Börsentalk #9 - Oliver Szabries von der ICF Bank über Börsenmythen, die Börse Quotrix und das drohende PFOF-Verbot
In der neunten Folge blicken wir mit Oliver Szabries, stellvertretender Vorstandssprecher der ICF Bank, unter die Haube einer Börse bzw. eines Market Makers. Die ICF Bank betreut die Market Maker-Funktion der bei uns angeschlossenen Börse Quotrix. Dabei räumen wir mit einigen Mythen auf, die sich um die Funktionsweise einer Börse, um Market Maker und um Online-Broker in diesem Zusammenhang ranken.
Konkret gehen wir in diesem Börsentalk auf folgende Punkte ein:
- Wer ist die ICF Bank und was macht sie an der Börse Quotrix?
- Was sind die Besonderheiten der Börse Quotrix?
- Sieht man wirklich jede Kundenorder und evtl. Orderlimits?
- Nach welchen Kriterien werden Wertpapiere auf Quotrix gehandelt / gelistet?
- Handeln an Quotrix neben Privatanlegern auch institutionelle Kunden?
- Wie kommen die Kurse zustande und was ist eigentlich der Spread?
- Wie verdient eine Börse Geld?
- Warum sind die Kurse an den deutschen Börsen manchmal unterschiedlich?
- Gibt es je nach Bank/Broker unterschiedliche Quotes?
- Wie wird die Liquidität vom Market Maker sichergestellt?
- Wie siehst Du das drohende PFOF-Verbot?
Zum Schluss haben wir Oliver noch drei Fragen gestellt, die uns unsere Kunden am häufigsten fragen:
- Warum können eigentlich keine Schweizer Aktien mehr auf Quotrix gehandelt werden?
- Warum können eigentlich keine Aktienbruchteile an einer Börse gehandelt werden?
- In manchen Fällen kommt es zu einem Mistrade oder Kursaufbesserung: Warum eigentlich und was ist das überhaupt?
Wenn du möchtest, dass deine Frage in einer der nächsten Folgen beantwortet wird, schicke uns eine E-Mail an: podcast(at)justtrade.com
Michael: Folge 9 unseres Podcasts. Guten Morgen, Tim!
Tim: Hi Michael, grüß dich!
Michael: Ja, auch in dieser Folge haben wir einen extrem spannenden Gast: Oliver Szabries, Vorstand der ICF Bank. Das ist der Market Maker hinter Quotrix. Und heute sprechen wir mit Olli über das Thema Börsenhandel. Tim, vielleicht gibt's du uns einen kurzen Einblick?
Tim: Ja, genau. Also, das ist ja schon erwähnt: Wir sprechen im Prinzip über die Börse und schauen mal, was sich unter der Haube quasi befindet. Und das ist wirklich sehr interessant. Wir räumen auch mit einigen Mythen auf, die es rund um die Börse immer wieder gibt. Und natürlich haben wir auch Oliver dazu gefragt, wie er zum Thema PFOF steht.
Und am Ende ist es so, dass wir uns natürlich auch mal angeschaut haben: Was sind eigentlich so die häufigsten Fragen, die unsere Kunden stellen, wenn es um das Thema Börsenhandel geht? Also alles in allem, glaube ich, eine gelungene Folge. Und wie immer gilt: Reinhören lohnt sich!
Michael: Bevor es gleich losgeht, hier noch ein kurzer Disclaimer: Die bereitgestellten Inhalte in diesem Podcast dienen nur der Information, stellen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar und sind weder als Angebot noch als Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Kryptowährungen zu verstehen.
Michael: Ja, wir freuen uns heute über einen ganz besonderen Gast: Oliver Szabries, Vorstand bei der ICF Bank. Das ist der Market Maker von Quotrix. Quotrix ist ja die Börse der ersten Stunde bei uns. Also seit Gründung von justTRADE haben wir die Börse Quotrix angebunden.
Olli, erklär doch einfach mal, was die ICF Bank macht und was – und ja, wer bist du eigentlich?
Oliver: Erst mal vielen Dank, dass ihr mich eingeladen habt. Ich freue mich wirklich sehr, die Gelegenheit zu bekommen. Wir sehen und hören uns oft, aber eben nicht so für eure Kunden zugänglich. Deshalb freue ich mich.
Damals – ich bin eigentlich gebürtiger Hamburger, aber schon sehr, sehr lange hier in der Region – bin ich ausgebildet worden in einer Hamburger Privatbank und da auch später in den Handel gegangen, als es wirklich noch Parketthandel in Deutschland gab.
Das hat mich später zum Spezialisten für Renten und Derivate ausgebildet. Ich habe auch selber Schulungen im Bereich Aktienhandel gegeben und bin aber irgendwann aus dem Handel raus, in den 2000er-Jahren in die Geschäftsführung von Brokergesellschaften oder Handelsbanken gekommen.
Das reizt mich. Wir testen, ob ich das hinkriege. Hat ganz gut funktioniert. Bin seit der Zeit sozusagen immer in der Geschäftsleitung von Brokern und Börsen. Vor zwölf Jahren auch schon mal für eine Interimszeit hier bei der ICF umstrukturiert und bin seit 2021 auch wieder hier.
Ich bin zuständig insbesondere für den Bereich Handel, also Handelsvorstand, aber auch für die Bereiche Legal, Compliance und Public Relations.
Und Handelsvorstand klingt immer so toll nach Handel. Ich muss sagen, manchmal vergesse ich meine Wurzeln, weil wenn ich rausgehe und schon ist Aufregung, muss ich sagen, da hat man verstanden, dass man dann doch leider relativ weit weg von diesem klassischen Tagesgeschäft ist. Aber es ist spannend, das macht mir unheimlich viel Spaß. Ich mache das ja schon ein paar Tage und habe den Draht nicht verloren.
Michael: Ja, das war die Frage nach meiner Person ein bisschen umfangreich. Jetzt, ich glaube, du hast noch gefragt genau, was die ICF Bank macht.
Oliver: Genau. Ist natürlich jetzt für die Privaten weniger wichtig. Für die Privaten steht ja immer erst mal die Börse.
Die ICF Bank ist Market Maker hinter einer dieser Plattformen und hat primär drei Säulen.
