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Börsentalk #53 - Genius Act: Die neue Ära der Stablecoins

In 53. Folge des Börsentalks begrüßen Nina und Michael erneut den Krypto-Experten Sascha Huber, um über ein hochaktuelles Thema aus der Welt der digitalen Währungen zu sprechen: den Genius Act, das neue US-Gesetz zur Regulierung von Stablecoins.

Was genau ist der „Guiding and Establishing National Innovation for US Stablecoins Act“, kurz Genius Act? Welche wirtschaftlichen und politischen Kräfte haben seine Entstehung beeinflusst? Und wie könnte dieses Gesetz die Krypto-Landschaft langfristig verändern?

Sascha Huber liefert fundierte Einblicke in die Inhalte des Gesetzes, darunter:

  • die neuen Anforderungen für Stablecoin-Emittenten
  • die Rolle von Lobbyismus im Gesetzgebungsprozess
  • die geopolitische Signalwirkung für Europa und den Rest der Welt

Darüber hinaus beleuchten wir, welche Chancen und Risiken die neue Regulierung mit sich bringt und warum gerade große Akteure wie Amazon, Walmart oder Circle eine Schlüsselrolle spielen könnten.

Abschließend wagt Sascha Huber einen Ausblick auf die mögliche Entwicklung des Kryptomarktes und gibt seine Einschätzung ab, ob wir uns auf eine Jahresendrallye freuen dürfen.

Sascha Huber bei Stock3: https://stock3.com/experten/sascha-huber-249168
Sascha Huber auf Youtube: https://www.youtube.com/@SaschaHuberAktienKryptoExperte

Wenn du möchtest, dass deine Frage in einer der nächsten Folgen beantwortet wird, schicke uns eine E-Mail an: podcast(at)justtrade.com

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Michael: Podcast-Folge 53 unseres Börsentalks. Hallo Nina.

Nina: Hallo Michael.

Michael: Heute haben wir ja wieder mal einen besonderen Gast. Er war schon mal da in der Folge 32, aber wenn es um Kryptowerte geht, da, glaube ich, muss man ihn immer wieder anrufen, weil keiner ist da der bessere Experte als Sascha Huber. Hallo Sascha.

Sascha: Ja, hallo Michael und danke für das Lob.

Michael: Sascha, du warst ja wie gesagt schon mal zu Gast, aber wir wollen einfach ganz kurz noch mal anfangen. Mini-Vorstellung. Ich meine, die meisten Leute, denke ich mal, aus dem Kryptospace kennen dich, aber vielleicht kannst du dich ganz kurz noch mal vorstellen.

Sascha: Ja, mein Name ist Sascha Huber, ich komme aus Trier. Das ist die Geburtsstadt von Karl Marx, daher kennt man es vielleicht. Der Unterschied zwischen Karl Marx und mir ist: Er war der Kommunist aus Trier, ich der Kapitalist aus Trier und habe schon sehr früh mich mit Kryptos befasst, so eigentlich direkt zum Start den Bitcoin schon mitbekommen.

Am Anfang aber noch ein bisschen skeptisch gewesen, aber dann so ein anderthalb Jahre später dann doch überzeugt gewesen. Habe dann seinerzeit auch selbst Bitcoin gekauft und mich dann später auch mit den anderen Kryptos befasst und habe das auch damals bei Facebook öffentlich gemacht.

Daraufhin hat mich irgendwann die ehemalige BörseGo, die ja jetzt stock3 heißt, angerufen und mich gefragt, ob ich nicht bei ihnen einsteigen möchte als Experte, wobei ich nicht angestellt oder so des Unternehmens bin, sondern freiberuflich für sie arbeite.

Michael: Ja, ich will gar nicht wissen, zu welchem Kurs du bei Bitcoin eingestiegen bist, aber da, das haben wir ja schon mal thematisiert, dass du da, glaube ich, echt ein ganz glückliches Händchen hattest, was ja auch echt, wie gesagt, berechtigt ist, wenn man sich so früh mit diesem ja damals noch für viele Neuland beschäftigt.

Jetzt haben wir heute das spannende Thema Genius Act und da wäre jetzt mal die Frage für alle, die das eben nicht wissen, ob du ganz kurz mal erläutern könntest: Was ist denn eigentlich das für ein Gesetz und was regelt das in den USA?

Was ist der Genius Act?

