Börsentalk #52 - Zwischen Goldhoch und Börsengipfel – Wohin steuern die Märkte?
In der 52. Folge des Börsentalks ist Jorg Schirmacher von PLATOW erneut zu Gast – zuletzt zu hören in Folge 44. Gemeinsam mit Michael blickt er auf zentrale Herausforderungen der Kapitalmärkte, die seit Jahresbeginn weiter an Brisanz gewonnen haben: von eskalierenden geopolitischen Krisen über die US-Staatsverschuldung bis hin zur divergierenden Zinspolitik.
Ein Schwerpunkt der Folge liegt auf der laufenden Dividendensaison: Welche Unternehmen stechen 2024 mit Rekordauszahlungen hervor? Sind Dividenden angesichts sinkender Zinsen wirklich das „neue Sparbuch“? Und wie sollte man mit vermeintlich unpopulären Sektoren wie Healthcare umgehen?
Jorg gibt fundierte Einblicke in attraktive Einzelwerte, diskutiert Sektoren mit Zukunftspotenzial und verrät, wo sich aktuell ein besonders günstiges Chance-Risiko-Verhältnis zeigt. Dabei rät er, auch abseits des Mainstreams nach spannenden Gelegenheiten zu suchen – zum Beispiel dort, wo gerade noch niemand hinschaut.
Zum Schluss gibt’s einen Blick hinter die Kulissen der PLATOW Börse. Hier geht’s zur kostenlosen PLATOW Börse Weekend Edition: https://www.platow.de/platow-boerse-weekend-edition-justtrade/
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Michael: Podcast-Folge 52 unseres Börsentalks. An dieser Stelle zuerst mal gute Besserung an meinen Co-Host Nina, die heute leider krank ist. Aber ich begrüße mal wieder Jork Schirmacher von PLATOW.
Jork: Hallo Michael.
Michael: Jork, du warst ja bei uns in der Folge 44 und da haben wir besprochen, wie sich denn der Markt entwickeln könnte. Ihr habt da so Herausforderungen identifiziert und mich würde einfach jetzt zu Beginn mal interessieren, welche eurer Herausforderungen haben sich denn bewahrheitet?
Jork: Ja, ich glaube, der Podcast war Ende Januar, wenn ich mich nicht täusche, Mitte, Ende Januar.
Michael: Mhm.
Jork: Und wir haben über vier maßgebliche Herausforderungen, die wir jetzt auch für 2025 gesehen haben, aber sicherlich auch darüber hinaus, gesprochen. Das waren einmal die geopolitischen Krisen, Staatsverschuldung als großes Thema, divergierende Zinspolitik und natürlich die Inflationsentwicklung und das große Thema Deglobalisierung, Protektionismus.
Und erstaunlicherweise sind diese Themen weiterhin sehr akut und sie haben sich eigentlich, wenn man jetzt mal ein paar Aspekte davon genauer anschaut, auch deutlich verschärft.
Geopolitik, Staatsverschuldung und Zinsen
Geopolitische Krise, Stichwort heute: Angriff Israels auf den Iran und der Ukrainekrieg nach wie vor nicht gelöst. Also, das hat sich deutlich verschärft. Erkennt man heute an der Entwicklung des Ölpreises. Auch Gold ist stark gestiegen, ist da sogar auf Allzeithoch. Also, das hat sich deutlich verschärft.
Der, finde ich, eigentlich wichtigste Punkt ist tatsächlich die Staatsverschuldung. Die Staatsverschuldung der USA, die war immer hoch, aber es hat irgendwie niemanden interessiert. Und seit Jahresbeginn hat sich das deutlich verändert.
Also, wir haben die letzte Ratingagentur Moody's, die jetzt US-Staatsanleihen heruntergestuft hat. Wir haben von der Investorenseite deutlich gesunkene Nachfrage nach US-Staatsanleihen.
Wir hatten kurzzeitig zehnjährige Staatsanleihen bei 5 Prozent. Ja. Und gleichzeitig haben wir eine US-Regierung, die ein neues Fiskalpaket, den „Big Beautiful Bill“, lanciert hat und also das heißt: weiter Schulden macht.
Und der Kapitalmarkt, dem ist das jetzt nicht mehr so egal. Der fängt an, den USA zu zeigen: Bis hierhin, aber nicht weiter. Und das zeigt sich im Goldpreis.
