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Börsentalk #29 - PLATOW: Kurs-Buch-Verhältnis (KBV) und Bankaktien

Kurs-Buchwert-Verhältnis und Bankaktien im Fokus

In der 29. Folge des Börsentalks geht es zunächst um das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und seine Bedeutung für die Aktienanalyse. Jork von PLATOW erklärt, wie die Kennzahl berechnet wird und was sie über die Bewertung eines Unternehmens aussagen kann. Ein KBV von eins bedeutet dabei theoretisch eine faire Bewertung, während ein Wert unter eins auf eine mögliche Unterbewertung hindeuten kann. Gleichzeitig weist Jork darauf hin, dass das KBV nicht für jedes Unternehmen gleichermaßen geeignet ist: „Was diese Kennzahl nicht berücksichtigt, sind sogenannte immaterielle Vermögenswerte.“ Gerade bei Technologie- und Biotech-Unternehmen können daher beispielsweise Marken, Patente oder geistiges Eigentum eine wichtige Rolle spielen.

Besonders interessant ist das KBV laut Jork bei Banken und Versicherungen sowie Versorgungs- und Industrieunternehmen. Anschließend richtet sich der Blick deshalb ausführlicher auf den Bankensektor. Europäische Bankaktien haben zuletzt teilweise deutlich zugelegt. Als einen wichtigen Treiber nennt Jork das gestiegene Zinsniveau, das sich positiv auf die Nettozinsmargen vieler Banken ausgewirkt hat.

Doch lohnt sich ein Einstieg nach den bereits starken Kursgewinnen noch? Im Podcast werden mehrere Faktoren diskutiert, die weiterhin für den Sektor sprechen könnten. Dazu gehören eine mögliche Verbesserung des wirtschaftlichen Umfelds, ein weiterhin vergleichsweise hohes Zinsniveau sowie die zunehmenden Dividenden und Aktienrückkäufe der Banken. „Es gibt drei Argumente, die momentan durchaus für Banken sprechen“, fasst Jork seine Einschätzung zusammen.

Gleichzeitig werden auch die Risiken von Bankaktien thematisiert. Neben regulatorischen Herausforderungen können insbesondere Rechtsstreitigkeiten für erhebliche Belastungen sorgen. Das Beispiel der Deutschen Bank und der Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit der Postbank-Übernahme zeigt, wie schnell eine solche Nachricht den Aktienkurs beeinflussen kann. Jork spricht in diesem Zusammenhang von „sogenannten Tail-Risiken“, die gerade im Bankenbereich eine wichtige Rolle spielen.

Zum Abschluss geht es noch um die PLATOW Börse Weekend Edition. Jork stellt den kostenlosen Newsletter vor, der jeden Sonntag einen Überblick über die wichtigsten Themen der vergangenen Woche sowie aktuelle Entwicklungen bei deutschen und internationalen Aktien bietet.

Wenn du möchtest, dass deine Frage in einer der nächsten Folgen beantwortet wird, schicke uns eine E-Mail an: podcast(at)justtrade.com

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Michael: Ja, guten Morgen, Tim. Heute Folge 29 unseres Börsentalks. Wir haben ja heute wieder eine kleine Theoriestunde mit Praxis. Schön, dass du da bist. Sag uns doch mal, was uns heute erwartet.

Tim: Ja, auch guten Morgen von meiner Seite. Genau, und zwar haben wir in Folge 22 gemeinsam schon mal mit Jork von PLATOW über das KGV gesprochen, theoretisch noch ein Praxisbeispiel. Und diesmal widmen wir uns gemeinsam zu dritt dem Thema Kurs-Buchwert-Verhältnis und sprechen auch so ein bisschen darüber, wie das berechnet wird, für welche Sektoren sich das besonders gut eignet. Aber wir sprechen auch über den Bankensektor, wie sich der Bankensektor in der letzten Zeit geschlagen hat und ob auch immer noch ein Investment Case in Banken besteht.

Michael: Ja, prima. Ja, ich bin gespannt. Und dann gibt's ja noch eine, ich würde mal sagen, kleine personelle Änderung in unserem Podcast. Insofern, wenn ich jetzt hier schaue, sehe ich auch wieder Julius. Hallo, Julius.

Julius: Ja, hallo, hallo zusammen.

Michael: Tim, vielleicht erläuterst du ganz kurz, was wir hier geplant haben.

