Börsentalk #13 - PLATOW über die Quartalszahlen von TeamViewer und Scout24
Wir blicken auf den Oktober zurück und besprechen mit Jorg Schirmacher, Geschäftsführer von PLATOW, die meistgehandelten Werte des Monats. Dabei werfen wir einen Blick auf die neuen Quartalszahlen von TeamViewer (DE000A2YN900) und diskutieren, wie die Sparmaßnahmen zu bewerten sind.
Außerdem erklärt Jorg, was es mit dem Kursverlust von Scout24 (DE000A12DM80), dem Anbieter hinter dem Vergleichsportal “Immobilienscout24”, auf sich hat. Ob das Vergleichsportal dem anhaltend hohen Zinsniveau und den hohen Rohstoffpreisen trotzen kann, erfährst du in der neuen Folge.
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Michael: Ja, Podcast-Folge 13. Heute mal wieder im Office und auch mit Gast. Wir begrüßen ganz herzlich Jörg von PLATOW.
Tim: Hallo!
Jörg: Hallo!
Tim: Hallo Michael. Hallo Jörg. Es freut mich, dass wir hier wieder zu dritt in einer Runde zusammenkommen und diesmal das allererste Mal auch persönlich. Das ist, glaube ich, noch mal ziemlich cool.
Jörg: Ja, hallo zusammen auch von meiner Seite. Hallo Michael, hallo Tim. Vielen Dank für die Einladung in euren schönen Räumlichkeiten hier. Schön, dass wir das jetzt auch mal analog hier veranstalten. Das macht es dann noch mal ein bisschen persönlicher und ich freue mich auf den Podcast.
Michael: Genau. Dann fangen wir direkt an. Und starten wollen wir mit einem Wert, nämlich TeamViewer. Über TeamViewer wurde in den letzten Wochen öfter mal berichtet. Jörg, kannst du vielleicht kurz bei TeamViewer einfach mal auf das Geschäftsmodell eingehen?
Jörg: Ja, TeamViewer war, glaube ich, auch eine der meistgehandelten Aktien auf eurer Plattform. Dadurch kamen wir auf die Idee, sie zu behandeln. Ist ja auch ein recht großes Unternehmen, MDAX immerhin.
Kurz zum Geschäftsmodell: TeamViewer ist ein deutsches Unternehmen, das seit der Gründung 2005 Softwarelösungen anbietet, hauptsächlich für die Überwachung und Wartung von IoT-Geräten, also beispielsweise von einem Laptop oder einem PC.
Mich würde nicht wundern, wenn einige unserer Zuhörer heute mit diesem Produkt auch schon mal, vielleicht unbewusst, in Kontakt gekommen sind.
Ich kenne es ganz klassisch: Wenn ich zum Beispiel PC-Probleme habe, dann rufe ich unseren IT-Support an und der sagt dann: „Laden Sie bitte mal kurz TeamViewer runter.“ Dann installiere ich diese Software und er kann im Prinzip remote auf meinen PC zugreifen, wenn ich ihm das Recht gebe, und das Problem dann hoffentlich beheben.
Und das ist der Ursprung von TeamViewer.
TeamViewer ist 2019 an die Börse gegangen, war damals mit einer Marktkapitalisierung von fünf Milliarden Euro und Emissionserlösen von zwei Milliarden Euro einer der größten IPOs in Deutschland und Europa seit der Finanzkrise.
Michael: Ja, das ist viel. Genau, also 2019 gelang der Börsengang und TeamViewer ist seitdem im MDAX gelistet. Relativ groß.
Was noch mal das Geschäftsmodell angeht: Die haben mittlerweile über 600.000 Kunden weltweit, hauptsächlich Firmenkunden, und erzielen einen Umsatz von ungefähr 600 Millionen Euro mit einer EBITDA-Marge von über 40 Prozent. Also ein sehr, sehr profitables Geschäftsmodell.
Aber die haben eben neben diesen Wartungs- und Supportlösungen über die Jahre auch weitere Digitalisierungslösungen angeboten.
Was ich ganz spannend finde, ist zum Beispiel ein Produkt mit Augmented Reality, etwa im Warehousing- und Logistikbereich, dass sie dort mit AR-Lösungen manuelle Prozesse zunehmend digitalisieren. Das ist noch ein kleiner, wachsender Bereich.