Und das hat sich letztlich auch am US-Aktienmarkt gezeigt. Also, die US-Börsenbewertung haben wir damals auch als sehr großes Problem identifiziert, die hohe Konzentration in US-Aktien. Und all das hat sich dann tatsächlich mit der Ankündigung von Trump Ende März mit den globalen Zöllen dann auch tatsächlich als Probleme herausgestellt.
Und ja, seitdem wird von Investoren infrage gestellt, ob 75 Prozent US-Anteil im MSCI World gerechtfertigt sind oder ob es vielleicht auch nur 50 sein sollten. Und dementsprechend wird sehr viel Geld aus den USA nach Europa geschiftet, weil dort die Bewertungen deutlich attraktiver sind.
Ja, das alles hat sich stark verschärft. Wir haben eine divergierende Zinspolitik. Hierzulande, in Europa, geht's schneller nach unten.
Michael: USA kämpft Trump gegen Jerome Powell.
Jork: Ähm, ein Punkt, der vielleicht sich noch nicht eingetreten ist oder der, sage ich mal, sich hartnäckig hält, das ist das Wachstum. Auch einer der Gründe wahrscheinlich, warum die Märkte sich gut halten.
Und zwar war man davon ausgegangen, dass das globale Wachstum in 2025 deutlich abschwächen wird, nicht zuletzt auch aufgrund der Zölle. Und es hält sich ja bisher sehr hartnäckig, vor allen Dingen in den USA.
Aktienkultur und das „Lindner-Depot“
Michael: Ja, eine Sache ist vielleicht ganz interessant: In diesem Trump-Steuerpaket ist ja, also wenn man sich überlegt, die alte Bundesregierung bei uns hatte ja das sogenannte Lindner-Depot, ne, wo ja jeder ein Depot und dann vergünstigt Aktien oder ETF handeln konnte.
Und das hat ja Trump in seinem Paket auch mit drin, ne? Dass er für jeden Neugeborenen da ein Depot machen will, wo irgendwie 1.000 Dollar reinkommen und dann kann man da steuerfrei sparen.
Da kann sich die Bundesregierung jetzt, die neue, mal eine Scheibe von abschneiden, weil das ist natürlich auch irgendwie Thema, ne? Und das bewegt natürlich auch jetzt uns als Branche, als Broker, weil wir natürlich schon glauben: Man muss mit jungen Jahren halt anfangen, ne?
Jetzt ist ja die Idee, glaube ich, vom März, irgendwie ab sechs. Muss man mal schauen, wo es hingeht, aber das ist zumindest Teil.
Das fand ich ganz interessant, dass die USA da auch noch mal an der Stelle echt Gas geben will, ne?
Jork: Das stimmt. In den USA hängt natürlich auch der Aktienanteil bei privaten Anlegern ja deutlich höher als hierzulande, was schade ist. Also, Aktienkultur könnte hier in Deutschland deutlich gefördert werden.
Das weißt du jetzt besser als Broker, aber da hat ja die Bundesregierung mit ihren bisherigen Paketen ja eher enttäuscht, was Altersvorsorge etc. angeht.
Michael: Ja. Ja. Und mutlos kann man eigentlich sagen, ne?
Was hat seit Jahresbeginn überrascht?
Michael: Sag mal, und gibt's irgendeine Entwicklung, die dich seit Jahresbeginn jetzt besonders überrascht hat?
Jork: Also, was ich erstaunlich fand, war, als wir diesen massiven Abverkauf hatten Anfang April, Ankündigung der Zölle.
Ich meine, man hätte eigentlich, hat es einen nicht überraschen dürfen, dass das kam, weil er hat's gesagt, er hat's angekündigt.
Michael: Das stimmt.
Jork: Ja, aber er hat es auch dann wirklich in die Tat umgesetzt. Was ich erstaunlich finde, ist, dass das ein paar Wochen gedauert hat und wir momentan, aktuell wieder auf, wir haben jetzt Mitte Juni, wieder weltweit nahe den Höchstständen tendieren.
Das finde ich eigentlich am erstaunlichsten, wenn man sich die ganzen Risiken, Geopolitik, Inflationserwartungen wieder anziehend, Staatsverschuldung, anschaut.