Tim: Genau. Also, es wird einfach jetzt zu einem kleinen Übergang kommen. Also, ich werde nicht mehr Teil dieses Podcasts sein und der liebe Julius, den ihr ja auch schon kennengelernt habt, der wird das einfach auch dann die nächsten Folgen weiter gemeinsam mit Michael betreiben. Und das wird bestimmt eine gute Zeit.

Michael: Ja, vielen Dank auch. Danke für den Podcast bis dato. Ich meine, du wirst uns ja auch als Hörer, denke ich mal, erhalten bleiben.

Michael: Und ja, dann steigen wir doch direkt mal in die Folge rein mit Jork.

Willkommen beim Börsentalk

Tim: Hallo und herzlich willkommen beim Börsentalk, dem justTRADE-Podcast – deinem Podcast für mehr Hintergrundwissen zum Thema Börse und Online-Broker. Es begrüßen dich deine Hosts Michael Busshaus und Tim Seifert.

Bevor es gleich losgeht, hier noch ein kurzer Disclaimer: Die bereitgestellten Inhalte in diesem Podcast dienen nur der Information, stellen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar und sind weder als Angebot noch als Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Kryptowerten zu verstehen.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis erklärt

Tim: Hallo Jork, long time no see. Letztes Mal haben wir dich in Folge 22 dagehabt. Ich glaube, wir haben wieder total spannende Themen. Schön, dass du wieder da bist.

Jork: Ja, freut mich auch. Das sind, glaube ich, drei Monate gewesen jetzt.

Tim: Was war denn da los?

Jork: Ja, da ist einiges passiert. Aber wir wollen die Aufnahme auch nutzen, um noch mal ein Follow-up zu machen zu dem 1x1 der Aktienanalyse, noch mal so ein bisschen den Leuten das Handwerkszeug mitgeben und weitere relative Kennzahlen besprechen. Und da möchten wir uns diesmal auch unter anderem einer Kennzahl widmen, und zwar dem Kurs-Buchwert-Verhältnis. Vielleicht kannst du einmal kurz erklären, Jork, was das genau ist und wie das auch berechnet wird?

Jork: Ja, gern. Also, neben dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, was wir ja letztes Mal besprochen haben, was ja eine weitere Bewertungskennzahl ist, gibt's eben auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis.

Wie wird das berechnet? Du nimmst den aktuellen Aktienkurs von der Börse und teilst ihn durch den aktuellen Buchwert pro Aktie. Und der Buchwert, das ist das Eigenkapital, das in der Bilanz steht, also alle Aktiva abzüglich der langfristigen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Und dieses Eigenkapital aus der Bilanz, das teilst du durch die Anzahl der Aktien. Hast du den Buchwert des Eigenkapitals. Und wenn du das in Relation setzt, ergibt sich das sogenannte Kurs-Buchwert-Verhältnis, was auch eine Bewertungskennzahl von Aktien ist.

Tim: Und gibt's da irgendwie besondere Vorteile oder auch Nachteile im Vergleich zu anderen Bewertungskennzahlen? Also wann wendet man das Kurs-Buchwert-Verhältnis dann wirklich an?

Jork: Also zum einen lässt es sich, ähnlich wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis, relativ einfach berechnen. Ich habe es eben ja erklärt. Und eine Bilanz ist ja immer testiert, die liegt vor, wenn es zumindest in einem bestimmten Segment an der Börse ist. Zumindest das ist ein Argument, ein Vorteil dieser Kennzahl.

Es ist auch von der Einschätzung oder Einordnung relativ einfach. Ich meine, ein Verhältnis von eins bedeutet in der Theorie zumindest fair bewertet. Liegt es unter eins, dann deutet das eine Unterbewertung der Aktie an. Und liegt es deutlich über eins, ist es eine Überbewertung.

Vielleicht ein Vorteil im Vergleich zu dem KGV: Bei dem KGV, da wird ja das zukünftige oder das kürzlich vorgelegte Ergebnis in Relation zum Aktienkurs gesetzt. Das kann also sehr, sehr schwanken, weil Gewinne natürlich sehr schwanken. Gerade bei zyklischen Unternehmen kann ein KGV also Jahr für Jahr deutlich oder auch innerhalb des Jahres, wenn sich die Gewinnerwartungen verändern, sehr deutlich verändern.

Und beim Kurs-Buchwert-Verhältnis ist es so: Das Eigenkapital in der Bilanz, das ist ja in der Regel klar – es gibt auch Ausnahmen –, aber relativ stabil. Das heißt, du hast ein Ratio, das jetzt nicht extrem schwankt. Und dadurch wird es auch gerne als Kennzahl für die Bewertung, als Kennzahl für die Substanz eines Unternehmens herangezogen.

