld von 20 Cent hat – wird niemals einen Geldkurs von 15 Cent haben, sondern es wird einen Geldkurs von 20 Cent haben. Und wenn es dann weiterfällt, dann ist der nächste Geldkurs ein Zehntel-Cent, weil die Barriere berührt wurde.
Deswegen an der Stelle noch mal der Hinweis: Wenn ich mit Stop-Loss-Limiten arbeite – und das ist vollkommen legitim, also bitte nicht falsch verstehen, ich habe ein Problem mit Stop-Buy-Orders, nicht mit Stop-Loss-Orders – dann muss ich mir im Klaren sein, dass diese Produkte auf zwei Sachen ...
Punkt eins: Ich habe keine Garantie, dass diese Order auch zum Stop-Loss-Limit ausgeführt wird. Oft ist das so, aber das ist längst nicht immer so.
Und ich muss mir klar sein, dass gewisse Preise einfach nicht erreicht werden vor einem Knock-out.
Und das ist natürlich dann sehr ärgerlich, wenn ich dann ein Stop-Loss-Limit in den Markt lege, wo in dem Moment schon klar ist: Dieses Limit wird niemals ausgeführt.
Julius: Ja, also genau. Also ich bin da voll bei dir. Ich finde halt den großen Nachteil bei einem Stop-Loss ist in der Tat, dass mit Erreichen des Stops die Order zu einer Market-Order wird und dann eben wirklich der nächste Kurs zur Ausführung kommt.
Und der kann halt deutlich drunter liegen. Das Risiko habe ich. Und gerade bei, sag mal, stark volatilen Märkten, die wirklich stark schwanken, da rauschen die Kurse in den Keller und der nächste festgestellte Kurs – zu dem wird's dann ausgeführt.
Also insofern, das ist so, glaube ich, der größte Nachteil eines Stop-Loss. Auf der anderen Seite: Ich komme halt raus.
Marcel: Das ist richtig. Das ist eben: Ich habe ja unter Umständen die Möglichkeit, auch noch eine Stop-Loss-Limit-Order in den Markt zu legen, wo ich dann sagen kann: Okay, nehmen wir den 1 Euro. Wenn dieser 1 Euro erreicht ist, dann möchte ich für mindestens 95 Cent verkaufen.
Das kann natürlich helfen. Auf der anderen Seite kann aber das wiederum dazu führen, dass die Order gar nicht ausgeführt wird.
Ja, also es gibt ein Risiko und das muss man sich einfach nur bewusst sein.
Grundsätzlich ist es immer so: Die Wahrscheinlichkeit, dass da irgendwas schiefläuft, geht halt umso höher, je aggressiver ich so ein Stop-Loss-Limit setze.
Wenn ich so ein Stop-Loss-Limit bei 5 Euro setze und die Barriere ist noch meilenweit entfernt, in aller Regel passt das. Aber wenn es halt immer, immer extremer wird, dann kann das auch mal in die Hose gehen.
Michael: Kommen wir zur letzten Gruppe. Da geht's um das Thema Pricing. Wie beeinflusst denn eigentlich der Hebel das Pricing von Optionsscheinen und was soll man da beachten?
Marcel: Ja, also Hebel und Optionsscheine ist so ein Thema für sich.
Wir haben ja ganz am Anfang kurz erklärt, wie man sich diesen Hebel vorstellen muss, was er bewirkt. Und natürlich ist es so: Klassische Optionsscheine, also Call- und Put-Optionsscheine, gehören zu den Hebelprodukten, keine Frage.
Aber im Gegensatz zu Endlos-Turbos, Turbos mit Laufzeit, Mini-Futures etc. ist der Begriff Hebel bei Optionsscheinen extrem irreführend.
Zunächst einmal ganz kurz, ohne da jetzt ins Detail zu gehen: Wie rechne ich Hebel im Grunde?
Wenn ich einen Unlimited-Turbo kaufe, dann kontrolliere ich damit eine bestimmte Menge Basiswert. Und bei diesen Turbos beispielsweise ist es so: Wenn jetzt der Basiswert um beispielsweise 1 Euro, 1 Dollar steigt, dann steigt auch der Wert meines Unlimited-Turbos bei einem Long-Produkt um diesen 1 Euro, 1 Dollar.
Das muss man natürlich immer ums Bezugsverhältnis bereinigen. Aber das Bezugsverhältnis hat ja letzten Endes keinen Einfluss auf meine Performance, ist ja nur eine Rechengröße.
