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Börsentalk #6 - Michael Flender alias Goldesel über Zinsanhebungen, Bard vs. ChatGPT, Threads & Microsoft KI-Investitionen

In der sechsten Folge blicken wir auf die Kalenderwoche 30 zurück, die von vielen relevanten Marktnachrichten geprägt war.

Aus diesem Grund haben wir Michael Flender alias Goldesel eingeladen, um für uns in der Rubrik justTRADE Marktnews eine Einschätzung zu geben und die Auswirkungen auf den Markt zu diskutieren.

Konkret sprechen wir über folgende Themen:

  • Wie schätzt du die Auswirkungen der Zinserhöhungen durch die FED und die EZB auf den Markt ein?
  • Wie sieht dein Investmentansatz aus?
  • Wird Bard von Alphabet ChatGPT Konkurrenz machen oder es sogar verdrängen?
  • Wie siehst du die Twitter Alternative Threads und wie hat sich Meta im letzten Quartal entwickelt?
  • Sind die massiven Investitionen von Microsoft in künstliche Intelligenz der richtige Schritt?
  • Wie würdest du 10.000€ aufgrund der Informationen der letzten Woche investieren?

 

Zu Goldesel App: https://goldesel.de/

Goldesel bei Instagram: https://www.instagram.com/goldeselinvesting


Wenn du möchtest, dass deine Frage in einer der nächsten Folgen beantwortet wird, schicke uns eine E-Mail an: podcast(at)justtrade.com

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Tim: Hallo Michael.

Michael: Folge 6 unseres Podcasts.

Tim: Hi Michael, grüß dich. Ja, diese Woche ist ja brutal viel an News passiert. Ich sag mal: Earnings Season. Viele US-Firmen haben Zahlen veröffentlicht, aber auch deutsche Firmen haben Zahlen kommuniziert. Wir hatten zwei Zinsentscheidungen. Was liegt da näher, als dass wir uns für die Marktnews einen Gast eingeladen haben? Tim, erzähl doch mal, wen hatten wir denn heute zu Gast?

Tim: Wir hatten tatsächlich einen Namensvetter von dir zu Gast: Michael Flender alias Goldesel, der das Ganze für uns und unsere Zuhörer einmal eingeschätzt hat. Ich glaube, da waren wirklich so viele unterschiedliche Dinge, die in dieser Woche passiert sind. Das gilt es einfach einmal einzuschätzen und für unsere Zuhörer entsprechend aufzubereiten.

Michael: Alles klar. Bevor es gleich losgeht, hier noch ein kurzer Disclaimer: Die bereitgestellten Inhalte in diesem Podcast dienen nur der Information, stellen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar und sind weder als Angebot noch als Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Kryptowährungen zu verstehen.

Vorstellung von Michael Flender alias Goldesel

Michael: Ja, bei den heutigen justTRADE Marktnews haben wir wieder einen Gast im Podcast. Wir freuen uns, dass Michael Flender alias Goldesel dabei ist. Michael, vielleicht kannst du dich ganz kurz unseren Zuhörern vorstellen und auch erläutern: Wo kommt eigentlich der Name Goldesel her?

Michael Flender: Ja, vielen Dank, Herr Namensvetter, für die Einladung. Freut mich, hier zu sein. Genau, zum Namen: Ich bin mittlerweile doch schon jetzt 40, also auch nicht mehr das ganz junge Küken, und schon viele Jahre an der Börse aktiv. Seit 2007 mache ich Börse hauptberuflich. Vorher ganz normal studiert, mittelprächtig in der Schule maximal, aber Börse war dann irgendwie meine Leidenschaft.

Das mache ich jetzt eigentlich seit 2007 überwiegend im eigenen Handel für mich selber. Und jetzt auch seit einigen Jahren verstärkt in Social Media, wo ich meine Ideen und so weiter weitergebe. Das macht mir sehr viel Spaß und das läuft auch sehr gut.

Und der Name Goldesel? Ja, das ist eine gute Frage. Das war immer mal ein Freund, weil wir früher immer so Witze darüber gemacht haben, als früher noch so ganz viele kleine Penny Stocks und Rohstoffwerte gehandelt wurden. Da sind die manchmal 30, 40 Prozent gestiegen und dann hieß es immer: „Hast du jetzt wieder Gold gemacht?“ Und daraus hat sich das irgendwie entwickelt.

Diese Aktien sind damals teilweise sehr verrückt gesprungen. Das gibt es heute nicht mehr ganz so krass. Wobei es mittlerweile in den USA auch wieder viele Hypes gibt, die gezockt werden, oder Unternehmen, die in die Insolvenz gehen. So ein bisschen sieht man es wieder.