Das eine ist unser Capital-Markets-Bereich. Das ist der Bereich, in dem wir Kapitalerhöhungen für Firmen durchführen, auch Börsengänge machen, aber auch Finanzierungen über Bonds.
Dann haben wir unseren Bereich, bei uns heißt das Global Markets, die klassische Order Execution für institutionelle Kunden. Primär sind unsere Kunden Großbanken oder auch Versicherungskonzerne, für die wir Orders weltweit ausführen, inzwischen an knapp 60 Börsenplätzen weltweit.
Und der Bereich Market Making. Das ist der, der heute bei uns, glaube ich, eher im Fokus steht. Da sind wir an verschiedenen Plattformen selber als Market Maker in allen Assetklassen tätig. Und dazu gehört eben auch Quotrix.
Quotrix ist eine Börse und die ICF hat den Auftrag als Market Maker, jederzeit für Liquidität zu sorgen und Preise zu stellen. Das ist für uns eine tolle Plattform für Privatanleger, weil sie viele Vorteile bietet.
Es ist aber nicht unsere Börse. Also wir sind nicht die Börse, sondern der Market Maker hinter der Plattform. Quotrix selber ist ein Börsensystem und gehört der BÖAG Börsen AG und der Börse Düsseldorf.
Michael: Ja, spannend. Also, wir wollen heute auch mal – man muss das ja mal ausnutzen, wenn man einen Vorstand von einem Market Maker oder auch jemanden, der in der Börse zu tun hat, im Podcast hat – wir wollen heute mal so einen Blick unter die Motorhaube werfen.
Und da geht es natürlich auch um die Funktionsweise von einer Börse. Vielleicht kannst du uns mal erläutern, was du als Besonderheit oder als Vorteil der Börse Quotrix siehst?
Oliver: Ja, also grundsätzlich erst mal: Der Unterschied zwischen börslichem Handel – auch wenn wir beides anbieten – ist, dass es reguliert und überwacht ist.
Was unterscheidet Quotrix von anderen Plattformen und Systemen? Das ist der Punkt, auf den ich eben schon eingehen wollte. Ich finde, Quotrix ist perfekt konzentriert für Privatanleger. Das liegt daran, dass es eigentlich zwei Dinge anbietet.
Das eine ist das sogenannte Long-System. Da können die Privatkunden oder Kunden am Ende Orders einstellen, egal ob mit oder ohne Limit, und die werden direkt ausgeführt. Das heißt, es gibt automatisierte Ausführungen dahinter.
Und dann gibt es den zweiten Teil, das, was viele Kunden eben auch schätzen: Das ist das Request-for-Quote-System. Das heißt, der Kunde stellt aktiv eine Anfrage, kriegt einen Quote zurück, kann darauf handeln.
Und da unterscheiden wir uns bei Quotrix von anderen Systemen. Das ist nicht überall so und bietet eben beide Welten. Der Kunde kann aussuchen.
Michael: Genau. Und ich glaube, was man also aus der Erfahrung von unseren Kunden auch immer hören ist, dass ihr auch im ETF-Bereich recht stark seid, aber auch natürlich bei Aktien einfach eine Wahnsinnsauswahl habt.
Wie viele Länder beziehungsweise wie viele Auslandsaktien handelt ihr? Das Schöne ist ja: in Euro und das auch noch zu langen Handelszeiten.
Du hast eben das Thema Order-Limit angesprochen. Ist das eigentlich so, dass ihr jede Kundenorder seht? Also seht ihr die einzelnen Limits der Kunden und könntet dann sozusagen optimiert ausführen? Oder wie ist das für euch? Ist das eine Blackbox?
Oliver: Ja, also, um das mal vorweg ganz klar und deutlich festzuhalten: Es ist eine Blackbox. Wir sehen es nicht.
Und das ist aber jetzt der Punkt dahinter: Das ist nicht eigentlich in allen Börsen, in allen Systemen so. Bei uns ist es so: Wir können die Orders nicht sehen. Im Orderbuch dazu gibt es das Request-for-Quote-System.
Der Kunde fragt an. Auch da sehen wir das übrigens nicht. Sondern was wir sehen, ist die Stückzahl. Das macht auch Sinn, wenn der Kunde mit einer bestimmten Stückzahl handeln möchte. Das heißt, es ist wichtig, dass der Händler die Stückzahl kennt, damit er auch korrekt antworten kann.
Also, sonst könnte er auch testen: Wie groß ist die Order? Auch da sehen wir aber die Seite nicht. Das heißt, es gibt beide Seiten. Die Quotierungssysteme stellen ein, egal, was für ein Quote kommt. Und der Händler sieht das nicht.
In beiden Systemen teilen wir das nicht. Das ist echt etwas Besonderes und auch aus Kundensicht natürlich eine tolle Sache, weil er genau weiß: Ihr geht eigentlich an jede Order neutral ran.
Michael: Ich meine, natürlich müsst ihr das Volumen sehen. Das ist logisch, weil ihr wisst ja auch, welchen Preis ihr stellen müsst. Und wenn ihr das Volumen nicht kennt, dann wird es halt schwierig.
Aber das ist in der Tat – da gibt es in der Tat andere Market-Maker-Börsen, sage ich mal, die da Einblick haben. Und das ist eine gute Sache.
Jetzt ist es ja so, dass ihr auch eine Referenzmarkt-Garantie bietet. Kannst du vielleicht mal ganz kurz erklären, was das genau bedeutet und was das eigentlich für einen Vorteil für den Kunden ist?
Oliver: Also, das ist so ein Thema, das polarisiert so ein bisschen.
Grundsätzlich ist es so, dass die ICF, sage ich manchmal, für eine extrem hohe Preisqualität steht. Das ist etwas, was bei uns im Haus wichtig ist.
Wenn man für eine wirklich gute Preisqualität steht und immer darauf achtet, dass man marktgerecht und auch offensiv für die Kunden quotiert, glaube ich, ist so eine Preisgarantie an sich gar nicht so wichtig.
Aber wir haben die eben auch, um zu zeigen, dass wir diese Preise haben.
Ein Privatkunde kann jetzt wirklich unterscheiden: Wie ist der Preis gerade bei Quotrix oder woanders? Zumal es Latenzen gibt, also die Kurse springen mal unterschiedlich schnell um.
