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Quantencomputer-ETFs

Überblick, Kosten und Risiken

Lange galten Quantencomputer als Stoff für Wissenschaftsjournale und Forschungslabore. Das ist heute anders. Global agierende Konzerne, aber auch die Politik und die Finanzmärkte interessieren sich für sie. So werden inzwischen Milliarden Euro in die weitere Entwicklung dieser Quantentechnologien investiert.1

Welche Möglichkeiten bieten spezialisierte Indexfonds, um die Entwicklung von Unternehmen aus dem Bereich Quantencomputing abzubilden, ohne ausschließlich auf einzelne Unternehmen setzen zu müssen?

1. Wie funktioniert ein Quantencomputer-ETF?

Um zu verstehen, was sich hinter einem Quantencomputer-ETF konkret verbirgt, hilft ein Blick auf die Technologie selbst. Während klassische Computer mit sogenannten Bits rechnen, die entweder den Wert 0 oder 1 annehmen, setzen Quantencomputer stattdessen auf Qubits. Diese können sich dank des quantenphysikalischen Prinzips der Superposition in einem Zustand befinden, in dem die Zustände 0 und 1 gleichzeitig überlagert sind. Aufgrund dieser zunächst unspektakulär anmutenden Eigenschaft eröffnen Quantencomputer zumindest theoretisch neue Möglichkeiten für die Verarbeitung bestimmter komplexer Berechnungen.

Die daraus folgenden Implikationen reichen weit über die Informatik hinaus. So wird beispielsweise untersucht, ob sich mit ihrer Hilfe komplexe molekulare Strukturen simulieren und damit bestimmte Forschungsprozesse in der Pharmaindustrie unterstützen lassen. Logistikfirmen könnten Quantencomputer perspektivisch bei der Lösung komplexer Optimierungsprobleme einsetzen. Auch im Finanzsektor wird untersucht, ob Quantencomputer künftig bei der Erstellung komplexer Risikomodelle oder bei der Entwicklung und Optimierung von Handelsstrategien eingesetzt werden könnten.

Ein Quantencomputer-ETF investiert nun in Unternehmen, die an genau solchen Technologien forschen, entwickeln oder in verwandten Bereichen tätig sind. Die exakte Zusammensetzung von Quantencomputer-ETFs ist in der Regel aber heterogen, wobei zwischen den verschiedenen Unternehmenstypen zu unterscheiden ist:

  • Reine Quantencomputing-Spezialisten wie IonQ, D-Wave Quantum oder Rigetti Computing sind vollständig auf Quantentechnologien fokussiert. Bei diesen Unternehmen hängt die Geschäftsentwicklung in besonderem Maße davon ab, wie sich die Technologie technologisch und kommerziell weiterentwickelt.
  • Große Technologiekonzerne wie Microsoft, IBM oder Alphabet wenden hohe Summen für ihre eigenen Quantenprogramme auf, machen ihre Umsätze (aktuell) aber überwiegend mit anderen Produkten.2 Dadurch weisen diese Unternehmen ein breiter diversifiziertes Geschäftsmodell auf als reine Quantencomputing-Spezialisten.
  • Angrenzende Infrastrukturanbieter – etwa Halbleiterhersteller oder Telekommunikationsunternehmen –, die an quantensicherer Verschlüsselung arbeiten, tauchen ebenfalls in vielen Quantencomputer-ETFs auf.

Daran zeigt sich, dass nicht jeder ETF, der den Begriff „Quantum“ im Namen trägt, ausschließlich in Unternehmen investiert, die auf Quantencomputing spezialisiert sind. Manche Indexfonds mischen stattdessen KI-, Halbleiter- oder Cloud-Unternehmen bei, ohne dass dies auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Worauf Anleger achten sollten:

Wer genau wissen möchte, was in einem Portfolio enthalten ist, findet in der Fondsdokumentation des jeweiligen ETF-Anbieters alle notwendigen Informationen. Unter anderem im Basisinformationsblatt (KID).3

2. Überblick über ausgewählte Quantencomputer-ETFs

Im Folgenden werden einige ausgewählte Produkte und ihre wesentlichen Merkmale vorgestellt. Die Auswahl dient ausschließlich der Veranschaulichung und stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf dar.