Wir gucken uns ja immer gerne den Buffett-Indikator an.
Das ist die Marktkapitalisierung des US-Aktienmarktes ins Verhältnis gesetzt zum BIP. Und das war Anfang des Jahres bei über 200 Prozent.
Michael: Mhm.
Jork: Und da sind wir jetzt auch schon wieder, nicht ganz so hoch wie Anfang des Jahres, aber wir sind nahe diesen Höchstständen. Und das hat zuletzt Ende 2021 gegeben, kurz vor den Zinserhöhungszyklus.
Um mal einen Vergleich zu geben: In der Finanzkrise lag das Verhältnis bei 50 Prozent. Und in der Phase 2013 bis 2021, also ich sag mal so, die Nullzinsphase, wo ja Aktienmärkte extrem gut liefen, selbst da war es in der Range von, sage ich mal, 100 bis 170.
Also, wir sind wirklich Peak. Und das finde ich am erstaunlichsten, wenn man sich die aktuelle Marktlage anschaut.
Dividenden als „neue Zinsen“?
Michael: Okay, kommen wir mal zur Dividendensaison. Die läuft ja aktuell auf Hochtouren, ist ja immer April, Mai, dann auch noch ausgehender Juni.
Was glaubst du denn, inwiefern bestätigen denn die diesjährigen Ausschüttungen die These, dass Dividenden eigentlich die neuen Zinsen sind? Ich meine, die Zinsen sind nicht mehr hoch, die sind ja jetzt auch laufend gesenkt worden. Was glaubst du: Sind Dividenden die neuen Zinsen angesichts der aktuellen Zinslage?
Jork: Also, sie korrelieren natürlich miteinander oder, ich sag mal, die Attraktivität von Dividenden hängt vom Zinsniveau ab. Also je niedriger der reale Zins, also der nominale Zins abzüglich der Inflation, je niedriger der ist, desto attraktiver wirken Dividenden.
Und wir hatten auch wieder ein sehr, sehr starkes Dividendenjahr. Ähm, wir haben, glaube ich, fast so viel wie 2023 ausgeschüttet für 2024, über 60 Milliarden im DAX, MDAX und SDAX.
Das ist seit der Coronapandemie stetig gestiegen. Hat natürlich auch mit der Inflation zu tun. Wenn die Inflation hoch ist, dann steigen auch in der Tendenz die Umsätze von Unternehmen, weil, wenn sie die Preise weiterreichen können, die gestiegenen Preise.
Ich würde jetzt die These unterschreiben, weil natürlich zwischen dem in Anführungsstrichen risikolosen Zins von der, ich sag jetzt mal, nicht US-Staatsanleihe, sondern von einer deutschen Staatsanleihe, ist natürlich was anderes als eine Dividende.
Dividende wird aus dem, im besten Fall, aus dem Überschuss des Unternehmens bezahlt und du erhältst diese Dividende ja nur, wenn du auch die Aktie kaufst. Und das ist mit Kursschwankungen bis hin zu Totalverlust verbunden.
Das heißt, Dividenden sind für mich jetzt nicht die neuen Zinsen, weil sie mit Risiko behaftet sind. Aber sie waren sicherlich in der Nullzinsphase sehr, sehr attraktiv.
Dividenden, stetige Dividendenzahler – und da muss man eben auch differenzieren, ne? Also, hast du ein Unternehmen wie eine BASF, die Rekorddividende oder zumindest stabile Dividende auf hohem Niveau weiterhin auszahlt, aber das nicht aus dem Überschuss macht, sondern eben aus der Substanz, aus dem Eigenkapital, aus dem Fremdkapital, einfach um Investoren zufriedenzustellen.
Oder hast du ein Unternehmen wie jetzt eine Allianz oder eine Deutsche Börse, die jetzt stetig 30, 40 Prozent ihres Überschusses auszahlen und das auch sich locker leisten können und das über Jahre lang in der steigenden Tendenz tun, da musst du differenzieren.
Ja, aber wenn du da den Richtigen findest in der Phase, wo die Zinsen, die realen Zinsen sehr niedrig sind, ist das sicherlich attraktiv. Ja, aber es ist nicht der neue Zins, soweit will ich nicht gehen.
