EZB erhöht Leitzins auf 2,50 Prozent: Inflation bleibt länger über dem Ziel

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Geldpolitik erneut verschärft. Der EZB-Rat hat am 10. September beschlossen, die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Damit steigt der für Anleger besonders relevante Einlagenzins von 2,25 auf 2,50 Prozent.1
Hintergrund dieser Entscheidung ist der anhaltende Inflationsdruck infolge gestiegener Energiepreise. Die EZB führt deren starken Anstieg insbesondere auf den Konflikt im Nahen Osten zurück.2 Im August lag die Inflationsrate im Euroraum bei 3,3 Prozent, nachdem sie im Juli bei 2,9 Prozent gelegen hatte. Besonders stark fällt der Anstieg bei der Energiekomponente aus. Hier beschleunigte sich die Teuerung innerhalb eines Monats von 10,3 auf 14,3 Prozent.2
EZB reagiert auf Inflation und erhöht den Leitzins
Ein Blick auf die neuen Prognosen zeigt: Die EZB rechnet inzwischen damit, dass die Inflation länger über ihrem Zwei-Prozent-Ziel bleibt als noch im Juni angenommen. Insbesondere für das Jahr 2027 hat sie ihre Erwartungen nach oben korrigiert.1 3
Auch bei der Kerninflation zeigt sich diese Entwicklung. Höhere Energiepreise wirken sich nach Einschätzung der EZB zunehmend auch auf andere Preisbereiche aus und beeinflussen damit den mittelfristigen Inflationsausblick.2
Damit wird aus einem zunächst vor allem energiegetriebenen Preisschub zunehmend ein breiteres Inflationsproblem.
Wirtschaft hält sich besser als erwartet
Auch beim Wachstum ist die EZB inzwischen etwas optimistischer. Für 2026 erwartet sie nun ein Plus von 0,9 Prozent statt bislang 0,8 Prozent. Für 2027 wurde die Prognose sogar von 1,2 auf 1,4 Prozent angehoben. Für 2028 bleibt die Erwartung mit 1,5 Prozent unverändert.1 3
Damit trifft die höhere Inflation auf eine etwas robustere Konjunktur als noch im Juni angenommen. Für die EZB ist das relevant, weil eine widerstandsfähigere Wirtschaft ihr mehr Spielraum gibt, mit höheren Zinsen gegen den Preisauftrieb vorzugehen.
Die Zinspause im Juli war kein Ende des Straffungszyklus
Nach der Zinserhöhung im Juni hatte die EZB die Zinsen im Juli zunächst unverändert gelassen.4 Damals wollte sie vor allem die neuen Daten und Projektionen im September abwarten.5
Die Hoffnung dahinter: Der Inflationsausblick könnte sich wieder etwas entspannen. Genau das ist jedoch nicht passiert. Stattdessen hat die EZB ihre Inflationsprognosen für 2027 und 2028 angehoben.1
Die heutige Zinserhöhung wirkt deshalb weniger wie ein neuer Kurswechsel, sondern eher wie die Fortsetzung des Weges, den die EZB bereits im Juni eingeschlagen hatte.
- Europäische Zentralbank (10.09.2026): Monetary policy decisions.
https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2026/html/ecb.mp260910~314e508016.en.html - Europäische Zentralbank (10.09.2026): Monetary policy statement.
https://www.ecb.europa.eu/press/press_conference/monetary-policy-statement/2026/html/ecb.is260910~6a45359cfc.en.html - Europäische Zentralbank (11.06.2026): Monetary policy decisions.
https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2026/html/ecb.mp260611~4d41bd5e83.en.html - Europäische Zentralbank (23.07.2026): Monetary policy decisions.
https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2026/html/ecb.mp260723~29f24d99bc.en.html - Europäische Zentralbank (27.08.2026): Meeting of 22–23 July 2026.
https://www.ecb.europa.eu/press/accounts/2026/html/ecb.mg260827~f06c21fd54.en.html
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