Früher war das aber noch mal eine ganz andere Nummer. Vor allen Dingen war das hier in Deutschland sehr groß, weil wirklich viel mit Minenwerten und ähnlichen Aktien gehandelt wurde. Daher kam der Name, glaube ich, und der hat sich dann so durchgesetzt.

Die Goldesel-App

Tim: Das Besondere bei dir ist ja auch, dass du sehr aktiv auf Social Media bist und eine eigene Investing-App hast. Vielleicht kannst du einmal ganz kurz erläutern, was es damit auf sich hat und welche Funktionen dort geboten werden.

Michael Flender: Das fing während Corona damit an, dass man gemerkt hat: Die Leute interessieren sich sehr stark für die Börse und hatten natürlich auch viel mehr Zeit, weil sie im Homeoffice saßen. Dadurch ist das ganze Thema bei mir auf Instagram explodiert.

Ich habe dann irgendwann am Tag fünf, sechs Stunden damit verbracht, Nachrichten zu beantworten, Stories zu machen und so weiter. Da habe ich irgendwann gesagt: Entweder musst du damit jetzt aufhören, weil es einfach so viel Zeit kostet, oder du versuchst, irgendwann ein Produkt daraus zu machen.

Das habe ich ausprobiert und das hat dann ganz gut geklappt. Im Endeffekt ist es ein Abo-Dienst, bei dem wir Ideen und Marktübersichten zum Thema Börse bereitstellen. Wir haben auch Echtgeld-Depots gepostet und daraus hat sich dann Goldesel.de entwickelt.

Da wir am Anfang externe Apps wie Telegram genutzt haben, die aber auch viele Nachteile hatten und nicht unbedingt den besten Ruf hatten, haben wir angefangen, unsere eigene App zu entwickeln – mit Push-Nachrichten, eigenem Newsticker und vielen weiteren Tools.

Die ist mittlerweile echt sehr beliebt und kostenlos im App Store verfügbar. Ihr könnt sie euch gerne einmal anschauen. Man kann dort Kursalarme einstellen, News abonnieren, Watchlists erstellen und Aktien verfolgen, wie man es von anderen Apps kennt. Bei uns ist das alles, glaube ich, ganz schick aufgebaut.

Tim: Ja, das kann ich bestätigen. Vor allen Dingen hast du gerade auch die News erwähnt. Ich glaube, in dieser Woche gab es ja zwei ganz spannende Nachrichten – zum einen, was die Fed und die EZB betrifft. Beide haben ja mal wieder die Zinsen angehoben.

Zinsanhebungen durch Fed und EZB

Tim: Um jetzt noch mal den Bogen zu schlagen: Wie schätzt du denn die Auswirkungen der beiden Zinserhöhungen auf den Aktienmarkt ein?

Michael Flender: Bei der Fed war es wirklich spannend, dass es zum ersten Mal jetzt nicht mehr so einen großen Abverkauf gab nach der Entscheidung. Es gibt ja dieses FedWatch-Tool. Wenn ihr das bei Google eingebt, könnt ihr immer sehen, wie die Erwartungen sind.

Da war eigentlich klar, dass es noch einmal diese 25 Basispunkte Erhöhung gibt. Und genauso ist es gekommen. Dementsprechend war das keine große Überraschung.

Ich denke, die Hoffnung ist jetzt da – und ich denke, das wird auch so sein –, dass das höchstwahrscheinlich die letzte Zinserhöhung war. Die Inflation kommt schon deutlich zurück, die US-Wirtschaft läuft noch ganz gut. Das ist zumindest das, was der Markt jetzt einpreist.

Dementsprechend hat er das diesmal wirklich gut weggesteckt.

Ich fand es auch spannend, ich weiß nicht, ob ihr das geschaut habt: Die Pressekonferenz wird ja auch immer bei YouTube übertragen. Ich muss schon sagen, dass Powell diesmal nicht mehr so aggressiv war. Er hat gesagt: Wir schauen ab jetzt auf die Daten, bis September kann viel passieren.

Die Situation ist zwar noch nicht so, wie sie sein sollte, aber sie läuft in die richtige Richtung. Der Arbeitsmarkt ist zwar immer noch angespannt, aber auch hier geht es in die richtige Richtung.

Bei den letzten Sitzungen war er echt immer aggressiv und hat gesagt: Nein, es ist alles noch viel zu hoch und wir müssen weiter. Das Ziel muss sein, die Inflation jedenfalls runterzubringen. Alles andere ist zweitrangig.

