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Börsentalk #55 - Einstieg in die Welt der Derivate: Von Optionsscheinen bis Knock-Outs

In dieser Börsentalk-Folge begrüßen wir Denis Liemen, Product Owner bei justTRADE, und tauchen in die Welt der strukturierten Produkte ein. Gemeinsam klären wir, was sich hinter diesem Begriff verbirgt und wie sich diese Anlageformen von klassischen Investments wie Aktien oder ETFs unterscheiden.

Wir sprechen über die wichtigsten Zertifikate-Produkttypen und beleuchten, wann ihr Einsatz besonders sinnvoll sein kann. Denis erklärt ausführlich, auf welche Basiswerte - neben Aktien - auch Zertifikate emittiert werden und wann ein Derivat im Vergleich zum Direktinvestment Vorteile bieten kann und welche Risiken beachtet werden müssen.

Außerdem erfahrt ihr, wie ihr das passende Derivat für eure Anlagestrategie findet, worauf Einsteiger besonders achten sollten und warum Produkte wie Knock-Outs, Optionsscheine oder Faktorzertifikate trotz ihrer Komplexität beliebt sind.

Zum Abschluss gibt Denis noch wertvolle Tipps für Anleger, die erstmals den Schritt in die Welt der strukturierten Produkte wagen möchten.

Schaubild Derivate Liga: Derivate Liga

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Wenn du möchtest, dass deine Frage in einer der nächsten Folgen beantwortet wird, schicke uns eine E-Mail an: podcast(at)justtrade.com

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Michael: Ja, Börsentalk, Folge 55.

Michael: Hallo Nina.

Nina: Hallo Michael.

Michael: Ja, heute haben wir ja einen Gast, aber einen internen Gast. Den will ich jetzt erstmal begrüßen. Hallo Denis.

Denis: Hallo Nina, hallo Michael.

Michael: Genau, Denis, du bist ja Product Owner bei uns bei justTRADE und wir haben heute gedacht, du bist ja auch der Experte für strukturierte Produkte und da haben wir gedacht, wen können wir da besser einladen als einen internen Kollegen, der sich da perfekt auskennt. Ja, vielleicht kannst du dich einmal ganz kurz vorstellen, wer du bist, was du bei uns machst, was du vielleicht auch in der Vergangenheit gemacht hast und dann steigen wir doch eigentlich gleich schon mal ein.

Vorstellung Gast

Denis: Sehr gerne. Also auch ich hoffe, ich kann die hohen Erwartungen, die du jetzt gerade hier aufgehangen hast, auch so erfüllen. Also kurz zu mir. Mein Name ist Denis Liemen. Ich bin auch schon seit, ja, 10, 11 Jahren in der Finanzindustrie tätig. Ich habe mal angefangen mit einer Bankausbildung bei einer ja so kleinen, mittelgroßen Sparkasse und habe dann aber schon in der Ausbildung gemerkt, dass mich irgendwie das ganze Thema Wertpapiere, insbesondere auch das Thema Derivate, besonders reizt, bin dann im Anschluss an die Ausbildung nach Frankfurt gegangen, habe dort bei der Unwisterbank angefangen. War damals auch ein ziemlich großer Online-Broker in Deutschland. Heute gibt's leider in der Form nicht mehr und da waren du, Michael, und Ralf, der Crew-Geschäftsführer, ja damals auch schon Geschäftsführer. Das heißt, so haben wir uns ja dann auch kennengelernt.

Haben dann irgendwie knapp fünf Jahre zusammengearbeitet und dann bin ich mal auf die andere Seite gewechselt dieses Online-Brokerage-Businesses, nämlich zu den Emittenten, also ins Derivateteam, erst kurz bei der Deutschen Bank, dann ins Derivateteam der Société Générale und ja, währenddessen ich dort unterwegs war, habt ihr ja dann justTRADE gegründet und so bin ich dann ja auch schon vor viereinhalb Jahren, Anfang 2021, zurück, in Anführungsstrichen, zu euch durchgekommen, zu justTRADE und bin jetzt hier genau wie du gesagt hast im Produktmanagement tätig und unter anderem um das Thema Zertifikate, strukturierte Produkte, Derivate – lernen wir gleich kennen, bedeutet irgendwie alles immer das Gleiche. Genau. Kümmere mich so primär darum.

Michael: Sehr schön. Schön, dass du da bist, Denis. Heute dürfen wir ja, wie du schon gesagt hast, so ein bisschen in das Thema weiter einsteigen. Für alle, die mit dem Begriff strukturierte Produkte noch nicht so viel anfangen können, was genau versteht man denn darunter und wie unterscheiden die sich von klassischen Finanzprodukten wie zum Beispiel Aktien oder Fonds?

Definition strukturierter Produkte

Denis: Glaube, das ist auch eine ziemlich gute Frage zum Einstieg in das Thema. Ich habe es ja eben schon kurz in der Vorstellung gesagt: Es gibt irgendwie Zertifikate, strukturierte Produkte, Derivate, bedeutet alles irgendwie das Gleiche, nämlich dieser Begriff strukturierte Produkte, der wird eigentlich so als Sammelbegriff verwendet für ca. 3 Millionen Zertifikate und Optionsscheine, die es in Deutschland gibt. Also wir sehen hier schon mal, es ist eine ganze Menge an verschiedenen Produkten, die es da gibt.

Und nur um da auch dem ein oder anderen Hörer mal so ein, ja, so eine kleine Erfahrung mitzugeben oder so einen kleinen Hinweis, wie groß dieser Markt ist: Also, das sind in Deutschland ungefähr 100 Milliarden Euro ausstehendes Volumen. Das ist eine Zahl von Ende Juni. Das heißt, Anleger, die mit diesen strukturierten Produkten handeln, haben knapp 100 Milliarden Euro in diese Produkte investiert.

Wo kommt diese Bezeichnung „strukturiert“ her? Das liegt daran, dass diese Produkte aus verschiedenen Finanzinstrumenten zusammengesetzt werden. Also, es kann zum Beispiel je nach Produkttyp Aktie plus eine Option sein und durch dieses Zusammensetzen der verschiedenen Finanzinstrumente ergeben sich sogenannte neue Auszahlungsprofile und Strukturen und deswegen nennt man diese Produkte so.