Welche Branchen stechen bei den Dividenden hervor?
Michael: Wenn man sich jetzt die DAX-Unternehmen anschaut, dann haben ja eigentlich sehr, sehr viele sogar, wie du eben schon gesagt hast, auch die Dividende erhöht. Einige sozusagen haben irgendwie Rekordhöhen.
Gibt's irgendwelche Branchen, Unternehmen, wo du sagst, die stechen in diesem Jahr besonders hervor?
Jork: Ja, definitiv. Da ist vor allem der Finanzsektor. Da denke ich jetzt an Deutsche Bank, Commerzbank. Die Commerzbank zahlt ja auch eine Dividende, ne?
Michael: Ja, Commerzbank halt auch wieder Dividende.
Jork: Die haben gegenüber dem Vorjahr ihre Dividenden um – Deutsche Bank um 50 Prozent, Commerzbank um 80 Prozent – gegenüber dem Vorjahr erhöht. Soll auch weitergehen. Also, die schütten weiterhin stark aus.
Haben natürlich von den, gerade die Commerzbank, von den höheren Zinsen massiv profitiert. Also, man nennt die Commerzbank auch gerne ein Zinshaus.
Michael: Ja.
Jork: Wir haben die Allianz, also auch ein Finanzwert. Die haben ihre Ausschüttung auf den Rekordwert von 6 Milliarden für letztes Jahr erhöht, um 10 Prozent.
Also sicherlich der Finanzsektor, der da hervorsticht.
Wir haben auch eine Deutsche Telekom, die haben auch um 15 Prozent erhöht auf 4,4 Milliarden Euro. Das ist auch ein deutlicher Anstieg, einfach aufgrund des starken operativen Geschäfts dieses Titels.
Michael: Ja, auch erstaunlich fand ich die Autowerte. Da läuft das Geschäft nicht so gut, Mercedes-Benz, BMW etc. Ja, haben die höchsten Dividendenrenditen von teilweise 7 Prozent.
Jork: Aber das ist eher kursgetrieben, also aufgrund einer Kursschwäche. Da ist die Dividende gegenüber Vorjahr, die im Vorjahr wohlgemerkt sehr, sehr gut, sehr, sehr hoch waren, um 25 Prozent eingebrochen. Und trotzdem sind diese Autowerte bei der Dividendenrendite im oberen Bereich des DAXes.
Aber das liegt eben an der schwachen Kursentwicklung.
Wie hoch ist eine typische DAX-Dividendenrendite?
Michael: Ja, wenn man jetzt mal schaut: Im DAX ist die Dividendenrendite, die durchschnittliche, so um die 3 Prozent. Wie bewertest du das sozusagen im historischen Vergleich?
Jork: Das ist nicht besonders hoch, aber nicht besonders niedrig, würde ich sagen. Also, ist eigentlich so im Schnitt, würde ich sagen, wahrscheinlich etwas erhöht, aber es ist jetzt nicht besonders hoch oder besonders niedrig.
Ich finde es erstaunlich tatsächlich, dass es die 3 Prozent sind. Ich hab das nicht geprüft im Vorfeld tatsächlich, aber es wird ja stimmen.
Wenn man es, ich finde es erstaunlich, weil wir im DAX das dritte Jahr in Folge ein sehr, sehr starkes Jahr haben. Wir sind das dritte Jahr in Folge plus 20 Prozent.
Das ist inklusive Dividenden natürlich, die so ein Drittel der Rendite ausmachen über langen Zeitraum beim DAX.
Das finde ich erstaunlich: sehr, sehr starke Kursentwicklung des Indexes. Seit Ende 2022 hat sich ja der DAX verdoppelt.
Ich gehe davon aus, das liegt an diesen Schwergewichten. Ich habe sie eben genannt: Deutsche Telekom, Allianz, auch eine Münchener Rück, also gerade so die Versicherungen, die Finanzwerte, aber auch die Autoaktien, die es sich nicht leisten können, deutlich weniger auszuschütten, um Investoren bei der Stange zu halten.
Diese Schwergewichte, dass die weiterhin eben aufgrund starken operativen Geschäfts oder eben einer Capital Allocation, die eben eine stabile Dividende mindestens sicherstellen möchte.
