Skip to main content

Börsentalk #48 - MSCI World, US-Anteil und ETF-Strategien im Check mit dem ETF-Anbieter Amundi

In dieser Folge begrüßt Michael den Experten Thomas Meyer zu Drewer, Head of Public Distribution Germany & Austria bei Amundi. Gemeinsam werfen sie einen kritischen Blick auf den beliebten MSCI World Index: Wie „weltweit“ ist dieser Index wirklich, wenn rund 72 % des Gewichts auf US-Aktien entfallen? Welche Chancen und Risiken ergeben sich daraus – insbesondere im aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Umfeld?

Thomas erklärt anschaulich, warum der US-Anteil so hoch ist, was es mit den „Magnificent 7“ auf sich hat und wie sich Anlegerinnen und Anleger durch gezielte ETF-Auswahl ein breiter diversifiziertes Portfolio zusammenstellen können – z. B. durch Kombination von weiteren Indizes: MSCI USA, MSCI Europe oder Emerging Markets ETFs. Auch praktische Tipps rund um Sparpläne, Asset Allocation und den „Core-Satellite-Ansatz“ gibt’s inklusive.

Perfekt für alle, die mehr aus ihrem ETF-Investment machen möchten – egal ob Einsteiger oder Fortgeschrittene!

Über Amundi: https://www.amundietf.de/

Wenn du möchtest, dass deine Frage in einer der nächsten Folgen beantwortet wird, schicke uns eine E-Mail an: podcast(at)justtrade.com

Mehr Folgen

Michael: Ja, Börsentalk Folge 48. Heute mal ohne Nina. Nina ist leider krank. Insofern auch an dieser Stelle gute Besserung, dass du bald wieder gesund wirst und wieder beim Podcast als Cohost agieren kannst.

Nichtsdestotrotz habe ich heute einen Gast, und zwar Thomas Meyer zu Drewer, Head of Public Distribution Germany & Austria bei Amundi. Hallo Thomas.

Thomas: Hallo Michael. Und bevor ich mich bedanke für die Einladung, über die ich mich freue: Natürlich gute Besserung an Nina. Ich hoffe, sie hört uns zu, und ich hoffe, dass du vor allen Dingen schnell wieder auf dem Damm bist und dir als Cohost dann natürlich zur Seite stehen kann.

Der hohe US-Anteil im MSCI World

Michael: Thomas, wir haben dich eingeladen, weil wir mal über diesen MSCI World Index mit dir sprechen wollen und auch um das aktuelle Umfeld für US-Aktien. Ist irgendwie in aller Munde. Jeder sagt: „Ja, Mensch, wenn du Sparplan machen willst, mach doch MSCI World, da machst du nichts falsch, ne?“

So, in Summe ist es natürlich so, habe ich gelesen, du wirst das besser wissen, dass da 74 % US-Aktien drin sind von, glaube ich, 1.400 Aktien und natürlich auch extrem techlastig. Wie beeinflusst denn dieser hohe US-Anteil ein ausgewogenes Portfolio? Vielleicht auch vor dem Hintergrund, Stichwort irgendwie Klumpenrisiko, Diversifikation. Man dachte eigentlich, man investiert weltweit. Vielleicht kannst du das uns mal ganz kurz erläutern.

Thomas: Ja, sehr gerne, Michael. Das waren natürlich viele Fragen und bitte gerade dazwischen, wenn ich zu weit aushole, aber viel schlimmer, wenn ich die Hälfte vergesse.

Du hast so schön angefangen, da sind, glaubst du, 74 % drin. Ja, das ist schon etwas weniger geworden. Das ist etwas weniger geworden. Vor allen Dingen seit etwa Mitte Februar, seitdem nämlich die US-Aktien, aber vor allen Dingen die sogenannten Mega Caps, also wirklich die großen, die man kennt. Der Begriff ist ja auch glorreiche 7 oder auf Neudeutsch Magnificent Seven, stark Richtung Süden, wie man ja so schön sagt, unterwegs sind, sprich im Kurs gefallen sind.

Vielleicht, und gestatte mir, etwas weiter auszuholen: Wie kommt es eigentlich zu diesem Anteil von 72 oder 74 %? Ich habe den vorhin nachgeguckt. Aktuell, per heute, ist der bei rund 71,9 %.