Und neben diesen 3 Millionen Produkten, was ja schon eine ganze Menge ist, gibt es eben auch mindestens 15 verschiedene Produkttypen. Ein paar schauen wir uns dann gleich an, um da einfach nur mal ein Beispiel zu geben.

Also, es gibt einerseits Call-Optionsscheine und Turbo-Call-Optionsscheine. Die Produkte heißen nicht nur ähnlich, sondern sie verhalten sich auch am Ende der Laufzeit auf eine ähnliche Art und Weise. Jedoch während der Laufzeit verhalten sie sich unterschiedlich in der Preisberechnung. So, aber die Anleger können mit beiden Produkten an steigenden Kursen teilhaben.

So, das heißt, wir sehen, das ist schon irgendwie alles ein bisschen komplex und wir versuchen das jetzt einfach in dem Podcast mal so nach und nach aufzulösen.

Was man vielleicht als Letztes noch sagen kann, auch wenn es da so viele verschiedene Produkte mit verschiedenen Produkttypen gibt, haben alle strukturierten Produkte eins gemeinsam, nämlich, dass ich die Kursentwicklung und die Auszahlung dieser Produkte von der Wertentwicklung eines Basiswertes, das kann zum Beispiel eine Aktie sein, ableiten kann. So. Und daher werden die Begriffe oder werden diese Produkte oft auch mal Derivate genannt. Das kommt vom lateinischen „Derivare“ und bedeutet ableiten.

Michael: Mhm. Jetzt hast du ja schon zwei Produkttypen genannt, Call-Optionsschein und Turbo-Call-Optionsschein. Wie lassen sich denn jetzt diese 3 Millionen Produkte noch weiter unterteilen?

Kategorien

Denis: Auch das gehen wir jetzt gleich mal ein, zwei Ebenen noch mal tiefer rein. Also, was vielleicht der eine oder andere Hörer, der sich schon mal mit diesen Produkten beschäftigt hat, gehört hat, ist die Unterscheidung zwischen Anlage- und Hebelprodukten.

So. Das heißt, es gibt irgendwie über diese mindestens mal 15 Produkttypen irgendwie zwei Unterkategorien, aber auch das hilft noch nicht ganz so besonders weiter, diese Vielzahl an verschiedenen Produkten besser zu kategorisieren und dafür gibt's auch ganz viele verschiedene Ansätze, das zu tun.

Und was mir persönlich am besten gefällt, ist die sogenannte Derivate-Liga des Bundesverbands strukturierte Wertpapiere, also das ist die Branchenvertretung, und die haben eben mal versucht, diese verschiedenen Produkttypen anhand ihrer Rollen irgendwie in einem Fußballteam, das glaube ich können die meisten Leute irgendwie dann doch ganz gut irgendwie nachvollziehen, einfach mal darzustellen.

Also, es gibt sowohl defensive Akteure als auch eben Akteure, die vorne dann im Sturm unterwegs sind, die dann eben vielleicht ein bisschen risikofreudiger unterwegs sind. Und hier ist quasi die Grundidee dieser Unterteilung, dass es eben, wie eine Mannschaft beim Fußball, braucht eben auch ein Depot für den Erfolg eben eine richtige Aufstellung, das heißt eben diese defensiven, aber auch kreativen und offensiven Spieler und welche Position man da irgendwie stärker besetzt, wie auch ein Fußballtrainer, hängt dann eben von der eigenen Risikoneigung und eben auch der eigenen Markterwartung ab, was wir uns dann gleich noch mal anschauen.

So, das ist quasi die Grundidee. Ich versuche das jetzt mal in zwei, drei Sätzen darzustellen.

Wichtig ist, da gibt's halt ein richtig tolles Schaubild. Das kann man sich im Internet gerne mal anschauen, wenn man das googelt: Derivate-Liga. Und wir versuchen uns jetzt aber trotzdem mal ohne Schaubild das Ganze deutlich zu machen.

Und zwar haben wir da einerseits im Tor und in der Abwehrposition eben Kapitalschutzprodukte. Das heißt, das sind zum Beispiel Kapitalschutzzertifikate oder strukturierte Anleihen. Und natürlich haben auch diese Produkte das Ziel oder verfolgen das Ziel, eine positive Rendite zu erzielen. Aber wie der Name schon sagt, ist hier der Kapitalerhalt wichtiger.

Das heißt, die Produkte haben das Ziel, dass am Ende der Laufzeit zumindest der Nennwert zurückgezahlt wird und können quasi so als letzte Verteidigungslinie in einer Fußballmannschaft gesehen werden.

So, dann kommen wir dann eine Reihe weiter vorne in das Mittelfeld und da spielen dann die verschiedenen Produkttypen, die zu den Anlageprodukten zählen, und das sind eben neben Aktienanleihen auch Expresszertifikate und Discount- und Bonuszertifikate, wo wir uns gleich noch mal genauer anschauen, denn mit diesen Produkten kann ich nämlich auch in seitwärtslaufenden Märkten Renditechancen erzielen, auch wenn jetzt der Kurs des Basiswertes mal nicht steigt oder nur leicht steigt oder sogar leicht fällt.

So, und dann eine Reihe weiter nach vorne kommt dann quasi so dieses offensive Mittelfeld und da haben wir dann sowas wie Indexzertifikate oder Sprint- oder Outperformance-Zertifikate.

Und warum sind die jetzt im offensiven Mittelfeld? Weil die eben die Wertentwicklung des Basiswertes eins zu eins oder sogar überproportional abbilden und der Kunde somit an Kurssteigerungen überproportional teilhaben kann.

Und dann im Sturm schließlich, am Anfang die Unterscheidung Anlage-, Hebelprodukte gehört hat, kommen jetzt die Hebelprodukte und die sind quasi so diese risikofreudigen Produkte, so die Stürmer, die auch mal eben aufgrund ihres Auszahlungsprofils, was sie haben, und ihrer Hebelwirkung auch mal irgendwie einen interessanten oder spektakulären Treffer erzielen können.

Aber auch hier geht, wie bei so einer Fußballmannschaft, wenn jetzt alles irgendwie nach vorne steht, kommt man dann vielleicht, sage ich mal, hintenrum in Probleme.

Und das finde ich, ist eigentlich eine ganz nette, oder ganz netter Ansatz, um diese Produkte sich einmal irgendwie vorzustellen. Und wie gesagt, wer sich dafür informiert, kann das gerne noch mal googeln im Anschluss.