ETFTERFondsvolumenErtragsverwendungReplikationsmethodeISIN
VanEck Quantum Computing UCITS ETF0,55%ca. 758 Mio. €ThesaurierendPhysischIE0007Y8Y157
WisdomTree Quantum Computing UCITS ETF0,50%ca. 314 Mio. €ThesaurierendPhysischIE000W8WMSL2
iShares Quantum Computing UCITS ETF0,50%ca. 66 Mio. €ThesaurierendPhysischIE000C6ITGC8
Boreas Solactive Quantum Computing UCITS ETF0,49%ca. 3 Mio. €ThesaurierendPhysischIE000N7LUK04

Stand: August 2026. TER p.a.

Er gehört zu den länger am Markt verfügbaren Quantencomputer-ETFs auf dem deutschen Markt. Der zugrundeliegende Index bildet 30 Unternehmen ab, die in der Forschung, Entwicklung und Vermarktung von Quantensystemen tätig sind. Zu den größeren Positionen im VanEck Quantum Computing UCITS ETF zählen neben IonQ insbesondere D-Wave Quantum und Wells Fargo. Sein Volumen beträgt im August 2026 ca. 758 Millionen Euro.4

WisdomTree verfolgt einen ähnlichen Ansatz wie VanEck, gewichtet die Positionen allerdings nach einem eigenen Methodenrahmen, was zu leichten Abweichungen führt. Zu den größten Positionen zählen Rigetti Computing, IonQ und D-Wave Quantum. Die Gesamtkostenquote (TER) beträgt 0,50 Prozent.5

Das Produkt des ETF-Anbieters BlackRock ist erst im Dezember 2025 aufgelegt worden. Das Fondsvolumen betrug knapp 66 Millionen Euro (Stand August 2026). Die Zusammensetzung unterscheidet sich von den zuvor genannten ETFs, da der Fonds vorrangig etablierte Konzerne wie Intel, Alphabet und IBM enthält.6

Der Boreas Solactive Quantum Computing UCITS ETF bildet den Solactive Developed Quantum Computing Index ab, der 25 Unternehmen aus den USA und entwickelten europäischen Märkten umfasst. Neben Herstellern von Quantencomputern berücksichtigt der Index auch Unternehmen aus den Bereichen Quanten-Software, Algorithmen, Kommunikation und Sensorik. Zu den größeren Positionen zählen unter anderem D-Wave Quantum, SEALSQ, IonQ und Rigetti Computing. Mit einer TER von 0,49 Prozent liegt der ETF auf einem ähnlichen Kostenniveau wie die anderen hier betrachteten Produkte. Das Fondsvolumen beträgt im August 2026 rund 3 Millionen Euro.10

3. Chancen und Risiken von Quantencomputer-ETFs

Für den Markt werden langfristig Wachstumsmöglichkeiten erwartet. Eine McKinsey-Analyse aus dem Jahr 2025 schätzt, dass der Markt für Quantencomputing bis 2035 ein Volumen von bis zu 100 Milliarden US-Dollar erreichen könnte.7 Den möglichen Chancen stehen jedoch verschiedene technologische, wirtschaftliche und marktbezogene Risiken gegenüber:

ChancenRisiken
Langfristige Marktentwicklung: Einzelne Marktprognosen gehen von einem möglichen langfristigen Wachstum des Quantencomputing-Marktes aus.Technologische Unsicherheit: Die Technologie ist bislang nicht ausgereift. Ein Investment ist daher wesentlich von der zukünftigen technologischen und kommerziellen Entwicklung abhängig.
Staatliche Förderung: Förderprogramme in den USA, China und der EU unterstützen Forschung und Entwicklung im Bereich der Quantentechnologien.8Unternehmensrisiken: Viele auf Quantencomputing spezialisierte Unternehmen schreiben derzeit Verluste. Können die Erwartungen an ihre zukünftige Geschäftsentwicklung nicht erfüllt werden, sind deutliche Kursverluste möglich.
Mögliche Anwendungen: Der zunehmende Bedarf an Rechenleistung im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz könnte langfristig auch die Erforschung neuer Einsatzmöglichkeiten für Quantencomputer vorantreiben.Bewertungsrisiken: Bei Unternehmen mit bislang geringen oder negativen Gewinnen spielen Erwartungen an die zukünftige Geschäftsentwicklung eine wichtige Rolle für die Bewertung. Enttäuschungen können entsprechend zu Kursrückgängen führen.
Technologische Entwicklungen: Entwicklungen wie Googles Quantenchip „Willow“ sind Teil der laufenden Forschung an leistungsfähigeren Quantencomputern.9Geografische Konzentration: Viele Quantencomputer-ETFs weisen einen hohen Anteil an US-amerikanischen Unternehmen auf. Wer bereits stark in US-Werte investiert ist, kann diese Konzentration durch einen solchen ETF weiter erhöhen.
Diversifikation innerhalb des Themas: Quantencomputer-ETFs bilden mehrere Unternehmen und unterschiedliche Technologieansätze innerhalb eines Fonds ab.Themenkonzentration: Trotz der Streuung auf mehrere Unternehmen konzentrieren sich Quantencomputer-ETFs auf ein einzelnes Technologiethema. Die Entwicklung des gesamten Themenbereichs kann daher einen erheblichen Einfluss auf die Wertentwicklung haben.

4. Was sollten Anleger bei Quantencomputer-ETFs beachten?

Breit gestreute ETFs auf globale Aktienindizes wie den MSCI World oder den FTSE All-World bilden einen breiten Teil des internationalen Aktienmarktes ab und werden häufig zur Diversifikation eines Portfolios eingesetzt. Ein Quantencomputer-ETF verfolgt dagegen einen deutlich stärker thematisch fokussierten Ansatz und ist entsprechend mit höheren Konzentrations- und Schwankungsrisiken verbunden. Bei der Betrachtung eines solchen Investments sind insbesondere folgende Aspekte relevant:

  • Langfristiger Anlagehorizont: Die technologische Entwicklung des Quantencomputings erstreckt sich voraussichtlich über einen längeren Zeitraum. Ein entsprechender Anlagehorizont kann daher bei der Betrachtung eines solchen Investments relevant sein.
  • Risikotoleranz: Die Kurse der im ETF enthaltenen Unternehmen können erheblichen Schwankungen unterliegen. Anleger sollten daher mögliche Kursverluste und die damit verbundenen Risiken berücksichtigen.
  • Unsicherheit der zukünftigen Entwicklung: Die Wertentwicklung eines Quantencomputer-ETFs hängt wesentlich davon ab, wie sich die Technologie künftig technologisch und kommerziell entwickelt. Anleger sollten daher berücksichtigen, dass die erwartete Entwicklung der Branche ausbleiben oder hinter den Erwartungen zurückbleiben kann.

Die sogenannte Core-Satellite-Strategie ist ein mögliches Konzept zur Strukturierung eines Wertpapierdepots. Dabei bildet ein breit diversifizierter ETF den Kern des Depots, während thematisch ausgerichtete ETFs einen ergänzenden Bestandteil bilden können. Ob und in welchem Umfang ein thematisch ausgerichteter ETF berücksichtigt wird, hängt unter anderem von den individuellen Anlagezielen, der Risikobereitschaft, dem Anlagehorizont und der bestehenden Depotstruktur ab.

5. Fazit

Quantencomputer-ETFs verlangen von ihren Investoren vor allem eins: Geduld. Auch wenn die Technologie äußerst spannend ist und zahlreiche, teils weitreichende Anwendungsmöglichkeiten verspricht, sind die kommerziellen Produkte bislang rar. Anleger investieren mit einem Quantencomputer-ETF heute daher vor allem in die Erwartung, dass sich die Technologie künftig kommerziell durchsetzen wird.