Das Bread-and-Butter-Geschäft ist das Wartungs- und Supportgeschäft. Aber über die Jahre hat TeamViewer eben auch weitere Märkte erschlossen.
TeamViewer: Quartalszahlen und aktuelle Entwicklung
Michael: Das ist wirklich sehr interessant. Also, was TeamViewer genau macht, habe ich tatsächlich persönlich noch nie benutzt.
Tim: Ich hatte auch noch nie Berührungspunkte. Wir haben ja auch MacBooks, da hat man nicht so oft IT. Braucht man nicht so oft IT-Support.
Michael: Wir arbeiten mit Windows, da kommt das genau.
TeamViewer hatte zuletzt auch die Quartalszahlen veröffentlicht. Vielleicht magst du da einfach einen kurzen Abriss geben, inwiefern das einzuordnen ist – positiv oder negativ?
Jörg: Also, es war ein bisschen eine Achterbahnfahrt an dem Tag. Die Zahlen kamen am 31.10. und die Aktie hat intraday, glaube ich, zwischen plus fünf und minus fünf Prozent gelegen.
Da hat der Markt ein bisschen gebraucht, das einzuordnen.
Die Zahlen lagen im Rahmen der Erwartungen. Der Umsatz stieg um zehn Prozent. Und die Billings – das ist eine wichtige Kennzahl bei TeamViewer, die von Analysten angeschaut wird – sind das Volumen der unterzeichneten Verträge, die in der Zukunft die Umsätze generieren werden.
Die Billings stiegen um vier Prozent und das war eben leicht unter den Erwartungen. Das führte zu rechten Ausschlägen bei der Aktie.
TeamViewer: SMB- und Enterprise-Geschäft
Tim: Gibt es denn da irgendwie Unterschiede in den Volumina der Billings? Also gibt es da Kleinunternehmen oder Großunternehmen? Ich könnte mir vorstellen, dass es da massive Unterschiede gibt.
Jörg: Genau. Sie haben zwei Segmente, über die sich die Billings verteilen.
Einmal 80 Prozent kleine und mittlere Unternehmen, also sogenannte SMBs. Und dann entfallen 20 Prozent der Billings auf Großkunden. Das ist das Enterprise-Geschäft.
Und das will das Unternehmen stark ausbauen. Über Kooperationen sprechen wir vielleicht gleich noch dazu.
Kurz zur Einordnung: SMBs, das sind Kunden, mit denen TeamViewer im Jahr ungefähr 850 Euro verdient. Das ist jetzt nicht viel im Vergleich dazu, was sie mit Enterprise-Kunden verdienen.
Und das sind ungefähr 4.000 Kunden, also deutlich weniger als im SMB-Bereich.
Insgesamt hat TeamViewer über 600.000 Kunden weltweit.
Im Enterprise-Bereich liegt der durchschnittliche Vertrag bei 33.000 Euro. Da sieht man die Spannweite.
Michael: PLATOW, wir arbeiten mit TeamViewer und unser IT-Support – das wird sicherlich einer dieser SMBs sein.
Jörg: Vermutlich noch ein paar Hundert Euro im Jahr.
Michael: Ja, genau. Noch ein paar Hundert Euro im Jahr.
Jörg: Aber die haben eben auch dieses Enterprise-Segment, was sie stark ausbauen und eben auch vermehrt diese Augmented-Reality-Lösungen einsetzen.
Die Herausforderungen für TeamViewer
Michael: Genau. Und da gibt es ein paar Herausforderungen. Könntest du vielleicht kurz noch mal die Herausforderungen aufzeigen?
Ich könnte mir vorstellen, dass TeamViewer nach dem Börsengang mit Corona und so weiter eigentlich sehr stark davon profitiert hätte. Das müsste man auch ganz gut im Aktienkurs sehen.
Jörg: Der Börsengang war übrigens auch sehr gut getimt. Ende 2019, noch Nullzinspolitik, kurz vor Corona. Das konnte natürlich keiner wissen, aber im Nachhinein war das das perfekte Timing.