Michael: Genau. Und wir werden das auf jeden Fall auch in den Shownotes verlinken, sodass man dann das direkt findet. Könntest du vielleicht beispielhaft einmal erklären, wie so ein Anlageprodukt funktioniert, also zum Beispiel ein Bonus- oder ein Discounter, und in welchen Marktphasen das dann sinnvoll ist?

Funktionsweise

Denis: Sehr gerne. Du hast jetzt gerade mit Discount- und Bonuszertifikaten jetzt auch schon mal zwei Beispiele genannt für die Anlageprodukte, die, das sieht man zumindest bei unseren Kunden, aber ich denke, es betrifft auch viele, viele andere Online-Broker, was die Anlageprodukte angeht, so die beliebtesten Produkte bei den Kunden sind.

Bevor wir uns die jetzt noch mal anschauen, aber vielleicht noch mal so ein relativ allgemeiner Satz. Wir haben zwar im Einspieler schon gehört, aber dieser Podcast, der kann jetzt nur so als erste Information über diese ganzen Produkte und Unterschiede gelten.

Also, es ist nicht wirklich möglich, so innerhalb von zwei Minuten oder auch, wenn es mal fünf werden, je Produkttyp irgendwie die vollumfänglich darzustellen, weil es da ganz viele verschiedene Kriterien gibt, wo man eigentlich eher irgendwie eine halbe bis eine Stunde pro Produkttyp bräuchte, aber ich gebe mein Bestes.

So, ja, die Erwartungshaltung am Anfang klar gemacht, dass man jetzt trotzdem irgendwie einen guten Überblick bekommt. Und jetzt gehen wir da mal rein in diese beiden Produkttypen.

Und um die besser vergleichen zu können oder auch gegenüberstellen zu können, gehe ich jetzt einfach mal beispielhaft immer von ein und demselben Szenario aus. Also, ich habe eben jetzt mal für mich eine beispielhafte Markterwartung definiert, anhand derer ich jetzt oder wir jetzt uns eben mal anschauen können, ob die Produkte dann Sinn machen.

So, und die Markterwartung, die ich jetzt habe, wichtig ist, das ist keine Beratung oder Empfehlung, aber ich gehe jetzt davon aus, dass jetzt zum Beispiel, wie der Kurs der Rheinmetall-Aktie.

Warum ausgerechnet die? Es war jetzt im August einer der beliebtesten Basiswerte, auf die unsere Kunden gehandelt haben.

Und ich gehe jetzt eben davon aus, dass in den nächsten Wochen oder Monaten die Rheinmetall-Aktie nach dem leichten Kursrückgang, den wir da gesehen haben, seit dem Allzeithoch, sich der Kurs wieder stabilisieren wird, also leicht seitwärts verlaufen wird oder auch wieder leicht steigen wird.

Das ist so jetzt mal meine Grundannahme, wie ich jetzt rangehe und überlege: Okay, passt denn da ein strukturiertes Produkt dazu?

Optionsscheine

Denis: Kann man auch so als kleine Überleitung nehmen zu dem Thema Standardoptionsscheine, denn auch die funktionieren ähnlich. Das heißt, mit auch wieder mit einem relativ geringen Kapitaleinsatz, weil es ja auch Hebelprodukte sind, kann ich auch an der Kursentwicklung des Basiswertes überproportional partizipieren.

Im Unterschied haben diese Produkte aber keine Knock-out-Schwelle und das heißt, während der Laufzeit kann auch mal der Preis des Basiswertes, also z. B. die Rheinmetall-Aktie, auch mal unter den Basispreis fallen. Das ist kein Problem. Wichtig ist am Ende: Was passiert am Bewertungstag? Und dann kann es eben natürlich sein, dass der Optionsschein wertlos wird oder trotzdem noch einen Wert hat, wenn die Aktie sich in der Zwischenzeit wieder erholt hat.

So, und hier schauen wir uns das jetzt auch wieder mit der Rheinmetall-Aktie an. Immer noch der gleiche Kurs: 1.650 €.

Mein Optionsschein hat auch hier eine Laufzeit bis September 2025. Das Bezugsverhältnis ist auch hier 100:1. Der Basispreis, nehmen wir jetzt den gleichen wie vorhin bei unserem Turbo-Beispiel, ist auch hier wieder 1.500 € und somit 9 % unter dem aktuellen Kursniveau.

So, und im Gegensatz zum Turbo-Optionsschein, den wir eben zu 1,65 € gekauft haben, könnten wir diesen Standardoptionsschein zu 1,75 € kaufen.

So, da sieht man schon, hier gibt es einen Unterschied im Produktpreis. Da kommen wir jetzt gleich zu. Schauen uns jetzt aber noch mal an, wie das Produkt am Ende der Laufzeit bewertet würde. Nämlich, wenn die Rheinmetall-Aktie wieder um 10 % gestiegen ist, erhält der Kunde am Ende der Laufzeit auch, also die Optionsscheine werden ausgebucht und er erhält den Auszahlungsbetrag in Höhe von 1,50 € je Stück.

So, das heißt, hier ist wieder der gleiche Betrag von 1,50 € wie vor unserem Turbo. Und das liegt daran, dass am Ende der Laufzeit der innere Wert beider Produkte nach der gleichen Formel berechnet wird. Nämlich, das haben wir eben schon angeschaut: Bei einem Call-Optionsschein ist es der Kurs des Basiswerts am Bewertungstag, also die 1.800 €, auf 1.650 €, weil die Rheinmetall-Aktie sich ja nicht bewegt hat, minus den Basispreis, also die 1.500 €, geteilt durch das Bezugsverhältnis von 100. Und das macht dann wie auch beim Turbo-Optionsschein 1,50 €.

So, und das im Ergebnis bedeutet das aber für mich als Anleger, dass ich mit dem Kauf des Produktes zu 1,75 €, wenn ich jetzt 1,50 € bekomme, einen Verlust von 14 % realisiere, obwohl die Aktie immer noch beim gleichen Kurs steht.

Was bei dem Standardoptionsschein recht wichtig ist, was wir gerade eben schon angeschaut haben, ist, dass der innere Wert ja identisch zum Turbo-Optionsschein berechnet wird. Daher brauchen wir jetzt auch nicht noch mal die einzelnen Szenarien zwei und drei uns anschauen bei Standardoptionsscheinen, denn auch hier werden einmal die 3,15 € oder eben die 0 € am Ende der Laufzeit ausgezahlt.