Sascha: Ja, die Amerikaner haben ja immer ganz tolle Namen für ihre Gesetze. Es gibt ja auch dieses One Big Beautiful Bill, das dann quasi der Haushaltsentwurf ist. Und der GENIUS Act steht eigentlich für „Guiding and Establishing National Innovation for U.S. Stablecoins Act“.

Das ist also ein Gesetz zur Regulierung und zur Etablierung von US-Dollar-basierten Stablecoins. Manche übersetzen es aber auch ein bisschen freier so nach dem Motto „Giving Every National Investor Uniform Security“. Das ist aber nicht der offizielle Name.

Und ja, es regelt halt, wie gesagt, wie Stablecoins, die auf dem US-Dollar aufsetzen, juristisch korrekt aufgesetzt werden können. Und da gibt's halt gewisse Regeln, auf die können wir gleich wahrscheinlich noch näher eingehen.

Hintergrund und politische Entstehung

Michael: Ja, wie kam es denn überhaupt dazu, dass der Genius Act verabschiedet wurde und welche politischen, vielleicht auch wirtschaftlichen Faktoren haben da eine Rolle gespielt?

Sascha: Ja, wirtschaftlich sicherlich. Stablecoins sind immer mehr gestiegen in der Bedeutung, auch in der Nutzung. Es gab zunächst nur Tether als Stablecoin, USDT abgekürzt. Und das hat aber so einen faden Beigeschmack.

Es gab da teilweise gegen die Gründer, also es waren, glaube ich, fünf Gründer, und da gab's gegen einen Vorwürfe der Kinderpornografie in der Vergangenheit und so weiter. Deswegen ist Tether in der Vergangenheit auch angegriffen worden. Da hieß es ja, die sind nicht wirklich gedeckt.

Es gab dann auch Ermittlungen der New Yorker Staatsanwaltschaft, aber die konnten keine gröberen Gesetzesverstöße im Hinblick auf das Projekt feststellen. Kinderpornografie und so weiter wurde, glaube ich, auch nicht nachgewiesen, aber auf jeden Fall in Bezug auf das eigentliche Projekt, also den eigentlichen Stablecoin, konnten nur kleinere Gesetzesverstöße nachgewiesen werden.

Im Großen und Ganzen war alles gedeckt, auch so, wie es Tether immer gesagt hat. Und deswegen haben sie am Ende dann auch nur eine kleine Strafzahlung leisten müssen. Es ging nicht vor Gericht. Ich glaube, 25 Millionen US-Dollar waren es. Das ist natürlich für jeden Privaten viel, aber für so ein Unternehmen, was natürlich da teilweise Milliardenumsätze macht, eher eine kleine Strafe gewesen.

Und es gab dann Circle als ersten und wichtigsten Konkurrenten. Die haben einen Stablecoin namens Circle USD, abgekürzt USDC, herausgebracht. Und bei Circle ist damals auch BlackRock schon eingestiegen, sowohl in die Firma Circle als auch in diesen Stablecoin.

Also, die haben dann für mehrere hundert Millionen Stablecoins von Circle gekauft und damit hatten die natürlich ein höheres Vertrauen von Anfang an.

Nichtsdestotrotz: Tether war halt der First Mover und es ist heute noch so, dass Tether halt der größte Stablecoin ist und Circle die Nummer zwei. Aber sie holen halt auch rasant auf, sind ja jetzt kürzlich auch an die Börse gegangen, die Aktie ist dann auch direkt mal steil gegangen.

Ja, und von dieser Hinsicht. Ansonsten natürlich politisch. Trump hat im Wahlkampf schon sich als Pro-Krypto-Präsident gegeben.

In seinem ersten Wahlkampf war er noch sehr skeptisch oder in seiner ersten Amtszeit war er noch sehr skeptisch. Hat er damals gesagt, unsere Währung ist der US-Dollar und Bitcoin, das ist für ihn alles Quatsch und Betrug.

Mittlerweile hat er da seine Meinung geändert, ist ja nicht, ist ja dafür bekannt, dass er öfter mal seine Meinung ändert. In dem Fall muss man aber sagen, das gibt einige, die ihre Meinung geändert haben.

Also auch der Chef von JPMorgan oder auch selbst der Chef von BlackRock haben in der Vergangenheit ja kritisch gegenüber Kryptos oder Bitcoin sich geäußert und sind jetzt in dem Spiel mit dabei.

Also insofern, da gab's dann politische Entwicklungen in die richtige Richtung, aber natürlich auch wirtschaftlich. Und es gab natürlich auch den Druck von den Banken, aber auch von den Techkonzernen, dass es da eine regulatorische Klarheit braucht, weil in der Vergangenheit war nie klar, welche Behörden überhaupt dafür zuständig sind, in den USA so etwas zu regulieren und so weiter und so fort.