Die weitere Entwicklung der Technologie und ihre wirtschaftliche Bedeutung sind derzeit jedoch nur schwer abzuschätzen. Quantencomputer-ETFs bleiben daher ein thematisch fokussiertes Investment, bei dem neben möglichen langfristigen Entwicklungen auch erhebliche technologische, wirtschaftliche und marktbezogene Risiken berücksichtigt werden sollten.

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Quantencomputer-ETFs konzentrieren sich gezielt auf Unternehmen, die an Quantentechnologien forschen, diese entwickeln oder in verwandten Bereichen tätig sind. Im Vergleich zu KI- oder Halbleiter-ETFs ist der Markt hier jedoch deutlich jünger und weniger ausgereift, was mit höheren Risiken und zugleich erheblichen Unsicherheiten hinsichtlich der langfristigen Marktentwicklung verbunden ist. Zudem enthalten viele Quantencomputer-ETFs eine stärkere Beimischung von spezialisierten Unternehmen mit noch nicht profitablen Geschäftsmodellen, während andere Technologie-ETFs häufiger auf etablierte und bereits profitable Konzerne setzen.

Leistungsfähige Quantencomputer könnten perspektivisch bestimmte heute verbreitete kryptografische Verfahren wie RSA oder ECC gefährden, da sie bestimmte mathematische Probleme deutlich schneller lösen können als klassische Computer. Gleichzeitig fördern sie die Entwicklung sogenannter Verfahren der Post-Quanten-Kryptografie (PQC), die gegenüber solchen Angriffen resistent sind. Unternehmen, die an quantensicherer Verschlüsselung arbeiten, können daher ebenfalls Bestandteil entsprechender ETFs sein.

Die Entwicklung von Quantentechnologien ist eng mit geopolitischen Interessen verknüpft, da sie sowohl wirtschaftliche als auch sicherheitspolitische Bedeutung besitzen. Staatliche Förderprogramme und ein internationaler Wettbewerb – insbesondere zwischen den USA, China und der Europäischen Union – können die Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung der Branche beeinflussen. Gleichzeitig bergen Exportkontrollen, regulatorische Eingriffe oder technologische Abschottung das Risiko, dass Lieferketten unterbrochen oder einzelne Unternehmen benachteiligt werden.

1. Die Zeit (2021): Bund investiert zwei Milliarden Euro für Quantencomputer.

https://www.zeit.de/digital/2021-05/quantencomputer-technologie-forschung-entwicklung-etat-anja-karliczek

2. Microsoft (2025): Microsoft eröffnet hochmodernes Quantenlabor in Lyngby, Dänemark – Meilenstein für skalierbare Quantencomputer.

https://news.microsoft.com/source/emea/2025/11/microsoft-eroffnet-hochmodernes-quantenlabor-in-lyngby/?lang=de

3. Europäische Union (2024): Basisinformationen über Anlageprodukte.

4. VanEck: VanEck Quantum Computing UCITS ETF.

https://www.vaneck.com/de/de/anlagen/quantum-computing-etf/uebersicht/

5. WisdomTree: WisdomTree Quantum Computing UCITS ETF - USD Acc.

https://www.wisdomtree.eu/de-de/etfs/thematic/wqtm---wisdomtree-quantum-computing-ucits-etf---usd-acc

6. iShares: iShares Quantum Computing UCITS ETF.

https://www.ishares.com/de/privatanleger/de/produkte/345953/ishares-quantum-computing-ucits-etf?switchLocale=y&siteEntryPassthrough=true

7. Soller, H.; McKinsey & Company (2025): The Year of Quantum: From concept to reality in 2025.

8. Europäische Kommission: Flaggschiff der Quantentechnologien.

https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/quantum-technologies-flagship

9. Neven, H.; Google (2024): Meet Willow, our state-of-the-art quantum chip.

https://blog.google/innovation-and-ai/technology/research/google-willow-quantum-chip/

10. Lunate: Boreas Solactive Quantum Computing UCITS ETF - Inc.

https://etfs.lunate.com/en/etf-detail/QUANTM

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