Börsentalk #21 - Dividenden, ADRs vs. GDRs
In der neuen Folge geht es um Aktien und Dividenden. Dabei beantworten wir die Frage, die im Zusammenhang mit einer Dividendenzahlung immer wieder auftaucht: Bis wann kann ich eine Aktie vor der Dividendenzahlung noch kaufen, um die Dividende zu erhalten? Hierfür sind der Ex-Tag und der Zahltag zwei wichtige Fristen, die es zu beachten gilt.
Viele ausländische Unternehmen sind nicht über eine Direktanlage handelbar. Deshalb gibt es Wertpapiere, die folgende Kürzel in ihrem Namen tragen: ADRs (= American Depositary Receipts) oder GDRs (= Global Depositary Receipts). Was dies für Wertpapiere sind und wo genau die Unterschiede zwischen ADRs & GDRs liegen, erfährst du in der neuen Folge.
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Tim: Guten Morgen, Michael. Heute ist Folge 21 unseres Börsentalks. Was haben wir denn für spannende Themen?
Michael: Guten Morgen, Tim. Ja, in dieser Folge möchten wir einmal über Aktien sprechen. Und da kriegen wir auch von den Kunden, aber auch generell immer wieder die Frage: Wie schaut es denn eigentlich mit Dividenden aus? Wann muss ich eine Aktie besitzen oder kaufen, um Dividende zu kassieren?
Und wir möchten noch einmal auf die Unterschiede zwischen ADRs und GDRs eingehen beziehungsweise was das überhaupt alles ist. Deswegen starten wir direkt rein mit den Customer Stories.
Dividenden: Wer beschließt eigentlich die Dividende?
Tim: JustTRADE Customer Stories. Die Frage bei Dividenden erstmal vorab: Wer beschließt eigentlich die Dividende, Michael? Und gibt es auch vielleicht einen Ort, wo die Dividende beschlossen wird?
Michael: Also, das ist geregelt im § 174 Absatz 1 des Aktiengesetzes. Und zwar ist sozusagen die Dividende ein Teil des Gewinns. Die Höhe der Dividende wird vom Vorstand der Aktiengesellschaft vorgeschlagen. Also, die wird ermittelt, dann schlägt er die vor und dann wird die auf der Hauptversammlung mit einfacher Mehrheit beschlossen oder abgelehnt.
Am Ende entscheidet also die Hauptversammlung, ob die Dividende gezahlt wird. Die Höhe wird, wie gesagt, vom Vorstand vorgeschlagen.
Tim: Also eigentlich relativ simpel, ja. Und wichtig dabei auch noch mal zu erwähnen: Es gibt ein Recht auf Dividende, aber keine Pflichtzahlung auf Dividende. Noch mal als ganz klarer Unterschied zur Fremdkapitalfinanzierung eines Unternehmens.
Ex-Tag und Zahltag: Wann bekomme ich eine Dividende?
Tim: Gibt es denn dabei noch Fristen, die zu beachten sind? Also wann kann ich denn eine Aktie kaufen, um die Dividende zu erhalten? Und kannst du da vielleicht auch mal ein Beispiel geben?
Michael: Genau. Also, im Wesentlichen gibt es diverseste Daten, die irgendwie veröffentlicht werden. Aber am Ende gibt es eigentlich zwei, die relevant sind. Das ist einmal der Ex-Tag und einmal der Zahltag. Also, das sind diese beiden Daten, die man sich anschauen sollte.
Und wer sich immer schon gewundert hat, warum an bestimmten Tagen ein Aktienkurs deutlich nach unten geht, wird feststellen, dass meistens – also klar, gibt es Kursbewegungen, wo Aktien nach unten gehen, gar keine Frage – aber an dem sogenannten Ex-Tag wird sozusagen der Kurs der Aktie um die Dividendenzahlung bereinigt.
Sprich: Der Ex-Tag ist sozusagen der Tag, an dem die Dividende im Kurs aus dem Kurs herausgenommen wird.
Das heißt also: Wenn ich am Ex-Tag die Aktie kaufe, dann kriege ich die ja günstiger und habe somit keinen Dividendenanspruch.
Und wenn ich jetzt eben das umgedreht haben will, also wenn ich wissen will, wann muss ich die Aktie eigentlich haben, um den Dividendenanspruch zu haben, dann muss ich die eben vor dem Ex-Tag im Bestand haben.
