Rüstungs-ETFs
Chancen, Risiken und ethische Fragen im Überblick

Rüstung galt lange als ein heikles Thema für Anleger. Doch mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, wachsenden Spannungen im Indo-Pazifik und massiven Aufrüstungsprogrammen in Europa, Asien und den USA hat sich das Bild gewandelt. Verteidigung gilt zunehmend als sicherheitspolitische Notwendigkeit – und rückt auch bei Investoren stärker in den Fokus.
1. Was sind Rüstungs-ETFs?
Ein Rüstungs-ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Indexfonds, der gezielt in Unternehmen der Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie investiert. Darunter fallen Hersteller klassischer Rüstungsgüter wie Kampfflugzeuge, U-Boote, Panzer oder Raketenabwehrsysteme. Zum Anlageuniversum zählen auch Luft- und Raumfahrtkonzerne, spezialisierte Hightech-Zulieferer sowie Anbieter von Cyber- und Kommunikationssystemen.
Das Besondere: Rüstungs-ETFs bilden in der Regel eigens entwickelte Branchenindizes ab, die eine definierte Auswahl an Unternehmen enthalten. Entscheidend für die Aufnahme ist meist, dass ein erheblicher Teil des Umsatzes aus Geschäften mit dem Verteidigungssektor stammt. So setzt der “MarketVector Global Defense Industry Index” beispielsweise voraus, dass mindestens 50 % der Umsätze aus dem Bereich “Militär- oder Verteidigungsindustrie” stammen.1
Ein weiteres Merkmal: Anders als klassische Sektor-ETFs, die oft einen breiten Querschnitt abbilden, fokussieren sich Rüstungs-ETFs meist stark auf einige Dutzend Werte. Die größten Positionen machen oft über 50 % des Fondsvermögens aus – mit Schwergewichten wie RTX Corporation, Palantir, Thales Group, Leonardo S.p.A., Leidos, Hanwha Aerospace oder Saab AB.1
Für Anleger bieten Rüstungs-ETFs damit eine Möglichkeit, gezielt auf geopolitische Trends, staatliche Verteidigungsausgaben und sicherheitspolitische Entwicklungen zu setzen – in einem regulierten, transparenten und börsentäglich handelbaren Rahmen. Gleichzeitig bleibt das Thema ethisch umstritten – ein Punkt, den Investoren in ihre Anlageentscheidung mit einbeziehen sollten.

2. Aktuelles Marktumfeld & geopolitische Entwicklungen
Die weltweiten Verteidigungsausgaben befinden sich auf einem historischen Höchststand. Laut dem Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) stiegen sie im Jahr 2024 auf über 2,7 Billionen US-Dollar – das entspricht einem Zuwachs von über 9,4 % gegenüber dem Vorjahr. Besonders dynamisch ist das Wachstum in Europa: Deutschland, Polen, die baltischen Staaten und Skandinavien haben ihre Militärbudgets seit dem russischen Überfall auf die Ukraine drastisch ausgeweitet. Die USA bleiben mit Abstand der größte Einzelstaat im globalen Verteidigungsranking.2
Hinzu kommen neue geopolitische Brennpunkte: Chinas Machtanspruch im Südchinesischen Meer, Nordkoreas Raketentests, Irans Drohgebärden in der Region sowie die Unsicherheit rund um die künftige US-Außenpolitik nach der Präsidentschaftswahl 2024/25 sorgen für anhaltende Spannungen. Staaten weltweit investieren daher zunehmend in Aufrüstung, Cyberverteidigung und militärische Autarkie.3
Diese Entwicklung hat spürbare Folgen für die Märkte. Rüstungsunternehmen profitieren von prall gefüllten Auftragsbüchern, langfristigen Projektzyklen und stabilen staatlichen Abnahmegarantien. Viele Konzerne gelten damit als „indirekte Staatsunternehmen“ – mit zuverlässigem Cashflow und planbaren Einnahmen über Jahre hinweg.
Auch thematische Fondsanbieter reagieren. ETFs mit Fokus auf Verteidigung, Sicherheit oder geopolitische Resilienz wurden in den vergangenen zwei Jahren vermehrt aufgelegt oder stark erweitert.