TeamViewer ging zu einer sehr, sehr hohen Bewertung an die Börse. Permira war auch als Private Equity engagiert, die das zum guten Zeitpunkt an die Börse gebracht haben.
Dann kam Corona und natürlich hat dieses ganze SMB-Geschäft massiv profitiert. Alle waren zu Hause im Homeoffice. Das heißt, du musstest diese Remote-Lösung, die TeamViewer anbietet, natürlich entsprechend einsetzen.
Da war die Nachfrage sehr, sehr stark. Das hat den Aktienkurs und das Geschäft sehr stark beflügelt. Und das ist natürlich jetzt deutlich zurückgekommen.
Das hat man auch in den Billings gesehen. Das war das zweite Quartal in Folge, dass in diesem SMB-Bereich die Billings zurückgingen.
Zweitens, was das Enterprise-Geschäft angeht, ist dort momentan das schwierige makroökonomische Umfeld entscheidend.
Großkunden überlegen natürlich in der schwierigen Phase, ob sie solche Investitionen tätigen. Da ist das Pricing sehr entscheidend. Es wird auf Preisstabilität geachtet, wohingegen in einer guten wirtschaftlichen Phase natürlich solche längerfristigen Investitionen eher getätigt werden.
Denn wenn man einmal mit TeamViewer einen Vertrag abschließt, dann läuft so ein Vertrag über mehrere Jahre. Das heißt, dann ist man auch erst mal engagiert.
TeamViewer: Ausblick auf das Gesamtjahr
Michael: Ja, kurz noch ein letzter Satz zu den Q3-Zahlen. Die Prognose wurde bestätigt. Man erwartet ein Umsatzwachstum von zehn bis 14 Prozent. Nach neun Monaten steht man bei zwölf Prozent. Also ich denke, erreichbar.
Die EBITDA-Marge liegt komfortabel bei 43 Prozent und damit über dem Ziel von rund 40 Prozent.
Der CEO erwähnte aber im Call auch die Wichtigkeit des Schlussquartals. Er sagte, gerade im letzten Quartal des Jahres werden historisch gesehen immer große Enterprise-Deals abgeschlossen.
Und das wird halt spannend sein, wie sich die abschwächende Wirtschaft natürlich auch auf das Q4 auswirken wird.
Wir sehen es bei vielen anderen Unternehmen, die alle sagen: Q4 wird ein entscheidendes Quartal. Q3 war in der Regel ganz gut, aber nach vorne gerichtet muss man sehen.
Und da hielt er sich etwas zurück und erhöhte auch nicht die Prognose.
Wenn man sich die Zahlen anschaut, könnte man eigentlich sagen, könnte man zumindest auf der EBITDA-Marge argumentieren: Wenn man bei 43 Prozent steht und das Ziel ist 40 Prozent, dann kann man die Prognose erhöhen.
Aber aufgrund dieser Unsicherheit für das letzte Quartal hielt er sich dort zurück. Und das hat sicherlich auch einige Investoren enttäuscht.
TeamViewer und das Sponsoring von Manchester United
Tim: Okay, also wirklich auch sehr interessant.
Würdest du sagen, ein Treiber der EBITDA-Marge sind ja bestimmt auch Sparmaßnahmen?
Und da ist, wie ich zum Beispiel von TeamViewer erfahren habe, durch die Kooperation mit Manchester United, die ja von den Aktionären eher nicht so gut gesehen wurde, weil sie sehr teuer ist, und das fahren sie jetzt ja auch schrittweise zurück.
Wie würdest du die Sparmaßnahmen von TeamViewer einschätzen? Und vielleicht spielen noch andere Maßnahmen eine Rolle, die einen Einfluss auf die Marge hätten?
Jörg: Es ist tatsächlich hauptsächlich das Manchester-United-Geschäft.
Klar, Effizienzmaßnahmen gibt es immer. Ein Unternehmen ist immer angehalten, in welcher Phase eines Wirtschaftszyklus auch immer, natürlich Effizienzen zu heben und Kosten einzusparen.
Das tun die auch jetzt, jetzt erst recht.
Personalkosten sind ein Großteil der Kosten bei TeamViewer. Es ist ein recht skalierbares Geschäftsmodell. Du hast eine Software, du hast eine Plattform. Das heißt, ein Großteil deiner Kosten sind Entwicklungskosten und Personal.