Und deshalb gibt es Garantien, die sich häufig an den Börsen orientieren, an denen institutionell gehandelt wird. Das halte ich für schwierig, weil dort andere Stückzahlen gehandelt werden und häufig auch breitere Spreads vorhanden sind.
Was wir garantieren, sind auf jeden Fall maximal die Spreads an anderen Börsen. Und dabei ist zum Beispiel Xetra für uns gar nicht maßgeblich als Garantiebörse.
Auch Xetra ist eine institutionelle Börse. Da hat man sehr große Orders und institutionelle Kunden. Die unterscheiden sich deutlich von der Größenordnung der Privatanleger.
Dementsprechend sind häufig die Preise, zum Beispiel auch bei Nebenwerten, besser. Wichtig ist, dass man enge Spreads hat. Das garantieren wir auch im Vergleich zu Wettbewerbsbörsen und dass man wirklich auch eine marktgerechte, offensive Quotierung rausgeht. Dafür steht die ICF.
Michael: Vielleicht kann man auch sagen – ich persönlich, wenn man so persönliche Meinung reinbringen darf –: Ich bin kein echter Freund von Garantien.
Es ist etwas, wenn man sie rausgibt, was dem Kunden – er kann es nachlesen – eine gewisse Sicherheit gibt. Aber wichtig ist, dass man an der Börse handelt und mit Market Makern handelt, die eben auch wirklich sagen: Ich habe marktgerechte, offensive Preise draußen.
Wenn ich das als Kunde dann auch noch mal querchecken kann – und ich meine, am Ende muss man ja sagen, gibt's da ja Untersuchungen auch von Stiftung Warentest, die immer gesagt haben, dass die Preise absolut gut sind. Da gibt's ja auch gar nichts dran zu deuten.
Und wie du auch sagst: Am Ende, ob es jetzt eine Garantie gibt oder nicht – wenn man sich darauf verlassen kann, dass man gute Preise bekommt, hurra, dann ist man ja geholfen.
Wie ist das denn? Wie entscheidet ihr eigentlich, welche Wertpapiere an Quotrix gehandelt oder gelistet werden?
Wir hatten sowieso Fälle: Da kam irgendwie Weber Grill neu an die Börse in den USA, dann waren die erst mal in Deutschland nicht handelbar. Also ist das eine Entscheidung, die ihr einfach autark zusammen mit der Börse trefft? Oder überlegt ihr euch das: Was könnte spannend sein?
Vielleicht kannst du da mal so ein bisschen erläutern, wie das bei euch läuft.
Oliver: Ich fange mal mit der einfachen positiven Antwort an: Wir handeln alles, was irgendwie Sinn macht.
Wir haben eine Kollegin, die macht tatsächlich nichts anderes. Die kommt jeden Tag hier rein und scannt den Markt, sondern guckt: Was gibt es Neues? Was haben wir noch nicht? Wo gibt es plötzlich Umsätze, vielleicht auch im Ausland?
Dann checkt sie: Kann man das handeln? Geht das? Und da darf man das auch handeln? Und dann führen wir das ein.
Das hat dazu geführt, dass es heutzutage ein Handelsuniversum von, ich meine, 16.000 Titeln gibt. Inzwischen nationale und internationale Titel. Das ist wirklich viel.
Und wir gucken permanent weiter: Was gibt es, was wir noch nicht haben? Und wir berücksichtigen dabei auch Kundenwünsche.
Also, wenn ihr auf uns zukommt – wenn Kunden auf euch zukommen und sagen: Könnt ihr das handeln? – dann wird es hier sofort geprüft. Und wenn es handelbar ist und halbwegs Sinn macht, machen wir das auch.
Der Punkt, den du eben angesprochen hast, ist ein bisschen komplexer, weil er einen regulatorischen Hintergrund hat.
Und zwar hängt das an der Leerverkaufsverordnung. Das ist so ein Thema: Man darf keine Titel einfach leer verkaufen. Short Selling, also zu verkaufen, ohne sie zu haben, ist regulatorisch untersagt.
Und es gibt dafür Ausnahmegenehmigungen, die kriegt man klassischerweise als Market Maker.
Das heißt, wenn wir einen Titel an einer Börse einführen, dann müssen wir vorher bei der BaFin einen Antrag stellen auf eine Befreiung als Market Maker vom Leerverkaufsverbot.
Und erst wenn wir die Antwort von der BaFin haben, dürfen wir ihn auch handeln. Wir dürfen ihn vorher nicht handeln. Wir dürfen nur long gehen.
Das würde wiederum bedeuten, wir können nicht beidseitige Quotes stellen. Und das ist der Punkt.
Das heißt, es geht damit los: Ein ganz neuer Titel ist in Deutschland noch gar nicht handelbar. Das würde bedeuten, ich kann zum Beispiel keinen Verkaufspreis stellen. Und das wäre das, was den Anleger als Erstes interessiert.
In dem Moment würde ich sagen: Darf ich nicht? So, das ist das Problem.
Und tatsächlich ist dann die Frage: In welcher Minute, Stunde, an welchem Tag hat der Market Maker den Hinweis bekommen, da gibt es etwas, könnt ihr einführen? Und wie schnell reagiert die BaFin?
Es kann also durchaus sein, dass mehr oder weniger auch alle gleichzeitig einen Antrag bei einer deutschen Börse für einen Titel stellen, aber zu unterschiedlicher Zeit eine Rückmeldung von der BaFin kriegen.
Und bevor sie die nicht haben, dürfen sie das nicht handeln.
Michael: Okay, das ist also eine regulatorische Einschränkung, die manchmal zu Verwerfungen führt.
Und dann ist ja, glaube ich, auch noch das Thema, dass jede Firma, also dann die Aktiengesellschaft, diese sogenannte LEI-Nummer haben muss, damit sie börslich gehandelt werden darf.
Außerbörslich ist das egal, aber börslich braucht sie das, glaube ich. Das war das Thema damals bei Weber Grill, dass sie nämlich keine LEI hatten. Oder Robinhood war das Gleiche. Die hatten eine falsche, glaube ich.