Also eigentlich klar: Ex-Tag ist der Tag der Entscheidung. Ich muss die Aktie vor dem Ex-Tag im Bestand haben, um die Dividende zu bekommen, weil am Ex-Tag der Kurs um die Dividende bereinigt wird und damit kriege ich die Aktie ja günstiger und habe eben dann keinen Anspruch auf Dividende.
Und dann gibt es noch den Zahltag. Und das ist eben der Tag, sozusagen, wann die Dividende ausbezahlt wird.
Beispiel Apple: Ex-Tag und Zahltag
Michael: Machen wir mal ein Beispiel. Wir nehmen mal als Beispiel Apple. Die haben ja eine Quartalsdividende. Da war der Ex-Tag der 9. Februar 2024 und der Zahltag war der 15. Februar 2024.
Also sprich: Insgesamt wurden dann 22 Cent ausgeschüttet. Das heißt, am 9. Februar ist der Aktienkurs um diese 22 Cent bereinigt worden.
Und wenn ich die eben einen Tag vorher – ich gucke jetzt mal ganz kurz, ob der 8. Februar, ja, der war auch ein Handelstag – also wenn ich die am 8. Februar im Bestand hatte, dann habe ich die Dividende bekommen.
Und in der Regel ist es so – also bei uns ist es so –, dass die Dividende halt immer dann ausgeschüttet wird, wenn sie sozusagen vollständig bei unserer Lagerstelle eingegangen ist. Also, wir gehen da nicht in Vorleistung. Aber die wird natürlich mit Valuta des Zahltags dann gebucht.
Tim: Das ist wirklich noch mal ein wichtiges Thema, ich glaube gerade auch für viele Dividendenjäger, das einfach noch mal wirklich zu wissen.
ADRs und GDRs: Was steckt dahinter?
Tim: Kommen wir noch zu einem weiteren Thema, was wir vorhin im Intro schon angesprochen haben: das Thema, dass es Aktien gibt, die die Endung ADR oder GDR haben.
Also vor allem beispielsweise aus China gibt es immer wieder ausländische Unternehmen, die einfach nicht handelbar sind. Was sind denn überhaupt ADRs und welche Arten gibt es da?
Michael: Also in der Tat ist es so – ich glaube, da kann man so sagen –, da ist Deutschland sehr besonders.
Bei uns in Deutschland kann man ja ausländische Aktien an einer inländischen Börse handeln. Bei uns aktuell – wir haben ja Lang & Schwarz Exchange, Quotrix und Tradegate angebunden – in Summe würde ich sagen, grob haben wir 8.000 Aktien. Davon sind sicherlich irgendwie 6.000 bis 7.000 Auslandsaktien aus 50 Ländern. Und da handelt man sozusagen die Originalaktie.
In anderen Ländern ist das eben nicht so. Also wenn ich zum Beispiel an der US-Börse, nehmen wir mal als Beispiel, eine Allianz handeln will, dann ist die da nicht notiert und kann da auch nicht gehandelt werden.
Und dann bedienen sich sozusagen diese Auslandsbörsen eines Tricks und machen dann eben ein sogenanntes ADR in den USA oder ein GDR in London.
Letztendlich kann man sagen, entspricht das grob einem Zertifikat, dem sozusagen die Aktie zugrunde liegt.
Und dann gibt es da eben zwei Arten. Das ist einmal das sogenannte Sponsored ADR und die Unsponsored ADRs.
Sponsored und Unsponsored ADRs
Michael: Bei den Sponsored ADRs ist es so, dass sozusagen die Initiative von der Aktiengesellschaft ausgeht.
Also, die geht dann zu einer US-Bank und sagt: „Pass mal auf, ich habe hier Aktien, die könnt ihr ja so nicht handeln bei euch. Wollt ihr da nicht ein ADR drauf auflegen, damit eure Kunden in Amerika die auch handeln können?“
Und dann sagen die, sie gucken sich das an und machen es oder machen es nicht. Das sind sogenannte Sponsored ADRs.
Dann gibt es aber auch die Unsponsored ADRs, wo eben letztendlich die US-Bank aufgrund einer eigenen Nachfrage einfach entscheidet, so ein ADR aufzulegen, und spricht das auch gar nicht mit der ursprünglichen Aktiengesellschaft ab.
Das sind die beiden Unterschiede.
ADR Level 1, 2 und 3
Michael: Dann gibt es noch so Themen wie Level 1, 2 und 3. Da geht es im Wesentlichen darum, ob die jetzt außerbörslich gehandelt werden, wie die reguliert sind, ob es ein Zweitlisting ist.