Bemerkenswert ist zudem: Die Verteidigungsindustrie wird mittlerweile nicht mehr pauschal aus ESG-Portfolios ausgeschlossen. Insbesondere NATO-Staaten vertreten vermehrt die Haltung, dass Verteidigung eine notwendige Voraussetzung für Frieden und Demokratie darstellt. Einige Fondsanbieter, wie die LBBW mit ihrer „Sicher Leben“-Initiative, versuchen daher, Sicherheit und ethische Standards in einem konstruktiven Anlagekonzept zu verbinden.4
3. Überblick ausgewählter Rüstungs-ETFs
Die folgenden Beispiele geben einen sachlichen Überblick über ausgewählte Rüstungs-ETFs, die unterschiedliche Ansätze verfolgen. Die Darstellung ist keine Empfehlung oder Rangfolge und dient ausschließlich der Information.
| ETF | TER | Währung | ISIN | Link |
|---|---|---|---|---|
| VanEck Defense UCITS ETF | 0,55% | USD | IE000YYE6WK5 | Jetzt anlegen |
| WisdomTree Europe Defence UCITS ETF | 0,40% | EUR | IE0002Y8CX98 | Jetzt anlegen |
| HANetf Future of Defence UCITS ETF | 0,49% | USD | IE000OJ5TQP4 | Jetzt anlegen |
| iShares Global Aerospace & Defence UCITS ETF | 0,35% | USD | IE000U9ODG19 | Jetzt anlegen |
| Global X Defence Tech UCITS ETF | 0,50% | USD | IE000JCW3DZ3 | Jetzt anlegen |
| BNP Paribas Easy Bloomberg Europe Defense UCITS ETF (Acc) | 0,18% | EUR | LU3047998896 | Jetzt anlegen |
| Amundi STOXX Europe Defense UCITS ETF | 0,35% | EUR | LU3038520774 | Jetzt anlegen |
| HANetf Future of European Defence Screened UCITS ETF | 0,39% | EUR | IE000I7E6HL0 | Jetzt anlegen |
| iShares Europe Defence UCITS ETF | 0,35% | EUR | IE000IAXNM41 | Jetzt anlegen |
| First Trust Indxx Global Aerospace & Defence UCITS ETF | 0,65% | USD | IE000NVDQXE1 | Jetzt anlegen |
| Invesco Defence Innovation UCITS ETF | 0,18% | USD | IE000BRM9046 | Jetzt anlegen |
| Xtrackers Europe Defence Technologies UCITS ETF | 0,25% | EUR | LU3061478973 | Jetzt anlegen |
| SPDR S&P Europe Defense Vision UCITS ETF | 0,15% | EUR | IE0008GRJRO8 | Jetzt anlegen |
| Global X Europe Focused Defence Tech UCITS ETF | 0,40% | EUR | IE000WRQ9RR1 | Jetzt anlegen |
| BNP Paribas Easy Bloomberg Europe Defense UCITS ETF (Dist) | 0,18% | EUR | LU3047998979 | Jetzt anlegen |
| HANetf Future of Defence Indo-Pac ex-China UCITS ETF | 0,59% | USD | IE000C7EUDG1 | Jetzt anlegen |
Im Folgenden werden drei ausgewählte Rüstungs-ETFs beispielhaft vorgestellt. Die Auswahl dient dazu, unterschiedliche Ansätze – etwa bei Indexmethodik, ESG-Kriterien oder regionaler Ausrichtung – zu veranschaulichen. Natürlich existieren darüber hinaus zahlreiche weitere Investment-Ansätze. Je nach persönlichen Präferenzen und individueller Anlagestrategie können Anleger anhand dieser Beispiele prüfen, welche Kriterien für die eigene Produktauswahl relevant sind.