Aber während der Laufzeit gibt es deutliche Unterschiede in der Preisberechnung beider Produkte. Das haben wir ja gesehen. Der Turbo kostet 1,65 €. Der Standardoptionsschein kostet 1,75 €.

So, und das liegt daran, dass auf den Kurs, also auf den Kurs während der Laufzeit des Standardoptionsscheins, eben noch weitere Einflussfaktoren gibt. Einerseits ist das Thema Volatilität zu nennen, das heißt die erwartete Schwankungsbreite der Aktie oder der Kurse des Basiswertes. Und die hat eben beim Standardoptionsschein in der Preisberechnung einen sehr wichtigen Einfluss.

Und die kann unter anderem dann auch mal während der Laufzeit dazu führen, dass ein Kursanstieg der Aktie um 1 bis 2 % bei einem Call-Optionsschein nicht zwangsläufig zu einem Kursanstieg des Optionsscheins führen muss. Das liegt dann einfach daran, dass es verschiedene Einflussfaktoren auf die Preisberechnung gibt.

Und auch wenn der Kurs des Basiswerts ein sehr wichtiger ist, kann es sein, dass dieser Einfluss durch die anderen Einflussfaktoren reduziert oder ausgeglichen wird.

Einen weiteren Exkurs in das ganze Thema Preisberechnung von Optionsscheinen können wir jetzt an der Stelle aber nicht machen. Also, weil es einerseits ziemlich komplex ist und da zumindest mal ein, zwei bekannte finanzmathematische Modelle dahinterstecken. Das würde jetzt ein bisschen weit führen.

Aber ich denke, für einen Überblick reicht es eigentlich, dass man jetzt einmal gesehen hat: Wie funktioniert das Produkt?

Und für mich oder aus meiner persönlichen Perspektive ist es auch ein interessantes Produkt, insbesondere für erfahrene Anleger, weil ich dadurch nämlich, dass ich eben weiß, es gibt keine Barriere, kann sich der Kurs auch mal während der Laufzeit in die Gegenrichtung entwickeln, solange am Ende, sage ich mal, meine Markterwartung aufgeht.

Und es eignet sich daher auch als Produkt für die Absicherung von einzelnen Depotpositionen oder eben auch von dem gesamten Wertpapierdepot, je nachdem, wie das aufgestellt ist.

So, weil da kann man nämlich sehen: Okay, ich kaufe mir z. B. zur Absicherung dann keinen Call, sondern z. B. einen Put-Optionsschein. Zahle für den, nehmen wir auch 1,75 €, und sichere mich dagegen ab, dass der Wert der Aktie, die ich in meinem Depot habe, fällt, und sehe so diese 1,75 € vielleicht als Versicherungsprämie.

Warum wäre da jetzt ein Turbo nicht geeignet? Glaube ich, haben wir in den Beispielen gesehen. Wenn ich jetzt die Aktie im Depot habe, gehe ich ja davon aus, dass es steigende Kurse gibt.

Wenn ich jetzt einen Turbo-Optionsschein kaufe, der eine Barriere hat, heißt ja im Umkehrschluss: Die Aktie steigt, wovon ich ja primär ausgehe, die Barriere wird erreicht, der Turbo wird sofort wertlos. Daher ist da eher der Turbo nicht das richtige Produkt, sondern für den Fall der Standardoptionsschein.

Faktor-Optionsscheine

Und zu guter Letzt schauen wir uns noch mal die Produktkategorie Faktor-Optionsscheine an.

Hier müssen wir so ein bisschen jetzt mal komplett neutral rangehen. So, wir denken jetzt mal nicht darüber nach, was wir uns eben alles schon angeschaut haben und die Szenarien. Denn Faktor-Optionsscheine haben eine etwas andere Funktionsweise.

Und zwar sind sie eigentlich auf den ersten Blick deutlich einfacher zu verstehen als jetzt so ein Turbo-Schein oder so ein Standardoptionsschein, denn diese Faktor-Optionsscheine haben oder bieten mir die Möglichkeit als Anleger, über die gesamte Laufzeit immer mit einem festen Hebel, also dem sogenannten Faktor, an der Kursentwicklung eines Basiswerts zu partizipieren.

Der Faktor, der kann z. B. bei 3 liegen, bei 5. Es gibt auch Produkte mit 15 oder mehr. Und was passiert dann? Somit wird quasi jede tägliche Bewegung des Basiswerts bei der Preisberechnung meines Faktor-Optionsscheins mit diesem fixen Verhältnis, also diesem Faktor, multipliziert.

So, und das heißt ganz konkret: Beispiel: Steigt die Aktie um 1 % oder steigt mein Basiswert um 1 % und ich habe jetzt einen Faktor-Optionsschein, der auf steigende Kurse setzt, dann steigt dieser Faktor-Optionsschein am selben Tag eben z. B. um das Drei- oder Fünffache.

Und dafür habe ich mal ein Beispiel mitgebracht, wo man sich diese Funktionsweise ganz einfach mal anschauen kann.

Was hier wichtig ist: Dieses Produkt, also die Eurobeträge sowohl des Basiswerts als auch jetzt am Anfang von dem Optionsschein, spielen erst mal keine Rolle. So, das heißt, diese Produkte werden in der Regel zu einem Kurs von 10 € emittiert.

Und da habe ich mir jetzt mal einen Faktor Long auf eine beliebige Aktie rausgesucht mit dem Faktor 5. Und dieses Produkt, wenn das heute emittiert wird vom Emittenten, also von dem Herausgeber dieses Produktes, dann hat das einen Preis von 10 €.

So, und um das jetzt mal nachzuvollziehen, wie sich der Kurs da verhält, nehmen wir jetzt eine Aktie, die bei 100 € steht. Auch hier, wie gesagt, ist der absolute Eurobetrag nicht wichtig bei diesem Produkt. Deswegen machen wir es jetzt hier einfach mit 100 € und gehen mal davon aus, dass die Aktie am ersten Tag um 2 % steigt, von 100 auf 102 €.

So, ist, glaube ich, relativ einfach nachzuvollziehen. Mein Faktor-Optionsschein steigt dann eben um 2 % x 5, also 10 %, von 10 auf 11 €.