Du kannst also wirklich schauen: Wie ist die Aktie im Verhältnis zu dem, was in der Bilanz an Eigenkapital steht, bewertet? Und das ist ja einer der vielen Vorteile von dieser Kennzahl.

Für welche Branchen eignet sich das KBV?

Tim: Und gibt es da vielleicht besondere Sektoren oder Branchen, wo sich das Kurs-Buchwert-Verhältnis besonders eignet? Oder gibt es auch zum Beispiel Sektoren oder Branchen, wo man sagt, gut, da macht das vielleicht gar keinen Sinn anzuwenden?

Jork: Also, was diese Kennzahl nicht berücksichtigt, sind sogenannte immaterielle Vermögenswerte, also beispielsweise Patente, Forschungs- und Entwicklungsausgaben, geistiges Eigentum oder der Wert einer Marke.

Jetzt beispielsweise Pepsi: Da ist ja ein Großteil der Bewertung auch getrieben durch einfach die Marke, die sie über Jahrzehnte aufgebaut haben. Deswegen lässt es sich jetzt nicht so gut für Technologiewerte oder zum Beispiel Biotechnologieunternehmen eignen, weil da einfach Patente eine sehr deutlich größere Rolle spielen als jetzt beispielsweise im produzierenden Gewerbe.

Deswegen gut eignet es sich zum Beispiel für Versorgungsunternehmen oder produzierende Industrieunternehmen, aber zum Beispiel auch für Banken und Versicherungen. Da kommen wir vielleicht gleich noch zu.

Wir haben letzte Folge über Nvidia gesprochen. Ich meine, Nvidia ist ein Unternehmen, das natürlich ganz stark davon profitiert, dass es Technologie hat und diese Technologie stetig weiterentwickelt und einen entsprechenden großen Burggraben aufgebaut hat.

Und das wird eben in so einem KBV nicht berücksichtigt, weil es immaterielle Vermögenswerte sind. Und wenn man sich zum Beispiel jetzt das KGV von Nvidia anschaut, haben wir letztes Mal auch darüber gesprochen, das ist nicht niedrig. Es liegt, glaube ich, aktuell bei 30- oder 40-fachen, aber das Unternehmen wächst sehr, sehr stark. Das ist also keine allzu hohe Bewertung.

Wenn man jetzt das KBV anschaut, dann ist es bei über 20-fachem des Eigenkapitals, das in der Bilanz steht. Und wenn jetzt dieses Verhältnis immaterielle Vermögenswerte berücksichtigen würde, dann würde dieses Verhältnis deutlich kleiner ausfallen.

Weswegen jetzt das KBV für Technologiewerte wie Nvidia nicht gut geeignet ist, aber wiederum eben sehr gut für Banken, für Versorgungsunternehmen und Industrieunternehmen.

Banken im Fokus: Zinsen als Wachstumstreiber

Tim: Ja, ich finde, Banken ist ja irgendwie ein total gutes Stichwort. Über Banken haben wir irgendwie auch noch gar nicht gesprochen. Macht vielleicht Sinn, dass wir uns die Banken mal ein bisschen näher anschauen.

Vielleicht kannst du mal sagen, so ein bisschen was zu den Banken, wie sie sich in den letzten Monaten performt haben. Gab's da besondere Treiber? Ich glaube, Zinsen ist sicherlich ein Thema. Und gibt's da irgendwie regionale oder sektorale Unterschiede?

Jork: Ja, sehr gerne. Also Banken sind ja in aller Munde. Jeder, der Bankaktien, gerade europäische Bankaktien, hält, der freut sich ziemlich. Und die, die nicht dabei waren, die ärgern sich ganz schön.

Also, ich habe vorhin noch mal nachgeschaut: Der Bankensektor hat, wenn man das seit Jahresbeginn sich anschaut, deutlich zweistellig zugelegt. Also spanische Banken haben 40 Prozent zugelegt, italienische Banken haben sogar fast 50 Prozent zugelegt. Also da ist ganz schön viel Musik in dem Sektor.

Einer der großen Treiber – du hast ihn erwähnt – ist natürlich der steigende Zins. Und das würde ich vielleicht kurz mal erklären, was genau es da auf sich hat.