Die sind sticky, die steigen in einem Umfeld von hoher Inflation. Da ist man immer angehalten, effizienter zu werden.
Aber zumindest was den Kapitalmarkt hauptsächlich beschäftigt, ist wirklich dieser Manchester-United-Deal.
Den haben sie 2021 angekündigt. 50 Millionen Euro – das waren damals ungefähr zehn Prozent des Umsatzes, die da für diesen Deal ausgegeben werden sollten.
Und das stieß, wie du schon sagtest, auf sehr heftige Kritik.
Einmal hat man sich gefragt: Was sucht ein unbekanntes Unternehmen jetzt auf dem Trikot von Manchester United? Ich glaube, wer hat damals noch für Manchester United gespielt?
Tim: Ronaldo.
Jörg: Ich weiß nicht, ob er da noch war.
Tim: Für eine kurze Zeit.
Jörg: Ja, kurze Zeit. Okay.
Da hat man sich gefragt: Was ist da der Nutzen? Ist das wirklich wertstiftend?
Und wie gesagt, das Volumen – zehn Prozent vom Umsatz – das ist schon heftig.
Ich meine, es war zu einer Phase, wo die Geschäfte auch sehr, sehr gut liefen. Und mittlerweile hat sich das Wachstum ja auch eingetrübt.
Früher hatte man mal 20 Prozent Wachstumsraten beim Umsatz angepeilt. Mittlerweile ist man eher bei zwölf bis 14 Prozent.
Und dieser Trend hat dann letztlich auch dazu geführt, dass das Management entschieden hat, diesen Deal runterzufahren.
Erste Effekte auf das EBITDA sind schon erkennbar. Also dieses Jahr sollen es ungefähr 17 Millionen Euro sein, die eingespart werden können.
Aber der komplette Ausstieg wird halt erst für 2025 erwartet. Das heißt, das dauert und es hat einfach viel Geld gekostet, um da wieder rauszukommen.
Gerade wenn man sich mal überlegt: Man würde die 50 Millionen durch so einen Vertrag teilen. Wie viele kleine Verträge muss man machen? Selbst wie viele große Verträge muss man machen für die 33.000 oder 36.000 Euro?
Das muss man ja mal rechnen: Was hole ich rein, um diese 50 Millionen wieder reinzuholen? Hole ich das rein, indem ich auf dem Trikot bin?
Michael: So ist es.
Jörg: Absolut. Da muss man also ja zehn Prozent vom Umsatz ausgeben und dieses Jahr wachsen sie zwölf bis 13 Prozent. Also ist im Prinzip ein Jahr dann das Wachstum schon wieder weg.
Internationale Expansion von TeamViewer
Michael: Der Gedanke hinter der Kooperation beziehungsweise des Sponsorings bei Manchester United war ja, dass sie auch aus Europa international groß wachsen wollen und dadurch halt schnellere Wachstumsraten und mehr Umsatz generieren wollen.
Das hat sich leider nicht bewahrheitet.
Aber wo siehst du denn jetzt dann die Möglichkeit, große und internationale Kunden zu gewinnen? Also wie können sie das schaffen, das zu skalieren?
Jörg: Ursprünglich war TeamViewer ausschließlich im Direktvertrieb tätig. Über dedizierte Sales-Teams wurden Endkunden direkt angesprochen.
Und das hat der CEO über die Jahre deutlich umstrukturiert.
Mittlerweile erfolgt der Vertrieb über sogenannte Channel-Partner, mit denen TeamViewer kooperiert, um eben vor allen Dingen auch Großkunden an Bord zu holen.
Das kann jetzt ein Reseller sein, das kann ein Managed Service Provider sein, das kann ein Systemintegrator sein.
Um euch ein paar Beispiele zu nennen: SAP arbeitet mit TeamViewer zusammen. Siemens zum Beispiel – ganz interessant für das ganze Geschäft rund um Augmented Reality.
Siemens hat viele Industriekunden. Das heißt, da ist Wachstumspotenzial.
Oder zum Beispiel auch Microsoft.