Und das hat man jetzt mit diesem Gesetz halt dann alles geregelt oder möchte es regeln.

Man muss dazu sagen, dass der Genius Act vom Senat schon verabschiedet wurde, auch mit großer Mehrheit. Zum Teil haben auch Demokraten damit gestimmt. Ich glaube, 68 zu 30 ist es ausgegangen und zwei waren irgendwie krank oder so.

Und ja, also von daher ist das übergreifend, parteiübergreifend mittlerweile Konsens, größtenteils zumindest.

Das Repräsentantenhaus, glaube ich, muss noch zustimmen, aber das ist wahrscheinlich dann auch nur formal und dann muss natürlich Trump als Präsident das noch unterschreiben, um es dann endgültig in Kraft zu setzen.

Aber nachdem der Senat verabschiedet hat, ist eigentlich davon auszugehen, dass das jetzt in Kürze passieren wird, also in den nächsten Tagen, sagen wir mal ein bis zwei Wochen maximal.

Michael: Mhm. Spannend. Ja, dann haben wir ja den Zeitpunkt jetzt perfekt gewählt für diese Podcast-Aufnahme.

Was regelt der Genius Act?

Michael: Also, der Fokus auf den Genius Act liegt ja, wie du gerade schon gesagt hast, auf Stablecoins. Und was sind denn da die wichtigsten neuen Regelungen für die Stablecoin-Emittenten?

Sascha: Ja, also, es – man muss ein bisschen konkreter noch sein. Es sind US-Dollar-basierte Stablecoins, weil es gibt natürlich auch welche, die auf Euro basieren. Da gelten dann auch andere Regeln, nämlich die der Europäischen Union. MiCA wäre da so ein Schlagwort, auch so eine Regulierung.

In Asien ist man zum Beispiel ganz skeptisch. Also China hat einen staatlichen, quasi Renminbi-basierten digitalen Währungsansatz, aber privat möchte man das da nicht. Logisch, ist ja auch kommunistisch regiert.

Also insofern: Der Genius Act, wie gesagt, ist dann für US-Dollar-basierte Stablecoins. Und der US-Dollar, der wird halt in den USA ja verwaltet, in erster Linie von der Federal Reserve, und die Regeln sind eigentlich recht einfach.

Also, es gibt eine 100-Prozent-Reservepflicht. Das heißt, für jeden Stablecoin, für jeden US-Dollar-Stablecoin, den man ausgibt, muss man auch eine entsprechende 100-prozentige Reserve halten.

Das kann natürlich Cash sein, also quasi eine Art Tagesgeld oder so auf einem Konto. Das kann aber auch in US-Staatsanleihen sein, weil die nach wie vor als ausfallsicher gelten, auch wenn es ja da zuletzt auch Abstufungen gab.

Und das ist natürlich auch etwas, was für die Emittenten dieser Stablecoins ganz gut ist, denn sie tauschen quasi einen US-Dollar in so einen US-Dollar-Stablecoin und haben dann natürlich US-Dollar auf dem Konto.

Und wenn sie das dann natürlich in Staatsanleihen investieren, die aktuell ja um die 4,5 Prozent teilweise bringen, also es sind eher kurzlaufende Staatsanleihen natürlich in dem Fall, weil die ja relativ schnell liquide im Zweifel sein müssen, dann kassieren die halt 4,5 Prozent Zinsen.

Und das rechnet sich natürlich schon, wenn man auf der anderen Seite quasi keine Kosten hat, weil ein Stablecoin in der Produktion kostet ja in dem Sinne nichts. Das ist ja einfach nur ein Algorithmus.

Und es gibt noch andere Anforderungen, wie zum Beispiel, dass tägliche Transparenzberichte ausgegeben werden müssen. Es muss zuvor auch eine Zulassung durch eine Bundesbehörde erfolgen, aber das ist eher formal.

Und es gibt natürlich dann die üblichen Pflichten, die auch Banken quasi haben, also Know Your Customer oder Anti-Money-Laundering, also dass da keine Geldwäsche betrieben wird und so weiter.

Und zu guter Letzt, aber das liegt natürlich auch im Interesse der Anbieter, muss das Ganze natürlich dann auch sicher sein. Das heißt, es gibt auch entsprechende Cybersecurity-Standards.