Das heißt, ich kann – und das ist eine weitestgehend richtige Annahme – davon ausgehen, das Hebelprodukt bewegt sich genauso wie der Basiswert.
Deswegen kann ich tatsächlich bei diesen Turbos und Mini-Futures mit dem Hebel, den man relativ einfach errechnen kann, arbeiten.
Bei Optionsscheinen sieht man auf vielen Webseiten auch, dass ein Hebel berechnet wird. Und da wird das Gleiche gemacht. Letzten Endes setzt man den Preis des Papieres, bereinigt ums Bezugsverhältnis, natürlich ins Verhältnis zum Preis des Basiswerts.
Das ignoriert aber eine ganz dramatische, eine ganz wichtige Eigenschaft, die Optionsscheine haben: nämlich genau die, dass sie sich nicht genauso bewegen wie der Basiswert.
Wir machen jetzt mal ein ganz extremes Beispiel: Eine Aktie steht bei 100 und ich habe jetzt, bin jetzt stolzer Besitzer eines Call-Optionsscheins mit einem Basispreis von 500 und einer Restlaufzeit von einer Woche.
Und jetzt steigt dieser Basiswert von 100 auf 101. Dann ist das für diesen Optionsschein salopp gesagt vollkommen irrelevant, weil dieser Optionsschein nur dann in einer Woche im Geld endet, wenn die Aktie nicht bei 100 oder 101, sondern bei 500 steht.
Das heißt, in einem solchen Fall wird sich der Wert dieses Optionsscheins mal exakt überhaupt gar nicht verändern.
Und diese Flexibilität – man nennt das Delta eines Optionsscheins – die ist halt wichtig, um einschätzen zu können: Wie bewegt sich eigentlich ein Optionsschein, wenn sich der Basiswert bewegt?
Ganz klassischer Fall: Nvidia ist ja natürlich eine Aktie, wo relativ absehbar ist, wenn da Quartalszahlen beispielsweise veröffentlicht werden, dann wird sich diese Aktie schon ordentlich bewegen, in die eine oder andere Richtung.
Es gibt Kunden, die haben dann einen sehr, sehr, sehr weit aus dem Geld liegenden Call- oder Put-Optionsschein gekauft, noch kurz vor den Zahlen.
Die Zahlen kommen raus, die Aktie bewegt sich auch in die richtige Richtung – also sie fällt für die Inhaber des Puts oder sie steigt für die Inhaber des Calls.
Und dann rufen die Kunden nach der Veröffentlichung an und sagen: Ja, Moment mal, kann ja nicht sein! Die Aktie ist jetzt 7 Prozent gefallen und mein Papier ist halt 5 Prozent weniger wert.
Wie, das ist Betrug? Nein, es ist kein Betrug tatsächlich, sondern das liegt an zwei Faktoren.
Zum einen, wie gesagt, wenn das ein Produkt ist, was sehr weit aus dem Geld ist, dann machen da 5, 6, 7, 8 Prozent Kursbewegung erst mal wenig aus.
Und das ist auch ein ganz wichtiger Punkt, den man beachten muss: Es ist natürlich so, die Tatsache, dass beispielsweise Nvidia nach der Veröffentlichung von Quartalszahlen relativ stark schwankt, das ist jetzt keine streng geheime Information. Das weiß der ganze Markt.
Und das führt dazu, dass die sogenannte implizite Volatilität, also die vom Markt erwartete Schwankungsbreite, ein sehr wichtiger Einflussfaktor für die Preisberechnung von Optionen ist.
Diese implizite Volatilität steigt natürlich bei Nvidia zum Beispiel relativ stark an vor Veröffentlichung von Quartalszahlen. Und in dem Moment, wo diese Quartalszahlen raus sind, fällt sie in der Regel deutlich ab.
Das heißt, auch das ist so ein klassischer Fall: Kunden kaufen kurz vor Veröffentlichung von Quartalszahlen beispielsweise bei Nvidia oder bei Arbeitsmarktzahlen, wenn es um den DAX oder den Dow Jones oder Nasdaq geht, gleichzeitig Call- und Put-Optionsscheine.
Das ist eine völlig legitime Handelsstrategie, eine völlig legitime Optionsposition. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass diese Strategie sicherlich keine Lizenz zum Gelddrucken ist, sondern diese Strategie funktioniert nur dann – um es ein bisschen vereinfacht darzustellen –, wenn sich der Markt nach diesem Event, also Quartalszahlen, Makrozahlen, was auch immer, stärker bewegt, als es der Finanzmarkt vorher prognostiziert hat.