Oliver: Das ist ein Thema. Es gibt so ein interessantes Portal für diese LEIs, die verpflichtend sind. Und da kommt es manchmal auch schon zu Verwerfungen, weil eine Konzernstruktur besteht und die LEI, die vorhanden ist, gar nicht zu dem Tochterunternehmen gehört, das an der Börse eingeführt werden soll.
Und dann ist es sofort ein No-Go.
Das heißt: Wenn die LEI nicht wirklich die korrekte ist, zu dem, was auch wirklich gehandelt werden soll, dann ist der Handel untersagt.
Michael: Also nur LEI und kein Handel geht nicht.
Okay, aber auf jeden Fall sagen wir mal: Gut zu wissen. Wenn Kunden das anfragen, wenn Kunden uns etwas schicken, dann reichen wir euch das gerne weiter und dann prüft ihr das mal. Und ja, mal schauen, vielleicht kommt da in Zukunft mal wieder eine Anfrage.
Oliver: Unbedingt. Wir freuen uns über jede Anregung und wir freuen uns über jeden Umsatz.
Michael: Handeln denn eigentlich – du hast ja auch schon die Kunden von Quotrix beziehungsweise von eurem Market Maker erzählt – neben Privatanlegern auch institutionelle Kunden bei euch?
Oliver: Das ist sicherlich so. Also, eine Börse ist ja ein öffentlich-rechtlicher Marktplatz. Was bedeutet das? Jeder, der die Voraussetzungen erfüllt, dort handeln zu können, und zugelassen werden möchte, kann zugelassen werden.
Also, wir können keine Kunden ausschließen bei einer Börse. Das ist der Unterschied zum Handel.
Das heißt, wenn irgendeine Bank kommt oder ein Broker und sagt: Ich möchte die Teilnahmezulassung haben, auch bei Quotrix, dann bekommt er die, vorausgesetzt, er erfüllt die regulatorischen Voraussetzungen und auch die Voraussetzungen auf der Abwicklungsseite.
Das heißt, wenn wir gemeinsam Wertpapiere handeln, bedarf es ja auch einer Abwicklung hinten dran – dieser Wertpapiere, sowohl auf der Wertpapierseite als auch auf der Seite der Bezahlung, also der Cash-Seite.
Das muss sichergestellt sein. Wenn das der Fall ist, werden diese Teilnehmer zugelassen.
Die anderen, die auch in aller Regel zugelassen sind, sind die Systeme, die aufgesetzt worden sind. Die sind maßgeschneidert für Privatanleger, aber nicht optimal für institutionelle Kunden.
Das heißt, das, was wir wissen, was zum Beispiel auf diesen klassischen internationalen Plattformen – Xetra als Beispiel, aber auch andere große weltweit agierende Börsen – das Algo-Trading fördern und den Hochfrequenzhandel fördern.
Die müssen entscheidend mit ihrem Anschluss auch wirklich am Börsennetzwerk dran sein. Die sind meistens nicht besonders glücklich, wenn sie an einer klassischen Privatanlegerbörse handeln, weil ihre Systeme völlig anders funktionieren.
Aber es gibt diesen Flow. Also, wir haben auch institutionellen Flow, nicht nur Privatanleger. Und das ist im Großen und Ganzen auch okay.
Michael: So, jetzt möchten wir noch mal über etwas ganz Grundlegendes sprechen, und zwar: Wie kommen denn eigentlich die Kurse an der Börse zustande? Das wäre auch noch mal sehr interessant.
Oliver: Ganz platt gesagt: Angebot und Nachfrage.
Überall im Leben tatsächlich kommen Kurse zustande durch Angebot und Nachfrage. Gibt es keine Gegenseite, also keine Orders, die im Buch aufeinandertreffen, dann ist es der Market Maker, also wir, der in diesem Fall Liquidität zur Verfügung stellt.
Immer zu aktuellen und auch – wohlgemerkt – durch die Handelsüberwachungsstelle überwachten Preisen.
Wir können uns das nicht aussuchen, sondern wir müssen marktgerechte Preise stellen und garantieren eben für eine bestimmte Mindestliquidität. Die reicht auch locker aus für alles, was wir Privatanleger haben. Das gilt auch für institutionelle Orders.
Wenn am Ende keine Orders gegeneinander treffen, stellen wir die Preise zur Verfügung.
Michael: Am Ende funktioniert eine Börse an der Stelle wie ein Wochenmarkt. Auch das ist im Prinzip ein regulierter Marktplatz.
Bei uns ist es natürlich eine andere Ware. Es ist eben kein Apfel, den wir handeln. Der Unterschied ist auch: Die einen kaufen und die anderen verkaufen. Aber im Prinzip funktioniert das gleich.
Und wir sind diejenigen, die, wenn keine Orders aufeinander treffen, direkt dafür sorgen, dass der Markt ausgeglichen wird.
Du hast vorhin das Stichwort Liquidität gesagt. Wie gewährleistet ihr denn dann Liquidität? Wie macht ihr das genau?
Oliver: Ja, so zunächst mal: Wir haben natürlich relativ viel Liquidität. Wir sind ein Wertpapierhandelshaus, wir haben relativ viel Eigenkapital, wir haben auch relativ viel Liquidität.
Liquidität ist sozusagen der Stahl, der für uns der Werkstoff ist, den wir brauchen. Cash-Unterlegung, die haben wir auch immer in ausreichender Größenordnung.
Und überall da, wo wir geschäftlich aktiv sind, müssen wir auch ausreichend Sicherheiten unterhalten.
Dann ist es so, dass wir Datenbanken haben, die permanent aktuell die Preise stellen.
Wir sind dann quasi – wir suchen uns die Positionen nicht bewusst aus, sondern bekommen durch Zufall Positionen, je nachdem, was die Kunden bei uns so ordern.
Und haben dann im Prinzip ein Risiko auf dem Buch, was wir handeln.
Aber es ist ein diversifiziertes Portfolio, was wir haben, ein bisschen mit einem Hedgefonds vergleichbar, wobei auch der das bewusst angeht. Hier eben nicht.
Dann haben wir verschiedene Instrumente. Ganz grob rechnen wir die Longs und Shorts gegeneinander und müssen gucken, dass wir mit unserer Liquidität und dem Platzstellen der Position am Ende irgendwie klarkommen.