Am zweiten Tag steigt die Aktie dann, ausgehend von den 102 € vom Vortag, z. B. 3 %. So, und das macht dann 105,06 € und mein Faktor-Optionsschein steigt dann eben auch um diese 3 % x 5, also um 15 %, von 11 € auf 12,65 €.

Und am dritten Tag reißen die guten Nachrichten nicht ab. Steigt meine Aktie dann von den 105,06 € um 2 % auf 107,16 €. Das heißt, mein Faktor-Optionsschein steigt dann noch mal um 10 %, also 2 % x 5, von 12,65 € auf 13,92 €.

Das heißt, in dieser Marktphase, wenn ich davon ausgehe, eine Aktie oder der Basiswert wird jetzt in den nächsten Tagen immer steigen, kann ich mit so einem Faktor-Optionsschein auch jetzt mit so einem, sage ich mal, schon irgendwie riskanten Faktor von fünf – muss man sich einfach deutlich machen – eine relativ gute Performance erzielen, nämlich ausgehend von den 10 € 13,92 €, also knapp 40 % Rendite.

So, jetzt schauen wir uns aber mal an, was passiert, wenn es mal nicht so gut läuft, weil das ist nämlich eine Besonderheit bei den Faktor-Optionsscheinen.

Wir haben wieder die Aktie, die immer noch 100 € kostet. Am ersten Tag fällt sie jetzt um 5 % auf 95 €. Das heißt, mein Faktor-Optionsschein verliert am gleichen Tag 25 %, denn die Aktie fällt um 5 % mal Faktor 5, macht 25 %.

Das heißt, mein Faktor-Optionsschein ist am Ende des ersten Tages nur noch 7,50 € wert.

Am zweiten Tag wird es leider auch noch nicht besser. Meine Aktie fällt wieder um 5 %. Das heißt, ausgehend von den 95 € um weitere 5 % auf 90,25 €. Heißt, mein Faktor-Optionsschein sinkt dann dementsprechend auch wieder um 25 %, ausgehend von den 7,50 €, auf 5,63 €.

So, und jetzt am dritten Tag wird dann doch alles besser, nämlich die Aktie steigt mal sehr deutlich um 10 %, von 90,25 € um 10 % auf 99,28 €.

So, was passiert jetzt? Für jeden, der irgendwie weiß: Okay, da kommt der Faktor von fünf ins Spiel, weiß jetzt: Es gibt eine deutliche Performance oder einen deutlichen Zugewinn, nämlich 50 %.

Allerdings bezieht sich ja dieser Zugewinn um 50 % auf den Schlusskurs von gestern, das heißt auf die 5,63 €. Somit hat mein Faktor-Optionsschein am Ende des dritten Tages einen Wert von 8,44 €, obwohl die Aktie mit 99,28 € wieder nahe der 100 € vom Anfang steht.

Und das ist bei Faktor-Optionsscheinen die sogenannte Pfadabhängigkeit. Das heißt, nicht der Kurs der Aktie in Euro ist relevant für die Preisberechnung, sondern die tägliche prozentuale Entwicklung.

So, da haben wir ja jetzt hier gesehen: Die Aktie steht nach drei Tagen fast wieder am gleichen Kursniveau, aber mein Produkt hat trotzdem einen deutlichen Kursverlust hingelegt. Nämlich statt 10 € bekomme ich nur noch 8,44 €.

Das heißt, zusammenfassend ist so ein Faktor-Optionsschein ein sehr spannendes Produkt, wenn man in kurzfristigen Anlagezeiträumen agieren möchte, z. B. in klaren Trendphasen. Irgendwie eine Aktie steigt richtig durch positive Nachrichten. Es gibt jeden Tag und jede Woche neue Höchststände, dann ist ein Faktor-Optionsschein aufgrund des Faktors natürlich sehr gut geeignet, weil, ähnlich wie beim Zinseszinseffekt, natürlich immer meine Gewinne von gestern dann noch mal mit dem Faktor erneut steigen.

Für eine längere Haltedauer oder wenn ich von Kursschwankungen ausgehe, sind die Produkte aber deutlich riskanter, wie wir dann quasi jetzt eben in dem zweiten Beispiel uns mal angeschaut haben.

Nina: Ja, das war ja jetzt ganz schön viel, aber das Schöne am Podcast ist ja immer, man kann immer mal kurz Pause machen, drüber nachdenken oder es gegebenenfalls noch mal abspielen. Auf jeden Fall vielen Dank für die ganzen Informationen. Ich glaube, das ist super wertvoll. Ich kenne mich bei dem Thema strukturierte Produkte auch noch nicht so gut aus, lerne immer dazu, und da sind solche Erklärungen natürlich super.

Basiswerte

Wir haben ja jetzt die ganze Zeit diese Beispiele gehabt anhand von der Rheinmetall-Aktie. Welche Basiswerte gibt es denn neben Aktien noch bei strukturierten Produkten?

Denis: Also neben der einen Rheinmetall-Aktie gibt es auch noch ca. 25.000 andere Basiswerte, auf die wir jetzt aber zum Glück auch nicht im Detail eingehen, sondern uns wirklich einfach mal so anschauen, was es da alles gibt und dem Anleger und Hörer mal einen Überblick geben, was es da alles gibt.

Nämlich da gibt es einerseits das ganze Thema Aktien. Also inländische bzw. deutsche Aktien, da haben wir eben ein Beispiel gesehen, aber eben auch ausländische, wie z. B. die großen US-Werte oder auch US-Nebenwerte, die auch von den Anlegern gerne mal gehandelt werden über strukturierte Produkte.

Dann auch Indizes sind ein sehr wichtiger oder beliebter Basiswert bei den Kunden. Also gibt es einerseits natürlich den DAX als deutschen Leitindex, aber auch den MDAX, den SDAX, die großen US-Indizes mit dem S&P, dem Nasdaq, aber auch den japanischen Nikkei z. B.

Dann gibt es Währungspaare, also das ganze Thema Fremdwährung. Da kennt man einerseits natürlich so den Euro-Dollar, gibt es aber auch ganz viele andere Währungspaare, wie jetzt Kanada-Dollar, norwegische Kronen, japanische Yen, Schweizer Franken.

Es gibt Edelmetalle als Basiswerte, also Gold, Silber, Platin, Palladium. Das sehen wir ja auch in den letzten Monaten durch die Entwicklung bei den Edelmetallen, dass diese Basiswerte inzwischen auch mehr und mehr nachgefragt werden.