Diesmal hat er sich schon etwas gemäßigter angehört. Ich glaube, auch das hat den Markt ein bisschen weiter beruhigt und nicht mehr für einen Abverkauf gesorgt – zumindest Stand jetzt. Wer weiß, vielleicht kommt auch noch etwas später.

Insgesamt ist diese Kombination spannend. Alle hatten sich gefragt, wie sich die Wirtschaft nach diesen historischen Zinserhöhungen halten würde. Dass sich die US-Wirtschaft so gut hält und vor allen Dingen, wo die Börsen gerade stehen – wer hätte das vor einem halben Jahr gedacht?

Damals hätte man gedacht: Okay, Zinsen bei fünf Prozent, Wachstumswerte – alles geht am Ende runter. Aber jetzt zeigt sich, dass es ganz anders kommen kann.

Der Investmentansatz von Goldesel

Tim: Du hast ja schon erwähnt, dass du sehr lange an der Börse aktiv bist. Kannst du vielleicht noch einmal unseren Zuhörern erklären, wie dein Investmentansatz aussieht? Wie findest du interessante Aktien?

Michael Flender: Ich habe natürlich auch schon einiges ausprobiert. Ganz früher habe ich im Endeffekt nur ein bisschen in Foren geschaut und Penny Stocks gezockt.

Aber als dieser Markt dann so ein bisschen ausgetrocknet ist, weil unterm Strich viele Leute ihr Geld verloren haben, sorgt das natürlich immer dafür, dass die Umsätze zurückgehen. Denn wenn kein Geld mehr da ist und keine Zocker mehr da sind, ist dieses Business irgendwann tot. Das sieht man ja immer wieder.

Dann habe ich meine Strategie ein bisschen geändert. Bei mir ist es so, dass ich mich vor allen Dingen auch für das Gesamtkonstrukt, für die Wirtschaft, interessiere. Also auch dafür, wie die Fed agiert und wie die Makrodaten sind.

Dann natürlich vor allen Dingen auf Unternehmensebene: Welche Unternehmen laufen gut? Welchen Unternehmen geht es nicht so gut? Welche Branchen entwickeln sich gerade positiv oder negativ?

Ich bin jemand, der täglich auf die Nachrichten schaut, die über die Newsticker kommen. Die bieten wir bei uns auch an. Das ist mein Tool Nummer eins, wo jeden Tag die Unternehmensmeldungen kommen, Analystenauf- und -abstufungen, Aufträge und alles, was sonst so gemeldet wird.

Das ist im Endeffekt mein tägliches Business: Was ist los am Markt? Welche Nachrichten gibt es?

Solche Nachrichten lösen oft neue Trendbewegungen aus. Wenn ein Unternehmen viel besser abschneidet als erwartet oder gesagt wird: „Vielleicht haben wir jetzt das Tief gesehen“, dann ist das die eine Seite.

Die andere Seite ist natürlich, diese Nachrichten zu interpretieren.

Das sieht man zum Beispiel heute auch wieder ganz schön bei BASF in der Chemiebranche. Ich hätte ehrlich gesagt auch nicht gedacht, dass sich die Aktie so gut hält. Wir haben eine schlechte Stimmung und nur Gewinnwarnungen.

Aber es sind halt Zykliker. Ich sehe gerade, BASF dreht wieder ins Plus und geht über die 200-Tage-Linie, obwohl heute wieder sehr schwache Zahlen gemeldet wurden.

Das ist halt zyklisch bei den Unternehmen. Hier wird jetzt vom Markt anscheinend darauf spekuliert, dass es nächstes Jahr besser läuft.

Solche Dinge versuche ich natürlich auch im Kopf zu haben: Wie sieht es vielleicht in sechs bis zwölf Monaten aus? Denn wir wissen ja: Die Börse handelt die Zukunft.

Es ist immer wichtiger zu sehen, nicht wie die jetzigen Ergebnisse waren, sondern wie der Ausblick war. Darauf kommen wir nachher noch einmal.

Dementsprechend werden Aktien, vor allen Dingen in den USA, hoch und runter gejagt.

Bei Goldesel schauen wir auf die fundamentalen Aspekte, also makroökonomisch auf die Wirtschaft allgemein, dann auf einzelne Sektoren: Wie entwickeln die sich? Fließt Geld heraus?

Dann geht es auf die Unternehmensebene. Und wir schauen natürlich auch ein bisschen auf den Chart: Wie sieht der Trend aus? Gibt es eine Bodenbildung? Ziehen wir über spezielle Widerstände und so weiter?

Das ist eine Kombination aus vielen Sachen.