Also: Je höher das Level, desto besser ist es.
Damit eben eine Notierung an einer US-Börse stattfinden kann und die dann auch an der SEC registriert ist, muss es mindestens Level 2 sein, weil dann auch bestimmte Berichts- und Offenlegungspflichten der jeweiligen Börse beachtet werden müssen.
Das ist sozusagen das Thema Level 1, 2 und 3.
Und dann ist vielleicht noch das Bezugsverhältnis entscheidend, weil es mitnichten so ist, dass das immer eins zu eins ist.
Nehmen wir mal ein Beispiel: Bei der Alibaba ADR ist das Bezugsverhältnis eins zu eins. Aber es gibt eben auch ADRs, wo das anders ist.
Es gab beziehungsweise gibt zum Beispiel ein Gazprom ADR. Da ist es eben eins zu zwei, aber es gibt auch eins zu zehn. Das ist ganz unterschiedlich. Das muss man sich halt angucken.
Am Ende sieht man das auch so ein bisschen im Kurs.
Unterschied zwischen ADR und GDR
Tim: Du hattest vorhin den Unterschied zwischen ADRs und GDRs schon mal kurz angerissen. Vielleicht kannst du da noch mal kurz drauf eingehen, bitte?
Michael: Genau. Also, ein ADR ist quasi das Produkt, was man an einer US-Börse handeln kann. Und das GDR ist das Wertpapier, was man eben an der London Stock Exchange handeln kann.
Und da wir ja sozusagen auch in Deutschland Auslandsaktien handelbar sind, ist es eben natürlich auch so, dass diese ADRs in Teilen auch an der deutschen Börse handelbar sind.
Rechtssicherheit bei ADRs und GDRs
Tim: Okay. Dann natürlich noch die letzte Frage: Wenn das jetzt nicht die in Anführungszeichen „richtige“ Aktie ist, wie besteht es denn dann eigentlich um die Rechtssicherheit der beiden Formen?
Michael: Also, die Rechtssicherheit ist identisch zu der echten Aktie.
Auch da ist es so, dass man beispielsweise – hatten wir ja eben – Dividende bekommt. Man muss halt nur wissen, dass sozusagen in dem Fall das ADR die Dividende ausschüttet.
Und die kann eben in manchen Fällen niedriger ausfallen, weil eben diese Struktur, dass ein ADR Aktien enthält, die US-Bank dafür eben auch Kosten aufruft. Und die werden dann in der Regel von der Dividende abgezogen.
Aber man bekommt Dividende.
Auch da ist vielleicht der Ex-Tag etwas anders, weil die Aktiengesellschaft eben auch ein bisschen Zeit braucht, um das alles zu verbuchen.
Aber wie gesagt: Die Rechtssicherheit ist identisch.
Das Einzige, was man halt natürlich sagen kann, ist: Es kann eben externe Einflüsse geben, die sozusagen die Handelbarkeit von ADRs oder GDRs erheblich einschränken.
Ich glaube, ein prominentes Beispiel ist der russische Angriffskrieg, wo die EU und auch die anderen westlichen Staaten ja Sanktionen erlassen haben, sodass eben die russischen ADRs auf russische Aktien aktuell gar nicht mehr gehandelt werden können.
Und das ist eben sozusagen das Risiko auf der anderen Seite.
Wenn ich jetzt, ich sag mal, eine echte Gazprom-Aktie im Depot gehabt hätte, dann wäre die jetzt auch nicht mehr handelbar. Also insofern wäre das identisch.
Aber es gibt eben, wie gesagt, externe Einflüsse, die eben so eine Handelbarkeit beeinflussen. Und da muss man sich einfach bewusst sein.
Ich würde sozusagen eigentlich sagen: Wenn ich jetzt die Originalaktie bekommen kann, dann würde ich persönlich immer die Originalaktie kaufen.
Aber wie gesagt, es gibt eben Aktien, die man nicht kaufen kann. Und wenn es dann eben ADRs gibt, ist das eine sinnvolle Alternative.
Fazit und Ausblick
Tim: Super. Dann haben wir doch heute schon mal viel über Aktien gesprochen. Eine kurze, aber knackige Folge.
In der nächsten Folge sprechen wir auch wieder über Aktien. Und zwar wollen wir da so ein bisschen mehr auf das Einmaleins der Fundamentalanalyse eingehen – auch wieder mit Gast.
Bis hierhin danke ich dir, Michael.
Michael: Alles klar. Tschüss, Tim.
Tim: Mach's gut. Ciao!
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