ISIN: IE000YYE6WK5
Der VanEck-ETF zielt auf ein globales Exposure ab – mit klarer Umsatzschwelle: Unternehmen müssen mindestens 50 % ihres Umsatzes mit Verteidigungs- oder militärnahen Tätigkeiten erwirtschaften. ESG-Kriterien spielen keine Rolle. Die Gewichtung erfolgt nach Streubesitz-Marktkapitalisierung.5
Top-Holdings:
- RTX Corporation (USA)
- Palantir Technologies (USA)
- Thales Group (Frankreich)
- Leonardo S.p.A. (Italien)
- Leidos Holdings Inc (USA)
ISIN: IE0002Y8CX98
Dieses Produkt investiert ausschließlich in europäische Verteidigungsunternehmen. Die Auswahl basiert auf Umsatzanteilen, ergänzt um ESG-Ausschlusskriterien, etwa gegen kontroverse Waffen oder Verstöße gegen internationale Standards. Der Index ist vollständig eurobasiert.6
Top-Holdings:
- Thales SA (Frankreich)
- BAE Systems (UK)
- Rheinmetall AG (Deutschland)
- Leonardo S.p.A. (Italien)
- Saab AB (Schweden)
ISIN: IE000OJ5TQP4
Der Fokus von diesem ETF liegt auf Firmen mit Hauptsitz in NATO‑ oder NATO‑Plus‑Ländern. Der ETF bildet den zugrundeliegenden EQM Future of Defence Index ab. Trotz Rekordausgaben liegen die meisten europäischen NATO-Mitglieder weiterhin hinter dem Ziel, 2 % ihres BIP für Verteidigung auszugeben.7
Top-Holdings:
- Cisco Systems, Inc. (USA)
- Safran SA (Frankreich)
- BAE Systems PLC (UK)
- Crowdstrike Holdings Inc (USA)
- Palantir Technologies Inc (USA)
ISIN: IE00B1XNH568
Der iShares-ETF kombiniert militärische und zivile Unternehmen aus der Luftfahrt-, Raumfahrt- und Sicherheitsbranche. ESG-Kriterien finden keine Anwendung. Der Fokus liegt auf einer möglichst breiten Abbildung des Sektors mit deutlicher US-Dominanz.8
Top-Holdings:
- GE Aerospace (USA)
- RTX Corporation (USA)
- Airbus SE (Niederlande)
- The Boeing Company (USA)
- Rolls-Royce Holdings (UK)
4. Chancen & Risiken von Rüstungs-ETFs
Ein Investment in Rüstungs-ETFs eröffnet Anlegern Zugang zu einem Sektor, der sich durch strukturelle Stabilität, staatliche Nachfrage und geopolitische Relevanz auszeichnet. Besonders in Zeiten sicherheitspolitischer Umbrüche gelten Unternehmen der Verteidigungsindustrie als belastbare Ertragsträger mit langfristigem Auftragsprofil. Gleichzeitig sollten Anleger die spezifischen Risiken dieses Investments nicht unterschätzen:
| Chancen | Risiken |
|---|---|
|
|
1. Solide Auftragspipelines durch staatliche Verteidigungsbudgets
Deutschland etwa plant ab 2026 Investitionen von über 108 Mrd. Euro in äußere Sicherheit – bestehend aus regulärem Verteidigungsetat (82,69 Mrd. €) und Sondervermögen (25,51 Mrd. €). Bis 2029 sollen die Ausgaben auf 152 Mrd. € steigen. Damit wird bereits 2029 das NATO-Ziel von 3,5 % des BIP erreicht – sechs Jahre früher als ursprünglich vorgesehen. Diese Mittel fließen direkt in Großaufträge – etwa bei Rheinmetall oder Hensoldt. Das schafft Planungssicherheit für viele Jahre.9
2. Geringe Korrelation zu klassischen Konjunkturzyklen
Die Rüstungsindustrie agiert oft weitgehend unabhängig von Wirtschaftswachstum oder Konsumverhalten. Verteidigungsausgaben folgen politischen Entscheidungen – was Rüstungs-ETFs zu einem potenziellen Stabilitätsanker in diversifizierten Portfolios macht.
3. Internationale Wachstumsimpulse
Auch außerhalb Europas nimmt die Aufrüstung zu – etwa in Indien, Japan oder Südkorea.2 Global aufgestellte ETFs beziehen solche Märkte zunehmend ein und eröffnen damit Zugang zu neuen Wachstumstreibern.
4. Innovationspotenzial durch neue Bedrohungslagen
Cybersicherheit, Drohnentechnik, Satellitenaufklärung oder KI-basierte Systeme – die moderne Verteidigung ist technologiegetrieben. Viele dieser Entwicklungen lassen sich auch zivil nutzen („dual use“), was zusätzliche Skalierungspotenziale schafft.