Ich meine, Banken, die nutzen ja das Geld ihrer Kunden, um es zu verleihen. Und der Einlagenzins, das ist der Zins, zu dem Banken die Einlagen ihrer Kunden bei der EZB parken können. Der ist zwischen 2019 und 2024 von minus 0,5 Prozent auf 4,0 Prozent angestiegen.

Das heißt, vier Prozentpunkte mehr Zins für das Geld deiner Kunden, das du bei der EZB parkst. Und das ist natürlich sehr, sehr gut für die Nettozinsmarge. Das ist die Marge, die eine Bank eben verdient, wenn sie ihr Geld verleiht und Kredite dafür vergibt.

Und das hat die Gewinne der Banken sehr, sehr stark getrieben. Wenn man sich mal anschaut: Laut Statista gibt es in Deutschland Privatpersonen mit einem Vermögen von knapp drei Billionen Euro, die auf Bankkonten liegen.

Und aktuell haben die Banken bei der EZB 3,6 Billionen Euro angelegt. Und 2019, als der Einlagenzins noch negativ war, da waren das 260 Milliarden Euro. Also eine Vervielfachung dessen, getrieben durch den höheren Zins der Notenbanken.

Und das wirkt sich natürlich besonders stark auf Banken aus, die ein großes Kreditbuch haben, also Kredite vergeben, und eben auch ein großes Einlagengeschäft, also zum Beispiel Privatkundengeschäft, wo sie das Geld ihrer Kunden bei sich parken.

Und das wirkt sich ganz, ganz besonders positiv auf die Nettozinsmarge aus.

Regionale Unterschiede bei den Banken

Jork: Wenn man jetzt schaut, wer davon besonders profitiert und wer weniger, jetzt mal im europäischen Kontext – weil diese Region besonders stark von diesen höheren Zinsen profitiert hat. USA auch, aber die USA ist auch noch mal ein sehr anderer Bankenmarkt, sehr kapitalmarktintensives Geschäft dort.

Da haben zum Beispiel die Commerzbank ganz brutal profitiert. Die haben ihr Ergebnis deutlich steigern können. Die Deutsche Bank etwas weniger. Deutsche Bank ist jetzt keine klassische Retailbank. Die haben zwar auch ein Firmen- und Privatkundengeschäft, aber die haben immer auch ein starkes Investment Banking.

Aber selbst die Deutsche Bank, die hat im ersten Quartal 1,3 Milliarden Euro verdienen können, und das war das beste Ergebnis seit 2013.

Das ist mal auf Deutschland geblickt. Ich habe es eben eingangs erwähnt: Bei der Performance seit Jahresbeginn gerade spanische Banken und italienische Banken, die haben sehr, sehr stark performt.

Das liegt auch einfach daran, dass dort eher zinssensitive Banken sind, also weniger die Investmentbanken, weniger die Universalbanken, sondern die Banken, die eben ein Kredit- und Einlagengeschäft haben.

Weniger stark performt haben zum Beispiel Frankreich oder auch die nordischen Banken.

Sparkassen und die Weitergabe der Zinsen

Michael: Klar. Also ich sag mal so: Allein das Privatkundengeschäft bei vielen deutschen Banken – die haben ja auch lange gezögert, bis sie die Zinsen an die Kunden weitergegeben haben, sodass du daraus natürlich auch eine wahnsinnige Zinsmarge hast.

Also auch an vorderster Front davon sicherlich Sparkassen und Raiffeisenbanken. Und insofern ist das natürlich leicht verdientes Geld, ohne dass man sich irgendwie anstrengen muss. Aber gut, das ist halt der Vorteil, wenn man halt viele Einlagen hat.

Jork: Das ist ein guter Punkt, Michael. Sparkassen, wo du sie gerade ansprichst: Also die standen ja massiv unter Druck. Da hat sich auch der DSGV-Präsident Reuter dazu äußern müssen, warum sie diese Zinsen eben nicht an ihre Kunden weitergeben.

Und ich habe mal nachgeschaut: Alle Sparkassen haben 2023 ihren Gewinn um 52 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro erhöhen können. Und das eben maßgeblich, weil sie die Zinsen nicht weitergereicht haben.

Michael: Die Sparkassen, wenn sie an der Börse notiert werden, hätten die eine ziemlich gute Kursentwicklung vorgelegt, nehme ich an.