Der Markt-Fokus von Goldesel

Tim: Das heißt, du bist wirklich total global aufgestellt und nicht irgendwie auf einen bestimmten Markt fokussiert? Primär USA oder Europa? Du bist wahrscheinlich weltweit unterwegs, oder?

Michael Flender: Früher habe ich angefangen, vor allen Dingen den deutschen Markt zu handeln, weil es sich natürlich anbietet. Das geht morgens um halb acht los.

Früher war es auch so, dass extrem viel vorbörslich lief, weil es teilweise heftige Übertreibungen gab. Es hat sich leider auch ein bisschen normalisiert, weil die Umsätze zurückgegangen sind.

Nach Corona war das teilweise verrückt. Da wurden riesige Auf- und Abschläge gegenüber den Schlusskursen in den USA gezahlt, wo es viele Übertreibungen gab. So etwas war teilweise profitabel zu handeln.

Mittlerweile ist es so, dass der größte Teil immer noch Deutschland beziehungsweise Europa ist, überwiegend Deutschland. Aber mittlerweile auch viel USA, weil dort einfach die Musik spielt.

Dort kommen die großen Konzerne her, dort liegt das Geld. Die US-Anleger bewegen die Märkte.

Was ich mittlerweile natürlich auch mache, ist, immer ein bisschen auf die asiatischen Märkte zu schauen, vor allen Dingen auf die, die hier gehandelt werden, also China-Tech und so weiter.

Wobei ich dort schon immer etwas zurückhaltend war. Diese ganzen politischen Diskussionen sind einfach ein großes Problem. Deswegen habe ich diese Aktien auch lange nicht angefasst oder handle sie nur sehr selten.

Wenn da irgendwann über Nacht etwas passiert – wir haben es ja mit Russland gesehen –, dann stehst du vor vollendeten Tatsachen. Da bringt dir auch kein Stopp mehr etwas. Die Aktie startet dann wahrscheinlich mit riesigen Verlusten oder der Handel wird ausgesetzt.

Deswegen muss man da schon ein bisschen aufpassen.

Der sicherste Markt ist meiner Meinung nach die USA, weil es dort die besten Unternehmen gibt und die Wirtschaft auch weiter sehr gut läuft. Sie übertreiben aber gerne in alle Richtungen. Da muss man sich wirklich umstellen.

Ansonsten auch der deutsche Markt. Der ist kleiner und es kommen nicht so viele Nachrichten. Man kennt quasi jedes Unternehmen. Das ist natürlich auch ein Vorteil.

Aber der US-Markt ist noch einmal eine ganz andere Nummer. Da wirst du teilweise plattgemacht. Du denkst: Okay, die Aktie kann nicht weiter steigen oder nicht weiter fallen – und dann geht es noch fünf Stufen krasser in die eine oder andere Richtung.

Das ist wirklich ein Learning. Da muss man richtig aufpassen.

Alphabet und die Quartalszahlen

Tim: Das ist eigentlich auch ein ideales Stichwort, um zum zweiten Teil überzuleiten. Die Earnings Season war diese Woche geprägt von einer Reihe von Unternehmen, die ihre Quartalszahlen veröffentlicht haben.

Wir wollen uns erst einmal auf drei große Unternehmen beschränken und starten direkt mit Alphabet. Was war denn diese Woche bei Alphabet so interessant?

Michael Flender: Ich muss sagen, bei Alphabet hatte ich richtig Kribbeln. Die haben am Dienstagabend gemeldet und ich habe dazu auch einen Livestream gemacht.

Obwohl ich Alphabet nicht getradet habe – ich habe sie in einem langfristigen Depot und ob die Aktie jetzt steigt, ist mir gar nicht so wichtig –, hätte eine Enttäuschung natürlich riesige Auswirkungen auf die Indizes und auch auf viele Unternehmen im gesamten Werbesektor gehabt.

Man muss sagen: Alphabet ist wirklich eine Macht. Die haben wieder abgeliefert und die Aktie hat auch sehr positiv reagiert.

Beim Ergebnis waren sie besser als erwartet, ich glaube, es waren 10 Cent darüber, bei 1,44 Dollar. Vor allem der Umsatz lag deutlich über den Schätzungen: 1,8 Milliarden Dollar über den Erwartungen, insgesamt 74,6 Milliarden Dollar.

Das hat dem Markt natürlich extrem gut gefallen.

Bei Alphabet gab es schon große Skepsis, weil das Unternehmen stark werbeabhängig ist. Vor einigen Monaten hatte man teilweise das Gefühl: Jetzt ist alles vorbei, jetzt kommt Microsoft und jeder nutzt ChatGPT. Wer braucht überhaupt noch Google?

Man sieht, dass das wieder eine komplette Übertreibung war.