Dann auch, was von unseren Kunden auch eigentlich immer so in den Top Ten ist, das ganze Thema Rohstoffe. Also die bekannten Energie- und Rohstoff-Basiswerte wie z. B. für die verschiedenen Ölsorten Brent und WTI, aber auch Gas oder Kaffee, Kakao, Zucker. Also gibt es ganz viele verschiedene Basiswerte inzwischen.

Dann gibt es inzwischen auch Produkte auf Kryptowerte wie jetzt Bitcoin, Ethereum. Man kann mit strukturierten Produkten auch an der Zinsentwicklung partizipieren oder auch z. B. direkt Volatilität handeln, also die Schwankung in den Märkten, die Schwankungsbreite in den Märkten handeln.

Das heißt, es gibt halt einen großen Mix an verschiedenen Basiswerttypen. Und das erklärt vielleicht auch so ein bisschen mit den verschiedenen Produkttypen, wovon wir jetzt eben mal exemplarisch fünf besprochen haben, warum es dann am Ende des Tages da irgendwie 3 Millionen verschiedene Produkte in Deutschland gibt.

Derivat vs. Direktinvestment

Nina: Du hast es ja schon ein bisschen angerissen, aber wann kann denn der Kauf eines Derivats im Vergleich zum Direktinvestment in den jeweiligen Basiswert von Vorteil sein?

Denis: Mhm. Das ist eine sehr gute Frage, die man, glaube ich, auch jetzt für diejenigen, die noch nicht dann zurückgespult haben, noch mal als eine Art Zusammenfassung sehen kann.

Denn wir haben ja jetzt mal exemplarisch diese fünf Produkte oder Produkttypen besprochen. So, und wir sehen oder haben gesehen, dass sich diese Produkte, diese strukturierten Produkte, im Vergleich zu einem direkten Investment dann lohnen können.

Jetzt ganz allgemein gesprochen, wenn ich schon eine konkrete Markterwartung habe, das heißt, ich habe eine Meinung, wie sich der Markt, also mein Basiswert oder verschiedene Basiswerte, in der Zukunft entwickeln, dann geben mir strukturierte Produkte quasi die Möglichkeit an die Hand, diese Markterwartung gezielter umzusetzen.

So, das war ja jetzt in dem Beispiel mit den Discount- und Bonuszertifikaten eben die Chance, dass ich da auch mal in seitwärts laufenden Märkten oder in Märkten mit nur leicht steigenden Kursen oder aber auch sogar in leicht schwächeren Phasen eine positive Rendite erzielen kann.

So, das ist im Grunde genommen schon mal etwas, was mir ein Direktinvestment gar nicht bieten kann. Also, wenn ich jetzt die Aktie kaufe, erziele ich ja nur eine positive Rendite dadurch, wenn sich der Kurs auch verändert oder wenn ich irgendwie Dividende bekomme, die dann aber in der Regel ja auch wieder einen Kursabschlag nach sich zieht.

Das heißt, irgendwie muss ich diese Aktie irgendwie bewegen ins Positive, damit ich mit dem direkten Investment eine Rendite oder eine Performance erzielen kann. Und das bieten jetzt z. B. die Discount- und Bonuszertifikate eben auch, wenn der Kurs sich mal nicht verändert oder sogar leicht negativ läuft.

So, und bei den Hebelprodukten ist es natürlich, haben wir auch in den Beispielen gesehen, wenn ich jetzt eine Markterwartung oder eine Marktmeinung von stark steigenden Kursen habe oder wenn ich jetzt von fallenden Kursen ausgehe, wo ich dann wirklich mal kurzfristig mit einem geringen Kapitaleinsatz an Kursbewegungen teilhaben will und dann, je nachdem, wie ich die Produkte auswähle, mit starkem Hebel oder mit großem Hebel oder großem Faktor oder mit kleinerem Hebel oder kleinerem Faktor, nur auch mit dem eigenen Risiko, was ich da spielen möchte, habe da aber natürlich immer das Totalverlustrisiko, wenn der Kurs mal gegen mich läuft.

Das heißt, ich habe jetzt mit diesen fünf Produkttypen schon eine ziemliche Flexibilität, wenn es jetzt irgendwie darum geht: Ich möchte jetzt an der Kursentwicklung der Rheinmetall-Aktie irgendwie partizipieren oder davon profitieren.

Wie finde ich das passende Derivat?

Michael: Jetzt kommt die Frage aller Fragen. Denis, du hast ja vorhin gesagt, dass es irgendwie 3 Millionen Produkte sind, und dann stellt sich natürlich direkt die Frage: Ja, wie finde ich denn das passende Derivat?

Denis: Genau. Besser hätte man das in der Tat nicht sagen können. Michael, die Frage der Fragen.

Also, was ich da mal empfehle, ist: Wenn man sich jetzt natürlich erst mal seine Marktmeinung gebildet hat und weiß, okay, anhand von so einer Checkliste, ich gehe jetzt irgendwie durch, ich habe die und die Markterwartung, welches Produkt oder welcher Produkttyp ist denn dafür ganz gut geeignet, dann würde ich persönlich mir einfach mal die Webseite des Emittenten oder eines der Emittenten mal aufrufen und würde dort anhand der Produktsuche einfach mal ein bisschen filtern.

Weil, wie ich es ja an der ein oder anderen Stelle schon gesagt habe, haben diese Produkte unterschiedliche Ausstattungsmerkmale. Bei einem Bonuszertifikat gibt es z. B. auch Cap-Varianten. Das heißt, da habe ich dann begrenztes Gewinnpotenzial, habe dadurch aber an anderer Stelle eine höhere Rendite, wenn ich auf Gewinnchancen verzichte.

So, und das kann ich am besten, mich da so ein bisschen mal durchklicken, wenn ich mir die Webseite des Emittenten mal anschaue. Da kommen wir auch gleich noch mal sicher dazu.

Aber was natürlich auch besonders jetzt für justTRADE-Kunden relevant ist, auch die, die den Podcast hören: Die können sich jetzt auch schon auf unsere neue Produktsuche freuen, mit der dann eben die Kunden insbesondere auch bei den Derivaten die Möglichkeit haben, jetzt über alle sechs Emittenten hinweg mal – ich muss mir überlegen, welchen Emittenten will ich handeln, gehe auf die Seite, schaue mir die Produkte an, die der Emittent anbietet.