Jork: Klar. Aber ich sag mal so: Ich würde halt jedem Endkunden raten, sich gar nicht über irgendwelche Tagesgeldangebote so hervorzutun, sondern wir haben ETF-Geldmarktprodukte, die irgendwie, ich sag mal, 3,3 bis 3,8 Prozent geben. Die kaufst du, bist total liquide und wenn du das Geld brauchst, verkaufst du die wieder und bist halt völlig unabhängig von irgendwelchen Lockangeboten für Neukunden bis zu einer Grenze X.

Und ich sag mal, beim Parken haben auch viele Kunden immer noch Geld auf ihrem Girokonto, was da unverzinst rumliegt. Also spätestens das muss man halt eigentlich sofort am Kapitalmarkt investieren. Und damit würde einen das eben gar nicht betreffen.

Aber die Kunden sind halt in der Tat träge. Das wissen die Banken. Und deswegen werden Kreditzinsen immer direkt angehoben, während die Guthabenzinsen tendenziell ja immer so ein bisschen Nachlauf haben.

Lohnt sich ein Investment in Banken noch?

Michael: Aber würdest du denn sagen, spricht aktuell eher für oder eher gegen ein Investment in Banken?

Jork: Ja, so, wenn man sich mal die Kursentwicklung anschaut von jetzt den namhaften Banken – Deutsche Bank, Commerzbank hier in Deutschland – über zwölf Monate beide über 50 Prozent zugelegt. UniCredit ist, glaube ich, fast bei 100 Prozent aus Italien.

Da fragt man sich natürlich: Lohnt sich das, lohnt sich jetzt noch ein Einstieg?

Ich hatte vorhin das Kurs-Buchwert-Verhältnis erwähnt. Auch da sind wir vor diesem Zinsanhebungszyklus, der 2019 begann und dann 2021 richtig losging, da waren ja diese Kurs-Buchwert-Verhältnisse bei diesen Banken eher bei 0,5, also halb so viel bewertet an der Börse, wie es eigentlich die Bilanz widerspiegelt.

Da ist man mittlerweile auch bei vielen Banken bei eher dem Einfachen, also eigentlich einer, in Anführungsstrichen, fairen Bewertung.

Aber ich glaube, es gibt drei Argumente, die momentan durchaus für Banken sprechen, wovon Banken profitieren dürften.

Einmal sind es ja sehr zyklische Unternehmen. Und aktuell dreht ja das wirtschaftliche Sentiment. Wir haben, wenn man sich die PMIs anschaut, also die Einkaufsmanagerindizes, die so die wirtschaftlichen Entwicklungsaussichten ein bisschen aufzeigen: Diese sind ja stetig gefallen ab 2021 und deutlich unter 50. Das ist Stagnation. Und seit Anfang dieses Jahres liegen sie wieder über 50 und steigen auch.

Das heißt, einmal Wirtschaftsentwicklung beziehungsweise Sentiment, das spricht für die Banken.

Dann zweitens: Jetzt hat zwar die EZB gestern den Einlagenzins, über den wir vorhin gesprochen haben, von 4 auf 3,75 Prozent reduziert. Also die Zinsen sind gestern erstmalig gefallen. Das sollte sich eigentlich erstmal schlecht für die Banken auswirken.

Gleichzeitig aber, wenn man sich bewusst macht, dass die Zinsen eigentlich deutlich stärker fallen sollten in diesem Jahr – ich glaube, Anfang des Jahres hatte man mit fünf Zinssenkungen oder so gerechnet, jetzt haben wir die erste gehabt – und die EZB-Chefin hat gestern auch ganz klar gesagt, dass das jetzt kein Zeichen ist, dass jetzt hier sehr zügig weitere Zinssenkungen kommen werden.

Das heißt also: Die Zinsen fallen ja, aber es sieht ganz danach aus, dass sie höher bleiben für länger. Und das ist auch gut für Banken.

Das letzte Argument: Wenn man jetzt sich die Kapitalallokation von Banken anschaut. Im ersten Quartal hat die Commerzbank insgesamt fünf Prozent ihres Grundkapitals zurückgekauft. Also haben sehr stark angefangen, eigene Aktien zurückzukaufen.

Hinzu kommen die Dividendenausschüttungen von ungefähr zwei Prozent beziehungsweise 50 Prozent des Konzerngewinns für 2024. Plant die Commerzbank 70 Prozent ihres Gewinnes auszuschütten.

Also, du siehst, dass die richtig Geld in die Hand nehmen aus ihren steigenden Gewinnen, um das dann ihren Aktionären zurückzubezahlen.