Darüber hinaus versucht auch der CEO, sehr dedizierte Vertriebsteams aufzubauen, die eben auch in bestimmten Sektoren bestehende Kunden bearbeiten und zeigen, was eigentlich noch an weiterem Potenzial in den Produkten schlummert.
Also im Prinzip Cross-Selling zu betreiben.
Und das sind die beiden Mechanismen, mit denen man versucht, auch in Nordamerika vor allen Dingen zu wachsen.
Augmented Reality und künstliche Intelligenz
Tim: Du hattest vorhin Augmented Reality erwähnt, was ja vor einer gewissen Zeit noch mal ein Hypethema war.
Und jetzt ist ja das große Thema künstliche Intelligenz. Spielt künstliche Intelligenz im Geschäftsmodell von TeamViewer schon eine Rolle?
Jörg: Die haben ein Produkt, das nennt sich TeamViewer Frontline. Und da spielt dieses Thema Augmented Reality und KI letzten Endes dann auch eine Rolle, um manuelle Prozesse beispielsweise im Logistik- und Warehouse-Bereich zu automatisieren.
Um euch mal ein Beispiel zu geben: Im Bereich Qualitätssicherung oder Arbeitssicherheit kann dann zum Beispiel mittels AR, die natürlich auch durch KI gestützt ist, dem Mitarbeiter mitgeteilt werden, dass er seine Hygienehandschuhe anziehen soll oder dass er bestimmte Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigen muss, wenn er zum Beispiel im Logistikbereich Waren kommissioniert.
Also es ist definitiv ein Thema.
Das Brot-und-Butter-Geschäft ist weiterhin dieses Wartungs- und Supportgeschäft. Aber da will TeamViewer weiter wachsen und baut eben diesen Geschäftsbereich weiter aus.
Zukunft der Fernwartung und Wettbewerb
Michael: Richten wir noch mal den Blick in die Zukunft.
Man könnte ja auch theoretisch sagen, dass die Konkurrenz, zum Beispiel Zoom, auch einfach in diesen Markt einsteigen könnte. Also durch Videokonferenzen das Geschäftsmodell vielleicht ausweiten.
Das wäre ja auch dahingehend interessant, weil sie schon einen hohen Kundenstamm haben.
Wie schätzt du das Geschäft der Fernwartung in der Zukunft ein?
Jörg: Also ich denke, dass das weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Wir haben ja – Stichwort IoT – immer mehr Geräte, die mit dem Internet verbunden sind und gewartet werden müssen.
Ich glaube, das Thema Remote Work wird nicht abnehmen, im Zweifel sogar eher zunehmen. Das heißt, das Geschäft gewinnt an Bedeutung.
Und Industrie 4.0 ist auch ein wichtiger Treiber. Ich meine, industrielle Prozesse werden zunehmend digitalisiert und automatisiert. Und da spielt, wie besprochen, auch TeamViewer eine Rolle.
Und nicht zuletzt ist natürlich auch das ganze Thema Remote im ökologischen Sinne von Vorteil. Es spart Kosten, es ist schneller, es ist effizienter. Beim Support müssen die Leute nicht von A nach B fahren.
Also ich denke, dass es in jedem Fall an Bedeutung noch weiter gewinnen wird.
Michael: Was sind denn die Hauptwettbewerber?
Ich könnte mir jetzt vorstellen, wenn ich mal Microsoft anschaue mit Teams, es wäre ja wahrscheinlich für Microsoft ein Leichtes, mal – losgelöst von irgendwelchen behördlichen Auflagen – so etwas in Teams einzubauen.
Denn wenn das zukünftig beim Office-Paket quasi mit dabei ist, wäre das ja sozusagen auf allen Windows-Rechnern per se mit drauf.
Jörg: Also ob jetzt Microsoft ein direkter Wettbewerber ist – du sprichst jetzt Teams an, was auch ein Kommunikationssystem ist.
Viele vergleichen TeamViewer mit Zoom. Zoom hat ja auch in der Corona-Pandemie massiv durch Remote Work profitiert.
Ich würde aber sagen, dass es nur in bestimmten Bereichen Überschneidungen gibt.
Das eine ist Videochat-Kommunikation und das andere ist echter Support, echte Rechnersteuerung und Workflow-Management.
