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Börsentalk #30 - Unsere Gründer sprechen über justTRADE

In unserer Jubiläumsfolge sprechen die justTRADE Gründer über die Anfänge und Entwicklungen von justTRADE. Gab es jemals Zweifel? Welche unterhaltsamen Anekdoten können die beiden erzählen? Und wie sieht der Blick in die Zukunft aus? Diese und viele weitere Fragen werden von Michael B. Bußhaus und Ralf Oetting zusammen mit Julius Braun zum kleinen Jubiläum unseres 30. Börsentalks geklärt. Es erwarten Dich spannende Einblicke hinter die Kulissen von justTRADE.

Wenn du möchtest, dass deine Frage in einer der nächsten Folgen beantwortet wird, schicke uns eine E-Mail an: podcast(at)justtrade.com

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Julius: Hallo und herzlich willkommen zu unserer 30. Folge unseres justTRADE-Börsentalks. Mit unserer 30. Folge feiern wir sozusagen ein kleines Jubiläum für unseren Podcast. Und aus diesem Anlass haben wir heute eine etwas besondere Podcast-Folge geplant, und zwar mit unseren beiden Gründern und Geschäftsführern Michael B. Bußhaus und Ralf Oetting.

Wir wollen heute so ein bisschen mal hinter die Kulissen von justTRADE blicken, mal auf die Unternehmenskultur schauen: Wie wurde justTRADE gegründet? Welche Meilensteine gab es schon? Was könnte vielleicht in Zukunft noch passieren? Und dazu begrüße ich euch beide recht herzlich. Schön, dass ihr da seid.

Ralf: Hallo Julius.

Michael: Hallo Julius.

Julius: Hallo Ralf, ich bin gespannt. Ja, dann würde ich sagen, dann fangen wir auch direkt an und widmen uns einmal der Gründungsgeschichte von justTRADE. Wie kam denn die Idee zur Gründung von justTRADE überhaupt zustande?

Die Gründung von justTRADE

Ralf: Ja, das ist schon eine ganze Weile her. Ich habe gesagt, der Michael und ich, wir haben ja die OnVista Bank geleitet vorher. Und wir haben schon zur OnVista-Bank-Zeit natürlich immer wieder versucht, die Kosten zu optimieren, die Kosten runterzufahren, um möglichst ein gutes Angebot für die Kunden zu haben. Und haben auch so immer mal wieder gesprochen: Mensch, kriegt man das eigentlich auf null oder kriegt man das auf einen Euro runtergedrückt?

Damals im Konzern und die OnVista Bank gehört ja zur Société Générale, war das schlicht unmöglich. Man hatte eingefahrene Konzernstrukturen, auch Provider, die man nehmen musste. Man war da gar nicht so richtig frei in der Wahl, was man macht.

Wir hatten natürlich auch ein wahnsinnig großes und komplexes Produktangebot, einschließlich FX-Handel, einschließlich Wertpapierkrediten und so. War auf der einen Seite das Produktangebot sehr umfänglich, auf der anderen Seite die Provider vorgegeben, sodass wir wenig Spielraum hatten, da richtig was an den Kosten zu machen. Aber diskutiert haben wir da schon damals drüber und ich vermute, so ein bisschen die Idee in unseren Köpfen ist damals schon entstanden.

Michael: Vielleicht kann ich noch ergänzen: Ich meine, wir haben ja bei OnVista auch brutal viele Preismodelle ausprobiert, sodass man natürlich schon so ein bisschen immerhin ein Gefühl dafür bekommen hat, wie stark wirkt sich eigentlich ein Preis sozusagen auf das Handelsverhalten aus.

Ralf: Absolut.

Michael: Genau. Und dann hatten wir oder am Anfang ich die Chance, eben mit dem Verkauf der OnVista an die Comdirect damals zu sagen: Okay, jetzt wage ich es mal. Jetzt gründe ich justTRADE. Habe mit vier tollen Mitarbeitern begonnen, noch damals ohne Michael, der dann später dazugestoßen ist.

Ja, einen Broker von Grund auf aufzubauen. Und wir hatten halt wirklich eben den Vorteil des weißen Blattes Papier. Das heißt, wir haben uns vorgenommen: Von Anfang an machen wir nur Prozesse, die 100 Prozent digital sind.

Und der zweite ganz entscheidende Vorteil war: Wir haben direkt in der Cloud begonnen. Das heißt, jede IT-Implementation war direkt in der Cloud. Wir haben nicht erst damit unsere Zeit verbracht, irgendwie Server zu kaufen, Server aufzustellen, uns Gedanken über Rechenzentrum, Rechenzentrumssicherheit zu machen. Das bietet heute die Cloud zu einem extrem günstigen Preis out of the box. Das kann man einkaufen und wirklich sehr günstig einkaufen.

Sodass wir hier eben die zwei entscheidenden Vorteile – wir haben ein sehr eingeschränktes Produktspektrum plus wir haben sehr kostengünstigen Rechenzentrumsbetrieb – vereint haben und damit tatsächlich in der Lage waren, dann 2019 nach einem Jahr Entwicklungszeit grob an den Start zu gehen und tatsächlich damals noch für 0 Euro den Wertpapierhandel anzubieten.

Herausforderungen in der Anfangszeit

Julius: Ja, jetzt klingt das natürlich alles hochspannend. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es immer alles einfach war und geklappt hat. Deswegen meine Frage: Was gab es denn vor allem am Anfang für Herausforderungen und wie wurden die dann vielleicht auch gemeistert?

Ralf: Ja, dazu muss man wissen: Wir sind wahrscheinlich so als einziges Startup nicht venturefinanziert. Wir gehören auch nicht zu irgendeinem großen Konzern, sondern wir sind tatsächlich komplett unabhängig bei justTRADE. Die Firma gehört uns und den Mitarbeitern.

Insofern haben wir große Freiheit, das zu tun, was wir wollen. Und das war auch unser Ziel: Wir wollen ja mit Herzblut und mit Spaß am Brokergeschäft das beste Angebot für den Trader an den Start bringen, ohne dass wir jetzt aus Konzernzwängen oder Geldzwängen Dinge machen müssen.