Und ja, das sind dann im Großen und Ganzen die Regeln.

Und eine ganz wichtige Regel ist noch: China, habe ich ja eben gesagt, hat einen staatlichen, quasi Stablecoin-Ansatz, und die Amerikaner wollen das komplett privat halten.

Vergleich mit internationalen Standards

Sascha: Das heißt, der Federal Reserve ist es verboten, einen quasi Stablecoin rauszubringen.

Also quasi so etwas wie der digitale Euro, was in Europa jetzt ja auch kommen soll, darf die Fed durch die Gesetze in den USA halt nicht machen.

Das heißt, es kann im Prinzip jede private Firma, kann das machen. Also ich könnte jetzt auch eine Firma aufmachen. Wenn ich die entsprechenden Anforderungen erfüllen würde, könnte ich auch so einen Stablecoin rausbringen oder justTRADE oder wer auch immer könnte das auch machen.

Aber die Federal Reserve, die Notenbank, nicht. Also die ist da außen vor.

Michael: Ja, das ist in der Tat spannend. Jetzt hast du eben schon angesprochen, dass es da diese Vorgaben gibt, ne? Reservevorgaben, Transparenz, dann diese Anti-Geldwäschemaßnahmen.

Wie streng schätzt du die ein im internationalen Vergleich? Also haben die Amerikaner da die Latte hochgelegt oder ist es eher so ein bisschen lascher?

Sascha: Ich würde eigentlich sagen, das ist internationaler Standard. Also man muss halt wissen, wer der Kunde ist. Know Your Customer. Das heißt, da müssen Ausweise und so geprüft werden, wie Banken das halt auch machen, wenn man ein Konto eröffnet.

Und Anti-Money-Laundering, dass halt da keine Geldwäsche betrieben wird. Also, ich würde jetzt nicht sagen, dass die da lascher sind als andere, aber ich würde auch nicht sagen, dass sie strenger sind als andere, sondern das sind halt international geltende Regeln und die sind da eigentlich auch gültig, sage ich mal.

Chancen und Risiken des Genius Act

Michael: Okay. Und wenn man so, sagen wir mal, sich das in der Presse verfolgt, dann ist es ja so ein bisschen das Thema, dass die Befürworter sagen, das Gesetz bringt irgendwie mehr Klarheit und Verbraucherschutz, ne?

Kritiker warnen so ein bisschen vor möglichen Interessenkonflikten oder schwächeren Regeln. Ich meine, ich denke gerade, weil du ja auch gesagt hast, die Fed darf das gar nicht selber rausbringen, sondern immer privatwirtschaftlich.

Da stellt sich natürlich so ein bisschen die Frage: Hätte Trump ja fast selbst ein Stablecoin rausbringen können, ne?

Wie siehst du das? Sind da eher Chancen oder sind da eher Risiken?

Sascha: Na ja, also du hast das schon gut erkannt. Donald Trump selbst zwar nicht, weil er als Präsident wahrscheinlich dann auch Probleme hätte in Sachen, dass er halt da Interessenkonflikte hat.

Aber tatsächlich gibt's eine Firma, die von einem seiner Söhne geleitet wird, die einen solchen Stablecoin schon auf den Markt gebracht hat. Also, der wird abgekürzt mit USD1.

Ist natürlich noch sehr klein, weil er erst vor wenigen Wochen quasi gestartet ist. Aber du hast das, wie gesagt, schon richtig erkannt. Das kann quasi jeder machen.

Und Donald Trump zwar nicht er selbst als Person, aber aus seinem Umfeld, die haben das schon gemacht.

Und tatsächlich gibt's auch jetzt immer mehr Unternehmen, die sich dafür interessieren. Es gab kürzlich das Gerücht, dass Amazon zum Beispiel so einen Coin rausbringen möchte, dass Walmart so einen Stablecoin rausbringen könnte.

Hintergrund wäre hier natürlich, dass man dann in Zukunft gerade bei Amazon, bei Walmart vielleicht weniger, weil es da ja um stationäres Geschäft geht, aber bei Amazon, dass man dann quasi das alles digital abwickeln könnte, aber ohne eben auf Kreditkarten oder PayPal oder so etwas zurückgreifen zu müssen.

Ja, und von daher ist das durchaus möglich. Man muss dann aber immer schauen. Es wäre natürlich auch blöd, sage ich mal, wenn es jetzt einen Amazon Coin gäbe, der halt nur bei Amazon funktioniert.

