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Jahresendrallye ante portas

Noch immer nicht geschlossene Lieferketten, hohe Rohstoffpreise und wieder kräftig gestiegene Corona-Fallzahlen. Auf den ersten Blick spricht nicht allzu viel für einen stabilen Aktienmarkt. Dennoch präsentierten sich DAX, Dow Jones & Co. zuletzt recht robust. Und: Bis zum Jahresende könnten die Märkte durchaus noch immer ein wenig Luft nach oben haben.

Aktuelle Markteinschätzung von Michael B. Bußhaus, Gründer und Geschäftsführer von justTRADE

Die Nachricht, die am vergangenen Mittwoch über die Ticker lief, war so gar nicht nach dem Geschmack der Anleger. Die US-Inflationsrate stieg im Oktober überraschend stark um 6,2 Prozent – und somit auf den höchsten Stand seit 31 Jahren. Damit übertraf die Teuerungsrate in God‘s Own Country sogar noch ihr deutsches Pendant, die auf 4,5 Prozent und damit so hoch wie zuletzt im Oktober 1993 stieg. Ebenfalls für Beunruhigung sorgen unter anderem die weltweit unterbrochenen Lieferketten, das Tapering der US-Notenbank und die stark steigenden Corona-Fallzahlen.

Geldpolitik bleibt expansiv – trotz Tapering

An den Finanzmärkten werden diese Entwicklungen zwar nicht ignoriert. Aber: Offenbar vertrauen die Marktteilnehmer darauf, dass die Inflation sich bald abschwächt, die Lieferketten wieder zeitnah geschlossen werden und die Notenbanken nicht allzu kräftig die Zinszügel anziehen. Die Fed etwa hat zwar die Abkehr von der Nullzinspolitik eingeleitet; doch zum einen hat sie die geldpolitische Wende schon lange angekündigt und zum anderen sehr behutsam agiert. Statt künftig 120 Milliarden monatlich pumpt sie noch immer 105 Milliarden Dollar in den Markt. Und mit einem Zinsschritt der Fed ist wohl frühestens Mitte 2022 zu rechnen.

Von einer restriktiveren Geldpolitik kann in der Eurozone hingegen keine Rede sein. Aktuell ist nicht absehbar, wann die Europäische Zentralbank die geldpolitische Trendwende einläuten wird. Damit einhergehend ist auch eine Aufwertung des Euro eher unwahrscheinlich. Dies verteuert zwar Importe, doch unterm Strich wirkt eine schwächelnde Gemeinschaftswährung für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Deutschland eher unterstützend.

Wirtschaftsmotor könnte an Dynamik gewinnen

Das sehen offenbar auch die vom ZEW befragten Expertinnen und Experten von Banken, Versicherungen und Großunternehmen so. Schließlich verzeichnete der ZEW-Konjunkturindex im November gegenüber dem Vormonat ein Plus um 9,4 Punkte auf 31,7 Zähler. Zuvor war das Stimmungsbarometer fünfmal in Folge gefallen. Mut macht zudem der Blick auf das erste Quartal 2022, gehen die Ökonomen doch von einer Wachstumserholung sowie einem Rückgang der Inflationsrate in Deutschland und im Euro-Gebiet aus.

In dieses Szenario passt die 10. November vorgestellte Wachstumsprognose des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Die „Wirtschaftsweisen“ haben ihre Prognose für das laufende Jahr zwar wegen der Lieferkettenprobleme von 3,1 auf 2,7 Prozent gesenkt. Für 2022 rechnen sie aber mit einer Normalisierung der Nachfrage nach Dienstleistungen und der Industrieproduktion – und einem Wachstum von 4,6 Prozent.

Ein womöglich weiterer positiver Treiber: Europa kann sich mehr und mehr aus den Restriktionen der Corona-Pandemie befreien, wobei die Vereinigten Staaten offenbar schon einen Schritt weiter sind. Am US-Aktienmarkt überraschten bisher 82 Prozent der im S&P 500-Index gelisteten Unternehmen, die bereits ihre Zahlen vorgelegt haben, positiv. 67 Prozent der Firmen haben beim Umsatz besser als erwartet abgeschnitten. Einigen ist es sogar gelungen, ihre Margen weiter auszubauen.

Auch die Markttechnik stützt die Aktienmärkte

Gut möglich also, dass sich die Aktienmärkte diesseits und jenseits des Atlantiks zum Jahresende hin noch einmal von ihrer besten Seite zeigen, zumal auch technische Faktoren grünes Licht geben. Ende Oktober ergab sich ein Momentum-Kaufsignal: In den vergangenen 20 Jahren gab es neunmal Zeiträume, in denen der S&P 500-Index drei Wochen nacheinander und zudem sieben Tage nacheinander gestiegen war. In sämtlichen dieser neun Fälle stand das Marktbarometer drei Monate später im Schnitt um sechs Prozent höher. Dazu gesellt sich die positive Saisonalität: Das vierte Quartal ist im historischen Rückblick der mit Abstand stärkste Dreimonatszeitraum.