Dann macht das Sinn. Wenn das nicht der Fall ist, erleide ich damit mit relativ großer Wahrscheinlichkeit einen Verlust.
Michael: Also nehmen wir mit: Die implizite Vola hat schon einen krassen Einfluss auch auf die Preisgestaltung von Hebelprodukten. Das heißt, man sollte sich auch da immer informieren, bevor man eine Position öffnet oder bevor man schaut, wenn irgendein, also wenn man so ein Event-Trader ist, und da einfach drauf achtet: Wie sind da die Werte?
Jetzt ist ja ein beliebtes Produkt sind ja auch Faktor-Optionsscheine, die auch viel von Kunden gekauft werden. Welche Risiken gibt's denn da beim Halten und insbesondere: Ist es ratsam, die auch mal länger über Nacht zu halten?
Marcel: Faktor-Optionsscheine ist eine Produktgruppe. Sie ist jetzt auch nicht neu, aber es ist wahrscheinlich die neueste, würde ich sagen, Produktgruppe im Bereich der Hebelprodukte, die sich wirklich etabliert hat.
Da geht's im Grunde darum, dass es Produkte sind, die mindestens auf täglicher Basis den Hebel wieder dahin setzen, wo er sein soll.
Also diese Produkte haben alle einen vorher festgelegten Hebel. Beispielsweise Faktor-Zertifikat auf DAX Long, Hebel 10.
Dann wird der Emittent einmal am Tag – bei uns ist das dann beim DAX nach Handel, also nach DAX-Schluss, 17:30 Uhr – dieses Produkt wieder so anpassen, dass der Hebel wieder 10 ist.
Das ist sehr praktisch, wenn ich damit quasi Daytrading mache. Dann muss ich mir nicht jeden Morgen neue Produkte raussuchen, brauche im Grunde nur zwei WKNs, eine Long-, eine Short-Variante.
Das heißt, die Papiere haben schon, was das angeht, einen Vorteil. Aber sie haben auch einen sehr, sehr großen Nachteil, über den man sich im Klaren sein muss, wenn man mit diesen Produkten hantiert.
Es kommt, wie gesagt, mindestens einmal am Tag zu diesem Rebalancing, wo der ursprüngliche oder ursprünglich gewünschte Hebel wieder hergestellt wird.
Das hat zur Folge, dass Basispreis und Bezugsverhältnis angepasst werden.
Und genau diese Anpassung – ohne da jetzt in dem Podcast zu sehr ins Detail gehen zu wollen – sorgt dafür, dass diese Produkte, wie wir das nennen, pfadabhängig sind.
Man muss oder man kann das vereinfacht wie folgt beschreiben: Wenn ich ein Faktor-Zertifikat über diese Anpassungstermine hinaus halte, über Nacht oder vielleicht über zwei, drei, vier, fünf, sechs Tage, dann gilt folgende Ansage:
Wenn ich im Basiswert einen glasklaren Trend habe – und dieser Trend muss umso klarer sein, je höher der Hebel eines Faktor-Zertifikats ist –, dann sind die Papiere durchaus sinnvoll. Denn die mögliche Rendite mit so einem Papier ist höher als beispielsweise bei Mini-Futures oder einem Unlimited-Turbo.
Wenn ich aber einen wie auch immer gearteten Seitwärtsmarkt habe – und auch da gilt: je höher der Hebel. Wenn ich mit Hebel 20 oder 25 operiere, dann muss ich gar nicht großartig von dem Seitwärtsmarkt reden. Da reicht schon, wenn es mal kurz einen relativ deutlichen Dip gibt intraday.
Kann dieser Dip schon dazu führen, dass es zu einem Rebalancing kommt. Und Rebalancing gerade innerhalb eines Tages ist für die Halter des Papiers eigentlich immer relativ schlecht, weil ich auf eine gewisse Art und Weise Verluste – ich will nicht sagen einfriere, aber festschreibe.
Also lange Rede, kurzer Sinn: Faktor-Zertifikate eignen sich hervorragend, um da intraday rein- und rauszuhandeln. Überhaupt kein Problem.
Wenn ich die Produkte länger halte, muss ich mir im Klaren sein: Wenn es einen klaren Trend gibt, sind diese Produkte ebenfalls gut.
Wenn es aber keinen klaren Trend gibt – ich wiederhole mich, aber es ist wichtig –, insbesondere bei sehr hoch gehebelten Produkten, also 15, 20, 25: Wenn es keinen klaren Trend gibt, ist aufgrund der Konstruktion dieser Produkte – das ist nicht der böse Wille der Emittenten, sondern einfach konstruktionsbedingt – ein Verlust sehr wahrscheinlich.