Deswegen müsste man halt schon schauen, dass man das irgendwie breiter in den Markt bringt. Und deswegen gibt's auch immer wieder Gerüchte, dass solche Firmen wie eben Tether oder insbesondere Circle so etwas für Amazon abwickeln könnten.

Dann würde das Ding bei Amazon Amazon Coin heißen, wäre aber gleichzeitig quasi, wenn ich bei einer anderen Plattform kaufe, wäre es ja auch gültig und würde da vielleicht dann halt anders heißen. Also, es würde nur eine Namensänderung quasi erfolgen.

Das ist durchaus spannend und könnte natürlich gerade für diese digitalen Payment-Anbieter, PayPal, aber auch die Kreditkartenanbieter Mastercard, Visa und so weiter, American Express, könnte das ein Problem werden.

Auf der anderen Seite sind die natürlich auch nicht dumm und schlafen nicht. Und zum Beispiel American Express hat schon eine Kooperation, die wollen jetzt in Zukunft eine Kreditkarte herausbringen in Kooperation mit Circle.

Und es war noch jemand, weiß ich, habe ich jetzt vergessen, es waren drei Unternehmen, und die wollen jetzt im Laufe dieses Jahres eine entsprechende American-Express-Kreditkarte rausbringen.

Und damit die auch akzeptiert wird, soll es dann auch entsprechend schöne Kickbacks geben. Das heißt, die Stablecoin-Anbieter verdienen ja 4,4 Prozent und wenn die zum Beispiel dann etwas davon abgeben würden, hätten sie immer noch einen gewissen Gewinn und der Kunde wäre auch zufrieden aufgrund dieses Kickbacks.

Also, das könnte durchaus interessant werden, aber ist natürlich alles jetzt noch im sehr frühen Stadium. Zum Teil weiß man auch nicht, ob das dann am Ende überhaupt passiert.

Also, es gibt diese Gerüchte. Ob das dann kommt, muss man abwarten. Aber es bestehen da durchaus Möglichkeiten, das ganze Finanzsystem und den ganzen Payment-Markt dazu zu disruptieren, sage ich mal.

Die Rolle des Lobbyismus

Michael: Mhm. Jetzt hast du ja US-Präsident Trump schon angesprochen und der ja mittlerweile seine Nähe zur Kryptoindustrie, was ja vorher noch nicht so war, jetzt aber schon.

Und das wurde ja im Gesetzgebungsprozess auch mitdiskutiert. Wie groß ist denn der Einfluss von Lobbyismus und persönlichen Interessen bei diesem Gesetz?

Sascha: Ja, also der Einfluss von Lobbyismus, der lässt sich da nicht wegdiskutieren.

Trump hat halt – man muss sagen, man kann ihn ja sehen, wie man will, politisch, positiv, negativ – aber er hat halt eine Gabe, Trends aufzugreifen.

Also, er hat zum Beispiel damals gesehen, dass Migration ein Problem wirkt und hat dann dementsprechend polarisierend sich geäußert und hat dann viele Wähler dadurch gewonnen.

Und so war es dann auch mit den Kryptos. Er hat halt gesehen, viele Amerikaner investieren in Krypto, der halbe Kongress hat quasi Krypto, also diese ganzen Abgeordneten auch, obwohl sie sich teilweise dann öffentlich neutral geäußert haben oder so.

Aber im Prinzip haben sie selber da in Bitcoin und so investiert.

Es war auch so, dass bei der Wahl von beiden, da war zum Beispiel der Gründer von FTX, der heute im Knast sitzt, der war einer der größten Spender von Joe Biden damals. Und deswegen war Biden zunächst auch kryptofreundlich und erst nach dieser FTX-Pleite ist man da restriktiver geworden.

Und Trump hat das dann aufgegriffen, hat gesehen, ja, die Demokraten sind jetzt restriktiver in der Beziehung und hat sich dann dem Ganzen geöffnet und hat sich dann schon im Wahlkampf als Kryptopräsident geäußert und er liebt Bitcoin und überhaupt.

Und da gab's natürlich Einflüsse.

Und das hat sich natürlich dann auch später umgedreht. Als er dann in Amt und Würden war, ist er jetzt noch nicht so lange, vier Monate, viereinhalb Monate, hat er dann an die entsprechenden Stellen auch Leute gesetzt, die eher pro Krypto waren.

Also zum Beispiel der neue Chef der Aufsichtsbehörde in den USA, also dem Gegenstück der BaFin, der SEC. Das ist dann eher ein Pro-Krypto-Mann jetzt.