Michael: Total interessant. Und da wollen wir noch mal einen Schritt zurückgehen und noch mal kurz den Begriff klären: Was ist denn eigentlich dann der Spread, der dann ja auch dabei immer entsteht bei Angebot und Nachfrage?
Oliver: Ja, wenn ich wieder zu meinem kleinen praktischen Beispiel mit den Äpfeln zurückkomme: Das ist der Unterschied.
Wenn ich zum Marktstand gehe und Äpfel kaufe, weiß der vorher, was passiert. Wir wissen das nicht.
Der Marktstandbetreiber verkauft die Äpfel, kauft sie nicht zurück in aller Regel. Er kauft sie aber beim Großhändler ein.
Und er kauft sie zu einem anderen Preis vom Großhändler ein, als er sie weiterverkauft. Das ist seine Marge.
Und da unterscheiden wir uns an vielen Punkten.
Wenn der Privatkunde zu uns kommt, stellen wir von vornherein einen Verkaufs- und einen Einkaufspreis, also Geld und Brief. Er kann immer kaufen und verkaufen.
Diese Spreads sind teilweise auch null. Gerade im ETF-Bereich gibt es wirklich Produkte, bei denen wir sagen: Es ist derselbe Kurs. Ich kann zum gleichen Kurs kaufen und verkaufen.
Und das, was bei uns eben nicht der Fall ist: Wir haben keine feste Marge.
Also, beim Beispiel mit den Äpfeln hat der Marktstandbetreiber eine feste Marge zwischen seinem Großhändler und dem Endkunden. Das ist bei uns nicht der Fall.
Wir haben Situationen, da läuft eine Wertpapiergattung, egal ob long oder short, erst mal in eine bestimmte Richtung.
Wir haben dann in aller Regel nur Kunden, die kaufen, oder nur Kunden, die verkaufen, in dem Moment quer über alle Gattungen.
Und wir haben damit ein Risiko auf dem Buch, was wir handeln müssen.
Das heißt, immer mal angenommen, der Spread wären unsere Marge – das ist er nicht per se, weil das bedeuten würde, dass wir wirklich zu einem bestimmten Preis bei einem Kunden verkaufen und beim anderen Kunden kaufen.
Das wäre Zufall. Das kommt so gut wie nie vor.
Der Spread ist primär abhängig von der Frage, wie liquid das Papier ist. Je höher die Liquidität, desto kleiner ist der Spread, möglicherweise null.
Ein weniger liquides Papier braucht ein bisschen mehr Schutz und Reaktionsmöglichkeit, sodass der Spread etwas weiter ist.
Michael: Aber ihr habt ja auch das Thema: Wenn jetzt ein Kunde morgens einen US-Wert handelt, dann hat die US-Börse noch gar nicht auf.
Das heißt, ihr müsst euch ja auch überlegen, in welche Richtung geht der. Und das ist, glaube ich, dann auch so ein Thema, was ihr halt im Spread ein bisschen berücksichtigt.
Was aber auch okay ist, weil ansonsten müsste ich als Kunde ja warten, bis 15:30 Uhr, und könnte gar nicht vorher handeln.
Oliver: Ja, also, in Teilen können die Spreads, wenn eine Heimatbörse im Ausland geschlossen ist, durchaus auch breiter sein. Das betrifft auch Feiertage. Das ist, glaube ich, das größere Problem noch.
Aber ich würde sagen, es gibt durchaus auch extrem attraktive Spreads zu Zeiten, in denen der Handel in den USA zum Beispiel noch gar nicht eröffnet ist.
Weil wir inzwischen einen sehr liquiden Markt auch in Euro investieren, eben in Deutschland, haben.
Und es sich an der Stelle für Privatanleger in aller Regel überhaupt nicht lohnt, im Ausland zu handeln, weil der Markt eben auch so liquide geworden ist.
Also, das glaube ich, ist relativ unkritisch.
Michael: Du hast vorhin den Spread quasi auch als Marge angesprochen. Aber wie verdient denn jetzt wirklich die Börse oder ihr auch als Market Maker Geld?
Oliver: Wir als Market Maker – das ist das, was ich versucht habe zu beschreiben – haben ein relativ komplexes Geschäft.
Wir haben permanent ein riesiges Portfolio an tausenden von Gattungen, die wir irgendwie durchs Market Making auf unsere Bücher bekommen haben.
Und die müssen wir absichern.
Es ist eben nicht so, dass ich mich dann umdrehen kann und sagen kann: Das, was ich gerade von irgendeinem Kunden bekommen habe, verkauft ja nichts, kauft der nächste Kunde und ich habe jetzt verdient.
Sondern wir arbeiten mit unserem Gesamtportfolio, was bestmöglich abgesichert ist, immer in irgendeine Richtung.
Und müssen dann gucken, auch mit Algorithmen, die wir hinten dran haben, wann können wir uns wieder darstellen und erzielen damit hoffentlich langfristig eine Rendite.
Das ist nicht immer so. Es gibt durchaus Tage, wo das auch mal nicht funktioniert.
Aber langfristig gesehen muss man eben mit einer offensiven Quotierung auch in der Lage sein, das Portfolio so zu handeln, mit den Hedge-Instrumenten, dass man das auch wieder auflösen kann.
Michael: Und die Börse wiederum – in diesem Fall die Börse Düsseldorf, die Quotrix betreibt – hat andere Einnahmequellen?
Oliver: Also, Börsen haben traditionell Einnahmequellen in Form von Handelsgebühren, einer Ordergebühr sozusagen, für Handelsteilnehmer, Zulassung für Händler und all solche Themen.
Die sogenannten Neo-Börsen, zu denen ich Quotrix jetzt zählen würde, haben das nicht.
Quotrix hat keine Handelsgebühren für die Kunden und auch für die Marktteilnehmer keine Zulassungsgebühren in irgendeiner Form.
Diese Plattformen sind so, wie es früher mal war, gedacht: wirklich für den Markt und nicht für den Betreiber an sich.