Geldzwänge hört sich so leicht an, sind natürlich da. Wenn du nicht venturefinanziert bist, dann hast du halt nicht die ganz tiefen Taschen. Das heißt, wir mussten immer sehr, sehr vorsichtig agieren. Wir konnten nie – oder wir konnten immer nur das Geld ausgeben, was da war.

Insofern sind wir eben anders als andere Fintechs sehr langsam gewachsen, dafür aber profitabel gewachsen und verdienen eben das Geld, was wir ausgeben müssen. Wir müssen halt vorher verdienen.

Und eine Anekdote werde ich jetzt nie vergessen: Ich bin ja so ein bisschen das Sparbrötchen unter den Geschäftsführern, sodass wir natürlich nur einen kleinen Raum gemietet hatten am Anfang mit drei Arbeitsplätzen, aber vier Mitarbeiter hatten, sodass einer immer so am Katzentisch sitzen musste und dann immer überlegte, wo er seine Maus bewegen kann – jetzt auch auf der Armlehne seines Stuhls oder doch besser ganz an der Kante des Tisches.

Und das war schon wirklich lustig, hat aber wahnsinnig viel Spaß gemacht. Und gerade so diese Anfangszeit, an die erinnert man sich natürlich gern zurück. Vier Leute in einem Raum, das war eine Wahnsinnseffizienz, die wir da hatten. Das kommt auch nie wieder.

Glaube ich, da sind wir jetzt rausgewachsen aus diesen Anfangszeiten.

Michael: Ich glaube, was man vielleicht noch ergänzen kann, ist, dass natürlich auch eine Herausforderung war, eine Bank zu finden, die sozusagen so ein Geschäft versteht und mit dem man auf Augenhöhe reden konnte, die eben auch Spaß an so einem Angebot hatten.

Und da hattest du das Glück, in Hamburg die Sutor Bank zu finden, die auch, glaube ich, von Anfang an, so wie ich das gehört habe, Feuer und Flamme waren.

Ralf: Ja, absolut. Also, es hat ein Meeting gebraucht. Ich bin dahin, habe das Konzept vorgestellt und das erste Feedback war: Wow, das erste Mal, dass einer, der ein Fintech gründen will, zu uns kommt und nicht nur weiß, was WpHG heißt, sondern auch, wie es geschrieben wird, weil wir halt eben die Erfahrung aus der OnVista Bank mitgebracht haben.

Und auf der anderen Seite, nach zwei Stunden Meeting, haben die gesagt: Klar, da haben wir Spaß dran, wir wollen das. Also die Entscheidung für die Sutor Bank, mit uns zusammenzuarbeiten, ist sehr, sehr schnell gefallen.

Und auch wir haben großen Spaß mit der Sutor Bank. Also, ist ein toller Partner, macht wahnsinnig viel Spaß, große Unterstützung durch die Sutor Bank. Und das sicherlich einer der Erfolgsfaktoren, dass wir hier eine Bank gefunden haben, die auch im Fintech-Umfeld unterwegs ist.

Wir waren jetzt nicht das erste Fintech, was die onboardet haben, sicherlich das erste im Wertpapierhandel oder in diesem Handel, so wie wir es machen, also Brokergeschäft. Aber man merkte eben aus der Erfahrung der Sutor Bank: Die machen das nicht das erste Mal und die wissen, was für so ein Fintech wichtig ist. Das hat uns am Anfang extrem geholfen.

Besondere Erinnerungen aus den Anfangsjahren

Julius: Ja, das klingt doch für mich richtig spannend. Jetzt stellt sich mir noch die Frage: Welche besonderen Momente oder Geschichten gibt's denn auch gerade aus der Anfangszeit, die euch so in Erinnerung geblieben sind, wo ihr vielleicht auch gerne dran zurückerinnert?

Michael: Also, ich glaube, bei mir gab es irgendwie so zwei lustige Erinnerungen. Also, ich habe die erste produktive Testorder gemacht und ich habe mir da halt ein Knock-out-Produkt von der Société Générale ausgesucht und dachte halt: Na ja gut, ich kaufe das jetzt und dann verkaufe ich das später wieder.

Dummerweise ist das Produkt dann ausgeknockt, sodass wir natürlich den Testfall des ausgeknockten Produktes quasi dann direkt mit da hatten, aber natürlich den Verkauf nicht. Also das war recht lustig.

Und dann, als wir sozusagen in der Beta-Phase live waren, da hatten wir so ein paar Kunden drauf. Da war die erste Kundenorder die Commerzbank-Aktie. Und das haben wir dann, ich weiß gar nicht, bei Facebook oder Twitter, hat man das dann gepostet. Und dann hat ein Kunde zurückgemeldet: Na ja, dann übt ihr in Kürze auch das wertlose Ausbuchen dazu.

Ist zum Glück nicht gekommen. Aber ja, es war schön zu sehen, wie die Kunden das angenommen haben und insbesondere natürlich auch immer schon, dass wir ja immer schon eine Auswahl von mehreren Handelsplätzen hatten. Dass die Kunden das eben sehr schätzen, dass wir da nicht nur eine Börse haben, sondern dass man da eben auswählen kann.

Und wenn man so mit anderen Firmen im Rahmen des Starts gesprochen, also beispielsweise auch mit einer Marketingagentur, und denen gesagt haben: Na ja, wir sind neun Mitarbeiter. Dann kam so als Feedback irgendwie zurück: Wie, ihr seid neun Mitarbeiter? Marketing wie so? Nee, nee, das ist die gesamte Firma.

Das war natürlich auch lustig für die, weil die sich natürlich da an andere Dimensionen gewöhnen. Aber es war schon gerade so in der Anfangsphase echt super spannend, wenn man auch einzelne Funktionen freigeschaltet hat, was dann, wie das dann angenommen wurde. Und das war schon echt cool.

Ralf: Ja, ich erinnere mich noch gerne, wie die Story mit unseren Büros weiterging. Also von dem ersten Büro, drei Schreibtische, vier Mitarbeiter, haben wir dann direkt das zweite Büro, 100 Quadratmeter, angemietet.