Ich glaube, das Wachstum von Microsoft bei der Suche ist extrem gering. Ich persönlich nutze immer noch die Google-Suche und nicht Bing. Und so sieht es wahrscheinlich auch bei den meisten anderen aus.

Bei Alphabet ist das normale Search-Business viel besser abgeschnitten als erwartet.

Google Cloud hatte 28 Prozent Wachstum und wächst damit stärker als die Konkurrenz. Die Sparte ist zwar noch kleiner, aber positiv ist auch, dass sie jetzt endlich Geld verdient. Vorher wurde dort sehr stark investiert und die Preise wurden niedrig gehalten, weshalb das nicht profitabel war. Das hat sich jetzt geändert.

Auch YouTube lief weiter gut. Die YouTube Shorts wurden extrem häufig angesehen. Auch dort gibt es krasses Wachstum.

Ich glaube, im letzten Quartal waren die Werbeeinnahmen dort noch zurückgegangen. Bei großen Kanälen war schon eine deutliche Delle bei den CPCs zu sehen, also bei dem, was man mit den Videos verdienen kann. Scheinbar ist dort jetzt auch eine kleine Bodenbildung zu sehen.

Das kam im Endeffekt gut an.

Und der CEO Sundar Pichai hat noch einmal gesagt, dass sie natürlich eine riesige KI-Pipeline haben.

Das ist aktuell bei jedem Unternehmen so. Egal wo, jeder sagt: Wir haben so viele KI-Projekte und alles ist toll. Das ist aktuell eben auch die Story an den Märkten.

Ich glaube, es stimmt teilweise. Microsoft haben wir ja schon angesprochen, aber auch Alphabet hat schon seit Jahren riesige Entwicklerteams, die sich mit Chatbots und Large Language Models beschäftigen.

Pichai hat noch einmal gesagt, dass sie seit Mai die Effizienz der Suche gesteigert haben und dort extrem viel KI einsetzen. In Zukunft wird das natürlich alles noch besser werden.

Ich muss sagen, unterm Strich ist Alphabet neben Microsoft weiter vorne mit dabei, weil sie einfach so viel Cash generieren. Das ist unfassbar.

Dementsprechend finde ich die Aktie langfristig weiter aussichtsreich. Kurzfristig ist schwer zu sagen, wie es weitergeht, weil schon vieles extrem gut gelaufen ist.

Ich glaube, noch besser als Alphabet ist Microsoft gelaufen. Mittel- bis langfristig sieht es aber aktuell nicht danach aus, als ob es bei diesen Unternehmen abwärtsgeht.

Sie haben sich sogar verschlankt und die Kosten gesenkt. Das macht sich jetzt auch noch einmal bezahlt. Tolle Ergebnisse, und die Aktien haben positiv reagiert.

Das hat natürlich auch dem Gesamtmarkt und der Werbewirtschaft geholfen. An dem Tag sind dann auch andere Aktien gestiegen, zum Beispiel Roku oder Pinterest – also Unternehmen, die ebenfalls von Werbeanzeigen abhängig sind.

Bard vs. ChatGPT

Tim: Ein weiteres Produkt, das auf den Markt gebracht wurde und jetzt auch in Deutschland verfügbar ist, ist Bard, die Konkurrenz zu ChatGPT. Wie schätzt du das ein? Siehst du Bard als wirkliches Konkurrenzprodukt zu ChatGPT? Denkst du, Bard wird ChatGPT den Rang ablaufen?

Michael Flender: Das ist eine gute Frage. Das kann ich ehrlich gesagt aktuell noch nicht einschätzen. Ich habe ChatGPT jetzt auch schon einmal ausprobiert, Bard bis jetzt noch nicht.

Es gab damals ja diese hohe Skepsis, als Bard bei einer kurzfristig einberufenen Produktpräsentation dieses falsche Ergebnis herausgehauen hat. Danach ist die Aktie abgestürzt.

Wobei ChatGPT im Endeffekt auch ganz oft Käse schreibt. Das muss man ja auch sagen. Das ist also nichts Ungewöhnliches.

Ich denke schon, dass Alphabet nicht weit hinter ChatGPT zurückhängt. Aber wer wirklich die Nase vorne hat, wird sich wahrscheinlich erst in den nächsten Wochen und Monaten – eher Monaten – zeigen.

Ich glaube, Meta hat mittlerweile auch vieles in der Pipeline. Jeder versucht gerade, vorzupreschen und vorne dabei zu sein.

Wer aktuell wirklich ganz vorne ist, ist schwer zu sagen. Alphabet hat natürlich beste Voraussetzungen, viel Erfahrung, entsprechende Kompetenz und riesige Entwicklerteams.