Der MSCI World, der beliebteste ETF bei Privatanlegern, aber auch oft von institutionellen, also Großanlegern, eingesetzt. Das ist ein marktkapitalisierungsgewichteter Index. Und für diejenigen, die noch nicht ganz so damit vertraut sind, vielleicht ganz kurz: Was macht man dabei?

Nehmen wir mal eine Aktie wie Apple, die ja da drin enthalten ist. Da schaut man sich an auf der einen Seite die Anzahl der ausstehenden Aktien, also die an der Börse notiert sind und frei handelbar sind, multipliziert die mit dem Kurs und dann bekommt man die Marktkapitalisierung der Firma Apple.

Das macht man genauso für Microsoft, aber auch für die Bank Wells Fargo. Und eben aktuell sind da 1.354 Werte drin und du hast schon recht, das sind immer so um die 1.400. Das schwankt ein bisschen. Und da sind 23 industrialisierte Länder drin. Die USA sind nur eins davon.

Da ist aber zum Beispiel auch Japan drin. Das ist nämlich das zweithöchst gewichtete Land mit rund 5 %. Und wenn man das über die ganzen 1.357 Aktien gemacht hat, dann hat man die Marktkapitalisierung des MSCI World.

Und das kann man natürlich jetzt auf Länderebene zusammenfassen. Und so ergibt sich dann ein Anteil von, rund, sprechen wir jetzt mal von gerundeten Zahlen, von 72 % für die USA.

Und es ist natürlich klar, wenn die US-Werte dann sinken, vor allen Dingen in diesem Fall, kommen wir vielleicht noch drauf, die ganz großen, die zehn großen oder auch die berühmten Magnificent Seven. Und in den letzten Tagen hat es ja insbesondere auch eine Aktie stark erwischt, die Aktie der Firma Tesla.

Und wenn gleichzeitig jetzt mal für einen Moment unterstellt die Kurse in allen anderen Ländern, nämlich allen anderen 22 Nicht-US-Ländern, gleich bleiben würden, was sie aber nicht tun, ja, dann sinkt entsprechend der Marktanteil, die Marktkapitalisierung, die relative Marktkapitalisierung der US-Aktien.

Und das haben wir genau in den letzten Tagen gesehen. Und gestatte mir dazu noch zwei Bemerkungen, weil ich das auch sehr oft gefragt werde und wir beide haben das ja auch schon diese Frage auf den Börsentagen zusammen bekommen.

Die Marktkapitalisierung der USA ist deshalb so hoch, weil die US-Aktien – und da werden sich viele Zuhörer dran erinnern – in den letzten zehn Jahren natürlich sehr stark und seit Corona besonders stark gestiegen sind.

Und interessant war, meine Kollegen haben sich das mal angeguckt, wie eigentlich die Marktkapitalisierung von US-Aktien im Vergleich zu allen weltweit notierten Aktien – wichtig, alle weltweit an Börsen notierten Aktien, also nicht alle Unternehmen. Es gibt ja auch manche Unternehmen oder viele Unternehmen, die nicht an Börsen notiert sind.

Dann hat man etwa in den letzten zehn Jahren, wie schon gesagt, hat das unheimlich stark zugelegt und man findet da so etwa einen Marktanteil, einen durchschnittlichen, zurzeit von 50 % im Verhältnis zu allen Aktien.

Ja, wenn man nur den MSCI World, wie gesagt, mit den 23 Ländern anschaut, dann hat man eine Gewichtung zurzeit von 72 %.

US-Aktien, Trump und das aktuelle Marktumfeld

Michael: Und wenn man jetzt sich mal überlegt, welche Chancen und Risiken sich ergeben im aktuellen Umfeld, also insbesondere auch vor dem Hintergrund, ich sag mal, der Wirtschafts- und Zollpolitik von Trump, je nachdem, was die Fed dann auch macht. Siehst du da irgendwie Chancen und Risiken?

Thomas: Ja, momentan ist es natürlich so ein Mischmasch, den es schwer ist auszusortieren. Also fangen wir mal damit an, mit der Inflationsrate.