Und andere Behörden wurden dann auch so ausgestattet, wie soll man sagen, mit Pro-Krypto-Leuten, zum Beispiel David Sacks, sein Kryptozar, wie er das nennt.

Ja, und das hat dann natürlich auch dazu geführt, dass die Gesetze in die entsprechende Richtung entwickelt wurden.

Natürlich unterliegen die Leute an diesen Positionen trotzdem den grundsätzlichen Gesetzen in den USA. Das heißt, die können jetzt nicht irgendwie sagen, ja, wir schaffen den Dollar ab und machen jetzt eine neue Währung oder so.

Aber sie haben halt schon die Möglichkeit, so einen Stablecoin in ihrem Sinne auszugestalten. Zum Beispiel, dass die Federal Reserve dann eben nicht in dieser Richtung etwas entwickeln darf.

Und das haben sie halt dann auch genutzt, diese Macht, die sie da haben, und das in die Richtung gelenkt, die sie gerne hätten und die Trump aber wohl auch gerne hätte, weil er hätte ja sonst die Leute nicht an diese Stellen gesetzt.

Internationale Reaktionen

Michael: Jetzt, wenn wir mal auf uns schauen oder auf andere wichtige Kryptomärkte: Welche Signalwirkung hat denn der Genius Act aus deiner Sicht und wird das eher als Vorbild betrachtet oder kritisch? Und gibt es da auch schon Reaktionen aus der internationalen Kryptocommunity oder von Regulierungsbehörden anderer Länder?

Sascha: Ja, das ist ganz unterschiedlich. Also in der Crypto Community selbst gilt das natürlich als vorbildlich und am besten macht das jeder so oder so ähnlich, weil Krypto dann natürlich auch in der Masse halt ankommt durch so etwas.

Wenn man so Stablecoins hat, dann ist man ja schon im Kryptomarkt quasi drin und mit Stablecoins lassen sich ja dann auch andere Kryptos kaufen und so weiter und so fort.

International wird das dann unterschiedlich gesehen. Also eher linke Parteien, sage ich mal, sind sehr kritisch. Die sagen, der Staat gibt damit quasi die Hoheit über das Geld auf.

Es gibt ja auch Kritiker, die sagen, dass im Prinzip eine gewisse Entmachtung der Federal Reserve dadurch gegeben ist, dass sie eben auch keinen eigenen Stablecoin rausbringen darf, sondern das halt wirklich nur die Privatwirtschaft dann in dem Fall machen darf.

Das heißt, eher linke Parteien, sage ich mal, eher so staatstreue, staatsgläubige, man sieht ja auch China, wie gesagt, die kommunistisch regiert sind, die überhaupt nichts privat zulassen, sondern das in die Hände ihrer Notenbank gegeben haben. Die sind natürlich sehr kritisch.

Und die andere Seite, ich möchte jetzt nicht rechts dazu sagen, aber so liberal oder libertär, die sind natürlich hellauf begeistert und sagen, das sollte eigentlich jeder so oder so ähnlich zumindest machen.

Und Europa befindet sich dann quasi so in der Mitte, muss man sagen. Also auf der einen Seite möchten sie nicht so wie die Amerikaner quasi das alles freigeben und das nur privatwirtschaftlich regeln lassen.

Es gibt auch eher linkere Staaten in Europa, wie zum Beispiel Frankreich, die da definitiv auch bremsen in der EU. Und es gibt dann natürlich auch andere, die liberaler, libertärer sind, die da mehr machen gerne würden.

Und dann hat man in Europa halt so ein Mittelding.

Das heißt, wir haben jetzt mit MiCA auch eine gewisse Kryptoregulierung, aber die ist nicht so kryptofreundlich wie in den USA, allerdings auch nicht so kryptofeindlich wie zum Beispiel in China. Das muss man schon so ganz klar sagen.

Was bedeutet der Genius Act für den Kryptomarkt?

Michael: Was glaubst du denn, wie sich der Kryptomarkt durch den Genius Act verändern wird? Also hast du da irgendwie eine Prognose? Also befeuert das eher den Kryptomarkt oder siehst du da eher Risiken? Hast du da irgendwie eine Idee?

Sascha: Also, in der Vergangenheit war es oft so, dass Leute behauptet haben, der Bitcoin-Preis würde durch Stablecoins, insbesondere Tether, manipuliert und als Beweis haben sie dann herangeführt: Wenn der Bitcoin steigt, dann steigt auch die Market Cap von Tether.