Deshalb eher kostendeckend und nicht maximale Einnahmen. Es geht darum, so viel zu verdienen, dass die eine Daseinsberechtigung haben, dass sie die Plattform weiterentwickeln können und dass der Markt in der Lage ist, vielen anderen Geld zu verdienen.
Denn die Endkunden – ihr auch – sind der Markt.
Deshalb sind die Einnahmequellen der Börsen auf diesen Plattformen auch deutlich zurückgegangen.
Und sie werden in aller Regel – und das ist auch in diesem Fall so – zwischen dem Market Maker und der Börse verrechnet. Also, wir zahlen das.
Michael: Wir hatten ja vorhin jetzt auch schon über die verschiedensten Börsen in Deutschland gesprochen. Kannst du was dazu sagen, warum die Quotes zwischen den deutschen Börsen eigentlich auch so unterschiedlich sind? Also, woran könnte das liegen?
Oliver: Ja, also als Erstes würde ich jetzt mal wieder sagen: Wir versuchen einfach immer aggressiv zu quotieren, immer wirklich top-marktgerechte Preise draußen zu haben. Das hat uns auch einen Namen gemacht in der Branche.
Und zwar auch nicht nur bei Retail-Investoren, sondern eben auch bei institutionellen, die immer mal wieder feststellen, dass wir auch in vielen Produktgruppen sehr gute Kurse draußen haben, teilweise sogar Spreads von null und sehr aggressiv preisen.
Das machen nicht alle so. Die Systeme sind auch unterschiedlich.
Ich kann jetzt nicht für andere sprechen, warum sie es nicht tun. Aber ich halte das für wichtig. Und das war auch schon immer wichtig gewesen, auch vor meiner Zeit.
Und es ist eben nicht nur an einem Platz.
Man muss dazu allerdings auch sagen: Es gibt eben auch Börsen, die eigentlich nicht für den Privatinvestor gemacht sind, sondern für institutionelle Kunden.
Da werden alle Stückzahlen gehandelt, häufig auch sehr große. Damit sind auch möglicherweise die Spreads breiter.
Und da werden auch weniger die typischen liquiden Titel oder die Auslandstitel gehandelt.
Das ist einfach ein anderer Markt. Und deshalb sind die Spreads dort vielleicht weiter.
Michael: Stellt ihr eigentlich je nach Bank oder auch Broker unterschiedliche Quotes? Das fragen uns unsere Kunden auch ab und zu mal. Da unterstellen sie uns das vermeintlich.
Oliver: Okay, interessante Frage. Dann kann ich eine klare Nein-Antwort geben.
Es wäre eine Katastrophe, wenn wir das tun würden. Es ist eine öffentlich-rechtliche Börse. Das wäre fatal.
Wir sehen in dem Moment noch nicht mal sofort, von wem die Order kommt.
Der Quote beziehungsweise Request for Quote unterscheidet sich da ein bisschen, aber auch da haben wir keine Ahnung, welcher Kunde das ist, was er kaufen will oder was er verkaufen will. Wir sehen die Seite nicht.
Wir haben keinen Einblick und wir machen keinen Unterschied. Für uns ist völlig egal, welche Bank und welcher Kunde kommt.
Und das muss es auch sein.
Michael: Ja, absolut.
Dann noch mal ein ganz anderes Thema: Wir hatten in der Podcast-Folge 7 das Thema auch schon mit Marc Tüngler. Da ging es um das sogenannte drohende Payment-for-Order-Flow-Verbot.
Hast du deine Sichtweise darauf?
Oliver: Ja, das Payment for Order Flow – also gut. Das ist mal die Frage: Kommt es?
Wahrscheinlich würden wir jetzt alle, wenn man sie anspricht, sagen: Inzwischen spricht viel dafür.
Die Frage ist: Wie kommt das? Das ist die ganz große Frage.
Das ist ein Thema, das treibt mich seit 20 Jahren um, und zwar schon mit MiFID I, also der ersten großen Regulierung an dieser Stelle.
Damals gab es schon die ersten Teilnehmer, die sagten: Es geht nur noch um die Frage, wer hat den engsten Spread draußen.
Wir wissen heute: Es geht gar nicht bei diesen Fragen der Best Execution oder der Frage, wo ich meine Order ausführe, nur um die Frage, wer hat den engsten Spread.
Sondern auch: Wie sind die Kostenstrukturen und so weiter?
Wir haben gelernt in dieser langen Zeit, dass Regulierung meistens an der Stelle leider so ein bisschen am Ziel vorbeigeht.
Wir wissen nicht, wie es ausgeht am Ende.
Ich rechne damit, dass eine Art von Payment for Order Flow kommt.
Ich rechne aber auch damit, dass es der Politik und dem Regulator nicht gelingt, ein echtes Level Playing Field zu schaffen – also wirklich Bedingungen, wo man sagt: Es ist wirklich für alle gleich und es wird nicht mehr gezahlt.
Wenn das kommt: Okay, fein, nehme ich das. Finde ich auch gut. Dann ist das so. Das ist für alle gleich. Müssen wir alle damit umgehen.
Dann kann das für die Privatanleger und auch für euch super spannend sein, weil es ja nicht so ist, dass wir dann alle sagen: Super, wir verdienen jetzt mehr Geld, wir freuen uns, weil wir keine Payment-for-Order-Flow-Zahlung oder anderes mehr bekommen.
Sondern der Kampf um die Orders des Endkunden geht ja weiter.
Das heißt, wir sind ja heute schon alle dabei zu sagen: Okay, je nachdem, wie das kommt, in Variante A, B oder C, was können wir dann mit dem Ertrag, den wir dann haben, machen, um besser zu werden und attraktiver für den Kunden?
Aber ich bin sehr gespannt, wie die Regulierung ausgeht. Das müssen wir abwarten.
Und ich bin jemand, der nicht glaubt, dass sie wirklich so ist, dass sie ein deutsches oder europäisches Level schafft.
Michael: Und ich glaube, am Ende ist ja auch so ein bisschen die Hoffnung gewesen, dass jetzt die, ich sag mal, Monopolbörsen profitieren, wenn das kommt.
Das sehe ich gar nicht. Also, warum soll eine Order wieder zurück zu Xetra gehen, wo ich dann Börsengebühren zahle, wenn ich doch bei euch den gleichen Preis oder einen besseren bekomme?
