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USA-Grönland-Streit verschärft Zoll-Konflikt: Warum politische Spannungen die Märkte belasten

22.01.2026

Der Streit um Grönland hat sich innerhalb weniger Tage von einer geopolitischen Randnotiz zu einem relevanten Risiko für Politik und Finanzmärkte entwickelt. Auslöser sind neue Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump gegen europäische Staaten, die sich klar auf die Seite Dänemarks gestellt haben. Damit kehrt die Angst vor einem eskalierenden Handelskonflikt zwischen den USA und der EU zurück – mit spürbaren Folgen für Aktienmärkte, Währungen und Rohstoffe. Besonders exportabhängige Indizes wie der DAX reagieren sensibel auf die wachsende Unsicherheit, während Anleger erneut politische Entscheidungen als kurzfristigen Markttreiber einpreisen.

Der Konflikt im Überblick: USA, EU und Grönland

Grönland gehört völkerrechtlich zum Königreich Dänemark, besitzt seit 2009 Autonomierechte und zählt rund 56.000 Einwohner. Aufgrund seiner Lage zwischen Nordamerika und Europa ist die Insel strategisch relevant. Seit 1951 haben die USA über ein Verteidigungsabkommen mit Dänemark weitreichende militärische Nutzungsrechte, unter anderem auf der Pituffik Space Base.

US-Präsident Donald Trump begründete seinen Kurs mit nationalen Sicherheitsinteressen und drohte den europäischen Staaten im Grönland-Streit mit zusätzlichen Zöllen. Geplant sind 10 Prozent Einfuhrzoll, ab Juni bis zu 25 Prozent, unter anderem auf Waren aus Deutschland, Dänemark und Frankreich. Die Maßnahmen dienen primär als politisches Druckmittel.

Die EU weist das Vorgehen geschlossen zurück und prüft Gegenmaßnahmen bis zu 93 Milliarden Euro, darunter Gegenzölle und den Einsatz des Anti-Coercion-Instruments.

Status quo & politische Reaktionen

Eine Einigung zwischen den europäischen Ländern, allen voran Dänemark, gibt es bislang nicht. Gespräche am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos gelten als mögliche Deeskalationschance, konkrete Ergebnisse stehen jedoch aus. Die EU signalisiert Dialogbereitschaft, lehnt aber Zugeständnisse unter Zollandrohungen ab.

Auch in den USA ist Trumps Kurs umstritten. Mehrere republikanische Abgeordnete kritisieren die Eskalation gegenüber NATO-Partnern, zudem prüft der Oberste Gerichtshof, ob die angekündigten Zölle rechtlich auf Notstandsbefugnissen beruhen dürfen. Ein Urteil könnte den weiteren Handlungsspielraum der US-Regierung begrenzen.

Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Die Ankündigung neuer US-Zölle hat die Finanzmärkte unmittelbar belastet. Der DAX verlor zum Wochenstart der KW03 zeitweise rund 1,3 Prozent und rutschte unter die Marke von 25.000 Punkten. Anleger preisten damit erneut das Risiko eines eskalierenden Handelskonflikts zwischen den USA und der EU ein, zumal die US-Börsen wegen eines Feiertags zunächst geschlossen waren und die vollständige Marktreaktion zeitverzögert erwartet wurde.

Besonders unter Druck geraten exportabhängige Branchen wie Automobil- und Industriewerte. Zugleich zeigt sich jedoch eine strukturelle Abhängigkeit der USA von europäischen Herstellern: Im Interview mit dem Handelsblatt betont der Ökonom Jens Südekum, dass die Vereinigten Staaten bei zentralen Industrieprojekten – insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau – auf europäische Anbieter angewiesen sind, etwa bei Großturbinen und Energietechnik. Diese gegenseitigen Abhängigkeiten begrenzen den wirtschaftlichen Spielraum eines langfristigen Zollkonflikts.

Gleichzeitig verzeichneten sogenannte „sichere Anlagen“ starke Geldflüsse. Der Goldpreis näherte sich erneut seinem Rekordniveau, während der Schweizer Franken aufwertete – ein klares Zeichen erhöhter Risikoaversion. Ökonomen schätzen, dass selbst zusätzliche US-Zölle das Wirtschaftswachstum der Eurozone um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte dämpfen könnten. Damit gelten die wirtschaftlichen Effekte als spürbar, aber nicht systemisch – entscheidend bleibt, ob politischen Drohungen konkrete Maßnahmen folgen.

Fazit: Politisches Risiko bleibt der zentrale Unsicherheitsfaktor

Der Streit um Grönland hat sich von einer geopolitischen Debatte zu einem konkreten politischen Risikofaktor für die Finanzmärkte entwickelt. Zwar gelten die bislang angedrohten US-Zölle aus ökonomischer Sicht als verkraftbar, doch die Kombination aus sicherheitspolitischen Forderungen und handelspolitischem Druck erhöht die Unsicherheit für Unternehmen und Anleger deutlich.

Für die Märkte ist weniger die aktuelle Datenlage entscheidend als der weitere politische Verlauf. Sollte es bei Drohungen bleiben oder zu Verhandlungen kommen, dürfte die Belastung begrenzt bleiben. Eine tatsächliche Umsetzung der Zölle würde hingegen die Volatilität erhöhen und exportabhängige Märkte wie den DAX weiter unter Druck setzen.

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Michael B. Bußhaus