Genialerweise natürlich Anfang 2020. Nachdem wir dann vier Wochen in diesem neuen schicken Büro waren, haben wir alle Leute nach Hause geschickt wegen Corona.

Und da hat so richtig das Herz geblutet, weil das war natürlich schon damals für uns riesige Kosten. So ein 100-Quadratmeter-Büro mieten, jeden Monat. Die haben wir dann gezahlt für ein leeres Büro zwei Jahre lang. Das hat schon ein bisschen wehgetan.

Und als wir dann zurückkamen und alle im Büro wieder waren und Corona vorbei war, da war es dann auch schon zu klein. Da haben wir dann teilweise wieder die Situation gehabt, dass die Leute morgens zur Arbeit kamen und nicht genug Arbeitsplätze da waren. Und wir dann Zwangshomeoffice gemacht haben und gesagt haben: Heute habe ich irgendwie gar keinen Arbeitsplatz für dich. Kannst du bitte wieder nach Hause fahren und von da arbeiten?

Das war irgendwie tatsächlich ganz lustig.

Das war, glaube ich, auch so langsam die Zeit, Julius, wo du dazugekommen bist, ne? Hast du da noch eine Erinnerung so aus deiner ersten Zeit oder wie fandest du es so?

Julius: Ja, genau. Das war wirklich bald schon zwei Jahre her, als ich dann auch bei justTRADE dazugekommen bin. Habe entsprechend auch noch dieses besagte Büro miterleben dürfen, tief im Herzen von Frankfurt im Prinzip.

Und das war in der Tat ein schönes Büro. Aber manchmal kam es wirklich vor, dass einfach Plätze knapp wurden und dann musste man doch noch mal spontan wieder ins Homeoffice wechseln.

Ich persönlich hatte zum Beispiel gar keinen Schlüssel, weil dann zu wenig Schlüssel da waren. Das heißt, dann habe ich morgens immer geklingelt und dann hat mich jemand reingelassen, sodass ich dann dazustoßen konnte.

Und ja, von da habe ich dann auch die Entwicklung von justTRADE miterleben dürfen.

Michael: Ja, inzwischen haben wir ja ein schönes Büro, also nicht ganz so zentral in Frankfurt, an der Messe. Und ich hoffe, du hast auch einen Schlüssel inzwischen, Julius.

Julius: Also, wir fühlen uns jetzt sehr wohl und hoffen auch, dass wir für die nächste Zeit gerüstet sind, zumal noch weitere Etagen in dem Gebäude frei sind, sodass wir hoffen, jetzt nicht mehr so schnell umziehen zu müssen.

Michael: Ja, genau. Inzwischen habe ich auch einen Schlüssel. Wir haben sogar Tiefgaragenparkplätze. Das ist für mich ganz wunderbar als Autofahrer.

Und da habe ich schon auch für mich einen tollen Fortschritt sozusagen miterleben dürfen. Fühlt sich fast an wie so ein normales Unternehmen und kein Startup mehr.

Ralf: Schon wie langweilig.

Meilensteine in der Entwicklung

Julius: Ja, und da werden wir eigentlich auch schon an der richtigen Stelle schauen. Wir schauen uns mal so ein bisschen das Wachstum von justTRADE an und vielleicht auch die erreichten Meilensteine.

Ralf, welche Meilensteine hat denn justTRADE in den letzten Jahren so alles erreichen können?

Ralf: Ja genau, wir sind ja, habe ich schon gesagt, 2018 gestartet mit vier Leuten. Dann sind wir tatsächlich nach einem Jahr live gegangen, hat der Michael erwähnt. Und dann, Michael, glaube ich, für dich auch ein wichtiger Moment: Ein Jahr später der Kryptohandel. Das war ja so ein bisschen das, was du auch total forciert hast, nicht?

Michael: Ja, das war in der Tat echt ganz cool. Und da zeigt sich natürlich auch, dass wir eine Partnerbank haben, die schon von Anfang an total kryptoaffin war. Weil viele Banken ja am Anfang Krypto als Teufelszeug gehalten haben und das wäre undenkbar gewesen, das mit einer anderen Bank zu machen.

Die Sutor Bank war da halt immer schon extrem pushy und deswegen haben wir das dann auch echt umgesetzt als erster deutscher Broker. Und im Oktober 2020 sind wir gestartet und seitdem 7 x 24 sind wir da.

Haben jetzt inzwischen 27 native Kryptowerte. Auch da kann man vielleicht schon verraten, dass wir natürlich das Angebot auch ausbauen und immer schauen, ob es noch weitere spannende Angebote gibt.

Aber ich glaube, dass wirklich der Kryptohandel, dass wir da schon auch, ich sag mal, eine Duftmarke gesetzt haben als wirklich innovatives Fintech. Auch eben unseren Kunden aus einem Depot heraus neben dem Handel von Wertpapieren auch den Handel von Kryptowerten zu erlauben.

Das also, das war echt eine super Sache.

Und ich glaube, als zweiten Punkt kann man auf jeden Fall auch nennen, dass wir die Börse Tradegate angebunden haben. Also wir sind das einzige Fintech, was die Börse Tradegate im Angebot hat. Das heißt, bei uns können ja Kunden jetzt über drei Börsen handeln: Lang & Schwarz Exchange, Quotrix und Tradegate.

Und ich glaube auch, das schätzen die Kunden extrem, dass man halt wirklich bei uns die breite Auswahl bekommt.

Der Einstieg ins B2B-Geschäft

Julius: Und Ralf, willst du vielleicht noch was sagen? Wir sind ja nicht nur für Endkunden da, sondern wir machen ja auch so ein bisschen B2B-Geschäft. Das war bestimmt auch ein Highlight, ne? Spannende Geschichte.

Ralf: Also, du weißt das ja noch. Uns haben damals viele Institute oder auch Nicht-Institute, also Fintechs, angerufen und gesagt: Oh, was ihr macht, finden wir cool. Könnt ihr das auch im White Label für uns bauen? Das fänden wir stark.

Und wir haben es eigentlich immer abgesagt, die ersten drei, vier, fünf Male und gesagt: Nee, nee, wir machen B2B? Hier Quatsch. Wir machen B2C. Wir wollen uns jetzt hier stark fokussieren.