Die Inflationsrate für Februar ist in den USA zurückgegangen gegenüber dem Vormonat um rund 0,2 Prozentpunkte. Das heißt, im Jahresvergleich, also Februar 2025 gegen Februar 2024, haben wir eine Inflationsrate von 2,8 %. Das heißt, die Preise steigen weiter.

Jetzt hat es in den letzten Tagen ja eine Äußerung des US-amerikanischen Präsidenten gegeben, die Richtung Rezession ging. Also ein Zurück der Wirtschaftsleistung. Denn bisher ist die US-Wirtschaft weiterhin sehr stabil, auch entgegen mancher Vorhersage bereits vor zwei Jahren.

Also, wenn man mal so 24 Monate zurückgeht, 18 bis 24 Monate, da war damals eher die Erwartung, dass auch in den USA die Wirtschaft zurückgeht. Die hat sich aber prächtig entwickelt. Das ist der eine Teil der Gemengelage.

Der andere ist natürlich: Wie wird sich die amerikanische Zentralbank verhalten?

Das ist etwas klarer für die Europäische Zentralbank, die ja vor kurzem den Zins gesenkt hat, vor allen Dingen auch den Einlagenzins. Das merken natürlich viele Zuhörer, wenn sie auf ihr eigenes Tagesgeldkonto gucken.

Und in den USA gab es in den vergangenen Tagen die ersten Äußerungen durchaus von dem einen oder anderen Mitglied der amerikanischen Zentralbank, die Fed heißt, Federal Reserve. Ja, das ist die offizielle Bezeichnung der amerikanischen Zentralbank, dass es doch eventuell zur Zinssenkung kommen könnte.

Also, es ist eine sehr komplizierte Gemengelage momentan. Hinzu kommen natürlich, das darf man auch nicht vergessen, das haben wir jetzt noch ein bisschen ausgeblendet, natürlich die geopolitischen Veränderungen, ob nun im Mittleren Osten, aber ganz besonders leider seit über drei Jahren inzwischen vor unserer Haustür.

Und dann gab es ja Erklärungen des amerikanischen Präsidenten, dass er das sehr schnell beenden wird. Wir sind jetzt in einem Umfeld, wo man nicht genau weiß, was passieren wird.

Und damit, das war jetzt nicht deine Frage, aber das muss ich jetzt leider aufbringen. Vielleicht noch drauf kommen, denn die Zuhörer, die Zuhörerin verfolgen natürlich die Märkte und deshalb sprechen wir beide, deshalb hast du mich noch eingeladen. Noch mal vielen Dank dafür.

Kapitalflüsse nach Europa

Was man sieht seit ein paar Monaten, etwa seit, ja, ich würde mal sagen, November, Dezember letzten Jahres, ist, dass die Zuflüsse in europäische Aktienfonds, also in Aktienfonds, die auf Europa setzen, unglaublich zugenommen haben. Und das kann man ja auch wiederum ablesen an zwei Dingen.

Der DAX ganz vorne, der ja auch heute wieder fest ist, nachdem er zwei, drei schwächere Tage hatte. Aber man sieht das vor allen Dingen auch an dem Wechselkursverhältnis zwischen dem US-Dollar, was vor kurzem noch bei 1,03 stand und das jetzt bei 1,09, nahe sogar 1,10, ist.

Sprich, es gibt starke Nachfrage wegen dem Euro, nach dem Euro, weshalb der Euro stark gestiegen ist in den letzten Tagen, in den letzten Wochen, und der amerikanische US-Dollar entsprechend abgewertet hat.

Wir haben also da eine umgekehrte Bewegung verglichen mit den Bewegungen, die wir, ich würde es mal grob sagen, seit 2020 hatten, als nicht nur der Aufschwung an den Börsen zunahm ab März, ab April mit Corona, mit Covid-19 und den entsprechenden Lockdowns, sondern wir sehen momentan auch eine Bewegung weg aus US-Aktien, vor allem in den großen Technologieaktien, ganz speziell auch hier nach Europa.

Michael: Ja, das ist echt spannend. Das ist eigentlich auch schön, ne, dass unsere europäischen Aktien auch mal ein bisschen Aufschwung erfahren.

MSCI World mit anderen ETFs ergänzen

Michael: Wenn ich jetzt überlege, ich habe so ein MSCI World und will aber irgendwie, ich bekomme mit diesen 72 % und diesen Techwerten nicht so ganz klar, gibt's da eine Chance, mit ETFs das Portfolio so ein bisschen selbst zu steuern und würdest du sagen, ist das irgendwie sinnvoll?