Von daher gibt es Überschneidungen, aber ich würde sie jetzt nicht als direkte Konkurrenten bezeichnen.
Scout24: Das Geschäftsmodell
Michael: Ja, wir haben noch eine zweite Aktie, die ich auch persönlich ganz spannend finde, weil die mich so ein bisschen an meine Anfänge der Berufslaufbahn erinnert.
Als ich bei der Bank 24 angefangen habe, war eine der ersten Domains mit der 24 im Namen. Und irgendwann gab es dann auf einmal so Portale wie ImmobilienScout24, AutoScout24, die dann ja in die Scout-Gruppe übergegangen sind.
Jörg, vielleicht kannst du einfach ganz kurz mal so ein bisschen das Geschäftsmodell erläutern von Scout24.
Jörg: Vielleicht machst du das einfach. Du weißt wahrscheinlich mehr als ich.
Michael: Ich weiß es nicht, aber ich weiß halt, dass das quasi so ein Dino der Internetfirmen ist, die einfach schon ewig lange am Markt sind. Und ich würde mal behaupten, dass jeder unserer Zuhörer irgendwann schon mal ein Portal von denen genutzt hat.
Jörg: Ja. Also Scout24 betreibt heute – früher war das mal anders, da kommen wir vielleicht noch zu – heute betreibt das Unternehmen den Marktplatz ImmoScout24.
Das ist in Deutschland der klare Marktführer für den Verkauf, Kauf und die Vermietung von Wohnimmobilien in Deutschland.
Darauf ist Scout24 mittlerweile vollständig konzentriert. Das ist die einzige Beteiligung, die sie haben.
Dort verdient das Unternehmen entsprechend Einnahmen dadurch, dass Menschen ihre Immobilie auf die Plattform stellen.
Tim: Ich selber habe noch keinen Kontakt, zumindest was den Verkauf oder Kauf von Immobilien angeht.
Michael: Ich glaube, Mietersuche, das war mal ein Thema. Ich habe eher mit mobile.de – das ist der Konkurrent von AutoScout24 – zu tun gehabt, beim Autoverkauf.
Aber wie gesagt: Scout24 ist in Deutschland klarer Marktführer.
Warum Scout24 sich auf Immobilien konzentriert
Michael: Es ist ja in der Tat so, dass da früher irgendwie ganz, ganz viele Portale waren. FinanceScout, AutoScout, JobScout, mobile.de.
Hast du eine Idee, was da passiert ist? Also warum haben die sich von allen Beteiligungen getrennt und machen jetzt wirklich den Fokus auf Immobilien?
Jörg: Genau. Das war 2019 auf Druck von aktivistischen Investoren. Allen voran war das Elliott Management, ein recht bekannter Aktivist, der argumentiert hat, Scout24 soll sich aufteilen.
Klassisch hat er die „Sum of the Parts“-Theorie herangezogen und gesagt: Eure Geschäftsbereiche sind einzeln mehr wert als das Ganze.
Er sagte zum Beispiel, dass ImmoScout24 insgesamt fünf Milliarden Euro wert sein müsse. Dafür, glaube ich, ein Aktienkurs von 68 Euro. Und somit fast so viel wert sei wie das gesamte Unternehmen.
Er sagte zudem auch, dass es kaum Synergien zwischen den verschiedenen Geschäftsfeldern gebe und dass dadurch auch eine ineffiziente Allokation von Ressourcen stattfände.
Und er hat halt darauf gedrungen, diese Bereiche zu verkaufen und auch an die Aktionäre auszuschütten.
Ende 2019 hat das dann auch das Unternehmen gemacht.
Michael: Ja, spannend. Also insofern ist es jetzt nur noch ImmoScout24, ne? Das heißt, alle anderen Portale haben zwar noch diese „24“, die ja irgendwie jeder kennt, aber es ist eben nicht mehr Scout24.
Jörg: AutoScout24 wurde für 2,9 Milliarden Euro an einen Finanzinvestor verkauft.
Das Geld wurde dann in Teilen zumindest dafür verwendet, eigene Aktien zurückzukaufen. Also eine indirekte Ausschüttung an die Aktionäre.
Und heute ist es nur noch ImmoScout24.