Wie man nun mal so ist. Und bis wir dann uns irgendwann in die Augen geguckt haben. Ich weiß noch, da saßen wir so gegenüber im Büro und haben gesagt: Wir sind eigentlich doof, ne? Da liegt Umsatz auf der Straße und wir lehnen hier einen nach dem anderen ab. Warum machen wir das eigentlich?

Den nächsten, der kommt, mit dem reden wir mal ernsthaft und gucken, ob wir nicht so ein B2B-Angebot, also ein White-Label-Angebot, auf die Straße stellen können.

Und da hatten wir wahnsinniges Glück, dass der so ziemlich der nächste, der angeklopft hat, dann die Bison App war. Und haben uns natürlich riesig gefreut und sehen das tatsächlich auch als Ritterschlag an und haben das dann auch umgesetzt.

Also, wenn über die Bison App Wertpapiere gekauft und verkauft werden, dann läuft das über die justTRADE-Technik ab. Und das ist natürlich für uns schon ein Ritterschlag gewesen, dass so eine altehrwürdige Börse, letztendlich die Börse Stuttgart mit ihrem Bison-Angebot, einen Dienstleister sucht und am Ende uns gefunden hat, wo wir gerade erst irgendwie drei, vier Jahre auf dem Markt waren.

Spannende Sache und auf jeden Fall für uns ein riesiger Erfolg. Da freuen wir uns sehr drüber.

Kryptohandel rund um die Uhr

Julius: Ja, wenn ich jetzt gerade einmal dazu ergänzen darf: Weil wir jetzt ja auch über den Punkt Kryptohandel gesprochen hatten, auch eine lustige Anekdote meinerseits. Mit dem Kryptohandel hatte ich vor meiner Zeit bei justTRADE gar nicht viel zu tun.

Und weil der Kryptohandel bei justTRADE eben so super einfach ist, muss ich nichts Weiteres machen, als das Depot, das ich bei justTRADE sowieso schon habe, einmal auch für den Kryptohandel freizuschalten.

Habe ich dann eben auch angefangen, meine ersten Kryptowerte zu handeln. Und mittlerweile ist es durchaus so: Wenn dann die Börsen Freitagabend schließen und am Wochenende keine Wertpapiere gehandelt werden, dann fängt bei mir immer so ein bisschen der Kryptohandel an, weil ich dann Lust habe, da noch mal ein bisschen aktiv zu sein.

Das finde ich total klasse. Wir haben ja auch wirklich viele verschiedene Kryptowerte zur Auswahl. Da ist immer irgendwie was dabei, wo man dann gerade Lust zu hat.

Michael: Absolut. Also, das ist eben der spannende Vorteil für den Kryptohandel: 24/7. Da passiert auch was am Wochenende und in der Nacht und Weihnachten und Neujahr.

Also all diese schönen Feiertage, die man sonst hat – nein, nein, hat man jetzt nicht mehr, sondern da läuft der Kryptohandel.

Die beruflichen Wege der Gründer

Julius: Ja, genau. Jetzt haben wir ja schon einiges auch zu justTRADE und seiner Entwicklung erörtert. Wollen aber auch gerne noch mal ein paar persönliche Einblicke bekommen und einmal auch noch mal hinter die Kulissen schauen.

Und dazu denke ich, ist für viele, auch für mich, interessant: Wie war denn euer Weg von irgendwann mal als junger Mensch in der Branche gestartet bis heute zum eigenen Broker und da eben an der Spitze zu stehen? Da ist ja einiges passiert in der Zeit. Was habt ihr denn da so alles schon hinter euch gebracht?

Michael: Ja, dann fange ich doch mal an. Also klassisch Banklehre, weil ich nicht wusste, was ich nach dem Abi machen soll.

Habe dann aber relativ schnell gemerkt: Okay, ich gehe dann doch studieren. Habe dann BWL in Köln studiert und war dann einer der ersten Mitarbeiter bei der Bank 24. Das war damals ja die Direktbank der Deutschen Bank, die neu gegründet wurde, die erste Bank, die auch 7 x 24 offen hatte.

Und ja, als ich mit dem Studium fertig war, war ich dann noch bei verschiedenen anderen Online-Brokern und zuletzt eben bei der OnVista Bank zusammen mit Ralf. Da waren wir beide in der Geschäftsführung.

Und als dann die Muttergesellschaft, die Société Générale, sich entschieden hat, die OnVista Bank zu verkaufen, dann haben wir zwei letztendlich das Projekt gemanagt und die OnVista Bank an die Comdirect verkauft.

Und dann bot sich's an. Dann war ich halt noch ein Jahr lang bei der Comdirect sozusagen für das gesamte Wertpapiergeschäft, also inklusive OnVista, da verantwortlich. Aber relativ viel Reiserei.

Aber na ja, am Ende kriegt man natürlich bei jedem Broker so ein bisschen was mit. Man weiß eben, was so läuft, was die Stärken und die vielleicht auch die Schwächen sind. Und daraus hat sich das dann halt irgendwie ergeben, dass man sagt: Okay, man kann das doch irgendwie auch selbst.

Also am Ende, ich sag mal, rund 25 Jahre Erfahrung in dem Wertpapierbereich.

Ralf: Ja, bei mir war es ein bisschen anders. Ich habe ja nie Bank gelernt, keine Banklehre gemacht. Ich wollte ja auch nie Banker werden.

Michael: Nee, langweilig.

Ralf: Ich habe als Unternehmensberater angefangen, zehn Jahre durch die Weltgeschichte getingelt, den montags ersten Flieger und den freitags letzten Flieger genommen. War schon eine wahnsinnig intensive Zeit, viel gelernt, aber auch wahnsinnig viel gearbeitet.

Und dann irgendwie mit Gründung der Familie und Geburt der Tochter habe ich mir so überlegt: Na ja, das kannst du nicht mehr bringen. Und bin sesshaft geworden bei der Comdirect. Tatsächlich habe ich zehn Jahre bei der Comdirect gearbeitet.