Mit unserer Produktsuche, die bald kommt, hat man eben die Möglichkeit, sich die Produkte über alle sechs Emittenten hinweg anzeigen zu lassen. Das heißt, man kann auch direkt mal vergleichen, und das, glaube ich, wird auch sehr spannend.

Da vielleicht noch einen Satz, wo wir da aktuell stehen: Also, wir sind da jetzt gerade so in den letzten Tests, die wir da durchführen, und hoffen dann natürlich, dass wir die Produktsuche dann auch in den nächsten Wochen unseren Kunden zur Verfügung stellen können.

Und für alle, die natürlich schon Kunde sind, ich denke, da wird es dann auch eine entsprechende Info oder einen Newsletter geben, dass dann eben auch alle Kunden Bescheid wissen und dann auch das Finden des richtigen Produktes entsprechend meiner Markterwartung über unsere App oder eben das Webtrading deutlich einfacher wird und man so vielleicht auch das bessere Produkt findet, wenn man die miteinander vergleichen kann.

Ja, top. Ähm, ja, dann vielleicht zum Schluss noch: Was würdest du denn Anlegern mit auf den Weg geben, die sozusagen überlegen, erstmals in strukturierte Produkte zu investieren?

Besonderheiten

Michael: Worauf sollte man besonders achten? Ich meine, man muss vielleicht noch mal vorwegschicken, dass es ja so eine Angemessenheitsprüfung gibt. Das heißt, wenn ich jetzt mich einlogge, das erste Mal, ich habe das Depot gerade aufgemacht, logge mich das erste Mal ein, dann gibt es ja diesen sogenannten Quiz, der meine Kenntnisse und Erfahrungen abfragt.

Und anhand dieses Quiz werde ich ja eingestuft. So, und wenn ich vielleicht auch bei einem anderen Broker schon Erfahrung gesammelt habe, aber halt sage: Mensch, das Angebot von justTRADE interessiert mich so, weil wir auch super günstige Konditionen bieten, dann kann ich dieses Quiz ja auch noch mal ausführen und werde dann eben entsprechend eingestuft, sodass man natürlich, wenn man diese Produkte handeln will, diesen Quiz machen sollte.

Aber worauf sollte man vielleicht besonders achten? Also, hast du da noch irgendwie einen Tipp, eine Idee oder irgendwie ja, eine Info?

Denis: Mhm. Ja, das ist wirklich ein sehr guter Punkt, auf den es sich am Ende wirklich lohnt, da noch mal darauf einzugehen.

Ich würde vielleicht am Anfang mal mit einem mir persönlich sehr wichtigen Punkt anfangen, den ich jetzt aufgrund der vielen Jahre an Erfahrung auf Börsentagen, auf Veranstaltungen, auf Messen, aber auch so immer mal in Kundengesprächen, sowohl beim Online-Broker, aber auch bei den Emittenten, immer so mitbekommen habe.

Nämlich mal mit einem Mythos aufräumen, der sich immer noch bei vielen Kunden irgendwie durchgesetzt hat. Und das ist nämlich, dass der Emittent gegen den Kunden handelt.

So, das ist eine Annahme, die leider sehr oft von den Kunden getroffen wird. Das heißt, der Kunde kauft so ein Produkt. Nehmen wir jetzt z. B. mal einen Standardoptionsschein Call auf irgendwie die Rheinmetall-Aktie.

Und der Kunde denkt: Okay, wenn dieses Produkt im Wert fällt, dann gewinnt ja der Emittent. So, das heißt, man handelt irgendwie gegen den Emittenten und schließt da irgendwie gegenseitig Wetten ab.

So funktioniert der Handel mit strukturierten Produkten nicht. Denn sobald ein Kunde ein Produkt kauft, z. B. jetzt ein Long-Produkt, wo man auf steigende Kurse setzt, und man ist der einzige Kunde oder der einzige Anleger bei diesem Emittenten, der in dieser Aktie eine Long-Position hat, das heißt, dass sich diese Risiken nicht verteilen auf unterschiedliche Anleger mit verschiedenen Positionen, dann wird der Emittent in dem Beispiel direkt die Aktie kaufen.

So, also der Emittent wird sein Risiko, was er auf dem Buch hat, indem er jetzt ein solches Produkt, z. B. einen Turbo-Call-Optionsschein, verkauft, absichern, indem er sich irgendwie z. B. die Aktie in dem Beispiel kauft.

Und das heißt, der Emittent hat kein Interesse daran, dass der Kurs des Produktes, was der Anleger gekauft hat, irgendwie im Wert fällt.

So, das ist leider so eine Annahme, die man da manchmal hat. Wenn man dann z. B. sieht, es gibt ja Produkte bei den Optionsscheinen, die auch andere Einflussfaktoren auf den Preis haben, dass der Anleger irgendwie im Internet sich informiert und sieht: Schau mal, die Rheinmetall-Aktie ist doch gestiegen, warum ist denn mein Produkt nicht gestiegen? Und denkt: Ja, der Emittent irgendwie stellt den Preis schlecht, um jetzt irgendwie da einen großen Gewinn einzufahren.

Also, das ist auf jeden Fall nicht so, denn der Emittent sichert sich, wie gesagt, immer ab gegen die Risikoposition und hat ein ureigenes Interesse daran, dass, wenn Sie ein Produkt kaufen, was der Emittent aufgelegt hat, dass Sie mit dem Service zufrieden sind, dass Sie mit der Preisstellung zufrieden sind, dass auch, sage ich mal, die Zuverlässigkeit des Pricings immer gegeben ist, damit Sie in Zukunft, wenn Sie weitere Produkte kaufen wollen, eben auch diesen Emittenten wieder wählen.

Also, das heißt, am Ende spielen Sie und der Emittent auf der gleichen Seite. Das ist einfach, war mir einfach mal wichtig, das auch an dieser Stelle immer noch zu sagen, weil, Michael, du weißt das auch von Veranstaltungen: Man spricht mit Kunden, die sind da schon viele Jahre oder Jahrzehnte dabei und haben sich darüber noch nie Gedanken gemacht.

So, und daher war es mir jetzt persönlich mal wichtig, dass man das an der Stelle auch einmal gesagt hat.