5. Breiter Marktzugang ohne Einzelwertrisiko
Themen-ETFs bündeln mehrere Unternehmen aus dem Verteidigungs- und Sicherheitssektor und reduzieren dadurch das Einzelwertrisiko. Anleger erhalten so einen breiten Zugang zur Branche, und die Produkte sind an der Börse handelbar. Individuelle Aktienauswahlen entfallen, die Investition bleibt jedoch weiterhin allgemeinen Markt- und Branchenrisiken ausgesetzt.
1. Politische Abhängigkeit & Haushaltsrisiken
Rüstungsunternehmen sind stark von öffentlichen Aufträgen abhängig. Ein Regierungswechsel, abrüstungspolitische Initiativen oder Haushaltskürzungen können Umsätze und Kursentwicklungen direkt beeinflussen.
2. ESG-Exklusion und Reputationsrisiken
Viele institutionelle Investoren schließen Investments in Waffenhersteller kategorisch aus – etwa Pensionsfonds oder ESG-orientierte Strategien. Das kann die Liquidität begrenzen und die Nachfrage bestimmter Investorengruppen reduzieren, was sich potenziell auf Bewertungen auswirkt.
3. Konzentration & begrenzte Breite
Rüstungs-ETFs investieren häufig in eine überschaubare Zahl an Unternehmen. Einige Titel – etwa Lockheed Martin, Northrop Grumman oder Rheinmetall – sind in mehreren Produkten gleichzeitig stark gewichtet. Dies erhöht das Klumpenrisiko.
4. Geopolitische Eskalationen als zweischneidiges Schwert
Zwar profitieren viele Unternehmen kurzfristig von militärischen Konflikten, doch extreme Eskalationen, Embargos oder internationale Sanktionen können sich ebenso negativ auswirken – insbesondere bei internationalen Lieferketten oder Exportverboten.
5. Ethisch-moralische Zielkonflikte
Ein Investment in Verteidigung ist nicht unumstritten. Kritiker verweisen auf ethische Spannungsfelder, etwa bei der Produktion von Waffen, Drohnen oder Überwachungstechnik. Anleger sollten hier eine bewusste Entscheidung treffen – auch im Hinblick auf ihre eigenen Werte.
5. Ethik und moralische Überlegungen
5.1 Ethische Fragen rund um Rüstungs-ETFs
Investments in Verteidigung und Sicherheit sind aus wirtschaftlicher Sicht strukturell attraktiv – doch aus ethischer Perspektive umstritten. Für viele Anleger stellen sich grundlegende Fragen: Dient ein solches Investment dem Schutz von Frieden und Freiheit – oder wird dadurch indirektes Leid unterstützt?
Ausschlusskriterien in ESG-Richtlinien
Zahlreiche institutionelle Investoren – etwa Kirchenbanken, Universitäten oder öffentlich-rechtliche Fonds – schließen Rüstungstitel grundsätzlich aus. Besonders strikt ist der Ausschluss von Anbietern kontroverser Waffensysteme wie Streumunition, Landminen oder Atomwaffen. Auch Unternehmen mit hohen Umsätzen im militärischen Bereich können aus ESG-Portfolios ausgeschlossen werden – selbst wenn sie sich an geltendes Recht halten.
Unterschied zwischen Verteidigung und Angriff
Ein zentrales Argument der Befürworter lautet: Verteidigung ist nicht gleich Krieg. Unternehmen wie Rheinmetall oder Saab produzieren auch Technologien zur Luftabwehr, Aufklärung oder Sicherung kritischer Infrastruktur. Dennoch fällt es in der Praxis oft schwer, klare Linien zwischen Schutz und Offensive zu ziehen – insbesondere bei komplexen Lieferketten und internationalen Einsätzen.
Verantwortung der Anleger
Rüstungsunternehmen agieren meist legal, transparent und börsennotiert. Dennoch bleibt für viele Privatanleger die Frage bestehen, ob sie mit solchen Unternehmen überhaupt wirtschaftlich verbunden sein möchten – selbst über ein passives ETF-Investment. Das betrifft sowohl persönliche Überzeugungen als auch die Außenwirkung gegenüber Kunden oder Partnern.