Das Ganze kann man letzten Endes so zusammenfassen, dass über lange Sicht Faktor-Zertifikate dazu tendieren, irgendwann mal bei Null zu handeln.
Das ist, wie gesagt, kein böser Wille der Emittenten, sondern der Tatsache geschuldet, wie sie konstruiert sind.
Das ist kein Grund, sie zu meiden. Man muss sich nur darüber im Klaren sein, dass ich mich sehr hohen Risiken aussetze, wenn ich solche Papiere über Nacht halte oder in der Tat über Tage oder Wochen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ich damit eine positive Rendite erziele, ist verhältnismäßig gering.
Julius: Also fassen wir noch mal zusammen: An sich sind es ganz gute Produkte, insbesondere für Leute, die einen konstanten Hebel wünschen. Dieser konstante Hebel hat aber natürlich den Nachteil, dass es Anpassungen gibt.
Damit muss man sagen, ist es eigentlich wirklich, wie du sagst, ein Intraday-Produkt zum Handeln und eher nicht für längere, für längere Tage. Sondern man muss rein, raus am Tag. Weiß ich nicht: morgens rein, abends wieder raus und eher nicht über Nacht und auch nicht länger.
Marcel: Genau. Ich habe jetzt noch eine Sache vergessen, die ich noch kurz hinterherschießen möchte.
Wir haben zu Faktor-Optionsscheinen und auch zu anderen Produktgruppen, über die wir gesprochen haben, eine Produktbroschüre. Die findet man auf unserer Website, [www.jpmorgan-zertifikate.de](http://www.jpmorgan-zertifikate.de).
Und in dieser Broschüre haben wir sehr ausführlich beschrieben, warum diese Produkte Vor- und Nachteile haben.
Und ich habe das ja jetzt sehr vereinfacht beschrieben mit: Wenn es einen klaren Trend gibt und wenn es den nicht gibt.
Wir haben in dieser Broschüre tatsächlich fiktive Beispiele von Kursentwicklungen eines auch fiktiven Basiswerts, wo wir gegenübergestellt haben: Okay, so würde sich ein Mini-Future im Preis verhalten über zwei, drei, vier, fünf, sechs Tage und so würde sich beispielsweise ein Faktor-Zertifikat verhalten.
Ich kann jedem nur empfehlen, der jetzt nicht genau weiß: Was erzählt der lange Herr da überhaupt? – sich diese Broschüre mal anzugucken und sich insbesondere die Beispiele anzugucken.
Dann wird relativ klar, wo Stärken und Schwächen von Faktor-Zertifikaten liegen.
Michael: Auch das ist natürlich noch mal ein guter und hilfreicher Tipp mit der Broschüre und sicherlich für viele interessant, noch mal nachzulesen.
Noch mal allgemein gefragt hinsichtlich der Produkte, also Optionsscheine, Zertifikate allgemein und so weiter von J.P. Morgan: Was gibt's denn da so für Besonderheiten, die man so als Anleger, als Trader vielleicht erkennen sollte?
Marcel: Also grundsätzlich würde ich sagen, sind unsere Produkte vergleichbar mit denen der Mitbewerber.
Es gibt aber schon einen relativ klaren Unterschied zwischen uns und den anderen. Ich glaube, das habe ich sogar in unserem ersten Podcast auch schon mal kurz beschrieben.
Es ist so: Wir machen dieses Geschäft im Grunde erst seit 2017. Da sind mittlerweile auch schon sechs, sieben Jahre. Aber wenn man sich unsere Mitbewerber anguckt, sind die eigentlich ausnahmslos schon sehr, sehr viel länger im Markt, 20, 30 Jahre und mehr.
Das ist für uns natürlich manchmal ein bisschen schwierig, weil das alles Mitbewerber sind, die schon viel, viel länger Zeit hatten, sich einen Kundenstamm aufzubauen, Kundenfeedback einzuholen.
Auf der anderen Seite hat das aber auch einen riesigen Vorteil, nämlich die Tatsache, dass wir unsere komplette Infrastruktur im Grunde 2016 anfangen konnten, auf dem weißen Blatt Papier zu bauen, weil es sie vorher gar nicht gab.
Es ist jetzt so: Wir bieten im Moment ungefähr 250.000 verschiedene Produkte an, die, wie erwähnt, von morgens 8 bis abends 10 Uhr handeln.