Da hat es mich dann aber auch nicht die ganze Zeit in Quickborn gehalten, sondern zwischendurch war ich dann drei Jahre in London. Habe da die englische Tochter, die tatsächlich die Comdirect mal hatte, verantwortet. Das erste Mal in einer geschäftsführenden Position.

Super spannende Erfahrung, mal so drei Jahre im Ausland zu arbeiten. Kann ich auch nur jedem jungen Mitarbeiter empfehlen, mal ins Ausland zu gehen, ein fremdsprachiges Land – einfach da ins Wasser zu springen und zu versuchen zu schwimmen.

Das geht irgendwie ein paar Mal schief und dann fängt's an, richtig Spaß zu machen. Und man sieht, dass man eben auch in einer komplett anderen Kultur, in einem komplett anderen Land irgendwie klarkommt und dass die Leute vielleicht am Anfang über ein Lachen über seine komische Aussprache, aber dann irgendwann mit einem Lachen – und das war für mich eine wahnsinnig schöne, wahnsinnig schöne Erfahrung.

Danach bin ich dann, hatte ich irgendwie Spaß so am Aufbau und an der Geschäftsführung gefunden, bin dann zur OnVista Bank gegangen als Geschäftsführer der OnVista Bank, später als Vorstand der OnVista AG und der Bank dann mit Michael zusammen.

Ja, und den Rest hat irgendwie der Michael erzählt. Die Bank verkauft leider an die Mutter, die Société Générale oder Boursorama, die ja die direkte Mutter war.

Die strategische Entscheidung war, sich auf den Heimatmarkt Frankreich zu fokussieren. Und man hat damals eben die Boursorama, die englische Tochter, die spanische Tochter und die deutsche Tochter – das war eben die OnVista – verkauft.

Und ich habe dann gleich gesagt: Mensch, dann gründe ich jetzt selbst.

Und genau, der Michael hat noch ein Jahr Zwischenrunde gedreht. Aber ich wusste ja gleich, dass er dann kommt. Aber sicher war es natürlich nicht.

Und dann hat's aber zum Glück geklappt und wir haben sozusagen zu zweit das alte Team wieder zusammengeführt.

Das Team als Erfolgsfaktor

Ralf: Und Team ist sowieso, glaube ich, für mich so das Stichwort. Also für mich der große Erfolgsfaktor ist eben, dass man sowas nicht alleine machen kann, sondern dass man ein Team braucht.

Und ich habe jetzt schon mehrfach von den ersten Vieren gesprochen. Das waren halt Leute mit langer, langer Erfahrung, sowohl in der Entwicklung von Software als eben auch im Finanzumfeld.

Die wussten von Anfang an: Was ist ein Optionsschein? Was ist ein Warrant? Was ist ein ETF? Kam also mit einer ganzen Menge Know-how.

Und ich glaube, hätten wir dieses Kernteam nicht gehabt, die im Übrigen alle noch bei uns sind, dann wäre es auch sehr viel schwieriger gewesen, den Laden aufzubauen.

Also für mich ist Erfahrung und eben ein Team, was diese Erfahrung mitbringt, ein wahnsinnig großer Erfolgsfaktor.

Und nebenbei muss man halt auch flexibel sein. Nicht alle Dinge kommen so, wie man sich vorstellt. Und da hast du mich dann immer wieder aufgebaut, Michael, immer wenn ich dich angerufen habe und gesagt habe: Oh, jetzt geht's nicht weiter, jetzt haben wir hier das Problem, ich habe keine Ahnung, wie lösen wir das?

Und da kamst du immer mit dem Steve-Jobs-Zitat und das hat mich dann immer wieder aufgebaut.

Michael: Ja genau. Der hat ja mal gesagt, dass, wenn eine Tür zugeht, dann öffnet sich eine neue. Und das stimmt ja auch.

Also am Ende ist es so: Probleme sind da, um gelöst zu werden. Und das haben wir ja auch gut hingekriegt.

Unternehmenskultur und Mitarbeiterführung

Julius: Ja, das hört sich doch total spannend an und finde ich auch sehr bemerkenswert. Was habt ihr denn vielleicht so jetzt nach jahrzehntelangem Geschehen auch hinsichtlich der Personalführung und so weiter an Lektionen lernen können?

Michael: Ich glaube, am Ende ist es wirklich das Team, das entscheidend ist. Man muss natürlich den Mitarbeitern auch die notwendigen Freiräume geben.

Also, ich hatte selbst immer das Glück, ich habe irgendwie immer an den Vorstand berichtet, seit ich im Job war, und die haben mir alle immer Freiheiten gelassen und immer nur gesagt: Wenn ich Probleme habe, soll ich sie ansprechen.

Und ich glaube, insofern ist das Team das Entscheidende. Also sowas wie, ich sag mal, am Ende mit Freunden arbeiten, was man bei uns, glaube ich, wirklich von unserem gesamten Team sagen kann. Und jeder kann halt, ich sag mal, sich frei entfalten, kann Ideen einbringen und kann sozusagen an dem gesamten Produkt mitgestalten.

Und ich glaube, das ist der Erfolg. Genauso wie sicherlich auch eine gute Mischung von Leuten. Wir haben ja Jüngere, Ältere, wir haben Männer, Frauen. Also wir haben eine bunte Mischung. Und ich glaube, so, das macht's halt irgendwie aus, dass irgendwie alle Spaß an der Arbeit haben und irgendwie auch gerne arbeiten gehen.

Ralf: Ja, ich glaube, wir können auch für uns sagen: Wir hatten nie so viel Spaß an der Arbeit wie heute.

Und wenn man jetzt so ein bisschen zurückblickt, dann muss ich für mich sagen: Auch, man hätte schon 10 oder 20 Jahre vorher gegründet, weil das macht einfach so wahnsinnig viel mehr Spaß, im kleinen, schlagkräftigen Team zu arbeiten, als PowerPoint-Folien für einen Aufsichtsrat zu malen.

Michael: Ja, ist wirklich ein tolles, tolles Arbeitsumfeld, was uns da gelungen ist. So ein bisschen Selbstlob, aber ich glaube, ja, das ist für uns wichtig gewesen.