Strategische Relevanz in neuen Sicherheitslagen
In Zeiten wachsender Bedrohungen – von russischer Aggression bis zu Cyberattacken – sehen einige Anleger Rüstungsinvestments als Beitrag zur kollektiven Sicherheit.10 Diese Sichtweise betont die Notwendigkeit von Wehrhaftigkeit – insbesondere in Demokratien, deren Verteidigungsfähigkeit elementar für Freiheit, Stabilität und Menschenrechte sei.

5.2 Wichtige Auswahlkriterien für Anleger
Rüstungs-ETFs sind keine standardisierten Produkte – ihre Unterschiede liegen oft im Detail. Anleger sollten daher vor einer Investition genau prüfen, welche Kriterien für sie entscheidend sind.
Ein zentrales Merkmal ist die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index. Manche Produkte verlangen, dass ein erheblicher Teil des Unternehmensumsatzes aus militärischen Aktivitäten stammt, andere lassen bereits geringe Anteile zu. Auch die Frage, ob nur „harte“ Verteidigungsunternehmen enthalten sind oder auch Technologiekonzerne mit militärischen Anwendungen, ist relevant.
Regionale Gewichtung ist ein weiteres Differenzierungsmerkmal. Während viele Indizes einen globalen Ansatz verfolgen, konzentrieren sich manche ausschließlich auf Unternehmen aus bestimmten Wirtschaftsräumen. Wer beispielsweise gezielt europäische Unternehmen berücksichtigen möchte, sollte prüfen, ob entsprechende Regionen im Index explizit berücksichtigt werden.
Neben der inhaltlichen Ausrichtung sind auch technische Kennzahlen wichtig: Fondsvolumen, Liquidität, Spreads und Replikationsmethode beeinflussen die Handelbarkeit und Kosten. Gerade bei neueren Themen-ETFs können geringe Handelsvolumina zu breiteren Spreads führen. In den Vereinigten Staaten spielt die physische Replikation (Sampling) eine Hauptrolle, während in Europa die synthetische Replikation am weit verbreitetsten ist. Seit 2016 geht jedoch die Anzahl der synthetischen ETFs in Europa zurück, während die Nachfrage nach vollständig physischer Replikation immer weiter steigt und schon fast übersteigt.11
Die jährliche Gesamtkostenquote (TER) variiert in der Regel zwischen 0,15 % und 0,65 % – ein Faktor, der bei langfristiger Anlage nicht vernachlässigt werden sollte.12 Genauso wichtig: Ist das Produkt UCITS-konform? Gibt es ein ausreichendes Volumen? Und ist der ETF über etablierte Börsenplätze handelbar?
Kurzum: Wer in das Thema investieren möchte, findet mittlerweile unterschiedliche Ansätze. Entscheidend ist, dass die Produktstruktur zum eigenen Werteverständnis, Risikoprofil und Anlagehorizont passt.
6. ETF-Sparplan auf Rüstungs-ETFs?
Viele Anleger setzen bei ihrer Vermögensbildung auf ETF-Sparpläne – insbesondere bei langfristigen Themeninvestments. Doch wie sinnvoll ist ein solcher Ansatz bei Rüstungs-ETFs?
Grundsätzlich lässt sich auch in verteidigungsnahe ETFs per Sparplan investieren – vorausgesetzt, das jeweilige Produkt wird von der Depotbank unterstützt. Große Plattformen bieten mittlerweile eine Auswahl solcher Themen-ETFs mit monatlichen Mindestsummen ab 25 an. Dennoch ist das Angebot bislang deutlich kleiner als bei klassischen Indizes wie dem MSCI World oder S&P 500.
Anzeige
Rüstungs-ETF über justTRADE
Über justTRADE stehen zahlreiche Rüstungs-ETFs von führenden Anbietern zur Verfügung – sowohl für Einmalanlagen als auch im ETF-Sparplan ab 25 €.
Sparpläne lassen sich bei justTRADE ab 0 € ausführen (zzgl. Handelsplatzspread). Damit haben Anleger die Möglichkeit, Nachhaltigkeit ins Depot zu holen, ohne auf Kosteneffizienz verzichten zu müssen.
Ein Sparplan kann dabei helfen, Marktschwankungen zu glätten: Durch den Durchschnittskosteneffekt kaufen Anleger bei niedrigen Kursen mehr Anteile, bei hohen Kursen weniger. Gerade in einem volatilen Sektor wie der Rüstungsindustrie kann dies zu einem stabileren Aufbau führen – insbesondere für Anleger mit langer Perspektive.