Meta und die Quartalszahlen

Tim: Wir haben jetzt schon viel über den Werbemarkt gesprochen und du hast gerade auch Meta erwähnt. Wie siehst du die Entwicklung bei Meta und wie findest du die Quartalszahlen?

Michael Flender: Man muss sagen, ich bekomme ja immer viele Informationen und viel Feedback, wenn man über Aktien auf Social Media spricht.

Da war schon krass, wie schlecht die Stimmung letztes Jahr war, als die Meta-Aktie so gefallen ist. Da hieß es: Meta ist tot, wer braucht noch Meta? Facebook ist komplett tot und alles ist Mist.

Da habe ich mich gefragt: Wir schreiben gerade auf Instagram, haben WhatsApp und so weiter. Ganz so tot, wie viele behaupten, ist Meta dann doch nicht.

Die große Skepsis bei Meta war in Wahrheit diese ganze Geschichte mit dem Metaverse, das meiner Meinung nach aktuell immer noch nicht richtig funktioniert. Aber sie geben dort nicht auf.

Das ist aber aktuell gar nicht so sehr die Story. Vielmehr sind sie im Kerngeschäft wieder richtig gut vorangekommen.

Der Umsatz war deutlich besser als erwartet. 32 Milliarden Dollar waren es, rund 11 Prozent mehr als im Vorjahr und eine Milliarde mehr als erwartet.

Das Werbegeschäft läuft also – ganz im Gegensatz zu Snap, die vorher eher enttäuscht haben.

Es ist wirklich unfassbar, wie Meta das Ganze monetarisiert.

Auch das Ergebnis lag etwas über den Erwartungen. Die täglich aktiven Nutzer lagen bei 6 Prozent Wachstum und 2,07 Milliarden Nutzern. Das muss man sich wirklich einmal vorstellen. Wahnsinn.

Man kennt ja auch wirklich fast keinen, der nicht irgendwie WhatsApp, Instagram oder einen anderen Meta-Dienst nutzt.

Man sieht aber immer noch eine Delle: Der Preis pro Werbeanzeige ist um 16 Prozent gefallen. Dadurch, dass sie aber 34 Prozent mehr Einblendungen hatten, konnten sie das wieder ausgleichen.

Was im Endeffekt für den Kurssprung nach oben gesorgt hat, war der Ausblick auf das nächste Quartal.

Da wurden nämlich nur 31,1 Milliarden Dollar erwartet. Meta selbst sagt aber, dass sie zwischen 32 und 34,5 Milliarden Dollar erwarten. Das liegt deutlich über den Erwartungen.

Das ist schon wirklich stark. Hätte ich niemals gedacht.

Obwohl die Aktie schon so krass gelaufen ist, hat sie noch einmal positiv reagiert.

Mark Zuckerberg hat natürlich genau dasselbe Thema wieder angesprochen: die beste Pipeline überhaupt, viele KI-Tools und Open-Source-Modelle.

Das läuft alles super, sagen sie. Neue KI-Produkte sollen kommen. Auch die neue Quest 3 soll gut laufen.

Und ich glaube, du wolltest auch noch fragen: Diese neue App Threads ist ja ebenfalls gerade gekommen.

Threads als Konkurrenz zu Twitter

Tim: Genau. Mark Zuckerberg hat mit Threads einen weiteren Schauplatz im Wettbewerb mit Elon Musk und Twitter eröffnet. Wie siehst du das? Glaubst du, Threads wird Twitter den Rang ablaufen?

Michael Flender: Jetzt heißt Twitter ja X. Ich weiß auch nicht, wieso das jetzt genau gemacht wurde. Ich finde dieses neue Browser-Symbol übrigens auch ziemlich komisch.

Es gibt ja auch ganz viele Probleme, weil dieses „X“ schon von vielen anderen genutzt wird. Für mich macht das irgendwie keinen Sinn.

Habt ihr Threads denn schon einmal ausprobiert?

Tim: Nein.

Michael Flender: Ich habe sie mir natürlich mal heruntergeladen. Da gab es ja einen Trick, wie man das machen konnte, und ich habe es mir selbst angeschaut.

Es ist schon sehr stark an Twitter angelehnt, muss man sagen, aber mir hat es eigentlich echt ganz gut gefallen.

Jetzt haben sie das aber für Europa noch einmal komplett blockiert. Du kannst dort gar nichts mehr schreiben. Deswegen gibt es für Europa zunächst keinerlei Inhalte mehr.

So wie Elon Musk jetzt bei Twitter vorgeht, kenne ich auch viele, die davon irgendwie verärgert sind und Twitter nicht mehr nutzen wollen.