Ralf: Für mich auf jeden Fall. Und das hatten wir uns ja auch vorher so besprochen, dass wir gesagt haben: Am Ende wollen wir Spaß in der Arbeit haben. Das ist das erste Ziel. Und das zweite Ziel ist dann natürlich auch ein Erfolg.

Aber irgendwie jeden Tag mit viel Freude zur Arbeit zu gehen, das war so das für mich wirklich Wichtigste.

Julius: Ja, das kann ich auch von meiner Seite als Angestellter wirklich total bestätigen. Bei justTRADE fällt mir sofort ein, was ich damit assoziiere: einfach ein super Team.

Ich fühle mich total wohl und die Arbeit macht wirklich Spaß. Das hat nichts zu tun mit so einem steifen: morgens aufstehen, zur Arbeit gehen, irgendwie den Schreibtisch freikriegen, abends nach Hause und dann ist man genervt.

Sondern man arbeitet irgendwie gemeinsam an einem Projekt, sitzt alle im selben Boot und es macht wirklich jeden Tag aufs Neue Spaß.

Und es ist auch kein Theater. Also, ich bin auch wirklich total gerne dabei und kann euch da nur beipflichten.

Michael: Definitiv. Ja, schön, freut mich, dass das auch ankommt, sage ich mal. Das hatten wir auch vorher so besprochen, dass du das jetzt sagst.

Julius: Nein, ist ja eine ehrliche Antwort.

Michael: Und das ist auch das, was wir erreichen wollen. Deswegen reden wir auch im Team komplett offen. Wir legen ja auch die Strategie alle zusammen fest.

Wir hatten letztes Jahr ein großes Offsite, wo wir alle gemeinsam überlegt haben: Was sollen wir jetzt machen? Wozu haben wir was? Was glauben wir, suchen die Kunden? Wozu haben wir Spaß?

Ja, ich glaube, so soll es auch sein. Und ich hoffe, dass wir das noch lange, lange – auch mit wachsenden Mitarbeiterzahlen – aufrechterhalten können.

Regulierung und Herausforderungen für Fintechs

Julius: Ja, und jetzt ist ja natürlich trotz alledem die Gründung und Entwicklung eines Online-Brokers sicherlich eines der schwierigsten Unternehmen, die man so gründen kann.

Wenn ich jetzt alleine daran denke, was ich auch so zu Zeiten von Ausbildung und Studium mitbekommen habe, was es da an Vorschriften und Regulatorik gibt.

Und ja, habt ihr denn irgendwie mit der Zeit irgendwann auch mal Zweifel gehabt? Hattet ihr mal wirklich ernsthaft befürchtet, es geht nicht weiter? Gab es auch solche Momente?

Michael: Ja, ist lustig, dass du das fragst. Also, ich habe tatsächlich damals bei der Gründung auch mit meiner Frau gesprochen und gesagt: Habe ich jetzt wie viel schlaflose Nächte werde ich wohl haben?

Und tatsächlich nicht eine, kann ich sagen. Also, am Ende war immer die Entwicklung besser als geplant.

Wir mussten nie an irgendwelche Reserven gehen. Wir mussten auch nie harte Entscheidungen treffen im Sinne von Mitarbeiter entlassen oder so. Da haben wir wirklich Glück gehabt.

Und gerade auch jetzt nach der Corona-Pandemie, wo ja viele Fintechs gestrauchelt sind oder auch jetzt noch mal, wo dann Finanzierung schwieriger werden, da hast du es natürlich einfacher, wenn du gar nicht fremdfinanziert bist, sondern wenn du von Anfang an deine Organisation so aufgebaut hast, dass sie sich selbst trägt und dass das verdiente Geld ausgegeben wird.

Dann hast du auch keine schlaflosen Nächte.

Und ich habe mal im Fintech-Sprech gelernt: Der Runway ist ja, solange das Geld reicht, nicht? Und am Ende des Runways brauchst du eine neue Finanzierungsrunde.

Und wir haben eben von Anfang an unendlichen Runway gehabt. Von daher war auch nie die Frage: Oh, wird's jetzt eng oder so? Sondern wir waren immer das, was wir geplant haben, hat funktioniert.

Und wir waren tatsächlich immer leicht außen vor.

Ralf: Ja, genau. Wir müssen vielleicht noch erwähnen: Wir haben natürlich auch ein paar Privatinvestoren bei uns, also Family and Friends, würde ich mal sagen, schon auch dabei.

Aber trotzdem ist es eben so, dass wir immer nur das Geld ausgegeben haben, was wir hatten, und da eben auch immer mit dem entsprechenden Puffer Gott sei Dank agieren konnten und nie harte Entscheidungen treffen mussten bisher.

Wie sich der Wertpapier- und Kryptomarkt verändert hat

Julius: Ja, das klingt doch für mich auch irgendwie richtig gut und auch richtig schön. Jetzt haben wir schon auch über die Unternehmenskultur gesprochen und so weiter.

Schauen wir doch jetzt auch noch mal gerne in Richtung Branchenperspektiven und Trends, die Entwicklung der Märkte. Wie hat sich denn der Markt für Wertpapier- und Kryptodepots in den letzten Jahren verändert? Der steht ja nicht still.

Michael: Ja, da ist wirklich brutale Veränderung.

Also zum einen kann man sicherlich sagen: Die Zinsen von Negativzinsen auf Positivzinsen, was natürlich dramatische Auswirkungen hat.

Wir haben das Thema Payment for Order Flow, die ja in Brüssel entschieden wurde und eben da auch wirklich, ich sag mal, eigentlich gegen die Anleger entschieden wurde. Aber das ist ja sozusagen Zukunftsmusik.

Dann haben wir natürlich klar das Thema Corona, das natürlich gerade im Wertpapierbereich wirklich viele neue Leute auch in den Markt gebracht hat.

Aber ich glaube, in Gänze sind halt viele Änderungen, sag mal, regulatorikgetrieben. Und das ist, glaube ich, ein Thema, was man halt echt managen muss.

Wir hatten auch im Kryptobereich natürlich so eine Stablecoin-Krise, die wirklich zu einem Kryptomarkt geführt hat. Interessanterweise jetzt auch Mt. Gox, die Entschädigungszahlungen fallen ja im Moment höher aus als gedacht.