Allerdings sollten auch praktische Aspekte bedacht werden. Da viele Rüstungs-ETFs relativ neu sind und ein geringeres Fondsvolumen aufweisen, ist nicht jedes Produkt bei jeder Bank sparplanfähig. Auch die Spreads im Tageshandel können eine Rolle spielen – insbesondere bei sehr kleinen Orders.
Hinzu kommt: Manche Anbieter – insbesondere im öffentlichen oder nachhaltigkeitsorientierten Bereich – schließen Sparpläne auf Rüstungstitel explizit aus oder bieten sie nicht an. Anleger sollten daher vorab prüfen, ob ihre Depotbank die gewünschten Produkte unterstützt und welche Konditionen gelten.
Ein ETF-Sparplan ist grundsätzlich auch im Rüstungssegment möglich – jedoch ist die Auswahl kleiner, die Umsetzung erfordert mehr Sorgfalt, und ethische Aspekte sollten sorgfältig abgewogen werden.
7. Regionaler Fokus: Europa, Deutschland oder global?
Anleger, die gezielt nach regionalen Schwerpunkten im Bereich Rüstungs-ETFs suchen, stoßen schnell auf drei Kategorien: ETFs mit Fokus auf Europa, auf die globale Rüstungsindustrie sowie auf deutsche Einzelwerte.
ETF Rüstungsindustrie weltweit
Die meisten der aktuell verfügbaren ETFs sind global ausgerichtet. Sie bündeln Unternehmen aus den USA, Europa und Asien – häufig mit einer deutlichen Übergewichtung US-amerikanischer Konzerne. Zu den vertretenen Unternehmen zählen unter anderem Lockheed Martin, Northrop Grumman, Palantir (mit militärnahen Datenanalyseanwendungen) sowie europäische Anbieter wie Thales oder Hensoldt. Je nach Index können Zusammensetzung und Gewichtung jedoch erheblich variieren.
Europäischer Rüstungs-ETF
Anleger mit Fokus auf europäische Verteidigungsunternehmen finden Alternativen mit engerem regionalem Bezug. Ein entsprechender ETF investiert ausschließlich in Unternehmen mit Hauptsitz in Europa. Der zugrunde liegende Index berücksichtigt nur solche Firmen, die mindestens 25 % ihres Umsatzes mit Verteidigung oder sicherheitsbezogenen Technologien erwirtschaften.
Deutscher Rüstungs-ETF
Einen spezifischen „Deutschland-only“-ETF für die Rüstungsbranche gibt es derzeit nicht. Allerdings sind deutsche Unternehmen in einigen Produkten vertreten. So enthält ein globaler Themen-ETF beispielsweise Rheinmetall mit hoher Gewichtung. Auch Hensoldt oder Renk können über solche ETFs abgedeckt werden, sofern sie im jeweiligen Index gelistet sind.6
Unterm Strich gilt: Wer einen regionalen Fokus im Rüstungsbereich setzen will, muss die Indexzusammensetzung genau prüfen – denn Namen und Marketing-Bezeichnungen der ETFs sagen oft wenig über das tatsächliche geografische Gewichtung aus.
8. Fazit: Chancen, Risiken und ethische Abwägung
Rüstungs-ETFs sind ein vergleichsweise junges Segment, das in den letzten Jahren durch geopolitische Spannungen und veränderte sicherheitspolitische Prioritäten an Bedeutung gewonnen hat. Anleger erhalten mit diesen Produkten die Möglichkeit, breit gestreut in Unternehmen zu investieren, die an militärischer Ausrüstung, Verteidigungstechnologie oder sicherheitsrelevanter Infrastruktur beteiligt sind.
Im Vergleich zu klassischen Sektoren wie Technologie oder Konsumgüter unterscheiden sich Rüstungs-ETFs durch ein spezielles Risikoprofil: Sie reagieren häufig sensibel auf politische Entscheidungen, sicherheitsrelevante Großereignisse oder staatliche Haushaltsplanungen. Gleichzeitig sind viele Titel in dieser Branche von langfristigen Investitionen der öffentlichen Hand geprägt, was für eine gewisse Grundnachfrage sorgen kann.
