Quartalszahlen im Check: Rekordgewinne treffen auf hohe Erwartungen

Die Berichtssaison für das zweite Quartal 2026 neigt sich dem Ende zu und die Bilanz kann sich sehen lassen. Insbesondere in den USA überraschten zahlreiche Unternehmen und übertrafen die Erwartungen der Analysten. Aber auch DAX-Konzerne berichten in Summe Rekordzahlen. Doch der Blick unter die Oberfläche zeigt ein differenziertes Bild: Nicht alle Branchen profitieren gleichermaßen. Während KI, Energie und Finanzwerte für kräftiges Wachstum sorgen, bleibt die Lage etwa in der deutschen Autoindustrie angespannt.
Was ist also von der aktuellen Berichtssaison zu halten und was können Anleger aus den Zahlen mitnehmen?
US-Unternehmen übertreffen die Erwartungen deutlich
Beginnen wir mit dem großen Bild. Bereits Anfang August hatten 88% der im S&P 500 vertretenen Unternehmen ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Davon übertrumpften 86 Prozent die Gewinnerwartungen der Analysten. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre lag diese Quote bei 78 Prozent.1
Noch eindrucksvoller scheint auf den ersten Blick das Gewinnwachstum. Laut FactSet liegt das kombinierte Wachstum gegenüber dem Vorjahresquartal bei rund 50 Prozent – der höchste Wert seit dem zweiten Quartal 2021.1
Ganz so außergewöhnlich ist die Entwicklung allerdings nicht. Allein Alphabet und Amazon tragen aufgrund hoher Bewertungsgewinne auf Beteiligungen erheblich zu diesem Ergebnis bei. Würde man beide Unternehmen herausrechnen, läge das Gewinnwachstum des S&P 500 nur noch bei rund 32 Prozent, was immer noch ein hoher Wert ist.
Aber nicht nur die Gewinne wachsen. Auch die Umsätze der S&P-500-Unternehmen legten im zweiten Quartal nach aktuellem Stand um rund 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Damit zeichnet sich das stärkste Umsatzwachstum seit Ende 2021 ab.2
Kurz gesagt: Die US-Unternehmen liefern, und zwar nicht nur auf dem Papier.
KI bleibt der große Wachstumstreiber
Die Rolle von KI wird besonders deutlich bei den großen Technologiekonzernen. Während Anleger sich seit mehreren Quartalen fragen, ob die milliardenschweren Investitionen in künstliche Intelligenz irgendwann fruchten, liefern die aktuellen Zahlen zumindest weitere Argumente für die Optimisten.
Microsoft erzielte im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 90 Milliarden US-Dollar – 18 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der operative Gewinn wuchs um 18 Prozent auf 40,6 Milliarden US-Dollar. Microsoft weisen dabei insbesondere auf die Stärke seines Cloud- und KI-Geschäfts hin.3
Auch Alphabet legte kräftig zu. Der Umsatz des Google-Mutterkonzerns stieg im zweiten Quartal um 24 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich Google Cloud. Gleichzeitig investiert Alphabet weiter massiv in Rechenzentren und die Infrastruktur für künstliche Intelligenz.4
Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Meta-Konzern, welcher seinen Quartalsumsatz um 28 Prozent auf 60,8 Milliarden US-Dollar steigerte und gleichzeitig seine Investitionen in KI-Infrastruktur weiter nach oben trieb.5
Hinter diesen Zahlen verbirgt sich daher mehr als nur ein weiteres starkes Quartal für Technologieunternehmen. Die Wette auf KI wird immer kostspieliger. Gleichzeitig haben diese Unternehmen bislang das Wachstum erzielt, das erforderlich ist, um die enormen Investitionen zumindest teilweise zu rechtfertigen.
Für Investoren legt dies jedoch auch die Messlatte höher. Je höher die Investitionen und Bewertungen sind, desto größer ist der Druck, langfristig entsprechende Ergebnisse zu liefern.
Hohe Gewinne treffen auf hohe Bewertungen
Denn trotz der starken Zahlen sind Aktien nicht automatisch günstig geworden.
Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 für die kommenden zwölf Monate lag Anfang August bei rund 20. Damit bewegt sich die Bewertung leicht oberhalb des Fünfjahresdurchschnitts und deutlicher über dem Zehnjahresdurchschnitt.1
Die gute Nachricht: Das Gewinnwachstum liefert durchaus Argumente für die gestiegenen Kurse. Gleichzeitig hat der Markt einen Teil dieser Entwicklung bereits eingepreist.
Das zeigt sich auch an den Erwartungen für die kommenden Quartale. Analysten rechnen laut FactSet für das dritte und vierte Quartal mit weiterhin kräftigem Gewinnwachstum. Auch für das Gesamtjahr 2026 bleiben die Erwartungen hoch.1
Unternehmen müssen also nicht nur gute Zahlen liefern. Sie müssen zunehmend sehr gute Zahlen liefern.
DAX mit Rekordquartal, aber nicht überall herrscht Rekordstimmung
Auch aus Deutschland kommen auf den ersten Blick beeindruckende Zahlen.
Die DAX-Konzerne erzielten im zweiten Quartal zusammen einen operativen Gewinn von 52,6 Milliarden Euro. Das waren 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und zugleich ein neuer Rekord für ein zweites Quartal. Auch der Gesamtumsatz erreichte mit rund 463 Milliarden Euro einen neuen Höchststand.6
Allerdings lohnt auch hier der zweite Blick.