Aber dennoch gibt's halt immer so Einschläge, die halt dann gemanagt werden müssen. Also insofern ist der Markt wirklich permanent in Veränderung.

Ralf: Absolut. Also, was wir vielleicht auch so wahrnehmen, ist, dass man wenig Unterstützung kriegt.

Nicht? Also, die ganze Regulatorik, ja, die ist richtig und gut. Aber sie sollte eben auch da greifen, wo wirklich schlimme Dinge passieren, wie bei Wirecard oder wie bei FTX.

Aber wir haben eindeutig das Gefühl, dass das überzogen wird oder dass das nicht mit richtigen Maßstäben hier angelegt wird.

Also PFOF ist ein Beispiel, wo tatsächlich der Kleinanleger drunter leiden wird. Die Spreads werden dieselben sein und am Ende muss der Kleinanleger dann doch wieder 2, 3 Euro für einen Trade bezahlen oder mehr.

Wir haben sowas wie eine CRR3, also eine Eigenkapitalrichtlinie, wo man jetzt ab 2025 die Banken deutlich mehr Eigenkapital hinterlegen müssen für Provisionsgeschäft.

Also tatsächlich fast ein Viertel, wenn man das rechnet. Also wenn ich irgendwie 1.000 Euro Provisionseinnahmen habe, dann muss ich 250 Euro Eigenkapital hinterlegen. Das ist Wahnsinn, nicht?

Und diese Eigenkapitalkosten sind halt auch horrend hoch.

Und man hat wirklich leider das Gefühl, dass in der EU, gar nicht mal so sehr in Deutschland, aber in der EU immer wieder so kleineren Unternehmen, wie wir sind, Startups, so Knüppel zwischen die Beine geworfen werden.

Ich habe noch nie gehabt, dass ich irgendwie dachte: Wow, der Staat, die deutsche Regierung oder auch die EU unterstützt mich hier, bringt mich voran, macht mir Dinge leichter.

Also tatsächlich muss man leider sagen, eher das Gegenteil ist der Fall. Und das ärgert uns eigentlich jeden Tag, dass man schon wahnsinnig kämpfen muss als Gründer und dass ja eigentlich keiner hilft, sondern dass man hart da wirklich durchgehen muss und immer wieder was Neues kommt, wo man sich eine Lösung überlegen muss.

Das ist so ein bisschen wirklich, was wir in der Entwicklung des Wertpapiermarktes so ein bisschen schade finden.

Michael: Ja, mal schauen, wie es weitergeht. Vielleicht ist ja irgendwann das Ende der Regulierungswut erreicht und wir können mal fünf Jahre ohne neue Regeln einfach nur arbeiten.

Julius: Ja, das wäre natürlich wirklich absolut traumhaft.

Tokenisierung als Zukunftsthema

Julius: Ja, apropos Zukunft: Was erwartet ihr dann vielleicht an Trends und Entwicklungen so in den nächsten fünf bis zehn Jahren?

Michael: Ja, für mich ist tatsächlich eben die Tokenisierung von Wertpapierabwicklung so das ganz große spannende Thema, bei dem wir auch weit vorne mit dabei sein wollen.

Also momentan ist es ja so, dass jedes klassische Wertpapier irgendwo beim Zentralverwahrer und da gibt's in Deutschland nun mal Clearstream gebucht, gelagert, verwaltet wird. Und Clearstream nimmt da durchaus deutliche Kosten für, die wir bezahlen müssen, die am Ende der Endkunde bezahlen muss.

Und ich glaube eben, mit so einer Tokenisierung, das heißt einer Clearing- und-Settlement-Struktur in der Blockchain, eben beim Krypto-Registerführer und vielleicht nicht mehr beim Zentralverwahrer, gibt es hier eine deutliche Kostenentspannung.

Also für uns ist es jetzt tatsächlich nicht irgendwie Hype, weil die Technik irgendwie toll ist oder anders ist. Das ist, sicher, aber am Ende ist das eine dezentralisiert gespeichert, das andere irgendwie in der zentralen Datenbank. Finde ich jetzt gar nicht so spannend.

Aber das Spannende ist, dass eben damit durchaus die Kosten ja um deutliche Prozentsätze fallen können, was für uns natürlich als kleinmargiges Unternehmen extrem wertvoll ist.

Also wenn wir nur 10 Cent, 20 Cent oder gar 50 Cent an der Transaktion am Settlement sparen können, da ist das für uns verdammt viel. Und wir können eben diese Vorteile dann sicherlich auch in Teilen wieder an die Kunden weitergeben.

Also das für uns so eins der spannendsten Entwicklungen in den nächsten, ich würde sagen, fünf bis zehn Jahren. Es wird sich da einiges tun und wir hoffen eigentlich, dass wir dann so in sechs, sieben, acht Jahren auf einer tokenisierten Infrastruktur sind mit deutlich günstigeren Kosten.

Was macht justTRADE anders?

Julius: Ja, das klingt ja eigentlich schon wieder nach viel Stoff für künftige Podcast-Folgen. Das klingt ja nicht nach einem kleinen, nichtigen Thema.

Also vielen Dank auch dafür für diese Erläuterung. Das war auch ein Thema, das ich jetzt nur so ganz am Rande auf dem Schirm hatte.

Ja, dann schauen wir doch noch mal auf unsere bisherigen Erfahrungen, vielleicht auch einfach mit Kunden. Was unterscheidet denn unser Angebot auch von dem der Konkurrenz? Was macht uns für Kunden interessant?

Michael: Ich glaube, also wir haben ja von Anfang an Wert auf Auswahl gelegt. Und wir sind eben nicht der Ein-Börsen-Broker, der nur eine Börse anbietet, an der man dann eben aufgedeckte Wertpapiere handeln kann, sondern wir haben beispielsweise drei Börsen, habe ich ja schon gesagt.

Sodass du als Kunde wirklich jedes Mal, wenn du ein Wertpapier, also eine Aktie oder einen ETF oder auch immer kaufst, hast du halt wirklich die breite Auswahl.