Und Meta hat das natürlich wieder extrem schlau gemacht: Genau in dieser Phase, in der es diese Probleme bei Twitter gab und Funktionen eingeschränkt wurden, haben sie Threads herausgebracht.

Das war natürlich schon krass.

Wie erfolgreich Threads langfristig wird, kann ich mir aktuell schwer vorstellen. Ich kann mir aber auf jeden Fall vorstellen, dass das Thema relevant bleibt.

Ich glaube, Zuckerberg hat gesagt, dass sie Threads zunächst nicht monetarisieren wollen, sondern es wie bei allen Apps machen: Erst einmal Nutzer gewinnen, dann die Funktionen erweitern und irgendwann monetarisieren.

Dann denke ich, dass sie das auch wieder extrem gut machen werden.

Es gibt ja auch bei WhatsApp noch eine Menge Potenzial, was die Monetarisierung betrifft.

Ich denke schon, dass Threads ein ernstzunehmender Konkurrent bleiben kann und nicht so ein kurzfristiger Hype wird wie beispielsweise Google+.

Das ist schließlich die Expertise von Meta: soziale Netzwerke aufzubauen.

Von den Funktionen her hat das bei Threads auch alles ganz gut geklappt.

Die Frage ist natürlich: Bleiben die Leute wirklich aktiv oder haben es alle nur kurz ausprobiert?

Ich kann es aktuell nicht mehr einschätzen, weil ich es nicht mehr nutzen kann. Aber in den ersten ein, zwei Wochen fand ich es schon echt spannend. Es hat auf jeden Fall Potenzial.

Microsoft investiert massiv in KI

Tim: Wir haben vorhin schon einmal kurz über Microsoft gesprochen. Der Microsoft-Chef Satya Nadella hat die Ausgaben für künstliche Intelligenz massiv gesteigert. Wie siehst du das? Glaubst du, dass diese Investition beziehungsweise diese Wette auf künstliche Intelligenz aufgeht und sich irgendwann rechnet?

Michael Flender: Es ist immer die Frage. Dieses Thema ist vielleicht kurzfristig etwas überhitzt, weil jeder auf diesen Zug aufspringen will. Jeder behauptet, er macht KI und so weiter. Vieles davon ist Käse.

Aber Microsoft hat eine riesige Nutzerbasis. Sie haben zuletzt auch schon ein bisschen präsentiert, was mit GPT möglich ist, und sie haben ihre Preise für die KI-Tools bekannt gegeben.

Ich glaube, wenn man Office nutzen will, soll das 30 Dollar kosten.

Wenn man glauben kann, was Nadella im Call gesagt hat, dann wird es ein Erfolg.

Es gab ja diese Hochrechnung, wie viele Milliarden zusätzlichen Umsatz man damit machen könnte. Da bin ich mal gespannt.

Ich habe meine Follower gefragt, was sie darüber denken. Die meisten sagen: Wenn es wirklich zu Effizienzvorteilen führt und 30 Dollar im Monat kostet, werden die Unternehmen das buchen.

Wenn du damit wirklich Sachen automatisieren kannst, ganz schnell E-Mails beantworten, Dokumente und Präsentationen erstellen kannst und so weiter, dann wird das funktionieren.

Nadella hat zumindest gesagt – ich zitiere jetzt mal sinngemäß –, dass sich Unternehmen nicht nur fragen, wie sie diese nächste Generation von KI einsetzen können, sondern auch, wie schnell sie das tun können, um die größten Chancen und Herausforderungen zu bewältigen.

Microsoft will also mehr Geld verdienen, behauptet aber gleichzeitig, dass die Tools die Effizienz so stark steigern, dass sich die 30 Dollar vielfach rechnen.

Ich denke schon, dass das wirklich funktionieren kann.

Dementsprechend werden sie sich wahrscheinlich genauestens Gedanken darüber gemacht haben, welches Geld sie dort investieren. Sie sehen ja wahrscheinlich auch die Rückmeldungen der Unternehmen und die Nachfrage.

Ich kann mir schon vorstellen, dass das ein gutes Zusatzgeschäft wird.

Die zweite Frage ist trotzdem: Wie viel davon ist bereits im Aktienkurs eingepreist?

Diese Sprünge bei der Marktkapitalisierung – selbst wenn man mehrere Milliarden zusätzliche Umsätze macht – sind im Vergleich zur Marktkapitalisierung und Bewertung mittlerweile schon sehr sportlich.

Klar, Microsoft ist Marktführer.

Das ist dieser schöne Trend in den USA, wo immer mehr Geld in die Unternehmen fließt, die gut laufen. Das sehen wir schon seit Langem bei Big Tech.