Ein wesentlicher Teil des Wachstums stammt aus Branchen, die aktuell von besonderen Rahmenbedingungen profitieren. Dazu gehören unter anderem Rüstung, KI- und Energieinfrastruktur sowie die Finanzbranche. Rheinmetall beispielsweise verzeichnete laut EY mit 69 Prozent das stärkste Umsatzwachstum unter den untersuchten DAX-Konzernen. Die Finanzbranche steigerte ihren kumulierten operativen Gewinn auf den Rekordwert von 13,5 Milliarden Euro.6
Auf der anderen Seite steht die deutsche Automobilindustrie. Die im DAX vertretenen Autokonzerne verbuchten im zweiten Quartal 1,2 Prozent weniger Umsatz und einen Rückgang beim Gewinn um zwölf Prozent. Bei BMW sank der Gewinn sogar um 39 Prozent.6
Damit erzählt die Berichtssaison in Deutschland eine etwas andere Geschichte, als die Rekordzahlen zunächst vermuten lassen. Einige Branchen laufen ausgesprochen gut, während strukturelle Probleme in anderen Bereichen bestehen bleiben.
Auch am Arbeitsmarkt hinterlässt das Spuren. Die Zahl der Beschäftigten bei den DAX-Konzernen lag Ende Juni bei rund 3,49 Millionen. Das waren etwa 41.000 weniger als ein Jahr zuvor.6
Gute Zahlen allein reichen nicht immer
Eine weitere Erkenntnis dieser Berichtssaison betrifft weniger die Unternehmen selbst als die Reaktion der Börse.
In einem Markt mit hohen Erwartungen reicht es nicht zwangsläufig, Umsatz und Gewinn zu steigern oder die Prognosen der Analysten knapp zu übertreffen. Entscheidend ist zunehmend der Ausblick: Wie entwickelt sich das Geschäft in den kommenden Quartalen? Wie hoch werden die Investitionen? Und kann das Wachstum mit den Erwartungen der Anleger Schritt halten?
Ein aktuelles Beispiel liefert Walmart. Der US-Einzelhandelsriese steigerte seinen Quartalsumsatz um 5,9 Prozent auf 187,9 Milliarden US-Dollar. Das weltweite E-Commerce-Geschäft wuchs um 23 Prozent und Walmart hob zudem seinen Ausblick für das Gesamtjahr an.7 Dennoch zeigte die erste Reaktion der Börse, dass selbst solide Zahlen nicht zwangsläufig für Begeisterung sorgen, wenn die Erwartungen bereits entsprechend hoch sind.
Das gilt insbesondere für hoch bewertete Technologieunternehmen, lässt sich aber längst nicht mehr auf diesen Bereich beschränken.
Für Anleger ist deshalb nicht nur entscheidend, ob ein Unternehmen wächst, sondern auch, welches Wachstum der Aktienkurs bereits voraussetzt.
Was bleibt von der Berichtssaison?
Unterm Strich fällt das Fazit zur Berichtssaison überraschend positiv aus.
Die Gewinne der US-Unternehmen wachsen kräftig, die Umsätze steigen und deutlich mehr Unternehmen als üblich übertreffen die Erwartungen. Gleichzeitig zeigt sich bei den großen Technologiekonzernen, dass der KI-Boom zunehmend auch in den Geschäftszahlen sichtbar wird.
In Deutschland sorgen die DAX-Konzerne ebenfalls für Rekorde. Allerdings verteilt sich die Stärke sehr ungleich. Während einzelne Branchen von KI, Infrastruktur und besonderen Marktbedingungen profitieren, bleibt vor allem die Lage der Autoindustrie schwierig.
Für Anleger entsteht daraus ein interessantes Spannungsfeld: Die fundamentalen Zahlen liefern derzeit gute Argumente für die Aktienmärkte. Gleichzeitig sind die Erwartungen hoch und damit wird die Luft für Enttäuschungen dünner.
Die Berichtssaison zeigt deshalb vor allem eines: Bulle und Bär haben weiterhin gute Argumente. Entscheidend dürfte sein, ob die Unternehmen das hohe Gewinnwachstum auch in den kommenden Quartalen bestätigen können.
- John Butters (2026): S&P 500 Earnings Season Update: August 7, 2026. FactSet.
https://insight.factset.com/sp-500-earnings-season-update-august-7-2026 - John Butters (2026): S&P 500 Reporting Highest Revenue Growth Since Q4 2021. FactSet.
https://insight.factset.com/sp-500-reporting-highest-revenue-growth-since-q4-2021 - Microsoft (2026): Microsoft Cloud and AI strength fuels fourth quarter results.
https://news.microsoft.com/source/2026/07/29/microsoft-cloud-and-ai-strength-fuels-fourth-quarter-results-4/ - Alphabet (2026): Q2 2026 Earnings.
https://abc.xyz/investor/events/event-details/2026/2026-Q2-Earnings-Call-2026-GgTAq7Is0z/default.aspx - Meta (2026): Meta Reports Second Quarter 2026 Results.
https://investor.atmeta.com/investor-news/press-release-details/2026/Meta-Reports-Second-Quarter-2026-Results/ - EY (2026): DAX-Konzerne mit Rekordgewinn im zweiten Quartal 2026.
https://www.ey.com/de_de/newsroom/2026/08/ey-analyse-dax40-q2-2026 - Walmart (2026): Walmart Releases Q2 FY27 Earnings.
https://stock.walmart.com/financials/quarterly-results/default.aspx
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