Das ist natürlich auch ein bisschen ein schräger Beweis, denn wenn natürlich der Kurs steigt, dann muss auch mehr Geld reinfließen und dann fließt wahrscheinlich auch mehr über Stablecoins in den Markt.

Und damals gab es ja auch fast nur Tether, also dass das so eine gewisse Abhängigkeit voneinander hatte, war eigentlich logisch. Und aus meiner Sicht jetzt nicht unbedingt ein Beweis dafür, dass der Kurs da manipuliert wurde, sondern man konnte da höchstens sehen, dass, wenn die Nachfrage nach Tether gestiegen ist, wahrscheinlich auch die Nachfrage nach Bitcoin gestiegen ist.

Und da das Angebot begrenzt ist, ist der Kurs halt gestiegen.

Generell glaube ich aber, dass das schon sehr wichtig ist, was die Amerikaner machen. Sie öffnen damit den Markt komplett. Wie gesagt, die Notenbank bleibt ja außen vor.

Jetzt können sich private Unternehmen da austoben. Und generell in der Vergangenheit war es immer so, man hat das zum Beispiel in Deutschland ja am Telekommunikationsmarkt gesehen.

Früher hatten wir die Bundespost und dann wurde die aufgesplittet in die Deutsche Post, DHL, Deutsche Telekom und mit der Deutschen Telekom, mit dem Wettbewerb, der da entstanden ist, sind dann die Telefonkosten deutlich gesunken.

Also ich erinnere mich noch in meiner Kindheit, Jugend, wenn ich da nach Amerika telefoniert habe, hat das irgendwie 3,80 Mark die Minute gekostet.

Da waren wir nach 20 Minuten, war es Taschengeld weg, so ungefähr.

Und heute, klar, es gibt auch technische Entwicklungen wie zum Beispiel Skype, was jetzt eingestellt wurde, oder anderes, wo natürlich das auch günstiger geworden ist. Aber generell kann man heute auch günstiger in die USA telefonieren als früher.

Das heißt, so ein privater Markt öffnet natürlich, ja, ist für alle offen, da gibt's dann Konkurrenz und da setzt sich am Ende in der Regel der Beste durch.

Also insofern glaube ich, dass das schon gut ist. Aus meiner Sicht sollte Europa etwas mutiger sein und mehr den Amerikanern in der Richtung folgen.

Ich kann gewisse Bedenken, insbesondere die EZB äußert auch da Bedenken, durchaus nachvollziehen, weil, wie gesagt, eine gewisse Entmachtung der Federal Reserve ist da durchaus gegeben.

Aber man kann ja auch mal fragen, ob die Notenbanken in den letzten Jahren, Jahrzehnten auch immer alles richtig gemacht haben und ob es vielleicht auch nicht ganz so verkehrt ist, wenn die Notenbanken ein bisschen weniger Macht haben.

Aber gut, das sind dann alles politische Diskussionen oder Konkurrenzfragen, aber das sind dann halt auch alles Diskussionen, die gehen dann sehr ins Politische.

Also jemand, der weit links steht und der gerne möchte, dass der Staat alles für ihn regelt, der wird natürlich mir da widersprechen.

Ich hingegen komme eher aus der libertären Ecke, sonst hätte ich ja nicht so früh Bitcoin gekauft.

Das heißt, das ist dann halt ja Marx gegen Huber, um den Anfang noch mal aufzugreifen.

Und ja, das ist dann, wie gesagt, das muss man dann eben ausdiskutieren, am Ende Kompromisse finden.

Die Amerikaner haben halt sehr stark in Richtung liberal, libertär sich entschieden. Das ist jetzt aber auch keine besondere Überraschung, weil die Amerikaner sind halt auch kapitalistischer als Europa.

Also, sie haben ja auch nicht so ein Sozialversicherungssystem wie wir. Und ja, von daher war das jetzt keine Überraschung, aber meines Erachtens sollte man tatsächlich mehr dieser Linie folgen.

Auch wenn man sich anschaut, was Milei in Argentinien geschafft hat mit so einem sehr libertären, liberalen Kurs, wo er auch erst große Kritik für bekommen hat, aber wo mittlerweile die Inflation stark zurückgeht, wo der Staat dann erstmals wieder seit Jahrzehnten Haushaltsüberschüsse hat, wo Argentinien in den letzten Jahrzehnten ja eher für Staatspleiten bekannt war.

Dann kann die Politik aus meiner Sicht nicht ganz so falsch sein.