Ich glaube, man kann sich vorstellen, dass das sehr infrastrukturaufwendig ist. Also wir emittieren jeden Tag irgendwo zwischen 2.000 und 7.000 neue Produkte. Es verfallen jeden Tag neue Produkte, es verfallen jeden Tag Produkte, es werden jeden Tag neue Produkte hinzugefügt etc.
Das ist sehr infrastrukturlastig. Und wir können – oder wir konnten – eine Infrastruktur bauen, die wirklich State of the Art ist.
Wer sich mit Banken-Infrastruktur auskennt, der weiß: In aller Regel ist die nicht supermodern und total effizient, sondern oft verhältnismäßig alt und alles andere als effizient, weil im Laufe der Jahre und Jahrzehnte immer wieder neue Anforderungen dazukamen. Dann wurde irgendwo was drangepflanzt und dann wurde das System langsamer.
Bei uns ist das Gott sei Dank nicht so. Das heißt, ich glaube, was uns auszeichnet: Unsere Systeme sind extrem schnell, extrem belastbar.
Das Besondere ist jetzt nur ein Beispiel: Ich habe ja vorhin erwähnt, dass implizite Volatilität sehr, sehr wichtig ist, beispielsweise für die Berechnung, für die Preisberechnung von Optionsscheinen.
Also wir lesen diese implizite Volatilität, sage ich mal, in der Sekunde aus dem Markt, wenn der Markt auf ist, und benutzen sie auch quasi in Echtzeit, um die Preise für unsere Optionen zu berechnen.
Das heißt, kann man sich bei J.P. Morgan relativ sicher sein, dass die implizite Volatilität, die ich da zahle oder die ich bekomme, wenn ich ein Produkt verkaufe, dass die auch tatsächlich die Volatilität ist, die im professionellen Optionsmarkt gehandelt wurde.
Also heute ist Mittwoch. In der letzten Woche gab es in Frankfurt eine Award-Verleihung für diese ganze Zertifikate-Industrie. Da gibt's ganz, ganz viele verschiedene Awards.
Ein Award, den wir jetzt schon zum fast, also zum zweiten Mal auf jeden Fall – wir haben ihn auch schon eigentlich zum dritten Mal gewonnen, beim ersten Mal hat es sich aber nur auf Hebelprodukte bezogen – und zwar ist das der Award für die Handelsqualität.
Und gerade bei Hebelprodukten, ich meine, das weiß jeder eurer Kunden, da ist Handelsqualität natürlich extrem wichtig. Ich muss da rein und raus, wann ich will.
Und ich glaube, so ein Award ist einfach nur ein Ergebnis der Infrastruktur, die wir haben. Das freut uns sehr und wir glauben auch nach wie vor, dass es wichtig ist, sich gerade im Bereich der Hebelprodukte auf so etwas zu konzentrieren.
Wir haben uns da durchgesetzt gegen sehr, sehr große, gute und auch etablierte Mitbewerber. Aber gewonnen haben nun mal wir. Da gibt's einen Grund für.
Und wenn du mich fragst, was ist bei uns besonders, glaube ich, ist Handelsqualität sicherlich eines der Pfunde, mit denen wir wuchern können.
Michael: Ja, genau. Glückwunsch auch zum Preis.
Jetzt will ich natürlich auch noch mal sagen für unsere Zuhörer: Ihr seid ja auch bei uns Premiumpartner. Das heißt, man kann ja eure Produkte für 0 Euro handeln, außer man zahlt natürlich den ganz normalen Spread.
Also auch das vielleicht noch mal so gesagt, dass wir natürlich auch total happy sind, dass wir euch haben und da unsere Kunden eben auch diese Handelsqualität schätzen. Insofern, das sei auch noch mal erwähnt.
Und dann würde ich gerne abschließend auch noch mal die Frage an dich geben: Hast du denn noch irgendwelche abschließenden Ratschläge, die du sozusagen aus deiner Erfahrung Tradern mitgeben möchtest, wenn es eben um den Handel von Hebelprodukten geht?
Marcel: Ja, auf jeden Fall.
Also ich glaube, viele eurer Kunden sind – ich will jetzt nicht sagen Profis, aber hochgradig erfahren. Denen muss ich, glaube ich, nicht mehr viel erzählen.
Aber auch da gilt: Nicht alle Emittenten sind gleich. In den Nuancen gibt's Unterschiede. Die sollte man kennen, wenn man sich da engagiert, und insbesondere, wenn man mit sehr hohen Hebeln agiert.