An diesen Schwergewichten liegt's, dass diese trotz der starken Indexentwicklung diese Rendite immer noch bei 3 Prozent liegt.
Wenn du SAP nimmst, die zahlen natürlich auch aus, aber es ist ein Wachstumswert, ein Technologiewert. Die schütten jetzt nicht so viel ihres Gewinnes aus. Da liegt die Dividende nach der starken Kursrally, glaube ich, bei 1 Prozent oder so. Das ist also, an denen liegt's nicht.
Makroökonomische Faktoren im aktuellen Marktumfeld
Michael: Okay, wenn wir noch mal zur aktuellen Marktlage kommen, wir haben es ja eingangs auch schon ein bisschen besprochen. Siehst du noch makroökonomische Faktoren, die irgendwie die Stimmung der Börsen am meisten oder am stärksten aktuell beeinflussen?
Jork: Ja, wir haben eingangs ja auch darüber gesprochen. Jetzt Zinsentwicklung ist natürlich ganz, also einer der wichtigsten Faktoren. Das orientiert sich natürlich an den Inflations- und der Wirtschaftsentwicklung.
Wirtschaftsentwicklung in der EZB, hier in Europa, steigen die Zinsen stärker, fallen die Zinsen stärker als in den USA. In den USA halten sie sich derzeit.
Ja, wir haben jetzt in dieser Woche Inflationszahlen aus den USA gesehen, die waren jetzt leicht unter Erwartungen, aber steigen in der Tendenz. Also, sie waren jetzt, glaube ich, 2,4 Prozent statt 2,5 Prozent. Aber sie sollen die nächsten Monate weiter steigen, was auch eine plausible Erwartung ist, weil wir Zölle haben, die sich, wenn sie außer sie landen bei null, was wovon ich jetzt nicht, was jetzt nicht das Base-Case-Szenario sein darf, werden sie sich ja erst zeitverzögert in den Zahlen zeigen.
Das heißt, Inflationsraten steigen wieder an.
Wachstum wird ein weiterer wichtiger Faktor sein. In den USA momentan keine Sorge vonseiten der Wirtschaft. Das war noch vor ein paar Monaten anders.
Wenn man sich zum Beispiel den BofA Survey, die Börsenumfrage der Bank of America, die jeden Monat erscheint, anschaut: Da war vor zwei Monaten das Base-Case-Szenario der Investoren, dass es eben zu einer Rezession in den USA kommen wird.
Scheint aktuell nicht der Fall. Sieht man auch am Aktienmarkt. Also, Wachstum, Inflation und Zinsen, das sind eigentlich makroökonomisch die wichtigsten Faktoren.
Europa und Deutschland, wenn man auch kurz vielleicht darauf einschwenken, was das Wachstum angeht: Die Erwartungen zuletzt gleich gestiegen. Ja, Deutsche Bank ist deutlich optimistischer geworden und das ifo Institut hat auch diese Woche die Prognose für nächstes Jahr nahezu verdoppelt.
Michael: Mhm.
Jork: Nur 1,5 Prozent, das ist jetzt auch nicht die Welt. Aber, ne, wenn man bedenkt, von wo wir herkommen, und die Fiskalpakete der Bundesregierung, die werden sich auch nicht dieses Jahr zeigen, die werden sich verzögert erst zeigen.
Aber man kann davon ausgehen, dass es auch in Deutschland dadurch Impulse geben wird. Und das werde ich als positiv.
Welche Sektoren bieten aktuell interessante Perspektiven?
Michael: Siehst du denn bestimmte Sektoren? Also, wir hatten ja eben schon den Finanzsektor als besonders robust oder chancenreich. Neben vielleicht dem Finanzsektor: Ist da noch irgendwas, wo du sagst, der Einzelwert oder die Sektoren, die auch, sag mal, über die Dividendsaison hinaus irgendwie ein Thema sind?
Jork: Also, wir sind ja bei der PLATOW Börse Stockpicker. Wir sind da relativ agnostisch gegenüber den Sektoren, aber wir gucken natürlich, man kann natürlich trotzdem erkennen, wenn man sich die Sektoren anschaut, wo läuft's gerade, wo läuft's gerade nicht so gut.