Thomas: Also, ich fange einmal mit der Sinnhaftigkeit an. Ja, ich glaube, für denjenigen, der noch zu den Jüngeren gehört, der also noch viel Zeit auch vor sich hat, oder der weiß – und ich möchte ganz speziell auch die etwas Älteren dabei ansprechen, weil die Frage, die werden oft vernachlässigt –, ja, aber diejenigen, die wissen, ja, ich bekomme in Kürze die Rente, ich habe noch Zusatzeinnahmen, damit kann ich gut leben.

Für all die gilt natürlich jetzt: Bitte nicht in Panik verfallen, sondern durchatmen und weiter durchhalten.

Denn was ich ganz klar sehe oder aus der Vergangenheit – und hier ist ein ganz wichtiger Punkt auch als Disclaimer, also als wichtiger Hinweis, zu dem wir auch verpflichtet sind: Worüber wir, Michael, du und ich sprechen, sind natürlich Erkenntnisse aus der Vergangenheit. Und Erkenntnisse aus der Vergangenheit erlauben auch keine Anlageberatung. Das ist ganz klar.

Aber vor allen Dingen auch das ist immer wichtig: Ja, es gibt gewisse Muster in den Märkten, wo man mit einem gewissen Vertrauen, auf Deutsch Konfidenz, sagen kann, das wird sich fortsetzen. Und kann in den Vereinigten Staaten bis 1871 zurückgehen, was Aktienkursentwicklung anbetrifft.

Und da zeigt sich einfach, dass über so lange Zeiträume eben an Aktien deshalb nicht vorbeizukommen ist, weil Aktien auch den realen Wert deines Vermögens, deines Vermögensaufbaus erhalten, während man im festverzinslichen Bereich eben auch große Phasen hat von einer negativen Realverzinsung.

Weil man darf immer eins nicht vergessen: Realverzinsung ist nichts anderes als Nominalverzinsung.

Also, wenn ich eine zehnjährige Bundesanleihe habe, die dann einen Zinskupon hat von, sagen wir mal, 2 % und wenn dann die Inflationsrate aber bei 2,8 % wäre, dann habe ich natürlich eine negative Verzinsung.

Und bevor der ein oder andere sagt, die haben aber nur halb Ahnung, das ist alles noch vor Kosten und vor Steuern. Ja, das ist ja auch noch ein wichtiger Punkt.

So, und da zeigt sich einfach, dass man an Aktien nicht vorbeikommt. Und jetzt komme ich zu deiner ursprünglichen Frage. Ja, man kann eigentlich nur jedem anraten, auch wenn wir da keine Anlageberatung machen dürfen und auch machen können, einfach auch durchzuhalten.

Denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass solche Umfelder, wie wir jetzt haben, und vor kurzem war ja dann Corona, das war genauso ein Umfeld, oder auch die Finanzkrise. Da ist es immer wichtig, dass man durchhält.

Und deshalb ist sicherlich der wichtigste Ratschlag, den ich in dem Fall auch als Ratschlag markieren wollen würde: immer an die Börse auch mit Geld zu gehen, dass man wirklich für längere Zeit entbehren kann. Auf ein Ziel kann man da nicht sparen oder auf ein Ziel anlegen. Das ist der falsche Ansatz.

MSCI USA, MSCI Europe und Emerging Markets

Jetzt hast du aber noch eine andere interessante Frage gestellt. Es ist natürlich so, wenn ich dann sage, ja, ich möchte das etwas mehr streuen, diversifizieren, dann kann ich mir natürlich ein Portfolio zusammenstellen, was aus einem ETF zum Beispiel auf den MSCI USA besteht.

Auch da wechseln immer wieder oder verändern sich die Anzahl der Aktien, die ich habe. Mit Stand vom 28.2., für diejenigen, die das gerne googeln möchten, hatte der MSCI USA 589 Mitglieder, also Aktien. Ähnlich wie auch der MSCI World sind natürlich die großen, die wir schon angesprochen haben, drin. Es gibt auch kleinere Werte, die drin sind.