Für die Leute, die sich noch nicht so in dieses Thema reingegraben haben, zwei Sachen:
Zum einen: Sowohl wir als auch unsere Mitbewerber – das muss man ganz ehrlich sagen – haben extrem viel Informationsmaterial. Wir machen Webinare, wir machen Podcasts, wir machen Roadshows. Es gibt die Möglichkeit, sich sehr umfassend zu informieren.
Und das ist doch keine Schande. Also ich bin nie jemand gewesen, der gesagt hat: Ja, also unsere Produkte sind ja völlig einfach zu verstehen. Nein, sind sie nicht. Sind sie tatsächlich nicht.
Und ich finde, es gibt nichts Ärgerlicheres, als Geld zu verlieren, obwohl ich die richtige Marktmeinung hatte. Und das kann mit diesen Produkten passieren.
Von daher mein Tipp: Wenn ich mich da anfänglich engagieren will, ist immer Paper-Trading zu machen.
Was heißt das? Ich lese mich schlau, ich rufe mich da so ein bisschen in die Produkte rein. Und dann entscheide ich mich für einen Basiswert, auf den ich eine Meinung habe, und ein Produkt.
Dann kaufe ich es aber nicht mit echtem Geld, sondern ich notiere mir nur mal den Briefkurs zu einem Zeitpunkt X.
Und dann gucke ich mir jede Minute, jede Stunde, jeden Tag – je nachdem, in welchem Intervall man das machen will – den Preis an.
Und dann würde es mich wundern, wenn einem Anfänger zu jedem Zeitpunkt klar ist: Okay, warum ist der Preis denn da, wo er ist?
Und wann immer das der Fall ist, dass ich nicht weiß, warum der Preis da ist, wo er ist, würde ich mal ganz, ganz kurz den Emittenten anrufen.
Ja, das ist vielen Leuten – mir war das gar nicht so klar – in den letzten zwei, drei Jahren mehrfach aufgefallen. Viele Kunden haben da wirklich so Hemmungen oder Berührungsängste, bei J.P. Morgan anzurufen.
Das ist überhaupt nicht nötig. Im Zweifelsfall bin ich auch derjenige, der das Telefon abnimmt bei uns. Da sitzt kein Callcenter oder sonstiges, sondern da sitzen wirklich Kollegen, die das Geschäft machen, die das Geschäft auch verstehen, die auch die Produkte verstehen.
Und wir freuen uns, wenn wir da Fragen beantworten können.
Ja, da muss man sich überhaupt nicht – A, muss man sich nicht schämen, B, muss man keine Angst haben, dass man bei J.P. Morgan in Frankfurt anruft. Dafür sind wir da. Das ist Teil unseres Geschäfts.
Und ja, wie gesagt: Der Aufruf bei Fragen: Bitte melden, bitte uns kontaktieren.
Mir ist völlig klar, dass es viele Kunden gibt, die lieber mit euch als Broker als mit uns reden, weil sie euch viel besser kennen. Das kann ich grundsätzlich verstehen.
Aber wenn es um Produktfragen geht oder um Handelsfragen, auch teilweise, ist es oft so, dass wir besser helfen können als ihr.
Michael: Absolut. Und dann einfach anrufen, E-Mail schreiben. Wie gesagt: Keine Berührungsängste haben. Für uns ist das Teil dieses Geschäfts. Es gibt keine blöden Fragen. Von daher immer, immer her damit.
Michael: Ja, super. Dann, Marcel, bedanke ich mich ganz, ganz herzlich für deine Zeit und die vielen Informationen von dir. Ich fand es auch selber für mich schon total interessant. Ich glaube, das geht unseren Zuhörern dann auch definitiv nicht anders.
Von daher ganz herzlichen Dank für deine Zeit.
Marcel: Ich noch eine kurze Bitte äußern, jawohl? Sollten jetzt Zuhörer dieses Podcasts Fragen haben, würde ich vorschlagen, sollen sie die an euch schicken.
Und wir machen dann irgendwann noch mal einen Podcast explizit mit den Fragen, die als Feedback auf diesen Podcast gekommen sind.
Michael: Ist eine sehr, sehr gute Idee.
Marcel: Sehr gerne. Auf jeden Fall.
Michael: Ja, machen wir gerne. Also dann: Danke, Marcel. Danke, Julius. Bis denne.
Julius: Danke euch. Bis zum nächsten Mal. Tschüss.
Marcel: Ciao, ciao.
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