Dennoch glaube ich, läuft es schon darauf hinaus, dass am Ende der Endkunde etwas bezahlt.
Und das ist so ein bisschen das, was wir halt schade finden.
Im Moment ist es ja so ein Thema: Ihr gebt etwas von eurer Marge ab und damit wird es für den Endkunden in Summe günstiger.
Und was man ja auch sagen muss: Was ihr ja auch macht, ist, dass ich mir mit euch auch die Kosten beim Clearing und beim Settlement anschauen kann.
Wenn ich jetzt sozusagen über die Deutsche Börse handle, dann bin ich ja gefangen in diesem Monopol aus Deutsche Börse und Clearing.
Sprich, ich habe die teureren Abwicklungskosten.
Und wenn ich das mit euch mache, dann kann man eben auch an der Stelle Kostenoptimierung machen, die sowohl für euch als auch für uns zugutekommt und am Ende dann natürlich logischerweise auch dem Endkunden zugutekommt.
Und das ist halt so ein bisschen etwas, was in der Politik ja gar nicht beachtet wird.
Oliver: Also, die Politik und auch der Regulator – die werden es nie schaffen, weil sie ganz Spezialisten haben, die dann sitzen. Überwiegend Verwaltungstheoretiker, und die werden es auch mit Beratung nicht hinbekommen, wirklich zu verstehen: Wo sind die Vor- und Nachteile? Wo sind die Probleme?
Und eine Regulierung zu schaffen, die für uns alle einheitlich ist, das ist meine Befürchtung.
Es war schon immer so. Ich glaube, es bleibt auch so.
Weil, wie du es angesprochen hast: Die ICF ist natürlich auch noch auf anderen Plattformen unterwegs. Alles ist unterschiedlich und es ist auch gut so.
Es gibt für verschiedene Plattformen natürlich auch unterschiedliche Kundenstrukturen.
Ich glaube aber, um mal auf unsere Kundenbeziehung zu kommen: Payment for Order Flow in diesem Zusammenhang wird auch in Zukunft sicherlich genutzt werden, um Verbesserungen für den Kunden zu schaffen.
Das wird eine Herausforderung. Wir müssen gucken: Wie kommt die Gesetzgebung? Was kommt?
Aber wir werden sicherlich in einer Runde wie wir hier sitzen nicht aufhören, weiter tatkräftig alles zu tun, um Privatkunden zu einer Börse zu bringen, die auch wirklich Vorteile hat.
Michael: Ja, und das schaffen wir auch sehr gut.
Jetzt haben wir noch drei Fragen, die wir immer von unseren Kunden gestellt bekommen, die wir jetzt einfach mal stellen.
Und du kannst ja mal schauen, ob du da eine Antwort findest, weil die kommen wirklich häufig.
Wir haben wirklich so die häufigsten Fragen angeschaut, die kommen. Jetzt nicht unbedingt zu Quotrix, aber einfach: Wenn ich meine Börse etwas fragen könnte, dann wären das diese Fragen.
Und da ist Nummer eins:
Warum können eigentlich keine Schweizer Aktien mehr börslich oder an Quotrix gehandelt werden?
Oliver: Ja, das sage ich mal ganz böse: Das hat eigentlich relativ wenig mit dem eigentlichen Börsenhandel zu tun.
Das ist ein politisches Thema.
Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen: Es gab über Jahre den Versuch, ein wirtschaftliches Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU zu führen.
Da gab es sehr unterschiedliche Interessenslagen. Das ist am Ende gescheitert.
Und daraufhin hat die EU gesagt: Die Regulierung in der Schweiz und in der EU ist nicht gleichwertig.
Und das hatte Konsequenzen.
Am Ende gab es für die Schweiz eine Situation, in der möglicherweise Schweizer Titel auch nicht mehr in Zürich gehandelt worden wären, also primär in der EU.
Und um dem entgegenzuwirken, hat die Schweizer Börse am Ende von sich aus verboten, dass an der Börse in der Schweiz gelistete Schweizer Titel in der EU an einem Marktplatz gehandelt werden dürfen.
Wir dürfen schlicht wegen regulatorischem Geplänkel, politischem Geplänkel nicht handeln.
Die Anleger sind die Leidtragenden an der Stelle – sowohl auf der Schweizer Seite als auch auf der europäischen Seite.
Es bleibt aber immer noch die Ausnahme: Natürlich nach wie vor handeln können wir die USA. Also die großen Schweizer Titel werden in aller Regel auch in den USA in Dollar gehandelt.
Michael: Genau. Die bringt uns dann zu einer weiteren Frage, die unsere Kunden immer wieder beschäftigt.
Vor allem die, die sich jetzt für Aktien interessieren, die einen höheren Preis haben, also beispielsweise, wo eine Aktie 1.000 Euro kostet.
Da ist die Frage:
Warum können eigentlich keine Bruchstücke an einer Börse gehandelt werden?
Oliver: Also, grundsätzlich ist für den Handel in Bruchstücken immer die Voraussetzung die Abwickelbarkeit.
Und tatsächlich können Bruchstücke in der Struktur, wie heute in Deutschland Wertpapiere abgewickelt werden, nicht abgewickelt werden.
Das ist Clearstream, eine Tochter der Deutschen Börse. Das ist so eine gewisse Silostruktur in der deutschen Börsenlandschaft.
Wir sind alle darauf angewiesen, die irgendwo in unserer Abwicklung einzubeziehen. Und die können keine Bruchstücke handeln.
Wenn wir jetzt Bruchstücke an der Börse handeln würden, tatsächlich als Market Maker – theoretisch wäre es möglich.
Ihr könnt ja Börsenpreise kriegen und entwickelt mit euren Kunden Bruchstücke hinten dran ab. Macht eine eigene Buchhaltung. Würde gehen.
Aber das sind ja auch die Modelle, die heute gelebt haben, in aller Regel.
Wenn wir das machen würden und würden das börslich anbieten, würde das bedeuten, dass wir mit jedem, der bei Quotrix Bruchstücke handeln möchte, eine eigene Buchhaltung anschaffen müssten.