Die Deutsche Bank, ich habe vorhin noch mal nachgeschaut: Zwischen 2022 und bis 2026, also innerhalb von vier Jahren, wollen die acht Milliarden Euro plus an Aktien zurückkaufen. Das ist gemäß der aktuellen Marktkapitalisierung fast ein Drittel.

Das ist natürlich brutal. Und das ist eigentlich der dritte Punkt: Dividenden und Aktienrückkäufe in Europa, durchschnittlich über die Banken hinweg acht Prozent pro Jahr für die nächsten drei Jahre. Das ist natürlich auch ein Argument, was viele Investoren für ein Investment in Banken motivieren dürfte.

Risiken: Rechtsstreitigkeiten und Tail-Risiken

Tim: Jetzt hast du ja die positiven Punkte genannt, warum sich ein Investment in Banken lohnt. Gibt's denn auch negative? Also eins fällt mir da sofort ein. Und zwar vor einigen Wochen kam Freitagabend von der Deutschen Bank eine Ad-hoc-Mitteilung über die Ticker. Man hätte jetzt 1,3 Milliarden Euro für das Q2 zurückgelegt, und zwar für Rechtsstreitigkeiten mit der Postbank, die man ja damals gekauft hatte.

Und ja, so eine Mitteilung, die hat dazu geführt, dass am Montag dann die Aktie um zehn Prozent eingebrochen ist. Das war mal eben der Quartalsgewinn, der dort als Rückstellung, also möglicherweise als Verlust, dann zurückgelegt werden musste.

Und das zeigt so ein bisschen, worüber man sich im Klaren sein muss, wenn man in Banken investiert: dass es eben neben den vielen regulatorischen Risiken eben auch immer wieder diese Rechtsstreitigkeiten gibt, die viele Banken halt noch über Jahre auch noch beschäftigen werden.

In diesem Fall ist es die Übernahme der Postbank, wo Aktionäre seit Jahren gegen die Deutsche Bank klagen und sagen, sie wurden nicht ausreichend für ihre Aktien vergütet. Also wollen da einen höheren Kaufpreis herausschlagen.

Und ja, sowas kann man nicht vorhersehen. Diese sogenannten Tail-Risiken, die gibt's gerade im Bankenbereich. Und das ist einer der Gründe, warum wir bei der PLATOW Börse zum Beispiel bei Banken immer eher vorsichtiger waren in den letzten Jahren.

Der PLATOW Börse Weekend Newsletter

Tim: Alles klar. Ja, ich glaube, es ist spannend und auch immer wichtig, dass man so die verschiedenen Sektoren und Branchen sozusagen mit auf der Uhr hat. Ich meine, jeder, der sich dafür interessiert, sollte sich da, glaube ich, so ein bisschen weiter informieren.

Jetzt ist es ja so, vielleicht auch noch mal was in eurer eigenen Sache: Ihr habt ja diesen PLATOW Börse Weekend Newsletter. Und ich glaube, da werden ja auch viele Themen behandelt. Und vielleicht kannst du da auch noch mal für unsere Hörer einen Hinweis geben, warum es sich lohnt, sich da zu registrieren, was ihr für Themen da behandelt. Dann haben wir da, glaube ich, auch noch mal einen guten Bogen für Leute, die sich einfach weiter informieren wollen.

Jork: Ja, sehr gerne. Wir haben die PLATOW Börse Weekend Edition. Die erscheint jeden Sonntagmorgen um 10 Uhr und gibt einen Überblick der Themen, über die wir in der PLATOW Börse in der Woche geschrieben haben.

Das ist hauptsächlich über deutsche Aktien, aber auch internationale Aktien. Wir schreiben auch über Banken. Die Anmeldung ist kostenlos. Ich glaube, der Anmeldelink, Tim, korrigiere mich, steht in den Shownotes des Podcasts.

Und würde mich natürlich freuen, wenn da reges Interesse ist. Wenn man sich für Aktien interessiert, ist das eine gute Möglichkeit, sich zu informieren.

Fazit und Verabschiedung

Tim: Prima. Ja, dann würde ich sagen, haben wir wieder was gelernt. Und dann schauen wir mal, was wir in der nächsten Folge mit dir behandeln.

Jork: Ja, vielen Dank an euch und bis demnächst.

Tim: Ciao, ciao.

Michael: Bis demnächst. Ciao.

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Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Kapitalanlagen unterliegen Wertschwankungen und allgemeinen Kapitalmarktrisiken. Der Wert einer Anlage kann steigen oder fallen; Verluste bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals sind möglich.