Michael: Richtig. Und die Marktkapitalisierung liegt momentan, glaube ich, ungefähr bei fünf Milliarden. Dann ist das ja ungefähr aufgegangen, was der Investor prognostiziert hat.
Scout24: Quartalszahlen und Kursentwicklung
Michael: Es gab ja jetzt auch Quartalszahlen. Gibt es da irgendein Highlight, wo du sagst, das lohnt sich zu erwähnen?
Jörg: Ja, der Kurs ist ja Mitte Oktober stark eingebrochen. Ich weiß nicht, ob das jetzt aufgefallen ist. Uns war es aufgefallen.
Das konnte aber nicht mit schlechten Zahlen zu tun gehabt haben, weil am 2.11. hat das Unternehmen die Prognose erhöht.
Maßgeblich aufgrund einer steigenden Zahl von Abonnements von Immobilienmaklern und Privatleuten. Also mehr Makler und Privatpersonen, die die Plattform nutzen.
Zudem hat das Unternehmen ein auf Immobilienbewertung spezialisiertes Unternehmen gekauft. Das hat auch noch mal entsprechend das Geschäft beflügelt.
Und infolgedessen wurde die Prognose angehoben.
Man erwartet jetzt eine Wachstumsrate von fast 20 Prozent in diesem Jahr.
Und deswegen würde ich diesen Kursrückgang Mitte Oktober, der nach meinem Dafürhalten hauptsächlich sentimentgetrieben war – die Zinsen waren gerade wieder gestiegen, was natürlich auf der Bewertung lastet – nicht fundamental begründen.
Fundamental läuft es sehr gut bei Scout24.
Immobilienmarkt und Zinswende
Tim: Was einen auch überrascht, wenn man bedenkt, dass Scout24 eigentlich mit Immobilien zu tun hat.
Michael: Na ja gut, aber wenn wir mal auf die Immobilienbranche blicken, dann ist, glaube ich, das Zinsniveau so ein bisschen Fluch und Segen.
Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Also ich sage mal, in meinem Wohngebiet gab es in der Niedrigzinsphase nicht ein einziges Angebot. Und die, die es gab, sind unter der Hand weggegangen.
Das heißt, solche Häuser waren gar nicht bei ImmoScout24, weil einfach die Nachfrage so krass war, dass jedes Angebot quasi weggesaugt wurde.
Jetzt haben wir das Umgedrehte. Jetzt haben wir ein hohes Zinsniveau. Das heißt, wenn man jetzt da reinschaut, sieht man auf einmal wieder Angebote, auch echt attraktive Angebote.
Da ist dann nur die Frage: Sind denn die Käufer da?
Wir haben also eine Zinsverfünffachung fast im Immobilienkreditsektor. Das heißt, für viele Leute können sie sich das Haus, das sie sich vielleicht mal ausgerechnet haben, nicht mehr leisten.
Plus die Unsicherheit: Wie geht es weiter?
Jetzt hatten wir zwar eine Pause. Wie siehst du das mit Blick auf die Immobilienbranche und die Chancen für Scout? Können die da profitieren oder ist es eher schwierig? Denn 20 Prozent halte ich für viel.
Warum Scout24 von der Zinswende profitieren kann
Jörg: Du sprichst da wichtige Punkte an.
Scout24 ist ja nicht direkt am Transaktionsgeschäft beteiligt. Die bieten nur eine Plattform an, um Käufer und Verkäufer zusammenzubringen.
Die verdienen also nicht an einer Provision bei einer Transaktion, wie das bei einem Makler oder einer Immobiliengesellschaft der Fall ist.
Das heißt, das trifft sie nicht direkt, aber indirekt, weil vielleicht weniger Nachfrage und weniger Angebot da ist und weniger auf der Plattform inseriert wird.
Aber – und das hast du eben schon sehr gut erläutert – wir hatten in Deutschland, das ist ja der Hauptabsatzmarkt von Scout24, vor der Zinswende einen Verkäufermarkt.
Du sagtest bereits: Alles ging eigentlich unter der Hand weg.
Es wurde weder ein Makler eingestellt noch wurde irgendwo inseriert.
Das ist sowieso ein Trend, der sich mit der Digitalisierung in den letzten Jahren ganz stark noch mal beschleunigt hat.