Und dieser Trend kann sehr lange laufen. Das ist auch ein Learning – sowohl nach unten als auch nach oben.

Ich glaube schon, dass Microsoft hier weiter vorne mitspielt, dass sie die Umsätze deutlich weiter steigern können und dass diese Tools von den Kunden gut genutzt werden.

Tim: Ja, spannend. Sie sehen sich wirklich ähnlich.

Wie würdest du 10.000 Euro investieren?

Tim: Wenn wir dir jetzt 10.000 Euro geben würden und du müsstest überlegen, wie du sie aufgrund all der Informationen, die wir in dieser Woche zusammengetragen haben, investieren würdest – ganz konkret gefragt: Wie würdest du die 10.000 Euro investieren?

Michael Flender: Diese Frage bekomme ich natürlich häufig gestellt. Das ist sehr schwierig.

Wenn ich langfristig investiere, bin ich eigentlich jemand, der versucht, nicht in Hypes hineinzuinvestieren. Denn das ist unterm Strich oft eher schwierig.

Letztes Jahr wollte fast keiner mehr in Tech investieren. Ich weiß das noch ganz genau. Da haben viele überlegt: Jetzt gehe ich raus aus Tech und rein in Dividendenaktien.

Das hat sich jetzt wieder komplett gedreht.

Und natürlich besteht die Gefahr, dass man diesem KI-Trend schon zu lange hinterherläuft und jetzt sagt: „Hey, jetzt kaufe ich Microsoft oder Alphabet.“

Deswegen ist es sehr schwierig.

Ich würde aktuell eher – man hat ja den Vorteil, dass es auch für Tagesgeld ein bisschen Zinsen gibt – nicht direkt sagen: Ich muss jetzt unbedingt in den Tech-Sektor investieren.

Es macht Sinn, jetzt ein bisschen Geld zurückzuhalten. Viele erwarten noch eine Korrektur. Ich weiß nicht, ob sie wirklich kommt, aber ich würde zumindest jetzt nicht 10.000 Euro direkt in den Aktienmarkt schießen.

Vielleicht erst einmal etwas Tagesgeld halten. Oder es gibt mittlerweile auch viele Anleihen, die einiges abwerfen.

Dann würde ich schauen, wie es nach der Berichtssaison weitergeht. Die Bewertungen sind teilweise schon sehr hoch.

Die Wirtschaft läuft gut, die Unternehmen haben gut geliefert. Aber wer sich einmal den Microsoft-Chart seit Anfang des Jahres anschaut: Die Aktie ist schon sehr stark gestiegen.

Das ist quasi „priced for perfection“.

Microsoft hat dann auch nicht mehr positiv auf die Zahlen reagiert. Das zeigt ein bisschen, dass bei dem einen oder anderen Tech-Wert die Luft vielleicht raus ist.

Deswegen würde ich wahrscheinlich eher ein bisschen Geld zur Seite legen und dann Schritt für Schritt einsteigen, wenn man in den Aktienmarkt investieren möchte.

Ich glaube, eine Mischung aus Dividendenwerten und Tagesgeld macht immer Sinn. Es gibt immer Phasen, in denen das eine besser läuft und das andere besser läuft.

Wer natürlich immer nur auf einen Sektor setzt, hat entsprechend größere Schwankungen.

Tim: Ja, ich glaube, das waren echt spannende Insights.

Ich glaube, jeder sollte sich deinen Social-Media-Kanal anschauen und sich die App anschauen. Das ist wirklich spannend.

Wenn man dir folgt, bekommt man diese Einblicke. Ich glaube, genau das suchen die Leute: Sie haben vielleicht eine eigene Idee, möchten aber von jemand anderem noch einmal Details und Hintergründe erklärt bekommen.

Ich glaube, das macht einen Teil des Erfolgs aus – dass man sich Anstöße für die eigenen Investmententscheidungen holt und dadurch noch einmal weiter eigene Gedanken entwickelt.

Insofern, Michael, vielen Dank, dass du dabei warst beim Podcast.

Michael Flender: Hat mir super viel Spaß gemacht. Vielen Dank für die Einladung. Ich hoffe, ihr konntet ein bisschen was mitnehmen und vielleicht bin ich demnächst mal wieder dabei. Viel Erfolg an der Börse allen weiterhin.

Tim: Ciao.

Michael Flender: Danke schön, ciao, ciao.

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Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Kapitalanlagen unterliegen Wertschwankungen und allgemeinen Kapitalmarktrisiken. Der Wert einer Anlage kann steigen oder fallen; Verluste bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals sind möglich.