Aber das ist zum Beispiel eine Möglichkeit. Oder noch bekannter ist natürlich der S&P 500, den auch viele im Depot haben.

Und dann sage ich einfach: Wenn mein Gefühl für die USA ist, ich sollte nicht mehr als 30 % meiner Aktienanlage haben, und dann sage ich vielleicht in einem zweiten Schritt, nehme ich dann den STOXX 600, den STOXX Europe 600. Der hat die 600 größten und kleinsten Werte Europas drin.

Und dann kann ich natürlich – das war jetzt zwar nicht speziell deine Frage – aber bitte auch im Auge immer mal behalten: Schwellenländer. Auch Schwellenländer profitieren beispielsweise von einem schwächeren US-Dollar.

Und wenn man sich das langfristig überlegt, alleine aufgrund der demografischen Veränderung, die wir in vielen Gesellschaften haben, und da sind, wie wir ja aus eigener Erfahrung vor der eigenen Haustür sozusagen wissen, ist ja die große Diskussion auch die Überalterung der Gesellschaft.

Wenn man an Länder denkt wie Indien, wie Brasilien, dann sind das Länder, wo teilweise die Bevölkerung, die Hälfte der Bevölkerung unter 18 Jahre ist, wo der Mittelstand sich mehr und mehr herausbildet.

Also auch sicherlich ein wichtiger Gesichtspunkt, um gestreut, genau deine Frage, um diversifiziert anzulegen.

Individuelle Gewichtung innerhalb der USA

Michael: Wenn ich das jetzt mache, ne, dann habe ich ja mit diesem MSCI USA und dann habt ihr ja auch diesen MSCI USA Mega Cap und ihr habt sogar auch diesen USA X Mega Cap im Angebot. Dann könnte ich da ja so ein bisschen schauen, mir so eine individuellere USA-Allokation zu basteln, ne?

Siehst du da irgendwelche Szenarien, die da für so eine Strategie sprechen?

Thomas: Auf jeden Fall. Und jetzt kommen wir wieder zu deiner ersten, zu deiner Eingangsfrage. Man muss natürlich auch immer die Entwicklung und auch die Anlage im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung sehen.

Was haben wir in den letzten Jahren gesehen? Gefragt waren vor allen Dingen diese Mega Caps, deshalb auch die glorreichen Sieben. Oder wenn du den S&P 500 beispielsweise nimmst und nimmst die zehn größten Werte, dann hatten die jetzt in der Vergangenheit so um die 30 % als Gewicht und waren für rund 70 % der Wertentwicklung verantwortlich.

Das Gleiche für den MSCI USA übrigens. Interessanterweise, MSCI World habe ich mir mal angeguckt, die zehn größten Werte, alles US-Werte, hatten dort ein Gewicht von 25 %, also auch noch ziemlich groß.

Was kann ich, was heißt das im Umkehrschluss? Natürlich war der Fokus immer auf die großen Techwerte, die ja das im Wesentlichen ausmachen. Und diese Techwerte sind seit 2020, seit dem Lockdown, seit Covid-19, sehr gut gelaufen.

Aber natürlich kommt irgendwann mal auch die Frage nach der Bewertung auf. Ganz besonders kann man das bei Nvidia sehen.

Und die Frage ist, und jetzt kommen wir nämlich auf die wirtschaftlichen Zusammenhänge: Herr Trump hat ja erklärt, dass er mit Steuersenkungen die amerikanische Wirtschaft ankurbeln wird, dass es da also ein sehr freundliches Umfeld ist. Und das ist meist ein Umfeld, wo bisher auch erwartet wurde. Und auch das hat der amerikanische Präsident gesagt. Und da deshalb ja auch seine Aussage zur Rezession.

Das gibt jetzt einen kurzen Einschnitt und dann kommt das goldene Zeitalter der USA wieder.

Wenn man jetzt mal diese Faktoren alle nimmt, dann ist das ein sehr günstiges Umfeld gerade auch für kleinere Werte. Wenn man an Infrastrukturprogramme, die übrigens unter Herrn Biden schon angefangen haben, denkt, ist das vor allen Dingen auch für Industriewerte.