Michael: Genau. Also das quasi so als ersten Punkt vorweggeschickt.

Denis: Was ich jetzt noch mal empfehlen würde, ist, weil ja dieser Podcast so als erste Informationsquelle gedacht ist, dass ich die Hörer oder Anleger, die jetzt, sage ich mal, erstmalig irgendwie mit dem Thema in Kontakt gekommen sind, sich einfach noch mal weiter informieren.

Also, die Emittenten haben umfangreiche Schulungsunterlagen und Materialien auf ihrer Webseite zur Verfügung, haben auf ihren YouTube-Kanälen Webinare, wo man sich wirklich mal eine Stunde Zeit nimmt, um sich das Thema Standardoptionsscheine und die unterschiedlichen Preisfaktoren anzuschauen.

Das heißt, da einfach noch mal ein bisschen reingehen. Oder da haben wir ja auch schon Podcast-Folgen gemacht, jetzt mit Emittenten. Zuletzt einmal mit Nikolai Tietze von Morgan Stanley, der ja auch noch mal genau darauf hingewiesen hat: Wenn es Fragen zu den Produkten gibt, weil man irgendwie sich nicht sicher ist, wie es funktioniert, dann einfach gerne beim Emittenten mal anrufen.

Man landet dort immer in dem Expertenteam. Die Leute kennen ihre Produkte und können dann eben auch mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn man da irgendwie mal noch mal eine Verständnisfrage zu einem Produkt hat.

Haben wir ja auch in den anderen Podcasts jetzt mit J.P. Morgan oder DZ Bank, die wir schon geführt haben, genauso auch gehört.

Und ich bin mir auch sicher, dass wir jetzt auch in Zukunft da auch mehr und mehr Blogbeiträge zur Verfügung stellen, wo sich dann unsere Kunden auch noch mal informieren können zu den Produkttypen.

Und wenn man die Produkte, sage ich mal, verstanden hat und man sich sehr sicher fühlt, dass man weiß, was man tut und die Produkte handelt, dann vielleicht noch so ein letzter wichtiger Punkt: das Thema Money Management bzw. Positionsgrößen.

Das erlebt man ja auch immer mal wieder, wenn man mit Anlegern zu tun hatte, die erstmalig mit den Produkten handeln, dass man sich da jetzt ein- oder 2.000 € zusammengespart hat.

So, man denkt jetzt: Ich habe irgendwo gelesen, die Rheinmetall-Aktie wird stark steigen, und man kauft jetzt eben irgendwie einen Turbo-Optionsschein z. B. oder so einen Faktor-Optionsschein und man geht jetzt direkt mit seinem Geld, was man erspart hat, alles, sage ich mal so, all-in.

Wenn ich da jetzt den Verlust habe, wie jetzt vorne in unserem Beispiel mit der Rheinmetall-Aktie, und ich habe schon einen Verlust von 50 % und das ist mein einziges Geld, was ich zur Verfügung habe, da muss ich ja erst mal wieder 100 % Gewinn machen, um wieder auf den Ausgangspunkt zu kommen.

Das heißt, was hier wichtig ist, ist so das Thema Positionsgrößen. Einfach schauen: Okay, wie viel Geld habe ich, möchte ich investieren in meinem Depot oder habe ich in meinem Depot? Mit welchem Teil möchte ich dann vielleicht auch mal so ein paar Chancen abseits meiner Standardposition suchen und dann einfach das Risiko ein bisschen steuern.

Denn, und da komme ich zum zweiten Punkt, der eigentlich so mit dazugehört, dann komme ich auch nicht in die Verlegenheit, irgendwie Verluste aussitzen zu müssen.

Weil, wenn ich mir jetzt so ein Produkt kaufe, so, sage ich mal, ein risikoreiches Hebelprodukt, und ich merke, das Produkt ist jetzt schon irgendwie 30, 40, 50 % gegen mich gelaufen, dann sollte ich diese Verluste jetzt nicht irgendwie unnötig aussitzen.

Denn offenbar war da meine Marktmeinung bzw. meine Markterwartung am Anfang falsch bzw. ist nicht eingetroffen.

So, das heißt, am besten arbeitet man irgendwie vielleicht mit Stop-Loss-Orders. Also, es heißt, man kauft so ein Zertifikat und sagt: Gut, wenn das jetzt irgendwie um 10 % fällt oder um 20 %, dann setze ich automatisch einen Stop-Loss, dann wird die Position ausgestoppt.

Und dann kann ich immer noch überlegen: Gut, investiere ich jetzt noch mal neu in das Produkt oder kaufe ich mir vielleicht ein anderes Produkt, wo ich vielleicht ein bisschen mehr Risikopuffer habe, anstatt dann irgendwie immer auszusitzen und zu hoffen, dass es irgendwann wieder bergauf geht.

Weil da jetzt besonders Hebelprodukte eben nicht geeignet sind, weil sie ja mit jedem Tag, wo es nicht gegen mich läuft, der Preis niedriger wird.

Das, glaube ich, passt noch so, sage ich mal, als Abschluss ganz gut noch mal zu den Risiken, die man dann eben hat, insbesondere bei Hebelprodukten. Sich einfach damit auseinandersetzen, informieren und dann einfach sich so auch langsam an das Thema herantasten.

Verabschiedung & Outro

Nina: Top. Ja, ich sag mal, am Ende: Ein Tipp war ja auch im Podcast immer mal wieder vor und zurückzuspulen, ne, dass man dann einfach sozusagen sich das noch mal anhören kann. Und eben, glaube ich, wirklich auch, du hast es gesagt, auch unsere Emittenten, die wir als Partner haben, haben natürlich ein umfangreiches Wissen auf ihren Webseiten. Die werden wir auch alle in den Shownotes verlinken, damit ihr direkt wisst, wohin gehe ich und informiere mich.

Denis, das war geballtes Fachwissen. Vielen Dank. Ich glaube einfach auch, das ist ein spannendes Thema und da braucht man Fachwissen. Und ja, super, vielen Dank, dass du bei uns im Podcast warst.

Denis: Vielen lieben Dank euch für die Einladung. Hat ja viel Spaß gemacht.

Nina: Ja, von mir auch. Vielen Dank und ja, ich glaube, jetzt sind wir alle ein bisschen schlauer. Und danke dir dafür. Bis zum nächsten Mal.

Denis: Tschüss.

Nina: Tschüss.

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