Zudem stehen ethische und moralische Fragen im Raum: Während manche Anleger Rüstungsinvestments als Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit westlicher Demokratien sehen, lehnen andere jede Form von wirtschaftlicher Beteiligung an Waffenherstellern ab. Diese Debatte ist nicht neu – gewinnt aber angesichts veränderter Bedrohungslagen erneut an Brisanz.
Für Investoren bedeutet das: Wer sich für Rüstungs-ETFs interessiert, sollte eine bewusste Entscheidung treffen – nicht nur aus Renditegründen, sondern auch mit Blick auf persönliche Werte, ESG-Präferenzen und das politische Umfeld. Die Bandbreite der verfügbaren Produkte wächst – doch gerade bei Themen-ETFs gilt: Gründliche Analyse ist essenziell.
FAQ
Ein Index ist ein Korb aus ausgewählten Aktien, der die Wertentwicklung eines bestimmten Marktes oder Sektors misst. ETFs bilden genau diesen Index 1:1 nach.
Das Fondsvolumen beschreibt, wie viel Kapital insgesamt im ETF investiert ist. Ein höheres Volumen gilt meist als stabiles Qualitätsmerkmal.
Liquidität beschreibt, wie einfach ein ETF gekauft oder verkauft werden kann, ohne den Preis stark zu beeinflussen. Hohe Liquidität führt zu engeren Spreads und geringeren Handelskosten.
Die TER gibt an, wie viel ein ETF pro Jahr an laufenden Kosten verursacht. Sie wird vom Fonds automatisch abgezogen und beeinflusst langfristig die Rendite.
Die Replikationsmethode beschreibt, wie ein ETF seinen Index nachbildet – physisch durch echte Aktien oder synthetisch über Derivate.
ESG steht für Environmental, Social & Governance und beschreibt Nachhaltigkeitskriterien, nach denen Unternehmen bewertet oder ausgeschlossen werden können.
Dazu gehören Unternehmen, die militärische Ausrüstung, Sicherheitstechnologie, Luft- und Raumfahrttechnik oder militärnahe IT-Systeme entwickeln.
Ein Themen-ETF konzentriert sich auf ein spezifisches Zukunftsthema wie Verteidigung, KI oder Robotik und bildet keinen klassischen breiten Marktindex ab.
UCITS ist ein EU-Regelwerk, das strenge Anforderungen an Sicherheit, Transparenz und Diversifikation eines ETF stellt. UCITS-ETFs gelten als besonders reguliert und Anleger freundlich.
1. MarketVector (2025): Global Defense Industry Index.
2. Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) (2025): Trends in World Military Expenditure, 2024. Fact Sheet.
3. J. Sinram, ARD Stockholm (2025): Weltweite Rüstungsumsätze auf Rekordhoch.
4. LBBW Asset Management: (2025): Sicher Leben - themenbezogener Aktienfonds.
5. VanEck (2025): Defense UCITS ETF.
6. WisdomTree (2025): Europe Defence UCITS ETF.
7. HANetf (2025): Future of Defence UCITS ETF – Acc.
8. iShares (2025): Global Aerospace & Defence UCITS ETF.
9. Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) (2025): Deutschland investiert in Verteidigung und stärkt das Bündnis. https://www.bmvg.de/de/aktuelles/deutschland-investiert-in-verteidigung-und-staerkt-das-buendnis-6045046
10. Dr. V, Weber. DGAP - Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (2025): Gegen Chinas und Russlands Cyberaggressionen ist Cyberabwehr nicht genug.
11. Deutsche Bundesbank (2018): The growing importance of exchange-traded funds in the financial markets. S. 6.
12. Siehe Tabelle, Abschnitt 3: Überblick ausgewählter Rüstungs-ETFs.
Sipri. THE SIPRI TOP 100 ARMSPRODUCING AND MILITARY SERVICES COMPANIES, 2024 (2025).
Deutsche Bundesbank (2018): The growing importance of exchange-traded funds in the financial markets. S. 6.
3 Schritte zum ETF
1. Depot
Eröffnen Sie ein kostenloses Depot oder nutzen Sie Ihr bestehendes.
2. ETF
Wählen Sie Ihren ETF bequem online aus.
3. Order
Geben Sie Ihre Order auf.