Denn man darf ja nicht vergessen, diese Hightech-Werte, die kommen aus Branchen, die da heißen IT natürlich, ja, also Technologie, die sind aus den Bereichen Kommunikationsdienstleistungen, dann gibt es auch – das heißt nicht Basiskonsumgüter, also alles aus dem Techbereich.

Während natürlich, und du hast angesprochen, X Mega Cap, der natürlich sehr breit aufgestellt ist, da sind Industriewerte drin.

Das ist also alles: Werte, Energiewerte, die davon profitieren können, wenn eben die wirtschaftliche Entwicklung mehr in die Breite geht.

Sprich, wenn eben Infrastrukturausgaben, das ist ein Standardbeispiel, aber wenn eben auch die Steuersenkung dazu führen, dass diese Unternehmen ihre Unterbewertung, die sie gegenüber den großen Werten, den Mega Caps, hatten, wenn diese Unterbewertung sich dann wieder normalisiert, also zu einem normalen Maß zurückfindet.

Und das, und du hast es eben angesprochen, ein ETF, der eben auch auf X Mega Cap sitzt.

Und um jetzt auch noch mal das Beispiel zu nehmen: Der MSCI USA, 589 Werte. Und wenn man dann die Mega Caps davon abziehen würde – das sind per, wie gesagt, es hängt immer davon ab, das sind per Februar 2025 27 Werte gewesen. Wenn man die jetzt davon entsprechend – Entschuldigung, ich – sind 39 Werte gewesen.

Wenn man die entsprechend abzieht, hat man 550 Werte, die nicht dieser Kategorie Mega Caps, also einer Marktkapitalisierung von mindestens 200 Milliarden US-Dollar, zugehören.

Und so kann man sich breiter aufstellen.

MSCI World als Basis und das eigene ETF-Portfolio

Michael: Also, wir fassen vielleicht noch mal so ein bisschen zusammen. Fangen wir mal erstmal an: Der MSCI World ist doch besser als eigentlich gedacht.

Thomas: Ja, ja, er hat seine Schwächen, aber es kommt eben drauf an. Und wenn man eben, ich sag mal, jung ist und noch genug Zeit hat, auch mal Dips auszusitzen, dann ist man mit dem erstmal nicht so schlecht dran.

Michael: Das ist richtig. So, wenn ich jetzt sage, ich will vielleicht das Ganze ein bisschen granularer steuern, dann kann ich mit so Subindizes, nenne ich sie mal, wie dem MSCI USA oder mit dem MSCI USA Mega Cap oder X Mega Cap granularer mein Portfolio steuern.

Muss mich natürlich kümmern oder ein bisschen mehr kümmern, weil ich einfach, sagen wir mal, das Risiko so ein bisschen verteilen muss und ich muss mir diese ETFs halt anschauen. Aber ich habe die Möglichkeit, das ein bisschen granularer zu steuern und vielleicht auch den USA-Anteil so ein bisschen rauszunehmen.

Und dann hast du ja noch gesagt, könnte ich natürlich auch noch sagen, ich kombiniere das mit zum Beispiel dem MSCI Emerging Markets oder dem MSCI Europe.

Und wenn ich mich sozusagen, also heißt natürlich ja, ich muss mich damit beschäftigen, aber ich habe quasi, und das ist, glaube ich, das Schöne, ich habe die Möglichkeit, mit ETFs ein doch dann ein eigenes Portfolio mitzuschaffen, was gar nicht aus so vielen Produkten besteht, sondern ich kann ja dann, ich sag mal so, drei bis fünf ETFs mir raussuchen, die mir diese Strategien abdecken, und dann bin ich eigentlich recht gut aufgestellt.

Habe ich das so richtig zusammengefasst?

Thomas: Ich hätte das nicht besser zusammenfassen können. Ich habe vielleicht noch zwei oder drei Ergänzungen.

Du hast ja eins, du hast etwas drumherum beschrieben. Das nennt man ja klassischerweise Asset Allocation oder auf Deutsch Vermögensaufteilung. Und du hast natürlich recht.

Im Anfang muss ich mir überlegen, mit welchem US-Risiko kann ich tatsächlich leben? Und den MSCI World, den würde ich gerne noch mal aufnehmen. Das ist natürlich ein ideales Produkt, wenn du wenig Geld am Anfang hast.