Aber das ging alles unter der Hand weg.
Jetzt haben wir ein gestiegenes Zinsumfeld. Wir haben keinen Verkäufermarkt mehr, wir haben einen Käufermarkt.
Die Preise pendeln sich ein und der Markt ist auch erst mal ein bisschen ausgetrocknet. Das heißt, es muss sich alles erst mal wieder mit der Unsicherheit, die wir haben, einpendeln.
Aber du hast jetzt dadurch, dass der Käufer am Drücker ist, alle diejenigen, die ihre Immobilie verkaufen wollen, müssen länger warten, um einen Kaufpreis zu bekommen.
Das bedeutet, dass für das Geschäft von Scout24 ihre Anzeigen länger inseriert werden. Sie nutzen auch zusätzliche Services von Scout24, um zum Beispiel ihre Anzeige zu pushen.
Michael: Also ich habe das persönlich bei meinem Autoverkauf gerade gehabt. Ich kriege nicht den Preis, den ich möchte, und dann zahle ich mal zehn Euro für einen Monat, um die Anzeige ein bisschen nach oben zu drücken.
Jörg: Ja, und genau das passiert halt auch bei Scout24.
Ganz konkret: Die durchschnittliche Verweildauer von solchen Inseraten hat klar zugenommen, wohingegen das in der Vergangenheit eben nicht der Fall war.
Das ist der eine Punkt.
Der zweite: die Mehrwertangebote von Verkäufern. Also dass man im Prinzip versucht, noch die Sichtbarkeit der eigenen Anzeige zu erhöhen.
Ein dritter Aspekt, der auch in die Karten spielt, ist, dass wir einen akuten Wohnungsmangel in Deutschland haben.
Scout24 ist ja hauptsächlich im Bereich Wohnimmobilien tätig. Wir haben akuten Wohnungsmangel in Deutschland.
Das heißt, Makler zum Beispiel, die nach Leads suchen, sind bereit, dafür mehr auszugeben, logischerweise.
Und davon profitiert auch Scout24, weil sie das Geschäft mit Maklern und Profis stark ausgebaut haben.
Also 70 Prozent des EBITDA werden heute mit professionellen Kunden verdient.
Und so gesehen sehe ich Scout24 eigentlich als Profiteur dieser Zinswende.
Scout24 und der Wettbewerb durch Social Media
Michael: Okay. Ja, gut. Ich meine, es gibt ja auch – also wenn sich den Immobilienmakler auf Mallorca, Marcel Remus, anschaut, der hat ja letztens noch im Podcast gesagt, dass er gar keine Portale benutzt, weil er das zum Beispiel auch über Instagram macht.
Also der macht da seine Videos, stellt die live und ist eigentlich ganz interessant, weil der ja total im hochpreisigen Segment unterwegs ist.
Dass Leute, die sich für ein Haus interessieren, sagen wir mal vielleicht ab zwei, drei, vier, fünf Millionen, dass die dann eben bei Insta gucken.
Aber ich meine, das ist natürlich ein Extrembeispiel. Da ist natürlich Scout24 auch eine andere Nummer.
Du hast halt die Videos drin, Grundrisse und so weiter. Das ist natürlich schon ein Package.
Deswegen wird es ja auch von Maklern genutzt, logischerweise.
Jörg: Wenn du eine Immobilie suchst, ist das schon eine gute Sache.
Michael: Absolut.
Verabschiedung
Michael: Also insofern, glaube ich, hatten wir heute wieder echt zwei spannende Firmen. Und diesmal auch deutsche Firmen.
Also insofern, Jörg, vielen Dank. Ich bin gespannt, was wir beim nächsten Mal besprechen.
Jörg: Vielen Dank. Danke schön euch zwei und freue mich auf vielleicht noch eine letzte Episode in diesem Jahr.
Michael: Ja, super. Vielen Dank. Ciao!
Jörg: Ciao!
Tim: Ciao!
Michael: Das war's schon wieder.
justTRADE. So einfach geht Investieren.

Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Kapitalanlagen unterliegen Wertschwankungen und allgemeinen Kapitalmarktrisiken. Der Wert einer Anlage kann steigen oder fallen; Verluste bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals sind möglich.