Das heißt, wenn der Kunde 0,3 Stücke gekauft hat über Quotrix, dann hätte ich eine – ich nenne es mal böse Schattenbuchhaltung. Vielleicht ist das ein unnötiges Wort an der Stelle.
Aber wir müssen eine Parallelbuchhaltung einführen mit jedem einzelnen Orderflow-Provider, um diese Bruchstücke mit jedem einzelnen Provider auf dem Buch zu haben und auch nur mit ihnen könnten wir sie wieder dort stellen und nicht untereinander.
Das ist relativ komplex.
Sodass man sagen muss: Heute ist es aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich noch besser, wenn es die Banken und Broker für ihre Kunden selber machen und einfach sich einen Preis dafür nutzen.
Für uns ist es eine Frage: Es muss ein Business Case sein.
Wenn wir das machen würden, könnten wir das bauen, wir können das programmieren. Wir haben ehrlich gesagt dafür einen Plan in der Schublade.
Wir haben das alles mal durchgerechnet. Technisch würde das gehen.
Aber wir sehen nicht, dass das eine einträgliche Rendite geben würde.
Und das ist wirklich ein Aufwand, mit allen Marktteilnehmern diese Parallelbuchhaltung aufzubauen und auch nur mit ihnen das untereinander stellen zu können.
Michael: Jetzt ist es ja so: Ein Kunde hat seine Order ausgeführt.
Diese wird ausgeführt und da gibt es in seltenen Fällen – zum Glück sehr selten – einen sogenannten Mistrade oder es kommt auch mal, ich sag mal, zu einer Kursaufbesserung.
Da kannst du einfach mal erklären, warum passiert das eigentlich manchmal und was ist das eigentlich überhaupt?
Oliver: Also, Mistrade würde ich mal einfach so spontan raus sagen: Da ist ein Fehler passiert.
Und nichts anderes ist das in aller Regel.
Der kann bei uns liegen, der kann irgendwo in der Zulieferung von Daten liegen. Es kann alle möglichen Ursachen für Fehler geben.
Fehler gibt es immer und überall.
Und die Frage ist eigentlich immer: Wie geht man damit um?
An der Börse ist der Handel reguliert und überwacht.
Und dann sind wir bei dem Thema: Es müssen marktgerechte Preise sein.
Und das heißt, wenn wir feststellen, es gab einen Fehler und der wird zugunsten des Kunden behoben beziehungsweise wir bemühen uns, einen Fehler aufzubessern, dann sind das kleine Fehler, die tolerierbar sind.
Und sie sind auch zugunsten des Kunden. Dann sagen wir: Wir müssen keinen Mistrade-Antrag stellen.
In aller Regel sind das dann wirklich gravierende Sachen.
Und dann ist es aber auch wichtig zu sagen: Der Preis war falsch, weil der Börsenhandel nicht richtig am Marktplatz gelaufen ist.
Dann gibt es einen Mistrade-Antrag.
Die Handelsüberwachung guckt drauf. Wir können das nicht einfach selber machen.
Die Handelsüberwachung schaut drauf und sagt: Ja, das passt.
Und dann wird dieses Geschäft storniert.
Das ist ein klassischer Mistrade.
Das ist aber – und das muss man auch sagen – auf der anderen Seite der Vorteil der Börse.
Das schützt alle Teilnehmer, und zwar uns genauso wie den Endkunden, egal ob institutionell oder Privatanleger.
Außerbörslich ist das nicht der Fall. Außerbörslich gibt es keine Instanz, die draufguckt und sagt: Ich entscheide das jetzt neutral.
Sondern da entscheidet es im Endeffekt der Marktteilnehmer alleine.
Deshalb finde ich Börsenhandel an der Stelle auch wirklich super, weil es einfach einen Kundenschutz gibt und damit Qualität auch sichergestellt ist.
Michael: Ich glaube, das ist wirklich ein sehr, sehr entscheidender Punkt.
Es gibt eine andere Instanz, die neutral draufschaut und auch sagt: Ihr habt einen Fehler gemacht.
Manchmal ist es ja auch so, dass ein Kunde sagt: Hier, der Preis, der stimmt irgendwie nicht.
Und dann wird das oft – also gibt es auch Fälle, wo das dann aufgehoben wird?
Oliver: Auf jeden Fall. Das ist eigentlich genau der Punkt, dass man sich eben auf diesen öffentlich-rechtlichen Marktplatz verlassen kann und die Gewissheit hat: Es schaut einfach immer jemand drauf.
Da werden alle Kurse sozusagen geprüft.
Und wenn es irgendeine Abweichung gibt, dann wird eben reagiert.
Und das ist ja extrem positiv.
Insofern machen wir da auch an den verschiedenen Plätzen unterschiedliche Erfahrungen.
Und ich muss sagen: Wir sind auch nicht immer glücklich, wenn eine Entscheidung gegen uns läuft an der Stelle.
Das ist ja auch so. Wir sind auch Marktteilnehmer in dem Moment und unterliegen einfach der Beurteilung der Handelsüberwachungsstelle.
Wir haben Erfahrung mit verschiedensten Stellen und ich muss sagen: Die Düsseldorfer Kollegen, die auch Quotrix betreuen, machen das super.
Die machen das professionell, sie kennen das Regelwerk genau und die Gesetzgebung. Sie haben aber auch so viel Erfahrung und Augenmaß, da wirklich gut zu entscheiden.
Und das ist auch ein weiterer Vorteil von Quotrix.
Michael: Ja, damit sind wir am Ende.
Ich glaube, du hast wirklich viel beigetragen zur Aufklärung von Mythen oder von Missverständnissen.
Und am Ende glaube ich, es lohnt sich für unsere Kunden, die Börse einfach auch mal öfters auszuwählen.
Insbesondere natürlich auch, weil ihr an der Börse seid und auch mal gar keinen Spread stellt, wo ich dann als Kunde noch mal Geld sparen kann.
Und mal abgesehen von den langen Handelszeiten habt ihr einfach ein tolles Angebot.
Olli, vielen Dank, dass du bei uns im Podcast warst!
Oliver: Ja, euch auch vielen Dank. Super Runde, hat mir viel Spaß gemacht.
Und ja, vielleicht können wir es irgendwann wiederholen mit neuen Fragen.
Vielen Dank! Ciao, ciao!
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