Sparen, Notgroschen und langfristiges Anlegen

Also typische Frage, du kennst das selbst: Wenn wir nebeneinander auf Börsentagen stehen, dann kommen dann sehr gerne auch junge Damen und Herren. Und die jungen Damen und Herren sagen dann: „Ich bin jetzt fertig mit der Ausbildung. Was muss ich da tun?“

„Was kann ich da tun?“ Ja, und dann ist natürlich immer die gleiche Aussage von dir und auch von mir, von euch, von uns: Wichtig ist, dass du am Anfang überhaupt anfängst mit dem Sparen und Anlegen.

Noch wichtiger: immer den Notgroschen haben. Da gibt es so eine Daumenregel, denn der Finanzmarkt oder die Finanzindustrie lebt ja auch ein bisschen von Daumenregeln. Die lautet dann zwischen drei und sechs Nettomonatsgehältern.

Dann sollte man für den Fall haben, dass man dringend mal Geld braucht. Also typischerweise, weil wir das alles schon zu Hause hatten und weiß selbst mit kleinen Kindern, wenn der Kühlschrank kaputt geht an einem Samstagmorgen. So ist es uns tatsächlich gegangen mit kleinen Kindern.

Oder noch besser ist eigentlich das Beispiel, was uns auch passiert ist: Die Waschmaschine geht kaputt. Ja, zwei kleine Kinder, da kannst du jetzt nicht erst fünf Wochen warten, bis du vielleicht was verkauft hast.

Das brauchst du dann. Da sagt die Frau oder meine Frau hat dann gesagt: „Jetzt sofort mal los.“ Ja, Frühstück abbrechen, wir brauchen das sofort.

Ja, und das ist ein wichtiger Punkt, aber dann kann man da sehr klein anfangen mit 25, mit 50 €, gerade auch mit Sparplänen bei euch.

Michael: Ja, Sparplan, da bist du der Fachmann, ja? Deshalb seid ihr geschätzter Partner von uns. Deshalb arbeiten wir zusammen mit dem Sparplan und dann hast du vollkommen recht.

Und dann überlege ich mir, wie will ich das ausweiten? Will ich vielleicht – und jetzt nehme ich mal das klassische Beispiel – ich habe den MSCI World, jetzt habe ich etwas mehr Geld.

Ja, jetzt stört mich schon länger, dass es 72 % sind. Ja, den nächsten Sparplan, da sage ich dann vielleicht: „Ja, ich nehme jetzt einen MSCI World ex USA, den gibt es nämlich auch. Ja, mische den dazu.“

Aber vielleicht sage ich: Nee, das will ich noch ganz anders machen. Ich nehme jetzt zwei ganz andere ETFs.

Nämlich, du hast es angesprochen, den MSCI Europe, um einfach das Gewicht von Europa in meinem Portfolio zu erhöhen, und den MSCI Emerging Markets, um eben, wie schon vorhin beschrieben, auch da zu nutzen: Die Chancen, sind auch höhere Risiken, aber auch eben die Chancen, die sich in Emerging Markets, in Schwellenländern, langfristig ergeben.

Wie viele ETFs sind sinnvoll?

Und du hast eben noch etwas angesprochen: die Übersichtlichkeit. Und das fand ich sehr gut, dass du das angesprochen hast, weil hin und wieder werde ich auch mal gefragt von Anlegerinnen und Anlegern, oder manchmal werden mir da auch so Aufstellungen gezeigt, wo dann 20, 30, 40 ETFs und aktive Fonds drin sind, die ich über die Jahre gekauft habe.

Es gibt auch da wieder eine Daumenregel, die sagt: Zwischen sechs und zehn ETFs reicht meist aus.

Über zehn wird es dann sehr unübersichtlich.

Es geht auch mit einem MSCI World. Übrigens, gestatte mir das auch zu sagen, es gibt auch ein Produkt, das nennt sich MSCI All Country World.

Michael: Darüber haben wir jetzt noch nicht gesprochen. Was ist der Unterschied?

Thomas: Dort sind Emerging Markets drin, egal von welchem Anbieter das sind. Man kann so mal Daumen sagen, dass du in diesen, auch marktkapitalisierungsgewichtet, wie am Anfang schon besprochen, einen Anteil der Schwellenländer von rund 10 bis 11 % hast. Und das entspricht eben der weltweiten Marktkapitalisierung und so kommt das zustande, der weltweiten Marktkapitalisierung dieser Schwellenländer.