Und man sollte vielleicht dem Markt und Unternehmen und Privatleuten mehr selbst zutrauen und nicht so viel durch den Staat regeln.

Aber gut, das ist, wie gesagt, meine Meinung. Das kann man natürlich auch anders sehen.

Und ja, also es bleibt auf jeden Fall total spannend und ich bin echt gespannt, was noch so kommt.

Wo kann man Sascha Huber folgen?

Michael: Vielleicht zum Abschluss noch: Kannst du noch mal ein bisschen erläutern, wenn jetzt Zuhörer mehr von dir erfahren wollen, noch mal, wo finden sie dich? Wir würden das dann auch in den Shownotes veröffentlichen. Vielleicht kannst du da einfach noch mal sagen, wo kriegt man dich am einfachsten?

Wahrscheinlich TikTok oder Insta oder hier stock3. Also einfach noch mal vielleicht erklären. Mach mal ein bisschen Eigenwerbung.

Sascha: Ja, okay. Also, ich habe mehrere Kanäle. Ich habe zum Beispiel jeden Montag einen Podcast, der über Podigee, aber auch verschiedene andere Plattformen wie Spotify und so weiter läuft.

Aber am wichtigsten ist mir derzeit auch mein YouTube-Kanal. Man muss dazu sagen, ich beschäftige mich da auch nicht nur mit Kryptos, sondern auch mit Aktien, hauptsächlich Technologieaktien, was zum Teil aber auch so ineinander übergeht.

Zum Beispiel hatte ich ja eben die Firma Circle erwähnt, die so ein Stablecoin-Emittent ist, und die sind jetzt vor wenigen Tagen, also ist noch keine zwei Wochen, glaube ich, hier an die Börse gegangen.

Die Aktie hat sich dann in der Spitze, glaube ich, verachtfacht, ist jetzt aber auch wieder stark zurückgekommen. Und da, wie gesagt, das geht dann auch so ein bisschen ineinander über zum Teil.

Wobei ich tatsächlich sage: Wer in Krypto investieren möchte, sollte selbst Krypto kaufen und nicht unbedingt solche Aktien und da diesen Umweg wählen.

Aber nichtsdestotrotz, wie gesagt, mit Tech-Aktien beschäftige ich mich auch.

Ja, und der YouTube-Kanal ist mir da am wichtigsten. Der hat jetzt die 9.000-Abonnenten-Marke geknackt.

Michael: Vielleicht schaffen wir dann die 10.000.

Sascha: Und ansonsten natürlich bei stock3 schreibe ich hin und wieder mal einen Artikel, aber habe da natürlich auch meinen freien Stream, wo man kostenlos mir folgen kann, und natürlich dann die kostenpflichtigen Services.

Das ist einmal der Tech-Aktien- und Crypto-Trading-Service und dann habe ich noch einen Börsenbrief. Der richtet sich eher an längerfristige Anleger.

Da geht's dann auch nicht nur um Tech-Aktien, sondern um Aktien allgemein, aber dafür gar keine Kryptos.

Und in diesem Börsenbrief, wie gesagt, ist die Ausrichtung dann längerfristig, wohingegen der Tech-Service natürlich eher, ja, sagen wir mal, kurz- bis mittelfristig ausgerichtet ist. Da steckt ja auch das Wort Trading schon im Namen.

Und ja, das sind so die Angebote, die man von mir finden dürfte.

Verabschiedung

Michael: Top. Ja, werden wir verlinken. Und ja, dann würde ich sagen, Sascha, super, vielen Dank. Es wird sicherlich nicht das letzte Mal sein, dass wir dich anklingeln, wenn wir Kryptosupport brauchen.

Wie immer, vielen Dank und bis zum nächsten Mal.

Sascha: Ja, vielen Dank für die Einladung. Hat wie immer sehr viel Spaß gemacht und dann wünsche ich allen, die hier zugehört haben, natürlich viel Erfolg, sowohl an der Börse oder auch mit den Kryptos.

Und ich glaube, dass wir gegen Jahresende, spätestens gegen Jahresende, eine schöne Kryptorally sehen. Das heißt, jetzt so langsam sollte man sich auch darauf vorbereiten.

Michael: Vielen Dank. Tschüss.

Sascha: Ciao.

Michael: Ciao.

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Dieser Beitrag dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Kapitalanlagen unterliegen Wertschwankungen und allgemeinen Kapitalmarktrisiken. Der Wert einer Anlage kann steigen oder fallen; Verluste bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals sind möglich.