Neben jetzt den Finanzwerten haben wir natürlich den Infrastruktur- und Rüstungssektor. Das ist wenig überraschend, also die FOSLO und Befingers dieser Welt, die haben also operative Besserung, zeigen sich auch schon. Aber da ist natürlich auch viel Vorschusslorbeeren, weil man erwartet, dass die natürlich einen Großteil dieser Stimuli erhalten werden.
Der Rüstungssektor ist meiner Meinung nach momentan mit mittlerweile recht ambitioniert bewertet, aber das ist natürlich weiterhin ein sehr gemochter Sektor oder sehr gesuchter Sektor.
Ja, ich würde sagen, bei Maschinenbauern, eine Deutz oder eine Jungheinrich, sehr, sehr günstig bewertet. Die Wirtschaft hält sich robust.
Michael: Ja, das finde ich interessant.
Jork: Wenn man sich jetzt mal einen großen Verlierer der letzten Jahre anschaut, und zwar den Healthcare-Sektor: Wenn du da mal guckst auf Sartorius oder eine Merck oder Fresenius Medical Care, aber auch kleinere Werte wie Stratec, das ist ein Sektor, der wirklich nicht in der Gunst der Anleger war.
Und da sehen wir durchaus Chancen.
Also, wenn wir Fresenius Medical Care angucken, da erholt sich das Geschäft und die Marge. CEO achtet stark auf Kosten, erhöht die Preise.
FMC finden wir sehr spannend oder auch eine Merck. Da sehen wir auch Chancen auf eine Erholung im operativen Geschäft.
Die Pipeline hat der CEO wirklich noch mal entscheidend gestärkt. Und wenn man sich die Bewertung in diesem Sektor anschaut, Aktienkurs minus 50 Prozent in dreieinhalb Jahren bei Merck, Bewertung 30 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten Jahre, dann sehen wir da schon ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.
Also Healthcare sollte man nicht abschreiben.
Michael: Also, es lohnt sich quasi auch mal so über den Tellerrand hinauszugehen und durchaus sich auch mal Sektoren oder Branchen anzuschauen, die in den letzten Jahren vielleicht nicht so gut liefen, und da einfach mal ins Detail zu gehen und das auch bei euch nachzulesen, ne? Ich meine, am Ende dafür gibt's euch ja, dass ihr das analysiert und rauspickt und fundamental dann kommentiert.
Jork: Genau. Noch ein Satz dazu: Wir haben natürlich keine Glaskugeln, aber das Geld wird nicht verdient bei den Werten, die auf Allzeithoch und 30 Prozent über der durchschnittlichen Bewertung der letzten Jahre handeln.
Wir haben uns auch eine FOSLO angeschaut, Schienendienstleister für die Deutsche Bahn. Und Deutschlandgeschäft ist gar nicht mal so groß, aber ist ein wichtiger Bestandteil. Aber die wachsen auch extrem stark in den USA zum Beispiel.
Die haben wir uns auch angeschaut. Wir hätten sie auch gern gehabt, aber die hat jetzt mittlerweile 80 Prozent in diesem Jahr zugelegt. Bewertung ist nicht mehr ganz günstig, ist auch nicht extrem teuer.
Ja, aber da warte ich auf eine attraktivere Einstiegsgelegenheit. Und darauf gucken halt momentan extrem viele.
Also, vor ein paar Jahren hat sich niemand für FOSLO interessiert und mittlerweile, wenn man mit dem Investor Relations spricht, sagen die einem, dass auf Kapitalmarktkonferenzen der Raum brechend voll ist.
Ja, also es macht schon Sinn, auch dahinzugucken, wo momentan keiner schaut. Aber es kann natürlich auch noch etwas dauern, bis sich das auch im Aktienkurs zeigt.
Michael: Also wie immer: Es bleibt spannend.
Jork: Es bleibt spannend.
Welche Themen könnten in den kommenden Monaten wichtig werden?
Michael: So ist es. Gibt's noch zum Abschluss Themen, wo du sagst, das könnte in den kommenden Monaten irgendwie noch mal besonders herausstechen, wo man drauf achten soll? Gibt's da noch irgendwas?
Jork: Also, wir sind Stockpicker. Deswegen gucken wir uns die Makroentwicklung an, aber tatsächlich sollte man sich die Unternehmen im Detail anschauen, wenn man die Direktanlage wünscht und nicht in ETFs oder aktiv gemanagte Fonds investieren möchte.