Und interessanterweise unterscheiden die sich halt auch oftmals von den Preisen. Und wir zeigen das auch an, markieren sozusagen den günstigsten Preis mit so einem kleinen Preistag.

Und wir haben das in einer eigenen Studie mal ausgewertet. Und im Schnitt spart halt ein Kunde im Durchschnitt so 3,80 Euro pro Order über alle Orders in dem Zeitraum.

Wir hatten beispielsweise einen Kunden, der hat für irgendwie 90.000 Euro Porsche-Aktien gekauft. Und wenn der den günstigsten Handelsplatz ausgewählt hätte – was er nicht getan hat, ich meine, am Ende entscheidet natürlich immer jeder Kunde selbst, wo er handelt –, dann hätte der allein 2.000 Euro gespart.

Und das ist natürlich schon ein Wahnsinnsvorteil.

Das heißt, wenn andere Broker beispielsweise eben mit irgendwie 0 Euro werben, dann heißt das eben noch gar nichts. Weil am Ende, wenn die Börse mir halt einfach einen schlechten Spread stellt, dann zahle ich eben implizit ja dann doch wieder mehr.

Und ich glaube also, das ist eben sicherlich ein Wahnsinnsangebot.

Dann haben wir natürlich, ich sag mal, im Vergleich zu anderen auch die größte Auswahl an Ordertypen. Und insbesondere sind wir der einzige Broker, also der einzige Neobroker, der die sogenannte RFQ-Order, also diese Request-for-Quote-Order, im Angebot hat.

Das heißt, ich weiß sozusagen mit Ordererteilung, wie mein Ausführungspreis ist. Also das ist, finde ich, ein Wahnsinnsvorteil.

Wenn ich jetzt das Pendant nehme, was die anderen Broker so haben, ist ja die Market-Buy-Order da. Also ich sage einfach: Ich will jetzt kaufen oder verkaufen. Und dann wird halt der nächste Kurs genommen.

Aber je nach Schwankung – also ich erinnere nur daran, dass ja eine Nvidia jetzt irgendwie 7 Prozent in den letzten Tagen irgendwie gefallen ist – wenn man dann natürlich den Kurs vorher gar nicht kennt, dann verkauft man unter Umständen zu einem Kurs, den man eigentlich gar nicht haben wollte.

Und das ist eben bei der Quote-Order total anders. Also ich weiß wirklich vorher, was ich für einen Kurs bekomme. Und das sind eben, finde ich, super Vorteile, die wir im Vergleich zur Konkurrenz eben bieten.

Julius: Ja, die Quote-Order ist übrigens auch mein absoluter Lieblingsordertyp. Kannte ich vor justTRADE auch noch nicht. Diese Orderart – bin ich total happy mit. Vielen Dank für die Erläuterung, Michael.

Neue Produkte und Funktionen

Julius: Jetzt aber noch mal die Frage: Gibt's denn neue Produkte oder Dienstleistungen, die wir in Zukunft vielleicht ergänzend anbieten wollen?

Michael: Ja, gut. Wir schauen natürlich immer und wollen unser Angebot ausbauen.

Ich glaube, was definitiv für dieses Jahr auf der Agenda steht, ist, dass wir die Suche deutlich ausbauen, also dass man halt noch gezielter die richtigen Wertpapiere finden kann. Also da arbeiten wir dran.

Wir schauen uns auch neue Handelsplätze an, sodass wir da noch mehr Optionen den Kunden bieten.

Charts ist sicherlich ein Thema, Kursversorgung. Also wir haben wirklich viel vor. Insbesondere natürlich auch sozusagen die App wollen wir mal modernisieren.

Die ist natürlich – also da kann man ja auch permanent sozusagen dranbleiben. Aber ich glaube, für Kunden wird viel passieren. Und ja, die sollen sich einfach mal überraschen lassen.

Wo können Kunden justTRADE folgen?

Julius: Ja super, das klingt doch einfach wieder total spannend. Falls ich jetzt jemand die Frage stellt: Wie kann ich denn als Kunde oder jemand, der vielleicht Kunde werden möchte, dranbleiben und davon erfahren? Auf welchen Kanälen ist justTRADE erreichbar?

Julius: Wir haben da ganz viel Verschiedenes im Angebot. Einerseits natürlich hier unseren Podcast, der auf verschiedenen Plattformen gepostet wird.

Dazu laden wir regelmäßig dann auch Blogartikel hoch, die sich mit verschiedenen jeweils aktuellen oder einfach interessanten Themen befassen.

Wir sind auch auf Social Media vertreten, zum Beispiel auf Instagram. Da wird vielleicht auch der ein oder andere überrascht sein, wer noch zu unserem Team dazugehört. Wir haben nämlich auch einen Bürohund.

Ja, dann sind wir auf YouTube vertreten. Unter anderem finden sich da in der Vergangenheit aufgezeichnete Webinare zu interessanten Themen sowie einfach Erklärungen zu verschiedenen, auch komplexeren Ordertypen.

Und zuletzt natürlich auch unsere Website mit einem sehr, sehr großen Informationsgehalt, so der Möglichkeit, dass man bei justTRADE eben auch Newsletter abonnieren kann.

Das ist dann auch kein langweiliger Werbe-Newsletter, sondern der informiert wirklich auch einfach zu Neuerungen, ist durchaus auch sehr interessant.

Verabschiedung

Julius: Ja, und in diesem Sinne denke ich, haben wir wirklich einen tollen und spannenden Einblick geben können an all unsere Hörer. Und damit bedanke ich mich bei euch beiden, Michael und Ralf, ganz, ganz herzlich für eure Zeit. Ich fand das sehr spannend, hat mir ganz viel Spaß gemacht.

Ralf: Ja, vielen Dank fürs Interview, Julius. Hat uns auch viel Spaß gemacht und wir hören uns sicherlich im nächsten Podcast wieder.

Michael: Ja, vielen Dank, Julius. Bis dann.

Julius: Jawohl, bis dann. Macht's gut. Ciao, ciao.

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Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Kapitalanlagen unterliegen Wertschwankungen und allgemeinen Kapitalmarktrisiken. Der Wert einer Anlage kann steigen oder fallen; Verluste bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals sind möglich.