Das entspricht nicht – gestatte mir das an dieser Stelle auch zu sagen, weil die Frage ja auch öfters aufkommt. Wenn man sich aber anguckt, im Vergleich dazu, die Bruttoinlandsprodukte, diese berühmten GDPs, Gross Domestic Products, da sieht man, dass Emerging Markets dort einen Anteil haben von weltweit von so rund 30 %.

Ja, also da müsste das Gewicht etwas höher sein. Aber wenn man so ein All Country World Produkt kauft, MSCI oder auch anderer Indexanbieter draufsteht, dann hat man praktisch automatisch die Schwellenländer mit drin.

Und da drumherum kann man dann, wie von dir beschrieben, auch – dafür gibt es einen Ausdruck: Core-Satellite-Ansatz. Also, man hat einen Kern aus einem MSCI World oder MSCI All Country World und drumherum platziert man dann verschiedene Themen, die einen interessieren.

Entweder, wie du es gerade beschrieben hast: Ich will eine andere Gewichtung, was die USA anbetrifft. Oder ich sage auch, es gibt ja auch andere Bereiche wie KI, was in aller Munde ist. Ich mische das dazu.

Das hängt dann auch ein bisschen immer davon ab, wie viel Lust man hat. Anlegen darf auch Spaß machen, sollte auch Spaß machen und vielleicht habe ich die ein oder andere Idee.

Wichtig ist mir nur der Punkt: Man sollte auf die Übersichtlichkeit achten, weil sonst verliert man dann sehr schnell auch das Gefühl dafür, welche Risiken, welche Verlustrisiken ich nämlich in so einem Portfolio habe.

Verabschiedung

Michael: Ja, nee, top. Also, ich glaube, das war auch schon das Thema für unseren heutigen Podcast.

Gerne weise ich noch darauf hin, dass wir natürlich die Informationen zu den Produkten in unsere Shownotes platzieren. Und dann würde ich auch schon mal gerne anteasern, Thomas, dass du ja mit uns in Kürze auch noch ein Webinar zu diesem Thema machst.

Also, da werden wir das natürlich auch noch kommunizieren. Also, wer sozusagen daran Interesse gefunden hat, einfach auch ein bisschen mehr als MSCI World zu machen oder ein bisschen mehr als in All Country World, der hat dann auch noch mal die Chance, dich im Webinar zu sehen und natürlich, klar, auf Börsentagen sowieso.

Aber nee, das war echt interessant und ich glaube wirklich, das ist, glaube ich, wirklich der Vorteil auch von ETFs, dass man da, wenn man sich eben ein bisschen informiert, dass man dann wirklich sein eigenes Portfolio sich zusammenbauen kann.

Und wie du sagst, sechs bis zehn, ich glaube, das ist wirklich so die optimale normale Größe, um dann noch einen Überblick zu behalten. Und wie gesagt, Sparplan, Einmalanlage, alles möglich. Und deswegen freuen wir uns auch, dass wir euch als Amundi als Partner haben.

Dann sage ich einfach: Ja, danke schön, Thomas.

Thomas: Danke für die Einladung.

Michael: Nina, noch mal gute Besserung. Und ja, anlegen darf Spaß machen und bitte nicht den Kopf hängen lassen und durchhalten.

Thomas: Also, tschüss.

Michael: Tschüss.

justTRADE. So einfach geht Investieren.

10.000+ Aktien1.800+ ETFs, 3 Börsen, 1,75+ Mio. Derivate, Kryptos & Sparpläne
Top-KundenservicePersönliche Hilfe durch erfahrenes Fachpersonal
7 OrdertypenFür jede Handelssituation die passende Orderart
Kostenloses DepotDigital in 10 Minuten eröffnet, ohne Papierkram
Jetzt Depot eröffnen
Mehrfach ausgezeichnet!
justTRADE Auszeichnungen: Mehrfach ausgezeichneter Online-Broker

Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Kapitalanlagen unterliegen Wertschwankungen und allgemeinen Kapitalmarktrisiken. Der Wert einer Anlage kann steigen oder fallen; Verluste bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals sind möglich.