Ja, ich hatte es eingangs gesagt, aber vielleicht eine Umfrage, die ich gerne angucke, das ist der BofA Survey, der Bank of America. Der ist einmal im Monat und das ist ein ganz guter Indikator für die Stimmung mit den Investoren.
Die ist momentan nicht sehr gierig, sie ist aber auch nicht besonders pessimistisch. Sie hält sich so im Mittelfeld. Das ist ein schöner Indikator, wie so die Stimmung ist am Markt.
Und Goldpreis, Silberpreis angucken. Also, wir haben einen Aktienmarkt, der auf Allzeithoch ist, aber wir haben auch einen Goldpreis, der auf Allzeithoch ist.
Das widerspricht sich ein bisschen. Also, da scheinen, ich meine, die Käufer sind bekannt. Das sind vor allen Dingen die Notenbanken und Staaten, die kaufen. Der Privatinvestor, der ist jetzt nicht der Grund für den starken Goldpreis.
Aber warum machen die das? Warum ziehen Investoren massiv Geld aus den USA ab? Also, das sind Faktoren, die ich mir oder Niveaus, die ich auf dem Schirm haben würde.
Die PLATOW Börse und das Angebot
Michael: Okay, dann vielleicht zum Abschluss. Ich meine, ihr als, du hast ja schon zweimal gesagt, ihr als Stockpicker, vielleicht kannst du unseren Hörern noch mal erläutern, was ihr bietet, wo man sich registrieren kann, ne? Weil ihr habt da ja einen Fundus an wirklich total spannenden und hochwertigen Informationen.
Und vielleicht nutzen wir einfach mal die Chance, dass du da noch mal so einen kleinen Rundumblick gibst.
Jork: Ja, sehr gerne. Vielen Dank.
Ja, die PLATOW Börse, die erscheint dreimal in der Woche als digitaler Newsletter. Und da geben wir einen Überblick zur aktuellen Entwicklung an den Kapitalmärkten.
Also, wir schreiben hauptsächlich über globale Aktien mit Schwerpunkt auf Deutschland, was natürlich gerade in diesem Jahr viel Spaß macht. Hat in den letzten Jahren nicht so viel Freude gemacht, aber es gibt immer wieder eine Trendumkehr und die ist jetzt bei deutschen Aktien Anfang des Jahres eingetreten.
Also, Schwerpunkt bei uns im Produkt sind deutsche Aktien, schreiben aber auch über ausgewählte europäische und US-Aktien.
Wir geben jede Woche mehrere konkrete Aktienempfehlungen, also mit entsprechendem Votum, mit konkretem Stoppniveau. Also, sehr, sehr konkret für den Leser, was wir machen, was wir nicht machen.
Das ist sehr transparent. Also, wir führen auch unsere Empfehlungen nach. Das heißt, man kann auch in unserem Archiv nachschauen, wie sich denn unsere Empfehlungen entwickelt haben.
Wir haben auch immer Kurznachrichten zu den wichtigsten Ereignissen an den Märkten. Wir bieten die zentralen Börsentermine der kommenden Woche.
Und alle, die uns kennenlernen möchten, können das für einen kleinen Obolus für einen Monat bei uns auf der Website www.platow.de machen.
Es gibt auch die Möglichkeit, uns kostenlos kennenzulernen, und zwar über unseren Wochenend-Newsletter. Das ist die PLATOW Börse Weekend Edition, erscheint jeden Sonntagmorgen gegen 10 Uhr.
Und den Link zu der Anmeldung, den findet ihr in diesem Podcast in den Shownotes.
Verabschiedung
Michael: Perfekt. Also, dann kann man nur sagen, liebe Hörer, schaut mal rein.
Ja, Jork, ich bedanke mich wie immer. Ich denke mal, das wird nicht die letzte Folge sein mit dir.
Jork: Ähm, wir machen dann, schauen wir mal.
Michael: Genau. Dann schauen wir mal, wie, was, wie das sich beim nächsten Mal entwickelt hat. Vielen Dank.
Jork: Danke schön. Bis dann.
Michael: Tschüss.
justTRADE. So einfach geht Investieren.

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